{"id":360,"date":"2021-03-11T20:03:33","date_gmt":"2021-03-11T20:03:33","guid":{"rendered":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=360"},"modified":"2021-03-11T20:03:33","modified_gmt":"2021-03-11T20:03:33","slug":"august-adolf-von-hennings","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=360","title":{"rendered":"August Adolf von Hennings"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_August_Hennings.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-356\" width=\"257\" height=\"325\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_August_Hennings.jpg 399w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_August_Hennings-237x300.jpg 237w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_August_Hennings-300x380.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/><figcaption>August von Hennings<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ab 1808 wurde <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/August_Adolph_von_Hennings\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">August Adolph von Hennings<\/a> (* 19. Juli 1746 in Pinneberg; \u2020 17. Mai 1826 in Rantzau) neuer Administrator auf Rantzau und erster Bewohner des neuen Wohngeb\u00e4udes f\u00fcr den Administrator auf der Schlo\u00dfinsel. (Hier N\u00e4heres zu den Umst\u00e4nden) Er war die sicherlich interessanteste und auch bekannteste Pers\u00f6nlichkeit auf diesem Posten. Vor seiner Ernennung zum Administrator in dem von aller Politik weit abgeschiedenen, idyllischen Rantzau hatte er sich bereits einen Namen gemacht als Vork\u00e4mpfer der Aufkl\u00e4rung und Menschenrechte, Staatsmann und Schriftsteller.<\/p>\n\n\n\n<p>Er stammte aus Pinneberg, war dort als Sohn des Amtmannes Martin Hennings geboren, dessen Hausarzt \u00fcbrigens Struensee gewesen war, war in seiner Jugendzeit eng befreundet mit <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Heinrich_von_Schimmelmann\" target=\"_blank\">Ernst Heinrich von Schimmelmann<\/a>, dem Sohn des d\u00e4nischen &#8222;Schatzmeisters&#8220;, der selbst Finanzminister wurde, hatte zun\u00e4chst zur Zeit <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andreas_Peter_von_Bernstorff\" target=\"_blank\">Andreas Peter von Bernstorffs<\/a> und <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Friedrich_Struensee\" target=\"_blank\">Johann Friedrich Struensees<\/a> am Hof in Kopenhagen verschiedene Verwaltungs\u00e4mter bekleidet, erlebte Struensees Sturz dort mit, anf\u00e4nglich bejahend, mit den Strafen aber nicht einverstanden, war befreundet mit dem neuen Minister Guldberg, wurde dann im d\u00e4nischen diplomatischen Dienst nach Berlin geschickt und erlebte dort noch Friedrich II, den &#8222;Alten Fritz&#8220;. Hier befreundete er sich eng mit dem Philosophen <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Moses_Mendelssohn\" target=\"_blank\">Moses Mendelssohn<\/a>, dem Vorbild f\u00fcr Lessings &#8222;Nathan den Weisen&#8220;, von dem er erfuhr, dass sein ehemaliger Schulfreund Kestner in Goethes &#8222;Leiden des jungen Werthers&#8220; in v\u00f6llig verdrehten Zusammenh\u00e4ngen dargestellt worden war, woher bei ihm eine tiefe Abneigung gegen Goethe entstand. (Ritschl, S.24) Seine Schwester war mit dem Professor am Akademischen Gymnasium in Hamburg Dr. Reimarus, dem Sohn des ber\u00fchmten Vaters der Bibelkritik und Freund Lessings, Albert Reimarus, verheiratet und betrieb ihre &#8222;Teestube&#8220; als literarischen Salon, in dem man die wichtigsten Werke der sch\u00f6ngeistigen Literatur und Philosophie las. Er stieg in Kopenhagen zwar zum Staatsrat auf, verlie\u00df dann aber nach einem Regierungswechsel die Hauptstadt, da sein ehemaliger enger Freund Ernst Schimmelmann, der 1784 nach dem Sturz Guldbergs Finanzminister wurde, ihn nicht mehr einbeziehen wollte, wahrscheinlich weil Hennings in seinem Epos &#8222;Olavides&#8220; zu aufr\u00fchrerische Gedanken ge\u00e4u\u00dfert hatte. (Ritschl, S. 40) Er verbrachte mit seiner Frau Eleonore und seinen kleinen Kindern drei Jahre in Schleswig, ver\u00f6ffentlichte jetzt seine &#8222;Philosophischen Versuche&#8220;, beeinflusst von Rousseau, Locke, Hume und Mendelssohn. 1785 folgte &#8222;\u00dcber die wahren Quellen des Nationalwohlstandes&#8220;, in dem er &#8222;Staatswirtschaft, Staatskunst und Staatsklugheit mit den Pflichten der Menschheit, mit Moral und Religion&#8220; verbinden wollte (Ritschl, S. 58), und schlie\u00dflich 1786 das vierb\u00e4ndige Werk &#8222;Gegenw\u00e4rtiger Zustand der Besitzungen der Europ\u00e4er in Ostindien&#8220;. 1787 erhielt er wieder eine Stelle, n\u00e4mlich als Amtmann in Pl\u00f6n, wo er als Dienstsitz einen Fl\u00fcgel des Schlosses bewohnte. Die franz\u00f6sische Revolution zwei Jahre sp\u00e4ter begr\u00fc\u00dfte er zun\u00e4chst, wie fast alle Gebildeten und ver\u00f6ffentlichte dazu mehrere Schriften. 1793 gab Hennings eine Zeitschrift mit dem Titel &#8222;Schleswiger Journal&#8220; heraus, die aber bald auf preu\u00dfischen Druck hin verboten wurde, weil er hier mit dem revolution\u00e4ren Schriftsteller Johann Heinrich Vo\u00df zusammenarbeitete. Daraufhin gab er eine neue Zeitschrift unter dem Titel Genius der Zeit heraus, die von 1794 bis 1802 erschien. Hier erschienen Artikel und kritische Berichte zu Politik und Literatur, die den Zeitgeist beschrieben. Er lieferte sich hier auch eine scharfe Auseinandersetzung mit Goethe, der zusammen mit Schiller den &#8222;Genius der Zeit&#8220; und Hennings pers\u00f6nlich in seinen &#8222;Xenien&#8220; und im Faust, Teil 1, angegriffen hatte. 1792 schrieb Hennings &#8222;Wider den Adelsgeist&#8220;, in dem er den Adel kennzeichnet als den &#8222;unerm\u00fcdete(n) Emp\u00f6rer gegen Regenten und die Gei\u00dfel des unteren Standes&#8220; (Ritschl, S.76). Diese Kritik ist interessant, weil er selbst in den Adelsstand erhoben worden war und hoher Beamter eines monarchischen Staates war. Widerspruch erhielt er deshalb auch vom Emkendorfer Kreis, in dem ein konservativ-romantisches Staatsideal vertreten wurde. Dieser Kreis mit seinem literarischen Wortf\u00fchrer Matthias Claudius sah in Hennings wie in Herzog Friedrich von Augustenburg, Vo\u00df, Ernst Schimmelmann und Adam von Moltke seine Gegner. Als die Revolution 1792 mit den Septembermorden und der Jakobinerherrschaft unter Robespierre blutig wurde, kamen Fl\u00fcchtlingswellen aus Frankreich in Hamburg und Holstein an, die auch von Hennings unterst\u00fctzt wurden. Er unterhielt nach Ritschl in dieser Zeit teils enge Beziehungen zu Menschen wie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marie-Joseph_Motier,_Marquis_de_La_Fayette\" target=\"_blank\">Marquis de La Fayette<\/a>, dem Helden der amerikanischen und franz\u00f6sischen Revolution, jetzt aber in Ungnade gefallen, zu Jacobi, Vo\u00df und dem Gesandten der revolution\u00e4ren franz\u00f6sischen Regierung in Hamburg, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Friedrich_Reinhard\" target=\"_blank\">Karl Friedrich Reinhard<\/a>, dessen Schwager er schlie\u00dflich wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"863\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_1818_thorStraten_Schlossinseln-863x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-355\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_1818_thorStraten_Schlossinseln-863x1024.jpg 863w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_1818_thorStraten_Schlossinseln-253x300.jpg 253w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_1818_thorStraten_Schlossinseln-768x911.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_1818_thorStraten_Schlossinseln-1295x1536.jpg 1295w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_1818_thorStraten_Schlossinseln-1727x2048.jpg 1727w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_1818_thorStraten_Schlossinseln-300x356.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_1818_thorStraten_Schlossinseln-850x1008.jpg 850w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_1818_thorStraten_Schlossinseln.jpg 1784w\" sizes=\"auto, (max-width: 863px) 100vw, 863px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Hennings ab 1808 auf Rantzau: M\u00f6glicherweise um einen ruhigeren Ort als Pl\u00f6n zu finden, hatte von Hennings den regierenden Kronprinzen mehrfach um die durch Tod des Vorg\u00e4ngers im August 1807 freigewordene Stellung in Rantzau gebeten und erhielt sie schlie\u00dflich im Mai 1808. Nach Hamburg, wo seine T\u00f6chter C\u00e4cilie Wattenbach und Louise Sieveking wohnten, war es nur 4 Meilen und man konnte an einem Tag mit der Kutsche sowohl hin als auch zur\u00fcck fahren. Auf Rantzau hatte Hennings im Bereich des Vorwerks einen gro\u00dfen Garten, den er nach den Tagebuchaufzeichnungen seiner Enkelin selbst angelegt hatte. Sie schreibt dar\u00fcber:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Eine tiefe Au, ein M\u00fchlenteich und kleinere Kan\u00e4le bilden verschiedene Inseln, durch Br\u00fccken verbunden. Auf einer derselben liegt das Wohnhaus mit einem Wirtschaftsgeb\u00e4ude, durch eine Br\u00fccke mit einer Insel verbunden, die zur Bleiche dient. Zur anderen Seite f\u00fchrt eine Br\u00fccke auf eine dritte Insel, welche das Gerichtshaus trug, abermals f\u00fchrt eine vierte Br\u00fccke auf die vierte Insel mit dem Wohnhaus des Amtsverwalters und mit Hennings\u00b4 Kuhhaus und Pferdestall. Dieses Eiland verband eine Zugbr\u00fccke mit dem festen Lande, und dort befand sich erst der eigentliche Garten, ein Blumen- und Gem\u00fcsegarten. Rabatten mit Rosen und Johannisbeerstr\u00e4uchern und vielen Sommerblumen fa\u00dften lange gerade Wege ein. Buchenhecken bildeten Bogeng\u00e4nge; drei Fischteiche, ein Lusthaus, ein Brunnen und eine Moosh\u00fctte waren merkw\u00fcrdige Punkte und die sch\u00f6nsten Erdbeerbeete breiteten sich verlockend zwischen Rasen und Fruchtb\u00e4umen aus. Ich glaube, da\u00df dies alles noch nicht da war, als die Familie im Mai 1808 Besitz nahm von der neuen St\u00e4tte.&#8220; (Ritschl, S. 157) Die Hamburger Enkelkinder befanden sich mit ihren Familien oft hier, da sie wie alle Hamburger unter den Folgen der franz\u00f6sischen Besatzung zu leiden hatten. Hennings kaufte 1812 zu seinen Amts\u00e4ckern noch den Hof Bollenkuhlen und betrieb jetzt eine richtige eigene Landwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"789\" height=\"768\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_GrafschaftRantzauLohse1811-kompr.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-358\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_GrafschaftRantzauLohse1811-kompr.jpg 789w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_GrafschaftRantzauLohse1811-kompr-300x292.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_GrafschaftRantzauLohse1811-kompr-768x748.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 789px) 100vw, 789px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Hauslehrer J. Lohse, der die Hennings-Kinder auf Rantzau unterrichtete, zeichnete 1811 &#8222;nach den neusten Vermessungen&#8220; die nebenstehende erste Karte der Grafschaft Rantzau, die zusammen mit der umfassenden Darstellung thor Stratens eine Fundgrube geografischer, \u00f6konomischer und soziologischer Daten dieser Zeit ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Idylle auf Rantzau war in dieser Zeit sehr gest\u00f6rt durch das Verh\u00e4ltnis zwischen Hennings und dem Amtsverwalter thor Straten. Die Meinungsverschiedenheiten m\u00fcndeten in gegenseitigen Beschwerden vor dem Schleswig-Holsteinischen Obergericht in Gl\u00fcckstadt und eskalierten im Jahr 1816, als Wilhelm, der Sohn von Hennings, inzwischen Leutnant der hannoverschen Armee, thor Straten wegen Beleidigung seines Vaters zum Duell aufforderte. Erst 1823 wurde thor Straten nach Ahrensb\u00f6k versetzt, \u00fcbergab aber noch im gleichen Jahr &#8211; nach 22 Jahren T\u00e4tigkeit als Amtsverwalter und Hausvoigt &#8211; eine umfangreiche handgeschriebene &#8222;Beschreibung der Grafschaft Rantzau&#8220;, eine kameralistische Darstellung der Administratur mit geschichtlichen Erl\u00e4uterungen von 738 Seiten an die K\u00f6nigliche Rentekammer in Kopenhagen. Diese Darstellung wurde offensichtlich Grundlage f\u00fcr die sp\u00e4tere Ver\u00f6ffentlichung Rauerts aus dem Jahre 1840. Erst Helmut Trede ver\u00f6ffentlichte im Jahr 2005 dieses Werk und machte es damit f\u00fcr weitere Auswertungen zug\u00e4nglich. Die Angaben sind au\u00dferordentlich detailreich und bieten ein gro\u00dfes Potential f\u00fcr die Lokalgeschichtsforschung. (s. Literaturliste)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beziehung von Hennings zu Graf Reinhard, dem Mann seiner Nichte, blieb bei den seltenen Treffen, die noch m\u00f6glich waren, gut, wurde aber h\u00f6chst diplomatisch, wenn es um Politik ging. Reinhard war w\u00e4hrend des ersten Koalitionskrieges franz\u00f6sischer Gesandter in Hamburg gewesen, sollte jetzt aber Gesandter Napoleons bei dessen Bruder Jerome, dem K\u00f6nig von Westfalen, werden. Daher vertrat dieser teils v\u00f6llig entgegengesetzte Interessen zu Hennings, der die Hamburger und d\u00e4nische Seite einnahm. F\u00fcr die Hamburger und Holsteiner war das Verbot jeglicher Schifffahrt eine Katastrophe. Daher bl\u00fchte der Schmuggel mit Kaffee und Baumwolle auf den Verbindungswegen zwischen den H\u00e4fen Husum und T\u00f6nning mit Hamburg. Handelsh\u00e4user, wie das der Sievekings, brachen zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Rantzau und Barmstedt aus, wo einige Fl\u00fcchtlinge Zuflucht gesucht hatten, soll man den Feuerschein der brennenden H\u00e4user des Hamburger Randgebietes gesehen haben. Hennings Sohn Wilhelm war als Soldat auf die antifranz\u00f6sische Seite gegangen und r\u00fcckte jetzt mit dem Feldbatallion Lauenburg gegen die D\u00e4nen in Holstein vor. Diese Koalitions-Truppen fluteten auch \u00fcber Barmstedt hinweg, um die d\u00e4nische Festung Gl\u00fcckstadt einzuschlie\u00dfen. Am 1. Januar 1813 kamen feindliche englische Husaren mit 4000 Mann nach Barmstedt und Gro\u00dfendorf. Da sie sich in Feindesland sahen, brandschatzten sie den Ort und erbeuteten dabei 1200 Mark. Am 5. Januar wurde nach 14 Tagen Belagerung Gl\u00fcckstadt \u00fcbergeben. (Brockmann) Am 9. Dezember 1813 r\u00fcckten schwedische Husaren in Barmstedt und Rantzau ein. Von jetzt an bis in den Februar mussten die Bewohner die Einquartierung und Verpflegung der Truppen hinnehmen. Nach den Schweden kamen die Russen, dann die Preu\u00dfen, schlie\u00dflich wieder Engl\u00e4nder, Hannoveraner und die Hanseatische Legion. In Rantzau lie\u00dfen sich die Offiziere und Gener\u00e4le auftischen und die Betten machen, in den anderen H\u00e4usern die &#8222;Gemeinen&#8220;. Sie f\u00fchlten sich im Feindesland und sangen nationale Befreiungslieder von Theodor K\u00f6rner, der als Mitglied des auch hier einquartierten L\u00fctzowschen Freikorps, erst wenige Monate vorher gefallen war. Als die Einquartierungen endlich beendet waren, folgte eine Typhusepidemie, der viele zum Opfer fielen. (Ritschl, S.167ff)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Streit zwischen Hennings und von Straten war nach Verleumdungen im Jahr 1816 bis zur Duell-Forderung, von von Straten zum Mord\u00fcberfall hochstilisiert, gediehen und \u00fcberschattete die durch viele Tode in der Familie Hennings getr\u00fcbte Zeit. Jetzt aber gab Hennings noch einmal ein gr\u00f6\u00dferes schriftstellerisches Werk heraus, das dem in den folgenden Jahrzehnten zunehmenden R\u00fcckbezug auf die nationale Geschichte vorgreifen sollte. <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=8lkAAAAAcAAJ&amp;printsec=frontcover&amp;dq=August+von+Hennings&amp;source=bl&amp;ots=9CRkBOZFqH&amp;sig=sRuPOzccwakVDLku21bIzgzmC-M&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=exNyUNqmFsjGswb7_IDgBA&amp;ved=0CFoQ6AEwCTgK\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Deutschen, dargestellt in der fr\u00fchesten Vorzeit, aus den d\u00fcrftigen Quellen der Geschichte und weit umfassenden Taten<\/a> ist ein fr\u00fches Zeugnis historisch orientierter Germanenkunde, das die antiken Darstellungen neu bewertet und z.B. die Hyperbor\u00e4er mit den Germanen identifiziert und die Sage von Atlantis auf ein untergegangenes Land in der Nordsee bezieht. Im \u00fcbrigen hatte Hennings, inzwischen \u00fcber 70, zu arbeiten. Pensionierungen gab es f\u00fcr k\u00f6nigliche Beamte nicht. Seine Aufgaben waren: zweimal w\u00f6chentlich Gericht halten, die Sitzungen des kirchlichen Konsistoriums leiten, Kirchen visitieren, die Landesverwaltung aus\u00fcben. Dadurch hatte er auch nach dem Tod des 93-j\u00e4hrigen bisherigen Propstes Valentiner mit der Einf\u00fchrung von dessen Nachfolger Peter Christian Weller im Jahr 1817 zu tun. Die bisher freie Propstei wurde jetzt der k\u00f6niglichen Generalsuperintendentur unterstellt. Auch offizielle Anl\u00e4sse, wie die Begleitung des K\u00f6nigs Friedrich VI., wenn er auf seiner Reise durch Holstein in Elmshorn haltmachte, geh\u00f6rten zu Hennings Aufgaben, die er sehr gerne erf\u00fcllte, da er diesen reformwilligen K\u00f6nig verehrte. (Ritschl, S.194) 1824 heiratete seine j\u00fcngste Tochter in der Barmstedter Kirche und auf Rantzau den sp\u00e4teren Hamburger B\u00fcrgermeister Friederich Sieveking, bei der es bei einem B\u00f6llerschuss durch die zerplatzende Kanone des M\u00fcllers zu einem Todesfall kam. (Brockmann)<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vorjahr war Hennings endlich seinen Widersacher von Straten los geworden. Dieser hatte sich auf die Stelle eines Amtsverwalters nach Ahrensb\u00f6k beworben und wurde im Oktober 1823 berufen. Unmittelbar vorher jedoch, am 12. September, hatte er nach 22 Jahren als Amtsverwalter eine beachtliche Arbeit von 738 handschriftlichen Seiten \u00fcber die Administratur der Grafschaft Rantzau an die K\u00f6nigliche Rentekammer in Kopenhagen geschickt. M\u00f6glicherweise hat dieses Werk auch eine entscheidende positive Rolle f\u00fcr seine Bewerbung in Ahrensb\u00f6k gespielt, sicher aber ist, dass es f\u00fcr das Weiterkommen eines sp\u00e4teren Amtsverwalters eine gro\u00dfe Rolle spielte. M.H.T. Rauert hatte n\u00e4mlich dieses Manuskript offenbar als Grundlage f\u00fcr sein ber\u00fchmtes Buch &#8222;Die Grafschaft Rantzau&#8220; von 1840 benutzt &#8211; ohne ihn allerdings in der Literaturliste zu nennen. Hierin bewies er eine \u00fcberaus gro\u00dfe Kenntnis der Verwaltungsmaterie der Grafschaft, obwohl er nur in der Zeit von 1834 bis 1837 als Sekret\u00e4t hier gearbeitet hatte. (s. Vorwort Helmut Tredes in: thor Straten, S.3). Nachfolger thor Stratens wurde 1824 ein Herr G\u00f6hlin.<\/p>\n\n\n\n<p>1826 starb August von Hennings nach l\u00e4ngerer Krankheit und wurde &#8211; ohne kirchliche Feier, aber mit einer Gedenkrede seines Freundes Pastor Mielk &#8211; auf dem Friedhof an der Kirche, damals &#8222;Ruhe Hoff&#8220; genannt (s. Karte Mangels unten), begraben. Brockmann schreibt dazu in seinem Tagebuch:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_Grabstein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-357\" width=\"264\" height=\"455\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_Grabstein.jpg 516w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_Grabstein-174x300.jpg 174w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Hennings_Grabstein-300x517.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>&#8222;14. Mai ist der Hochwohlgeb. Herr, Kammerherr August v. Hennings auf Rantzau in den Tod gegangen. ca. 82 Jahre alt. Er ist den 21. Mai des Morgens um 6 Uhr beerdigt ohne Glockengel\u00e4ute, der Sarg war ganz einfach. Auf dem Elmshorner Totenwagen ward der nach dem Kirchhof gefahren.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der abgebildete Grabstein von Hennings stand nach Aufhebung des Kirchhofs 1844 zun\u00e4chst an der Kirchenmauer, wurde sp\u00e4ter auf den neuen Friedhof an der Ohe (sp\u00e4ter Moltkestra\u00dfe) versetzt und liegt jetzt neben dem &#8222;Torhaus&#8220;. Der alte Kirchhof war wegen der zunehmenden Bev\u00f6lkerung bei nicht erweiterbarem Platz v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllt, so dass S\u00e4rge \u00fcbereinander gestellt werden mussten, wobei &#8222;der oberste oft nur mit einem Fu\u00df Erde bedeckt wird; sind aber schon 2 S\u00e4rge in einer Gruft, so bleibt nichts anders \u00fcbrig, als da\u00df der untere, falls es noch nicht geschehen, zusammengesto\u00dfen, und der obere wieder versenkt wird, um den dritten Sarg darauf zu setzen.&#8220; (Rauert, S. 106) Die Beerdigungen fanden im 19. Jahrhundert im \u00dcbrigen meist ohne kirchliche Mitwirkung statt. Nach der Gemeindechronik von 1896 wurden noch 1876 h\u00f6chstens 10 % der Leichen mit Begleitung bestattet.<\/p>\n\n\n\n<p>Verfasser: Michael Theilig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab 1808 wurde August Adolph von Hennings (* 19. Juli 1746 in Pinneberg; \u2020 17. Mai 1826 in Rantzau) neuer Administrator auf Rantzau und erster Bewohner des neuen Wohngeb\u00e4udes f\u00fcr den Administrator auf der Schlo\u00dfinsel. (Hier N\u00e4heres zu den Umst\u00e4nden) Er war die sicherlich interessanteste und auch bekannteste Pers\u00f6nlichkeit auf diesem Posten. Vor seiner Ernennung<\/p><\/div>\n<div class=\"blog-btn\"><a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=360\" class=\"home-blog-btn\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-360","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-biografien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/360","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=360"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/360\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":361,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/360\/revisions\/361"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}