Gottfried Semper

Gottfried Semper

Gottfried Semper wurde am 29.11.1803 in Hamburg als fünftes von acht Kindern geboren. Sein Vater, Gottfried Emanuel Semper, war Wollfabrikant und Börsenhändler. Er hatte die Leitung der von der Mutter in die Ehe eingebrachten Altonaer Wollfabrik J.W.Paap gleich nach der Heirat übernommen. Aufgrund der französischen Besetzung Hamburgs zog die Familie 1806 nach Altona um. Aber auch hier wurde die Lage prekär, als Hamburg 1813 nach einer kurzen Befreiung wieder von den Franzosen erobert worden war. General Davout ließ die Stadt zur Festung ausbauen, um eine erneute Eroberung zu verhindern, und mitten im Winter alle Menschen vertreiben, die sich nicht auf sechs Monate verproviantieren konnten. Alle Armen mussten die Stadt verlassen, die meisten davon wurden in Altona aufgenommen. Eine der grausamen Folgen war eine Typhus-Epidemie, die im gleichen Winter ausbrach und die Schulen zu Leichenhäusern machte. Täglich wurden Leichenhaufen verbrannt.

Die Vertreibung der Armen aus Hamburg 1813

Gottfried wurde deshalb aus der Stadt geschickt, um seine schulische Ausbildung in Barmstedt fortzusetzen. Wahrscheinlich erschien den Eltern der Flecken im dänischen Holstein sicherer. Er ging hier nach Recherche seines Biografen Mallgrave zur Fleckenschule an der Kirche (S.12) und wurde von Pastor Mielck in Latein und Griechisch ausgebildet. Seine Briefe nach Hause ab 1818 zeigen laut seinem Biografen Mallgrave einen energischen und ernsthaften Schüler, verliebt in klassische Literatur, der seine Fortschritte mit Caesar, Cicero, Plutarch und Ovid beschrieb. Er blieb hier bis 1819, als er nach Hamburg zurückkehrte, um das Johanneum, das älteste und angesehenste Gymnasium, der Stadt zu besuchen. Hier fiel er auf durch besondere Leistungen in Griechisch und Latein. Er entwickelte aber zusätzlich ein besonderes Interesse für Mathematik.

Gottfried Semper 1837. Zeichnung Otto Speckter, Fotograf Martin Würker

Sein Abitur machte er 1823, danach studierte er in Göttingen einige Semester Mathematik und Geschichte und in München Architektur. Schon 1826 flüchtete er wegen einer Duellforderung nach Paris und arbeitete hier für zwei deutsche Architekten. Nach kurzem Intermezzo in Bremerhaven ging er zum Studieren nach Paris zurück und erlebte dort begeistert die Julirevolution von 1830. Er sympathisierte mit den Aufständischen und musste nach deren Scheitern überstürzt die Stadt verlassen. Die folgenden Jahre konnte er mit dem Studium der Antike in Italien und Griechenland verbringen und machte sich einen Namen durch den Nachweis, dass die Bauwerke der alten Griechen bunt bemalt gewesen seien. Seinen ersten eigenen Bau, ein privates Museum für antike Skulpturen, errichtete er in Altona für den Bankier Donner.1834 wurde er auf Empfehlung des damals berühmtesten klassizistischen Architekten Schinkel zum Professor der Baukunst nach Dresden berufen und lernte dort unter anderem Richard Wagner kennen. Er entwarf hier herausragende Gebäude wie die Dresdner Synagoge oder die Villa Rosa und legte hier Entwürfe für Großbauten vor, von denen das Königliche Hoftheater und die Gemäldegalerie verwirklicht wurden, allerdings zu einer Zeit, als er bereits aus Dresden geflüchtet war. Er hatte sich wie Richard Wagner an dem Dresdner Maiaufstand vom 3. Mai 1849 beteiligt, in dem der letzte Versuch gemacht wurde, die demokratischen und liberalen Errungenschaften der Märzrevolution von 1848 zu retten, nachdem es in Preußen und Rastatt bereits zum Sieg der Konterrevolution gekommen war. Er leitete den Barrikadenbau, musste aber beim Vorrücken der preußischen und sächsischen Truppen ohne seine Familie flüchten. Zunächst ging er nach Gent, dann nach Paris und schon 1851 nach London, um dort für Ägypten, Dänemark und Schweden deren Beteiligung an der Weltausstellung zu arrangieren.

Die von Semper 1839/40 entworfene Synagoge in Dresden, die 1938 in der „Reichskristallnacht“ in einer gezielten Aktion der Nazis abbrannte. Stahlstich von Louis Thümling

Er wurde nach dem Scheitern noch bis 1863 steckbrieflich als Haupträdelsführer gesucht, konnte aber nach London fliehen, wie viele andere Revolutionäre auch, weil hier ein sehr großzügiges liberales Asylrecht galt. Der berühmteste Flüchtling war Karl Marx, der hier sein Werk „Das Kapital“ schrieb. Semper erhielt in London 1852 einen Lehrauftrag, wurde aber auf Betreiben Wagners zum Professor auf Lebenszeit nach Zürich berufen.

Durch seine Bauten, aber auch durch theoretische Werke war er als Architekt so begehrt, dass er trotz seiner demokratischen Ansichten Aufträge für diverse Großbauten bekam, u.a. für das Dresdner Museum, das Palais Oppenheim, die Dresdner Synagoge und den Neubau des zweiten Dresdner Hoftheaters, der später sogenannten Semper-Oper. Er vertrat den Standpunkt: „Soll unsere Kunst den wahren Ausdruck unserer Zeit tragen, so muss sie den nothwendigen Zusammenhang der Gegenwart mit allen Jahrhunderten der Vergangenheit, von denen keines, auch nicht das entartete, vorüber gegangen ist, ohne einen unvertilgbaren Eindruck auf unsere Zustände zu hinterlassen, zu ahnen geben und mit Selbstbewusstsein und Unbefangenheit sich ihres reichen Stoffes bemächtigen.“ Er starb am 15. Mai 1879 in Rom.

Verfasser: Michael Theilig

Quellen

  • Harry Francis Mallgrave: Gottfried Semper: Architect of the Nineteenth Century, New Haven and London 1996
  • Constantin Lipsius: Gottfried Semper in seiner Bedeutung als Architekt, in: Festschrift zur Erinnerung an die Enthüllung des Semper-Denkmals in Dresden
  • Gottfried Semper: Über den Bau evangelischer Kirchen, Leipzig 1845

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