{"id":347,"date":"2021-03-11T18:34:14","date_gmt":"2021-03-11T18:34:14","guid":{"rendered":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=347"},"modified":"2021-03-11T18:34:14","modified_gmt":"2021-03-11T18:34:14","slug":"gottfried-semper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=347","title":{"rendered":"Gottfried Semper"},"content":{"rendered":"\n<p>Gottfried Semper wurde am 29.11.1803 in Hamburg als f\u00fcnftes von acht Kindern geboren. Sein Vater, Gottfried Emanuel Semper, war Wollfabrikant und B\u00f6rsenh\u00e4ndler. Er hatte die Leitung der von der Mutter in die Ehe eingebrachten Altonaer Wollfabrik J.W.Paap gleich nach der Heirat \u00fcbernommen. Aufgrund der franz\u00f6sischen Besetzung Hamburgs zog die Familie 1806 nach Altona um. Aber auch hier wurde die Lage prek\u00e4r, als Hamburg 1813 nach einer kurzen Befreiung wieder von den Franzosen erobert worden war. General Davout lie\u00df die Stadt zur Festung ausbauen, um eine erneute Eroberung zu verhindern, und mitten im Winter alle Menschen vertreiben, die sich nicht auf sechs Monate verproviantieren konnten. Alle Armen mussten die Stadt verlassen, die meisten davon wurden in Altona aufgenommen. Eine der grausamen Folgen war eine Typhus-Epidemie, die im gleichen Winter ausbrach und die Schulen zu Leichenh\u00e4usern machte. T\u00e4glich wurden Leichenhaufen verbrannt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"650\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Vertreibung-1024x650.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-346\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Vertreibung-1024x650.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Vertreibung-300x190.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Vertreibung-768x488.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Vertreibung-850x540.jpg 850w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Vertreibung.jpg 1298w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die Vertreibung der Armen aus Hamburg 1813<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Gottfried wurde deshalb aus der Stadt geschickt, um seine schulische Ausbildung in Barmstedt fortzusetzen. Wahrscheinlich erschien den Eltern der Flecken im d\u00e4nischen Holstein sicherer. Er ging hier nach Recherche seines Biografen Mallgrave zur Fleckenschule an der Kirche (S.12) und wurde von Pastor Mielck in Latein und Griechisch ausgebildet. Seine Briefe nach Hause ab 1818 zeigen laut seinem Biografen Mallgrave einen energischen und ernsthaften Sch\u00fcler, verliebt in klassische Literatur, der seine Fortschritte mit Caesar, Cicero, Plutarch und Ovid beschrieb. Er blieb hier bis 1819, als er nach Hamburg zur\u00fcckkehrte, um das Johanneum, das \u00e4lteste und angesehenste Gymnasium, der Stadt zu besuchen. Hier fiel er auf durch besondere Leistungen in Griechisch und Latein. Er entwickelte aber zus\u00e4tzlich ein besonderes Interesse f\u00fcr Mathematik.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Gottfried_Semper_1837-913x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-344\" width=\"341\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Gottfried_Semper_1837-913x1024.jpg 913w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Gottfried_Semper_1837-267x300.jpg 267w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Gottfried_Semper_1837-768x862.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Gottfried_Semper_1837-300x337.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Gottfried_Semper_1837-850x954.jpg 850w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Gottfried_Semper_1837.jpg 1001w\" sizes=\"auto, (max-width: 341px) 100vw, 341px\" \/><figcaption>Gottfried Semper 1837. Zeichnung Otto Speckter, Fotograf Martin W\u00fcrker<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Sein Abitur machte er 1823, danach studierte er in G\u00f6ttingen einige Semester Mathematik und Geschichte und in M\u00fcnchen Architektur. Schon 1826 fl\u00fcchtete er wegen einer Duellforderung nach Paris und arbeitete hier f\u00fcr zwei deutsche Architekten. Nach kurzem Intermezzo in Bremerhaven ging er zum Studieren nach Paris zur\u00fcck und erlebte dort begeistert die Julirevolution von 1830. Er sympathisierte mit den Aufst\u00e4ndischen und musste nach deren Scheitern \u00fcberst\u00fcrzt die Stadt verlassen. Die folgenden Jahre konnte er mit dem Studium der Antike in Italien und Griechenland verbringen und machte sich einen Namen durch den Nachweis, dass die Bauwerke der alten Griechen bunt bemalt gewesen seien. Seinen ersten eigenen Bau, ein privates Museum f\u00fcr antike Skulpturen, errichtete er in Altona f\u00fcr den Bankier Donner.1834 wurde er auf Empfehlung des damals ber\u00fchmtesten klassizistischen Architekten Schinkel zum Professor der Baukunst nach Dresden berufen und lernte dort unter anderem Richard Wagner kennen. Er entwarf hier herausragende Geb\u00e4ude wie die Dresdner Synagoge oder die Villa Rosa und legte hier Entw\u00fcrfe f\u00fcr Gro\u00dfbauten vor, von denen das K\u00f6nigliche Hoftheater und die Gem\u00e4ldegalerie verwirklicht wurden, allerdings zu einer Zeit, als er bereits aus Dresden gefl\u00fcchtet war. Er hatte sich wie Richard Wagner an dem Dresdner Maiaufstand vom 3. Mai 1849 beteiligt, in dem der letzte Versuch gemacht wurde, die demokratischen und liberalen Errungenschaften der M\u00e4rzrevolution von 1848 zu retten, nachdem es in Preu\u00dfen und Rastatt bereits zum Sieg der Konterrevolution gekommen war. Er leitete den Barrikadenbau, musste aber beim Vorr\u00fccken der preu\u00dfischen und s\u00e4chsischen Truppen ohne seine Familie fl\u00fcchten. Zun\u00e4chst ging er nach Gent, dann nach Paris und schon 1851 nach London, um dort f\u00fcr \u00c4gypten, D\u00e4nemark und Schweden deren Beteiligung an der Weltausstellung zu arrangieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"796\" height=\"634\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Louis_Thuemling_nach_Hermann_Krone_-_Alte_Synagoge_in_Dresden_1850-70.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-345\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Louis_Thuemling_nach_Hermann_Krone_-_Alte_Synagoge_in_Dresden_1850-70.png 796w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Louis_Thuemling_nach_Hermann_Krone_-_Alte_Synagoge_in_Dresden_1850-70-300x239.png 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Semper_Louis_Thuemling_nach_Hermann_Krone_-_Alte_Synagoge_in_Dresden_1850-70-768x612.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 796px) 100vw, 796px\" \/><figcaption>Die von Semper 1839\/40 entworfene Synagoge in Dresden, die 1938 in der &#8222;Reichskristallnacht&#8220; in einer gezielten Aktion der Nazis abbrannte. Stahlstich von Louis Th\u00fcmling<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Er wurde nach dem Scheitern noch bis 1863 steckbrieflich als Hauptr\u00e4delsf\u00fchrer gesucht, konnte aber nach London fliehen, wie viele andere Revolution\u00e4re auch, weil hier ein sehr gro\u00dfz\u00fcgiges liberales Asylrecht galt. Der ber\u00fchmteste Fl\u00fcchtling war Karl Marx, der hier sein Werk \u201eDas Kapital\u201c schrieb. Semper erhielt in London 1852 einen Lehrauftrag, wurde aber auf Betreiben Wagners zum Professor auf Lebenszeit nach Z\u00fcrich berufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch seine Bauten, aber auch durch theoretische Werke war er als Architekt so begehrt, dass er trotz seiner demokratischen Ansichten Auftr\u00e4ge f\u00fcr diverse Gro\u00dfbauten bekam, u.a. f\u00fcr das Dresdner Museum, das Palais Oppenheim, die Dresdner Synagoge und den Neubau des zweiten Dresdner Hoftheaters, der sp\u00e4ter sogenannten Semper-Oper. Er vertrat den Standpunkt: \u201eSoll unsere Kunst den wahren Ausdruck unserer Zeit tragen, so muss sie den nothwendigen Zusammenhang der Gegenwart mit allen Jahrhunderten der Vergangenheit, von denen keines, auch nicht das entartete, vor\u00fcber gegangen ist, ohne einen unvertilgbaren Eindruck auf unsere Zust\u00e4nde zu hinterlassen, zu ahnen geben und mit Selbstbewusstsein und Unbefangenheit sich ihres reichen Stoffes bem\u00e4chtigen.\u201c Er starb am 15. Mai 1879 in Rom.<\/p>\n\n\n\n<p>Verfasser: Michael Theilig<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Harry Francis Mallgrave: Gottfried Semper: Architect of the Nineteenth Century, New Haven and London 1996<\/li><li>Constantin Lipsius: Gottfried Semper in seiner Bedeutung als Architekt, in: Festschrift zur Erinnerung an die Enth\u00fcllung des Semper-Denkmals in Dresden<\/li><li>Gottfried Semper: \u00dcber den Bau evangelischer Kirchen, Leipzig 1845<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottfried Semper wurde am 29.11.1803 in Hamburg als f\u00fcnftes von acht Kindern geboren. Sein Vater, Gottfried Emanuel Semper, war Wollfabrikant und B\u00f6rsenh\u00e4ndler. Er hatte die Leitung der von der Mutter in die Ehe eingebrachten Altonaer Wollfabrik J.W.Paap gleich nach der Heirat \u00fcbernommen. Aufgrund der franz\u00f6sischen Besetzung Hamburgs zog die Familie 1806 nach Altona um. Aber<\/p><\/div>\n<div class=\"blog-btn\"><a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=347\" class=\"home-blog-btn\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-347","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-biografien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/347","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=347"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/347\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":348,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/347\/revisions\/348"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=347"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=347"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=347"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}