{"id":816,"date":"2021-04-11T14:12:18","date_gmt":"2021-04-11T14:12:18","guid":{"rendered":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=816"},"modified":"2021-04-11T14:12:59","modified_gmt":"2021-04-11T14:12:59","slug":"die-rantzauer-wassermuehle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=816","title":{"rendered":"Die Rantzauer Wasserm\u00fchle"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine M\u00fchle bei Barmstedt &#8211; wahrscheinlich die Wasserm\u00fchle &#8211; wurde 1140 erstmalig in einer Schenkungsurkunde des Bremer Erzbischofs erw\u00e4hnt. Es wird angenommen, dass sie schon bei der Anlage der Burg auf den Kr\u00fcckauinseln in der Zeit der Ritter von Barmstede existierte. Als eine zum Hof geh\u00f6rige M\u00fchle wurde sie dann in Schauenburgischer Zeit im Jahr 1582 benannt. Ein genaues Gr\u00fcndungsdatum der M\u00fchle ist zwar nicht bekannt, durch den Fund eines M\u00fchlenpfeilers kann das Gr\u00fcndungsdatum jedoch auf mindestens 1210 gesch\u00e4tzt werden. Die Wasserm\u00fchle wurde seit ihrer Gr\u00fcndung jedoch h\u00e4ufig neu- bzw. wieder aufgebaut, da eine M\u00fchle auf Grund der aufeinander sto\u00ad\u00dfenden M\u00fchlsteine in einem h\u00f6lzernen Geb\u00e4ude h\u00e4ufig Feuer fing oder abnutzte. Aus diesen Gr\u00fcnden hatte eine M\u00fchle nur eine \u201eLebensdauer\u201c von jeweils ca. 50 Jahren bis zum n\u00e4chsten Aufbau.<br>Geschichte der Wasserm\u00fchle<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Wasserm\u00fchle im Mittelalter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon im Mittelalter war die Wasserm\u00fchle eine wichtige Einnahmequelle f\u00fcr Ritter und F\u00fcrsten. Zun\u00e4chst geh\u00f6rte sie als Teil des Hofs (curtis) Barmitste (Barmstedt) dem Domkapitel in Hamburg, dann wahrscheinlich den Rittern von Barmstede, ab 1320 den Grafen von Schauenburg und von 1650 bis 1723 den Grafen zu Rantzau. Danach war sie bis 1863 im k\u00f6niglich-d\u00e4nischen Besitz, allerdings ab 1780 an die Familie Bornholdt verpachtet. Da das M\u00fchlenwesen lange Zeit ein Staatsmonopol war, gab es einen M\u00fchlenzwang, welcher besagte, dass jede M\u00fchle ihr eigenes Einzugsgebiet hatte und ein Bauer aus jenem Einzugsgebiet nur bei seiner Zwangsm\u00fchle Getreide mahlen lassen durfte, au\u00dfer\u00addem hatte die Zwangsm\u00fchle ein Vorrecht auf den alleinigen Mehlverkauf. Dadurch gab es f\u00fcr die Rantzauer Wasserm\u00fchle \u00fcber Jahrhunderte hinweg keinen Wettbewerb.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"880\" height=\"577\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-813\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle1.jpg 880w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle1-300x197.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle1-768x504.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 880px) 100vw, 880px\" \/><figcaption>Rantzauer Wasserm\u00fchle 1850<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dies war eine der H\u00fcrden auf dem Weg zur Industrialisierung im M\u00fchlenwesen von Barmstedt, da es durch die Monopolstellung im Einzugsgebiet und gleichbleibende Einnahmen keinen wesentlichen Grund zu einer Verbesserung der Mahltechnik gab. Erst durch die Verpachtung der M\u00fchle an die Familie Bornholdt im Jahr 1780 kam es zu ersten wesentlichen Ver\u00e4nderungen. Familie Bornholdt forderte eine Erweiterung der Rantzauer Wasserm\u00fchle in Form einer Windm\u00fchle. Dies wurde ihnen gestattet und somit entstand eine holl\u00e4ndische Windm\u00fchle auf dem heutigen \u201eGro\u00dfen Kamp\u201c, die ab dem 1. Mai 1843 in Betrieb genommen wurde. Diese wurde jedoch schon vier Jahre sp\u00e4ter wieder abgebaut, um einige Teile f\u00fcr den Umbau der Wasserm\u00fchlen\u00adr\u00e4der verwenden zu k\u00f6nnen. Durch diesen Umbau konnte die Wasserkraft besser genutzt werden, sodass bei jedem Mahlgang Wasser gespart werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Abschaffung des M\u00fchlenzwangs<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1854 wurde der M\u00fchlenzwang im ganzen d\u00e4nischen Reich abgeschafft. Dies war ein Tiefpunkt f\u00fcr die Rantzauer M\u00fchle, da viele Bauern zur Elmshorner M\u00fchle abwan\u00adderten, jedoch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Industrialisierung. Durch die Ab\u00adschaffung des M\u00fchlenzwangs war wieder ein Wettbewerb vorhanden, was Neue\u00adrungen und Verbesserungen antrieb. Im Jahr 1863 wurde die alte Wasserm\u00fchle aus Platzgr\u00fcnden abgerissen und mit zwei hintereinander laufenden, zun\u00e4chst unterschl\u00e4chtigen Wasserr\u00e4dern wieder aufgebaut. Kurze Zeit sp\u00e4ter wurde sie zu einer oberschl\u00e4chtigen M\u00fchle umgebaut, was bedeutet, dass das Wasser von oben auf die M\u00fchlr\u00e4der gef\u00fchrt wurde. Sie wurde damit bis heute die einzige Wasserm\u00fchle in Schleswig-Holstein, die zwei hintereinander laufende R\u00e4der besa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zeit der Industrialisierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Annektion Holsteins durch Preu\u00dfen galt auch hier ab 1867 die Gewerbefreiheit. Dadurch kam es au\u00dferdem zur Aufl\u00f6sung der Z\u00fcnfte. Diese Zeit gilt als Beginn der Industrialisierung in Barmstedt. Auch f\u00fcr die Rantzauer Wasserm\u00fchle war dies ein bedeutender Schritt. Durch die Aufl\u00f6sung der Z\u00fcnfte kam es zu einem gewaltigen Aufschwung der Schweinezucht in Schles\u00adwig-Holstein. Davon profitierten die M\u00fchlenbesitzer, da die Tiere mit Getreidebrei gem\u00e4s\u00adtet wurden. Durch die wachsende Nachfrage wurde die Abh\u00e4ngigkeit vom Wasser der Kr\u00fcckau ein Problem. Auf Dauer war f\u00fcr den M\u00fchlenbetrieb zu wenig Wasser vorhanden, da es im Sommer h\u00e4ufig zu wenig Regen gab und der Bach im Winter zufror.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"879\" height=\"480\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-814\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle2.jpg 879w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle2-300x164.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle2-768x419.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 879px) 100vw, 879px\" \/><figcaption>Rantzauer Wasserm\u00fchle 1917<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als Dietrich Mohr 1900 die Wasserm\u00fchle erwarb, war dies der ausschlaggebende Grund f\u00fcr den Einbau einer Dampfmaschine im Jahr 1903. So war die Wasserm\u00fchle vom Wasser unabh\u00e4ngiger. Ab 1915 wurde die Dampfkraft durch Elektrizit\u00e4t abgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Der industrielle Fortschritt hatte nicht nur Auswirkungen auf die Rantzauer Wasser\u00adm\u00fchle, sondern auf das gesamte M\u00fchlenwesen in Barmstedt; S\u00e4cke, die fr\u00fcher von Hand bedruckt wurden, konnten maschinell bedruckt werden, Pferdewagen wurden durch Trecker ersetzt und Getreide konnten durch einen Elevator vom Silo zum M\u00fchlgang transportiert werden. Insgesamt wurden die Verh\u00e4ltnisse des M\u00fchlen\u00adwesens verbessert, wodurch die Arbeit erleichtert und beschleunigt wurde. Ein vollst\u00e4ndiger industrieller Fortschritt der Rantzauer Wasserm\u00fchle hat jedoch nie stattgefunden. Nachdem die Wasserm\u00fchle 1942, zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, durch \u00dcberhitzung auf Grund st\u00e4ndiger Tag-und Nachtarbeit abbrannte, wurde sie zwar wieder aufgebaut, jedoch ohne weitere Neuerungen. Nach dem Kriegsende kam es dann zu einem nationalen \u201eM\u00fchlensterben\u201c; Es gab weder Platz f\u00fcr Modernisierungs\u00adma\u00dfnahmen noch Geld f\u00fcr neue Entwicklungen. Das Ziel war es, das M\u00fchlenwesen auf gr\u00f6\u00dfere M\u00fchlen zu zentralisieren. Diesem \u201eM\u00fchlensterben\u201c fiel auch die Rant\u00adzauer Wasserm\u00fchle zum Opfer. Nach dem Tod des M\u00fcllers wurde sie zuerst von der Abel\u2019schen M\u00fchle, eine ehemalige Windm\u00fchle in der Feldstra\u00dfe, \u00fcbernommen, bevor \u201edie Raiffeisen\u201c beide M\u00fchlen \u00fcbernahm und die Betriebe geschlossen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Rantzauer Wasserm\u00fchle heute<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heutzutage befindet sich der \u201eRantzauer T\u00f6pferbedarf\u201c von Familie Mohr im M\u00fchlen\u00adgeb\u00e4ude. Die Wasserm\u00fchle wird bei ausreichend Wasser immer noch genutzt. Durch einen eingebauten Stromgenerator wird Strom f\u00fcr eine Heizung erzeugt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"922\" height=\"614\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-815\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle3.jpg 922w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle3-300x200.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/RantzauerWassermuehle3-768x511.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 922px) 100vw, 922px\" \/><figcaption>Rantzauer Wasserm\u00fchle heute<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>D\u00f6SSEL, HANS: Stadt und Kirchspiel Barmstedt. Eine geschichtl. Schau. : Johs Prange, 1936.<\/li><li>BARMSTEDT: 850 Jahre Barmstedt. Freuburg i.B.: , 1990.<\/li><li>m\u00fcndliche Informationen: M\u00fchlenbesitzer Reimer Mohr<\/li><li>Bildquellen: Peter Steenbuck<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine M\u00fchle bei Barmstedt &#8211; wahrscheinlich die Wasserm\u00fchle &#8211; wurde 1140 erstmalig in einer Schenkungsurkunde des Bremer Erzbischofs erw\u00e4hnt. Es wird angenommen, dass sie schon bei der Anlage der Burg auf den Kr\u00fcckauinseln in der Zeit der Ritter von Barmstede existierte. Als eine zum Hof geh\u00f6rige M\u00fchle wurde sie dann in Schauenburgischer Zeit im Jahr<\/p><\/div>\n<div class=\"blog-btn\"><a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=816\" class=\"home-blog-btn\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-816","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-orte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/816","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=816"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/816\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":819,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/816\/revisions\/819"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=816"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=816"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}