{"id":1013,"date":"2022-02-08T17:19:11","date_gmt":"2022-02-08T17:19:11","guid":{"rendered":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=1013"},"modified":"2022-02-08T17:19:11","modified_gmt":"2022-02-08T17:19:11","slug":"die-schlossinsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=1013","title":{"rendered":"Die Schlossinsel"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"427\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_1_Schlossinsel_uebersicht-1024x427.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1025\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_1_Schlossinsel_uebersicht-1024x427.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_1_Schlossinsel_uebersicht-300x125.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_1_Schlossinsel_uebersicht-768x320.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_1_Schlossinsel_uebersicht.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"826\" height=\"402\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_2_RvDuhnRantzauerSchlossinsel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1026\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_2_RvDuhnRantzauerSchlossinsel.jpg 826w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_2_RvDuhnRantzauerSchlossinsel-300x146.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_2_RvDuhnRantzauerSchlossinsel-768x374.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 826px) 100vw, 826px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js is-open\" data-initially-open=\"true\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-10130\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">\u00dcberblick<\/h2><div id=\"ac-10130\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Man sieht es der malerischen Schlo\u00dfinsel mit ihren hohen alten B\u00e4umen und eindrucksvollen Geb\u00e4uden an: Sie geh\u00f6rt &#8211; neben der Kirche, deren Vorg\u00e4ngerin 1140 als Mittelpunkt eines Kirchspiels erw\u00e4hnt wird und wahrscheinlich sehr viel \u00e4lter ist &#8211; zu den wirklich historischen Orten im heutigen Stadtgebiet von Barmstedt. Sie wurde als mittelalterliche Befestigung wahrscheinlich schon von den <a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=872#RitterVonBarmstede\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=872#RitterVonBarmstede\">Rittern von Barmstede<\/a> als Wasserburg in der Kr\u00fcckau angelegt. Der Rantzauer See, in dem die Insel heute liegt, wurde zwar erst in den 1930er Jahren angelegt, die viele Jahrhunderte lang regelm\u00e4\u00dfig k\u00fcnstlich herbeigef\u00fchrten \u00dcberschwemmungen der Au als Staubecken des Wasserm\u00fcllers entsprachen aber in gewissem Ma\u00dfe dem Bild, das sich heute ergibt. Bis ins 19. Jahrhundert hinein bestand der heutige Inselkomplex allerdings aus mehreren Inseln, die durch Br\u00fccken miteinander verbunden waren. Die Rantzauer Wasserm\u00fchle, deren R\u00e4der sich immer noch drehen, geh\u00f6rt zu den \u00e4ltesten M\u00fchlen in Schleswig-Holstein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Burg gelangte 1322 durch Kauf in den Besitz der Schauenburger Grafen und wurde Verwaltungssitz des Amtes Barmstedt, einem Gebiet, das dem n\u00f6rdlichen Gebiet des heutigen Kreises Pinneberg entsprach und damals den n\u00f6rdlichen Bereich der Grafschaft Holstein-Pinneberg umfasste. Es bestand aus den beiden Kirchspielen Barmstedt und Elmshorn.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Aussterben der Schauenburger 1640 kam es kurzzeitig unter <strong>Gottorfer Herrschaft<\/strong>, bevor es im Jahre 1650 zur Reichsgrafschaft Rantzau wurde, einem Miniaturf\u00fcrstentum des Heiligen R\u00f6mischen Reichs. Auf den Kr\u00fcckauinseln entstand daraufhin ein Schloss als Residenz des haupts\u00e4chlich auf der Breitenburg oder auf Drage lebenden Grafen Rantzau. Schon nach drei Generationen endete die Existenz dieser freien Reichsgrafschaft und das Schloss und die Grafschaft fielen 1721 unter die Herrschaft des d\u00e4nischen K\u00f6nigs, der auf dem Schloss Rantzau jetzt adlige Administratoren als Verwalter der ehemaligen Grafschaft einsetzte. Das alte Schloss wurde 1806 abgerissen und durch ein klassizistisches Herrenhaus ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>1863 kam die Administratur Rantzau nach dem Einmarsch preu\u00dfischer Truppen unter Zwangsverwaltung des <strong>Deutschen Bundes<\/strong> und wurde nach 1866 Teil des neu gebildeten Kreises Pinneberg in der preu\u00dfischen Provinz Schleswig-Holstein. Die Schlo\u00dfinsel wurde zum Sitz eines <strong>Amtsgerichts<\/strong>, das bis 1975 existierte, w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges kurzzeitig aufgehoben und zum Marinegericht geworden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute: In das ehemalige Amtsgericht zog das Museum der Grafschaft Rantzau ein. Nach Restaurierung der alten Geb\u00e4udesubstanz aus dem 19. Jahrhundert ging die Schlo\u00dfinsel 1984 in das Eigentum der Stadt Barmstedt \u00fcber. Das Schlo\u00dfgef\u00e4ngnis ist inzwischen zu einem beliebten Ausflugscaf\u00e9 mit Ausstellungsr\u00e4umen geworden, im Gerichtsschreiberhaus betreibt die Malerin und Bildhauerin Karin Wei\u00dfenbacher ihr offenes Atelier unter dem Namen <a href=\"https:\/\/galerie-atelier-3-barmstedt.de\/?lng=d&amp;id=5\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/galerie-atelier-3-barmstedt.de\/?lng=d&amp;id=5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Galerie III<\/a> und veranstaltet hier internationale Kunstausstellungen. Die <a href=\"http:\/\/www.individuelle-keramik.de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.individuelle-keramik.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Remise<\/a> ist zu einer k\u00fcnstlerischen T\u00f6pferwerkstatt geworden, in der die Kunsthandwerkerin Andrea Marjanowic individuelle Keramik herstellt und anbietet. Das sogenannte Schloss, ein klassizistischer Bau von 1806, wird privat bewohnt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-10131\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Entstehung der Burganlage &#8211; Rittersitz<\/h2><div id=\"ac-10131\" class=\"c-accordion__content\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/RiVBarm_10_RekonstuktionBurgKrueckauinseln.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-948\" width=\"338\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/RiVBarm_10_RekonstuktionBurgKrueckauinseln.jpg 647w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/RiVBarm_10_RekonstuktionBurgKrueckauinseln-300x297.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 338px) 100vw, 338px\" \/><figcaption>M\u00f6gliche mittelalterliche Turmh\u00fcgelburg auf den Kr\u00fcckauinseln mit Wasserm\u00fchle, (Zeichnung: Michael Theilig)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>M\u00f6glicherweise in der ersten H\u00e4lfte des 12. Jahrhunderts wurde an der Stelle der heutigen Schlo\u00dfinsel in der Kr\u00fcckau eine Wasserburg angelegt. Da bisher noch keine systematischen arch\u00e4ologischen Untersuchungen stattgefunden haben, orientiert sich die nebenstehende Rekonstruktion an den \u00e4ltesten verl\u00e4sslichen Grundrissen der Schlo\u00dfinsel des ersten Landeskonservators von Schleswig-Holstein, Richard Haupt, (s. u.) und an den Modellen anderer rekonstruierter Turmh\u00fcgelburgen, z. B. L\u00fctjenburg in Ostholstein. Die heutige Lage ist einerseits durch die Zusch\u00fcttungen zwischen den Inseln aus dem 19. Jahrhundert und andererseits durch die Anlage des Rantzauer Sees ab 1934 stark ver\u00e4ndert. Die Rekonstruktion zeigt zwei von Wasser umflossene Inseln, um die herum ein Wall aufgesch\u00fcttet ist, der wiederum vom Wasser der Kr\u00fcckau umflossen ist. Der ringf\u00f6rmige Wall ist \u00fcber eine Zugbr\u00fccke vom Land aus zu erreichen und mit der ersten der beiden Inseln verbunden, diese wiederum mit der eigentlichen Burginsel. Hier befindet sich ein h\u00f6lzerner Turm, der die letzte Verteidigungsanlage darstellt. Auch bei Langeln und Uetersen werden f\u00fcr diese Zeit Burgbauten vermutet. Es gibt jedoch keine Quellen zur Entstehung der Anlagen, nur arch\u00e4ologische Befunde. Unklar ist bis heute, ob die Inseln und der M\u00fchlenstau k\u00fcnstlich angelegt wurden oder nat\u00fcrlichen Ursprungs sind. Die hier vorliegende nat\u00fcrliche Barre in der von der Kr\u00fcckau durchflossenen Geestlandschaft lie\u00df sich jedenfalls leicht f\u00fcr eine Verteidigungsanlage nutzen, indem durch ihre Erh\u00f6hung eine \u00dcberschwemmung der Landschaft um die Inseln herum erreicht werden konnte. Ob die Inseln durch Aushebung des Burgrabens erst aufgesch\u00fcttet wurden oder nat\u00fcrliche Gegebenheiten darstellten, kann derzeit nicht beantwortet werden. Weiteres zu den Kr\u00fcckauinseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00e4lteste Quelle, die eine curtis, also einen befestigten Wirtschaftshof, Gutshof, Fronhof oder auch Gerichtshof, in Barmstedt erw\u00e4hnt, ist die Schenkungsurkunde des Bremer Erzbischofs <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adalbero_von_Bremen\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adalbero_von_Bremen\" target=\"_blank\">Adalbero<\/a> (Adalbert II.), in der das Hamburger Domkapitel die Rechte an verschiedenen G\u00fctern in Stormarn, Holstein und Dithmarschen zugesprochen wird. Hier wurde u.a. \u201eder Hof (curtis) in Eppenthorp, der Hof in Reinlage (Rellingen) und der Hof in Barmitste mit allem Zubeh\u00f6r, \u00c4ckern, Handdiensten, Wiesen, Grundbesitzen, W\u00e4ldern, Weiden, Gew\u00e4ssern, M\u00fchlen, den Zehnten und allen \u00fcbrigen Nutzungen, die zu den Steuern ihrer Pr\u00e4benden geh\u00f6ren \u2026 und den ganzen Zehnten von jeder der beiden Parochien (Kirchspiele), n\u00e4mlich von Ethelingstede, Barmetstede \u00fcbereignet.\u201c <a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=1057\" data-type=\"post\" data-id=\"1057\">Urkunde des Adalbero<\/a> Barmstedt wird hier mit den Begrifflichkeiten curtis (Hof) und parochie (Kirchspiel, niederdeutsch: Kerspel) erw\u00e4hnt. Es handelt sich also um einen gro\u00dfen Hof mit einer Siedlung und einer Kirche als Mittelpunkt eines &#8211; damals &#8211; sehr gro\u00dfen Kirchspiels. Der Standort dieser Kirche l\u00e4sst sich zweifelsfrei kl\u00e4ren, da die Grundmauern innerhalb der heutigen Heiligen-Geist-Kirche bei Ausgrabungen im Jahre 1968 gefunden wurden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/RiVBarm_12_Turmhuegelburg_Luetjenburg.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-950\" width=\"438\" height=\"329\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/RiVBarm_12_Turmhuegelburg_Luetjenburg.jpeg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/RiVBarm_12_Turmhuegelburg_Luetjenburg-300x225.jpeg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/RiVBarm_12_Turmhuegelburg_Luetjenburg-768x576.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 438px) 100vw, 438px\" \/><figcaption>Rekonstruierte Turmh\u00fcgelburg L\u00fctjenburg als arch\u00e4ologisches Experiment<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ob allerdings der Hof sich in der N\u00e4he des Kirchdorfs oder &#8211; was n\u00e4her liegt &#8211; bei der wahrscheinlich auf den Kr\u00fcckauinseln gelegenen &#8211; in den Quellen aus dieser Zeit aber nicht erw\u00e4hnten &#8211; Burg gelegen hat, ist nicht klar. Man kann aber sicherlich davon ausgehen, dass mit den erw\u00e4hnten M\u00fchlen die <a href=\"http:\/\/www.rantzauer-wassermuehle.de\/index.php\/de\/geschichte\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.rantzauer-wassermuehle.de\/index.php\/de\/geschichte\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wasserm\u00fchle<\/a> am heutigen Standort bei den Kr\u00fcckauinseln und m\u00f6glicherweise die in Elmshorn gemeint sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast gleichzeitig mit der Erw\u00e4hnung des Hofes und des Dorfes Barmstedt treten zum ersten Mal die Ritter mit gleichem Namen auf, allerdings nicht im Zusammenhang mit Hof oder Kirchspiel, sondern als Zeugen in Urkunden, zum ersten Mal in der Person des Heinricus advocatus de Barmizstide im Jahr 1149. Als Vasall des Schauenburger Grafen Adolfs II. wird dieser <strong>Heinrich I. von Barmstede <\/strong>in einer Urkunde des s\u00e4chsischen Herzogs Heinrich der L\u00f6we als Zeuge aufgef\u00fchrt. Nach Neusch\u00e4ffer war er zu dieser Zeit gr\u00e4flich Schauenburger Vogt des Ortes und des Kirchspiels Barmstedt (Neusch\u00e4ffer, S. 2) oder nach anderen Autoren des Domkapitels Hamburg. Die Herkunft der Familie &#8211; und damit auch des Namens &#8211; ist unbekannt. Ob also die Ritter den Namen mitbrachten und der Ort nach ihnen benannt wurde oder andersherum, die Ritter ihren Namen vom Ort Barmstede ableiteten, bleibt unklar. Sie geh\u00f6rten aber mit wenigen anderen ritterschaftlichen Familien in der Mitte des 12. Jahrhunderts zum alteingesessenen Landadel (Domini, Nobiles, Edelfreie) mit gro\u00dfem Grundbesitz in Stormarn (Barmstedt, Elmeshorn, Uetersen) und in Dithmarschen und waren Gefolgsleute und Ratgeber der Schauenburger Grafen. Da sie auch bei der Aufstellung des Heerbannes mitgewirkt haben, wird Heinrich mit seinen Knappen am Wendenkreuzzug von 1147 teilgenommen haben. Sie waren teils verschw\u00e4gert mit den Overboden, also der f\u00fchrenden Familie des s\u00e4chsischen Adels im Gau Stormarn, die Vorsitzende der Gaugerichte und Heerf\u00fchrer waren. Gleichzeitig waren sie Advocati im Dienst des Erzbistums Bremen und verwalteten f\u00fcr ihr Gebiet deren Grundbesitz &#8211; also u. a. die &#8222;curtis in Barmitste&#8220; &#8211; und die Eink\u00fcnfte &#8211; u. a. den Zehnten des Barmstedter Kirchspiels &#8211; f\u00fcr das Domkapitel in Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Barmstedes waren m\u00e4chtige Grundherren und pr\u00e4gten ebenso die Gegend wie die Grafen von Schauenburg, die Erzbisch\u00f6fe von Bremen und das Domkapitel von Hamburg. Sie haben m\u00f6glicherweise die Burg auf der heutigen Schlossinsel angelegt und mindestens eine weitere beim heutigen Uetersen. Jedoch gibt es bisher keine zeitgen\u00f6ssischen Quellen zur mittelalterlichen Burganlage. F\u00fcr die Barmstedes wird urkundlich nur der Sitz in Uetersen zur Zeit von deren Klostergr\u00fcndung dort erw\u00e4hnt. Das Haus in Barmstedt auf den Kr\u00fcckauinseln wird zum ersten Mal 1652 in der &#8222;Neuen Landesbeschreibung der zwei Herzogt\u00fcmer Schleswig und Holstein&#8220; von Caspar Dankwerth erw\u00e4hnt. &#8222;Dieser Hoff oder das Geb\u00e4w so annitzo stehet ist Anno 1270 von Graff Otto zu Schawenburg \u2026 erbaut worden.&#8220; Nach Meinung des Landeskonservators Richard Haupt (Bau- und Kunstdenkm\u00e4ler 1888) entstand es in dem Zustand von 1650 aber erst im 16. Jahrhundert. \u00dcber die erste Bebauung gibt es also nur Mutma\u00dfungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Stammsitz der Barmstedes ist also nicht dokumentiert. Es wird aber aufgrund der Burganlage und ihres Namens meist angenommen, dass sie oberhalb des heutigen M\u00fchlenstaus eine Wasserburg auf den drei Kr\u00fcckauinseln (heutige <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlossinsel_%28Barmstedt%29\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlossinsel_%28Barmstedt%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schlossinsel Rantzau<\/a>) besa\u00dfen, da die Insellage innerhalb des Sumpfgebiets der m\u00e4andrierenden Kr\u00fcckau gute Verteidigungsm\u00f6glichkeiten bot. Unklar ist bisher, ob hier auch der befestigte Hof (curtis) Barmstedt zu verorten ist. Neben der Bezeichnung &#8222;curtis&#8220; gab es nach Hirschfeld (S.4) im Mittelalter f\u00fcr solche Anlagen auch die Ausdr\u00fccke &#8222;curia&#8220; und &#8222;castrum&#8220;. Curia bezeichnete im 13. Jahrhundert die Bezeichnung f\u00fcr einen ritterlichen Hof als Typus zwischen einer ritterlichen Burg (castrum) und Bauernhof, der immerhin durch Umwallung gesch\u00fctzt war. Die \u00dcberg\u00e4nge seien aber flie\u00dfend gewesen und h\u00e4tten sich der jeweiligen Landschaftsform angepasst. Die H\u00f6fe h\u00e4tten in oder neben D\u00f6rfern gelegen, die Burgen aber abseits vom normalen Siedlungsplatz in Niederungen als Sicherung gegen \u00dcberf\u00e4lle.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Bauform der Burgen des 12. und 13. Jahrhunderts wird heute meist die Turmh\u00fcgelburg (Motte) vermutet, wie sie als experimenteller Wiederaufbau in <a href=\"http:\/\/www.turmhuegelburg.de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.turmhuegelburg.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">L\u00fctjenburg<\/a> neu entstanden ist. Auch die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hatzburg\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hatzburg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hatzburg<\/a> bei Wedel wird in ihrer Ursprungsform diesem Typus entspochen haben, wie er auf der obigen Zeichnung z.B. auch f\u00fcr die Motte in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Turmh%C3%BCgelburg_Attendorn\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Turmh%C3%BCgelburg_Attendorn\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Attendorn-Berlinghausen<\/a> vermutet wird. Da es keine gewachsenen Felsabbaugebiete in der norddeutschen Tiefebene gibt, waren die Wohn- und Verteidigungsbauten nicht wie im Rheinland aus Stein, sondern fast ausschlie\u00dflich aus Erde und Holz gebaut, welches &#8211; sofern nicht besondere Bedingungen vorliegen &#8211; inzwischen vollst\u00e4ndig verschwunden ist. Reste solcher Burgen sind deshalb nur nachgewiesen worden, wenn der Bauplatz nicht wiederverwendet wurde und Wall- oder andere Bodenformationen \u00fcbrig blieben. Eine solche Fundstelle gibt es an der Kr\u00fcckau oberhalb von Barmstedt, wo sich am Ufer der Kr\u00fcckau eine Turmh\u00fcgelburg bei Langeln befunden haben muss. Die Barmstedter Burg in der Kr\u00fcckau wurde jedenfalls sp\u00e4ter durch ein Schloss \u00fcberbaut. M\u00f6glicherweise gab es mehrere solcher Burgen in unserem Gebiet. Die Barmstedes selbst besa\u00dfen nachweislich eine Burg (castrum) in Uetersen, deren Standort nach der Klostergr\u00fcndung verlegt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob es zur damaligen Zeit bereits eine M\u00fchle gegeben hat, ist nicht bekannt. Wasserm\u00fchlen allerdings wurden damals mit teils gro\u00dfem Aufwand angelegt. F\u00fcr Hamburg, die zentrale Stadt und Burg der Grafschaft Stormarn ist beispielsweise dokumentiert, dass dort 1189 ein Damm durch die Alster gebaut wurde, um eine Kornm\u00fchle zu betreiben. Sie wurde an einen M\u00fcller verpachtet, der daf\u00fcr einen Teil an die gr\u00e4fliche Kasse weiterzugeben hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Umst\u00e4nde, die zum Ende der ritterlichen Herrschaft \u00fcber die Barmstedter Region gegen Ende des 13. oder zu Beginn des 14. Jahrhunderts f\u00fchrten, ist noch unklar. Die Ursachen d\u00fcrften mit den allgemeinen Str\u00f6mungen dieser Zeit zusammenh\u00e4ngen und k\u00f6nnten eine Folge der Schauenburger Herrschaftsausdehnung zu Lasten des niederen Adels sein. So bleibt f\u00fcr Barmstedt sowohl die Frage des Wohnsitzes auf den Kr\u00fcckauinseln als auch die der herrschaftlichen Zugeh\u00f6rigkeit vor Beginn der schauenburgischen Herrschaft im Jahre 1322 im Dunkeln.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-10132\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Schauenburger Amtmann auf der Burg &#8211; Sitz des Amtes Barmstedt (Kirchspiele Barmstedt und Elmshorn)<\/h2><div id=\"ac-10132\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>1322 kauften die Schauenburger vom Hamburger Domkapitel die Burg bei Barmstedt mit s\u00e4mtlichen Eink\u00fcnften incl. Uetersen, au\u00dferdem Rellingen im Austausch gegen Wohldorf, Rahlstedt und Bergstedt. Diese Gebiete waren die vorletzten St\u00fccke der endg\u00fcltigen \u201e<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Holstein-Pinneberg\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Holstein-Pinneberg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Grafschaft Holstein-Schauenburg<\/a>\u201c bzw. \u201eHolstein Pinneberg\u201c bzw. &#8222;Herrschaft Pinneberg&#8220; mit den \u00c4mtern Pinneberg, Hatzburg, Barmstedt, ab 1390 auch Herzhorn, den Vogteien Ottensen und Uetersen und dem Flecken Altona. Verwaltet wurde das Gebiet von einem Drosten auf der Hatzburg bei Wedel an der Elbe. Ihm unterstanden die Amtm\u00e4nner und V\u00f6gte.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>1333 wird zum ersten Mal das Amt Barmstedt erw\u00e4hnt<\/strong>, das von einem Amtmann auf Haus Barmstedt verwaltet wird. Es entspricht in seinen Grenzen etwa dem Urkirchspiel Barmstedt. Zum Amt geh\u00f6rten die Kirchspiele Barmstedt (incl. H\u00f6rner Gilde, ohne Bilsen) und Elmshorn. Den Amtm\u00e4nnern unterstanden direkt der Kornschreiber, das Personal auf der Burg und dem Hof und der Vogt von Elmshorn. Die Bauern und K\u00e4tner mussten Hand- und Spanndienste f\u00fcr die herrschaftlichen L\u00e4ndereien leisten, was bedeutete, dass sie zu allen Arbeiten, die auf dem Hof anfielen, herangezogen wurde, also zur D\u00fcngung, Aussaat, Ernte, Streubeschaffung oder Holzverkauf. Dabei mussten sie ihre Gespanne zur Verf\u00fcgung stellen. Niemand durfte aber mehr als zwei Tage die Woche zu diesen &#8222;Hoftagen&#8220; herangezogen werden. W\u00e4hrend der Arbeit wurden sie frei verpflegt. Die L\u00e4ndereien, aus denen das Gut Barmstedt entstand, umfassten 20 Morgen und 7,5 Ruten Marsch in Sommerland, 13 Morgen Marschland in Rahefelde, 61,5 Morgen und 20 3\/6 Ruten Geestland und 38 1\/2 Morgen und 25 13\/15 Ruten Wiesenland. Die Flurnamen der Geestl\u00e4ndereien waren: Neuer Hopfengarten, alter Hopfengarten, Pferdekoppel im Osten, Kuhkoppel im Osten, M\u00f6lenwiese im Osten, Bullenkuhlenwiese Lusewinkelswiese im Norden, Schafwaschwiese im Norden, Offenauer Wiese, Schweinekoppel an der Aue, Osterwiese, Jasenwinkelskamp, Rettekamp, Kalekamp, kleines Moorkamp, Tidenhof mit Bornerkamp, Wendkamp, B\u00f6tkerskamp. Au\u00dfer den Hopfeng\u00e4rten unmittelbar am Vorwerk gelegen waren diese Koppeln, Wiesen und K\u00e4mpe in der Feldmark verstreut. (D\u00f6ssel, S. 64)<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich 1370 wurde (nach Dankwerth 1270, dem hier wohl mit Recht ein Schreibfehler in seiner 1652 erschienenen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neue_Landesbeschreibung_der_zwei_Herzogt%C3%BCmer_Schleswig_und_Holstein\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neue_Landesbeschreibung_der_zwei_Herzogt%C3%BCmer_Schleswig_und_Holstein\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Neue Landesbeschreibung der zwei Herzogt\u00fcmer Schleswig und Holstein<\/a> unterstellt wird), \u201eder Hoff oder das Geb\u00e4w so annitzo stehet\u201c, n\u00e4mlich das Haus Barmstedt von Graf Otto zu Schawenburg erbaut. Richard Haupt nimmt demgegen\u00fcber an, dass die Entstehungszeit des Hauses im 16. Jahrhundert anzusetzen sei. Auf jeden Fall wurde die vorher bestehende Burg abgebrochen und ein herrschaftliches Haus an gleicher Stelle erbaut. \u00dcber seine Gr\u00f6\u00dfe und sein Aussehen gibt es nur Mutma\u00dfungen. Sicher ist lediglich seine Lage auf den drei Kr\u00fcckauinseln, der heutigen Schlossinsel.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_3_1588_DanielFrese.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1027\" width=\"451\" height=\"345\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_3_1588_DanielFrese.jpg 896w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_3_1588_DanielFrese-300x230.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_3_1588_DanielFrese-768x588.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 451px) 100vw, 451px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>1588 wird die <strong>Pinneberger Landtafel von Daniel Freese<\/strong> im Auftrag von Graf Adolf XIV. von Holstein-Schauenburg fertiggestellt. Das mit kunstvollen Details ausgestattete Landkarten-Gem\u00e4lde (5m x 4,50m) mit 650 historischen Orts- und Flurbezeichnungen der Grafschaft Holstein-Pinneberg und 62 Wappen des Schauenburger Adelsgeschlechts ist eines der ersten seiner Zeit. Das Original h\u00e4ngt im B\u00fcckeburger Schloss, dem letzten Sitz der Schauenburger Grafen, der sich seine ferne Pinneberger Herrschaft auf diese Weise st\u00e4ndig vor Augen f\u00fchren konnte. Kopien h\u00e4ngen auch im Pinneberger Ratssaal und im Altonaer Museum. Barmstedt als &#8222;Barmstede&#8220; wird als umfriedetes Kirchdorf an der Kr\u00fcckau &#8211; kleiner als Elmshorn &#8211; dargestellt, mit einem n\u00f6rdlich gelegenen Galgenh\u00fcgel. Daneben die vom Barmsteder Wolth eingerahmte herrschaftliche Anlage auf den Inseln im Fluss mit einem vorgelegenen Gutshof. Der Galgenh\u00fcgel macht deutlich, dass der Amtmann auch die Halsgerichtsbarkeit besa\u00df. Aus dieser Epoche stammt die bis heute im nordwestlichen Barmstedt existierende Stra\u00dfen- und Flurbezeichnung Galgenberg.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_4_1588_FreseBarmstedt_Schlossinseln-1024x563.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1028\" width=\"405\" height=\"222\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_4_1588_FreseBarmstedt_Schlossinseln-1024x563.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_4_1588_FreseBarmstedt_Schlossinseln-300x165.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_4_1588_FreseBarmstedt_Schlossinseln-768x422.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_4_1588_FreseBarmstedt_Schlossinseln-1536x844.jpg 1536w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_4_1588_FreseBarmstedt_Schlossinseln.jpg 1589w\" sizes=\"auto, (max-width: 405px) 100vw, 405px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Zum Amt und Haus (Gut) Barmstedt sind ab 1600 &#8211; nach D\u00f6ssel &#8211; erstmals ausf\u00fchrliche schriftliche Unterlagen zu Einnahmen- und Ausgabenregister, Voranschl\u00e4gen, Pachtvertr\u00e4gen u. \u00c4. erhalten geblieben. So k\u00f6nnen f\u00fcr diese Zeit zugeh\u00f6rige Gebiete, Bewohner, Verwaltungsaufbau, Dienstpflichten, wirtschaftliche Verh\u00e4ltnisse und Einkommen bestimmter Berufsgruppen nachvollzogen werden. Als <strong>Bewohner des Amtes Barmstedt<\/strong> werden aufgef\u00fchrt als <strong>zum Kirchspiel Elmshorn geh\u00f6rig die &#8222;Raherleutte, Elm\u00dfhorner Fleckesleutte, Kaltenwweider, Spiekerleutte, Hasenb\u00fcscher, Sandtberger&#8220;. &#8222;Das Caspell Barmstedte mit Bockholtz, Hanredder, Aspern, Gro\u00dfen Offensetz, L\u00fctken Offensethe, Bokelse\u00df, Westerhorn, Osterhorn, Bokel, Brande, L\u00fctzhorn, Hede, Langlen, Hemdingen, Tiensen, Bevern, Seth, Colling, Kirchdorff&#8220;<\/strong> (1; StAK, AX83). Bullenkuhlen, Ellerhoop, Eekholt, Sparrieshoop werden nicht genannt, m\u00f6glicherweise weil die Ortsbezeichnungen damals nicht gebr\u00e4uchlich waren, so D\u00f6ssel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Amtm\u00e4nner, von denen die Namen Otto Schriewer, Albrecht Werk und Daniel Utecht \u00fcberliefert sind, wohnten auf dem Haus Barmstedt auf den heutigen Schlossinseln. Sie waren dem Drosten in Pinneberg unterstellt, an den auch die erwirtschafteten \u00dcbersch\u00fcsse abgef\u00fchrt werden mussten: Zwischen 1600 und 1617 betrugen sie zwischen 7.463 und 15.693 Mark j\u00e4hrlich. Die Einnahmen stammten aus &#8222;stehenden Pflichten&#8220;, verkauftem Korn, verkauftem Holz (f\u00fcr M\u00fchlen, Vorwerke, Br\u00fccken, Marschbewohner), &#8222;Br\u00fcchen&#8220; (verh\u00e4ngten Strafen), Barmstedter und Elmshorner Dienstgeldern (Abl\u00f6sung eines Teils der Hand- und Spanndienste), der 3- oder 5-j\u00e4hrigen &#8222;Bede&#8220;, dem &#8222;H\u00fchnergeld&#8220;, der Schweinemast in den gr\u00e4flichen H\u00f6lzungen, der Fischerei (u. a. in der Aue und dem Burggraben), Jagdergebnissen des J\u00e4gerknechts) und schlie\u00dflich den Einnahmen aus den M\u00fchlen. Die Wasserm\u00fchle war bis 1605 eine Hausm\u00fchle, danach wurde sie &#8211; wie der Hof &#8211; verpachtet, so dass eine gleichbleibende feste Einnahme entstand. Dasselbe galt f\u00fcr die anderen M\u00fchlen des Amtes, u. a. in Bokel.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Amt Barmstedt gab es damals 112,5 &#8222;Bauleute&#8220; (Bauernstellen), 185 K\u00e4tner und 45 Brinksitzer (Tagel\u00f6hner\/Kleinstbauern), im Barmstedter Kirchdorf selbst gab es 7 Bauleute und 22 K\u00e4tner.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_5_Ernst_von_Holstein-Schauenburg-B100.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1029\" width=\"243\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_5_Ernst_von_Holstein-Schauenburg-B100.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_5_Ernst_von_Holstein-Schauenburg-B100-254x300.jpg 254w\" sizes=\"auto, (max-width: 243px) 100vw, 243px\" \/><figcaption>Graf Ernst von Holstein Schauenburg 1601-1622<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der Amtmann in Barmstedt hatte neben seinen Aufgaben als herrschaftlicher Beamter auch f\u00fcr die Bewirtschaftung der gr\u00e4flichen L\u00e4ndereien zu sorgen. Diese Aufgabe wandelte sich um 1600. Fast \u00fcberall in den Herzogt\u00fcmern wurden die herrschaftlichen L\u00e4ndereien wegen der krisenhaften Entwicklungen auf den Absatzm\u00e4rkten um die Wende des Jahrhunderts verpachtet, so dass anstelle einer je nach Konjunktur gr\u00f6\u00dferen oder geringeren Einnahme ein festes Pachtgeld in die herrschaftlichen Kassen floss. <strong>Die L\u00e4ndereien des Hauses Barmstedt pachtete der dortige Amtmann<\/strong> Dr. Joh. Treimann f\u00fcr 2000 Taler (u. a. Dienstgeldentsch\u00e4digung f\u00fcr gr\u00e4fliche Kasse: 200 Taler f\u00fcr 40 Bauleute (Bauern) und 100 Taler f\u00fcr 50 K\u00e4tner, die er zum Ackerbau n\u00f6tig hatte. Dazu geh\u00f6rten auch 20 Morgen Marschland in Sommerland, 61 Morgen Grasland, 38 \u00bd Morgen Deichland, 4 Moorkoppeln, die Sch\u00e4ferei, Sommerweidung aller Redder (Wege mit Hecken auf beiden Seiten) [Ehlers S.108] Der volle Baumann zahlte an Dienstgeld ca. 20 Taler, K\u00e4tner verschieden, Brinksitzer. [Ehlers S.104]<br>In den Jahren 1599, 1607 und 1611 f\u00fchrte der Amtmann und P\u00e4chter im Haus Barmstedt <strong>Hexenprozesse<\/strong> durch, in denen mehrere Frauen nach langen Verh\u00f6ren unter Folter &#8222;gestanden&#8220;, Umgang mit dem Teufel gehabt zu haben und an Tod, Krankheit und Missernten durch Zauberei schuld zu sein. Alle diese Frauen starben auf dem Scheiterhaufen. Die Gerichtsakten sind von Hans D\u00f6ssel ausf\u00fchrlich dargestellt. <\/p>\n\n\n\n<p>1640 starb der letzte Schauenburger, Graf Otto IV. von Schaumburg (Holstein-Schauenburg), Landesherr der Grafschaft Holstein-Pinneberg, ohne Erben. Der d\u00e4nische K\u00f6nig Christian IV. nahm daraufhin mit der Begr\u00fcndung, es sei ein heimgefallenes Reichslehen und ein Teil des Herzogtums Holstein, die gr\u00e4flichen L\u00e4ndereien in Besitz und lie\u00df sich von den Eingesessenen huldigen. Herzog Friedrich III. von Holstein-Gottorp machte aber ebenso wie die Mutter des verstorbenen Schauenburgers, die nachweisen konnte, dass es ein erblicher Familienbesitz sei, die gleichen Anspr\u00fcche geltend. Am 7. Dez. 1640 kam es zu einem Vergleich: K\u00f6nig und Herzog kauften der Grafenmutter die Grafschaft ab. Der K\u00f6nig erhielt 3\/5 (wegen der bisherigen Unkosten), der Herzog 2\/5 des Territoriums. Alles zusammen soll mit 800.000 Talern veranschlagt worden sein. Der k\u00f6nigliche Teil wurde als Herrschaft Pinneberg nicht mit dem Herzogtum Holstein verbunden, sondern gesondert verwaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Amt Barmstedt nebst Elmshorn, veranschlagt zusammen f\u00fcr 150.000 Taler und 10.000 in bar, kam an den Gottorfer Herzog. Das 2. F\u00fcnftel erhielt der Herzog 1642 auf dem Kieler Umschlag mit 160.000 Talern ausgezahlt. Jeder Landesherr lie\u00df seinen Anteil durch einen Drosten verwalten und setzte zur Aufsicht \u00fcber die Kirchen einen Probsten ein. Entgegen der Forderung der Holsteinischen Landst\u00e4nde wurde die ehemalige Grafschaft Holstein-Pinneberg nicht dem Herzogtum Holstein einverleibt, sondern blieb im Einvernehmen beider Herrscher ein f\u00fcr sich bestehender Landesteil (bis 1806), \u00e4hnlich dem Bistum L\u00fcbeck. Drost \u00fcber den herzoglichen Anteil Barmstedt und Elmshorn wurde Anthon von Wietersheim. Die Kirchenaufsicht hatte vorher beim Superintendanten Johann Gisenius in Rinteln gelegen. Der Herzog setzte jetzt seinen holsteinischen Probsten Paul Sperling ein. Die Bauern hatten neben den Abgaben Hand- und Spanndienste zu leisten, was bedeutete, dass jeder an einigen Tagen der Woche auf den herrschaftlichen L\u00e4ndereien zu arbeiten hatte. Leibeigenschaft wie auf den ostholsteinischen G\u00fctern gab es hier nicht. (Rauert).<\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-10133\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Herrschaftssitz der Grafen zu Rantzau<\/h2><div id=\"ac-10133\" class=\"c-accordion__content\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_1614-1663-767x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-362\" width=\"275\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_1614-1663-767x1024.jpg 767w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_1614-1663-225x300.jpg 225w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_1614-1663-768x1026.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_1614-1663-1150x1536.jpg 1150w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_1614-1663-1533x2048.jpg 1533w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_1614-1663-300x401.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_1614-1663-850x1135.jpg 850w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_1614-1663.jpg 1749w\" sizes=\"auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><figcaption>Christian Rantzau (1614 &#8211; 1663)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Am 28.12.1649 erwarb Christian Rantzau, der d\u00e4nische Statthalter der Herzogt\u00fcmer Schleswig und Holstein, vom Gottorfer Herzog Friedrich III. zum Preis von 201.000 Speciestalern das ehemals schauenburgische Amt Barmstedt und lie\u00df dort &#8211; auf den drei Inseln der Au &#8211; ein Schloss errichten. Der Sinn des Kaufs bestand f\u00fcr Rantzau, einen der reichsten und m\u00e4chtigsten M\u00e4nner im d\u00e4nischen K\u00f6nigreich, darin, ein reichsunmittelbares Lehen zu erwerben, durch das er direkt herrschaftliche Rechte als Reichsf\u00fcrst erhalten konnte, sofern dieses vom Kaiser gebilligt wurde. Rantzaus Stammsitz, die Breitenburg, lag nicht weit entfernt, war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch durch die Zerst\u00f6rungen der eben beendeten Kriege kaum bewohnbar. Da er als Statthalter in Gl\u00fcckstadt residierte und gleichzeitig k\u00f6niglicher Amtmann auf der Steinburg war, musste ihm das Amt Barmstedt, das vom befreundeten gottorfischen Drosten Kielmannsegge verwaltet wurde, als ein sehr g\u00fcnstiger Zuerwerb erscheinen. Er konnte das Amt mit allen \u201eGerechtigkeiten\u201c gegen seine G\u00fcter in Wagrien und Koxb\u00fcll (Amt Husum) und 101.000 Taler mit dem Gottorfer Herzog tauschen. Das alte Stammgut der Familie Rantzau in Wagrien konnte er allerdings bald zur\u00fcck kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich nach dem Kauf lie\u00df er sich &#8211; am 5. Januar 1650 &#8211; von seinen neuen Untertanen auf dem Haus Barmstedt, jetzt &#8222;Schlo\u00df&#8220; Rantzau huldigen. Seine Erh\u00f6hung zum Reichsgrafen (Comitiv und Pallatinat) und die Erhebung des Amtes Barmstedt zur Freien Reichsgrafschaft des Heiligen R\u00f6mischen Reichs konnte Rantzau erreichen, als er 1650 als Gesandter des d\u00e4nischen K\u00f6nigs Friedrich III. in Wien stellvertretend die Belehnung mit dessen Herzogtum Holstein durch den deutsch-r\u00f6mischen K\u00f6nig Ferdinand III. entgegennehmen durfte. Seine sehr gro\u00dfz\u00fcgigen Geschenke an den Kaiser und sein pr\u00e4chtiges Auftreten erm\u00f6glichten ihm, f\u00fcr sich selbst zu erreichen, dass dieser die Vertauschung und den Verkauf der Gebiete mit dem Gottorfer best\u00e4tigte und ihn entsprechend erh\u00f6hte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"826\" height=\"526\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_SkizzeRantzauUmbau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-371\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_SkizzeRantzauUmbau.jpg 826w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_SkizzeRantzauUmbau-300x191.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/ChristianRantzau_SkizzeRantzauUmbau-768x489.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 826px) 100vw, 826px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Damit war dieses kleine Gebiet, das praktisch nur aus den Kirchspielen Barmstedt und Elmshorn bestand &#8211; wobei die D\u00f6rfer ringsum damals dazugeh\u00f6rten &#8211; direktes Lehen des Reiches und weder den beiden holsteinischen Herz\u00f6gen noch einer anderen Instanz als dem Reich untergeordnet, wenn auch Teil des nieders\u00e4chsischen Kreises. Die Erbfolge wurde nach der Primogenitur (nur der erstgeborene Sohn tritt das Erbe an) bestimmt, es sei denn der Erstgeborene sei unf\u00e4hig zu regieren. Ebenfalls wurden Abfindungsregeln festgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Christian Rantzau nahm alle Hoheitsrechte wahr, lie\u00df Portugal\u00f6ser und Thaler pr\u00e4gen, hob Gelehrte in den Adelsstand und hielt einen f\u00fcrstlichen Hofstaat. Daf\u00fcr lie\u00df er das Schloss Rantzau bauen, das bis 1804, wenn auch ver\u00e4ndert und erweitert, stand. Die abgebildete Umbau-Skizze befand sich in den gr\u00e4flichen Akten und stammt wahrscheinlich von Graf Christian pers\u00f6nlich. F\u00fcr die Untergeh\u00f6rigen schaffte er die vielen Hoftage und Fuhren ab, verpachtete stattdessen s\u00e4mtliche Hofl\u00e4ndereien und traf Vereinbarungen \u00fcber die zu leistenden Dienste und Fuhren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der neue Reichsgraf lebte allerdings selten auf Schloss Rantzau, h\u00e4ufiger auf der Breitenburg, das er nach den Zerst\u00f6rungen der Kriege repr\u00e4sentativ ausbaute, war aber oft in Staatsgesch\u00e4ften unterwegs. 1651 wurde er zus\u00e4tzlich zu seinen \u00fcbrigen \u00c4mtern zum Pr\u00e4sidenten des Staatskollegiums erhoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Schloss Rantzau war im Verh\u00e4ltnis zur Breitenburg zwar recht viel bescheidener, aber als Zentrale seiner neuen Reichsgrafschaft nutzte Graf Christian sein Schl\u00f6sschen bei Barmstedt durchaus auch zu repr\u00e4sentativen Zwecken, z. B. beim Empfang des d\u00e4nischen K\u00f6nigs. Auch sein Nachfolger, Graf Detlev, hielt sich selten hier, sondern eher auf seinem Gut Drage n\u00f6rdlich von Itzehoe auf. Als er 1697 starb, mussten alle Untertanen sich vor Schloss Rantzau versammeln und mit aufgehobenen H\u00e4nden den durch Inspector Hildebrand von einem Fenster aus verlesenen Treu-Eid auf den neuen Grafen Christian Detlev schw\u00f6ren. Dieser wiederum hatte um sein Schloss und die Grafschaft zu k\u00e4mpfen, da er schon bald mit dem d\u00e4nischen K\u00f6nig, dem Gottorfer Herzog und seinen Untertanen in schwere Konflikte geriet. Geschichte W\u00e4hrend seiner umstrittenen Regierungszeit wurde das Schloss mehrere Male &#8222;erobert&#8220; und wieder &#8222;befreit&#8220;. Als schlie\u00dflich nach seiner Ermordung 1721 die Grafschaft vom d\u00e4nischen K\u00f6nig sequestriert wurde, schaffte man das gesamte Inventar des Schlosses, v.a. den gesamten Archivbestand, fort.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-10134\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Sitz der k\u00f6niglich d\u00e4nischen Administratur<\/h2><div id=\"ac-10134\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Fortan war das Schloss Sitz der k\u00f6nig-herzoglichen Verwaltung unter Leitung eines Administrators und die Grafschaft Teil des d\u00e4nischen Gesamtstaates.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sequestrierung (Beschlagnahme und zun\u00e4chst Zwangsverwaltung) durch den k\u00f6niglichen Conferenzrath und Landrat Blome zu Neversdorf am Tage der Urteilsverk\u00fcndung fand offenbar innerhalb der Grafschaft ohne gro\u00dfen Widerspruch statt. Auf Schloss Rantzau wurden alle &#8222;Eingesessenen&#8220; (Bewohner) zum Gehorsam verpflichtet und das gesamte gr\u00e4fliche Eigentum sowie das Archiv ausgeliefert. Zwei Notare nahmen ein genaues Inventar der Grafschaft auf. &#8222;Die gr\u00e4flichen Geb\u00e4ude wurden in Augenschein genommen, und die darin befindlichen Mobilien, so wie alles sonstige gr\u00e4fliche Eigenthum verzeichnet. Die s\u00e4mmtlichen Unterthanen wurden um ihr Saat- und Wischl\u00e4ndereien, wie auch Torfmoor befragt, und aus ihren Quitungsb\u00fcchern notirt, was sie daf\u00fcr j\u00e4hrlich bezahlen mu\u00dften und in wie weit sie bezahlt hatten.&#8220; (Rauert, S. 20) Die einzige Erbin war die Schwester der beiden Grafen. Catharina Hedewig, verheiratet mit dem Grafen von Castell-Rudenhausen, erbte aufgrund eines Vergleichs mit dem K\u00f6nig alle Allodialg\u00fcter (den uneingeschr\u00e4nkten Besitz der Familie: Breitenburg, Drage, Lindewitt, Giesingholm, Neuendorf, Rantzauin Wagrien) und Mobilien (bewegliche Ausstattung) und \u00fcbernahm die Prozess- und Gef\u00e4ngniskosten, verzichtete dar\u00fcber hinaus auf alle Rechte an der Grafschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Heinrich Blome residierte in der Folge als Administrator auf Schloss Rantzau bis 1730. Ihm folgte Christian Albrecht John (1730-1738), dann Georg Wilhelm Baron von S\u00f6hlenthal (1738-1768). In dieser Zeit kam es infolge g\u00fcnstiger Konjunktur und merkantilistischer Ma\u00dfnahmen auch in der Grafschaft zu wirtschaftlichem Aufschwung. Das Schloss wurde repr\u00e4sentativ erweitert. Die Umbauzeichnung stammt von 1756 und liegt im Landesarchiv.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_6_Schloss_Rantzau_1756-B100.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1030\" width=\"804\" height=\"515\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_6_Schloss_Rantzau_1756-B100.jpg 924w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_6_Schloss_Rantzau_1756-B100-300x192.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_6_Schloss_Rantzau_1756-B100-768x492.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 804px) 100vw, 804px\" \/><figcaption>Schlo\u00df Rantzau Umbauzeichnung 1756<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_7_18JhHaupt-1024x831.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1031\" width=\"626\" height=\"507\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_7_18JhHaupt-1024x831.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_7_18JhHaupt-300x243.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_7_18JhHaupt-768x623.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_7_18JhHaupt.jpg 1376w\" sizes=\"auto, (max-width: 626px) 100vw, 626px\" \/><figcaption>Schlossinsel im 18. Jahrhundert. Das Haupthaus wurde 1804 durch einen Neubau ersetzt<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"467\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_8_RekonstruktionSchlossinseln-1024x467.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1032\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_8_RekonstruktionSchlossinseln-1024x467.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_8_RekonstruktionSchlossinseln-300x137.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_8_RekonstruktionSchlossinseln-768x351.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_8_RekonstruktionSchlossinseln.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Rekonstruktion der Bebauung nach 1756 aufgrund der Karte thor Stratens durch Helmut Trede. &#8222;Schlossinsel Rantzau. Ein geschichtlicher R\u00fcckblick&#8220; Bokel 2011 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Rekonstruktion der Schlossinseln Rantzau in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts. Helmut Trede erstellte dieses Modell auf der Grundlage des Insel-Grundrisses von thor Straten und der baulichen Situation nach 1756.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Hintere Insel: Das Schloss mit Seitenfl\u00fcgeln. Dahinter auf dem lang gestreckten Inselwurm, dem Rest des alten Ringwalls, der als Bleiche benutzt wurde, ein kleines Gartenh\u00e4uschen.<\/li><li>Mittlere Insel: Gerichtsgeb\u00e4ude, davor die Baracke, in der u.a. manchmal Soldaten einquartiert wurden.<\/li><li>Vordere Insel: Links das Amtsverwalterhaus, schr\u00e4g dahinter die &#8222;Remise&#8220;, ein kleiner Schuppen des Amtsverwalters. Rechts Pf\u00f6rtnerhaus mit Gef\u00e4ngnis auf der vorderen Insel, davor die Zugbr\u00fccke, dahinter &#8222;der gro\u00dfe Stall&#8220;. Von diesen Geb\u00e4uden blieb nur die Remise erhalten. Alle anderen wurden im 19. Jahrhundert abgerissen und &#8211; bis auf den Stall &#8211; ersetzt.<\/li><li>Vorwerk mit gro\u00dfem Wirtschaftsgeb\u00e4ude, kleinen Nebengeb\u00e4uden (unten) und dem Backhaus (rechts). Davon ist nichts mehr vorhanden.<\/li><li>M\u00fchle mit M\u00fcllerhaus und Scheune. Beide Geb\u00e4ude inzwischen abgerissen und ersetzt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>S\u00f6hlenthal war wie sein K\u00f6nig, Christian VI., Pietist und seit seiner Studienzeit Freund Zinzendorfs, des Gr\u00fcnders der Herrnhuter Br\u00fcdergemeine, einer konfessionell freien Gruppe, deren Mitglieder konsequent christlich leben wollten. Den Kontakt zu dieser Gruppe hielt S\u00f6hlenthal durch den gemeinsamen Freund Anton Heinrich Walbaum, der ihn auf Rantzau auch besuchte und dies ausf\u00fchrlich in seinem ver\u00f6ffentlichten Tagebuch festhielt.<\/p>\n\n\n\n<p>1753 wurde ein gro\u00dfer Stall f\u00fcr 12 Pferde mit Wagenremise und f\u00fcr K\u00fche neben dem Pf\u00f6rtnerhaus neu errichtet. Er stand bis 1868 und wurde dann ersatzlos abgerissen.<\/p>\n\n\n\n<p>1768-1784 amtierte Administrator Christian von Brandt auf Rantzau, 1784-1789 Johann Otto Niemann.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_9_Barmstedt-GrfschRantzau1789-1796.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1033\" width=\"573\" height=\"410\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_9_Barmstedt-GrfschRantzau1789-1796.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_9_Barmstedt-GrfschRantzau1789-1796-300x215.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_9_Barmstedt-GrfschRantzau1789-1796-768x551.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 573px) 100vw, 573px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Auf der abgebildeten schon sehr pr\u00e4zisen Varendorfschen Karte von 1789\/96 sind die drei Schlossinseln innerhalb des Burggrabens nahezu gleich gro\u00df, fast kreisf\u00f6rmig und in einer Reihe angeordnet dargestellt. Man gelangte von einer zur anderen \u00fcber Br\u00fccken, erst im 19. Jahrhundert wurden die Gr\u00e4ben zwischen ihnen zugesch\u00fcttet. S\u00fcdwestlich ist die Wasserm\u00fchle erkennbar, westlich befand sich das Vorwerk und der Garten. Umgeben ist die Anlage von Wiesen, durch die sich die Aue (Kr\u00fcckau) schl\u00e4ngelt. Westlich befinden sich Waldst\u00fccke, die deutlich kleiner waren als heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wegesystem ist teilweise mit unserem heutigen identisch, teils unterscheidet es sich. So f\u00fchrte die &#8211; unbefestigte &#8211; Landstra\u00dfe nach Altona \u00fcber Bevern an der M\u00fchle vorbei und bog erst danach parallel zum Schleusengraben nach S\u00fcden ab. Um von Rantzau aus nach Elmshorn zu gelangen, ritt, ging oder fuhr man auf seinem Pferdewagen zun\u00e4chst zur Oh-Kate (heutige Esso-Tankstelle), wo sich der Weg gabelte, und dann in einem Zickzackkurs auf einem Sandweg durch den Wald nach Vo\u00dfloch und weiter nach Offenau und Elmshorn.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-10135\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Rantzau verliert sein Schloss &#8211; Das 19. Jahrhundert beginnt<\/h2><div id=\"ac-10135\" class=\"c-accordion__content\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_10_Barmstedt-VahrendorfscheKarte1792.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1034\" width=\"501\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_10_Barmstedt-VahrendorfscheKarte1792.jpg 782w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_10_Barmstedt-VahrendorfscheKarte1792-300x206.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_10_Barmstedt-VahrendorfscheKarte1792-768x526.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/><figcaption>Topographisch-milit\u00e4rische Karte des Herzogtums Holstein 1792\/93<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend es in Frankreich zur gro\u00dfen &#8211; von den gebildeten Schichten zun\u00e4chst \u00fcberall bejubelten &#8211; Revolution kam, wurde in den Herzogt\u00fcmern und im d\u00e4nischen K\u00f6nigreich unter der faktischen Regierung des Kronprinzen eine aufgekl\u00e4rte, an wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung orientierte Politik betrieben. Administrator auf Rantzau war von 1789 &#8211; 1795 Friedrich von Bardenfleth (Kammerherr und Landrath), w\u00e4hrend dessen Zeit das gro\u00dfe Vorwerksgeb\u00e4ude unter der Aufsicht des f\u00fcr Holstein und Altona zust\u00e4ndigen, durch klassizistische Bauten in Altona ber\u00fchmt gewordenen Landbaumeisters <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christian_Frederik_Hansen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Christian Frederik Hansen<\/a> errichtet wurde. (Trede 2011, S. 32) Amtsverwalter war bis 1792 Philip Georg Friederich von Reck (Regierungsrath). Ihm folgte bis 1801 Heinrich Theophilius Christian Hasse (Legationsrath und Doctor der Rechte) Als Administrator folgte 1795 &#8211; 1798 Hinrich Friedrich von Eggers (Conferenzrath und Ritter). Amtsverwalter wurde 1801 Hildemar thor Straten (Kriegsrath). Administrator war 1798 Nicolaus Otto Baron von Pechlin (Kammerherr) geworden. Nach Aussage seines Nachfolgers von Hennings war dieser jedoch unzuverl\u00e4ssig (Ritschl, S.156). Auch thor Straten klagt \u00fcber die Amtsf\u00fchrung seines Vorg\u00e4ngers. (thor Straten, S.91) Aber es kam in der Zeit Pechlins und thor Stratens zu einer entscheidenden Ver\u00e4nderung auf Rantzau, n\u00e4mlich zum Abriss des Schlosses und seiner Ersetzung durch einen erheblich schlichteren Neubau. \u00dcber deren Hintergrund ist bisher wenig Genaues bekannt, au\u00dfer der Tatsache, dass die Bausubstanz des Schlosses v\u00f6llig marode war. Graf Reventlow schreibt 1796 in seinen &#8222;Reise Bemerkungen&#8220;:<br>&#8222;Ich besah mir das Haus des Administrators. Das ganze Wesen ist eine abscheuliche meist aus kleinen L\u00f6chern bestehende Schrummeley. Bald geht es Trepp auf und bald herunter. Alles ist von Fachwerk. Das neue Haus ist noch schlechter als das alte gebaut. Unter dem neuen Hause ist fast nirgends fester Grund, und das Haus ist deswegen unglaublich viel von au\u00dfen und innen gesunken. Ich habe nie so versunkene Scherwende gesehen, und einige gezogene Schornsteine auf so unsicheren Unterlagen sind durch die vielen Risse die sie bekommen gaben, und stets bekommen werden, sehr unsicher.&#8220; (Trede 2011, S.28)<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Geschichte dieses auf Graf Christian Rantzau zur\u00fcckgehenden, 1722 umgebauten und in d\u00e4nischer Zeit, 1757 und 1758, durch einen gro\u00dfen Fl\u00fcgelanbau erweiterten Schlosses sowie des gesamten Komplexes der Schlossinseln incl. des Vorwerks mit neu aufgefundenen Karten und Zeichnungen hat Helmut Trede ausf\u00fchrlich geforscht und die gut illustrierte Brosch\u00fcre &#8222;Schlossinsel Rantzau. ein geschichtlicher R\u00fcckblick&#8220; vorgelegt. (siehe Literaturverzeichnis)<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_11_Inselnca1815-1024x749.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1035\" width=\"427\" height=\"312\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_11_Inselnca1815-1024x749.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_11_Inselnca1815-300x219.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_11_Inselnca1815-768x562.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_11_Inselnca1815.jpg 1053w\" sizes=\"auto, (max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/><figcaption>Neubau des Amtssitzes auf der Schlossinsel &#8211; Zeichnung von ca. 1815<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1804 bzw. 1805 wurde das alte inzwischen dreifl\u00fcgelige Schloss aus der Zeit um 1650 abgerissen und ein neues Wohnhaus f\u00fcr den Administrator errichtet, das (wohl) heute noch steht. Es gibt unterschiedliche Darstellungen \u00fcber die Baugeschichte, die hier nur angedeutet werden sollen. Nach Ritschl, der die privaten Unterlagen der Familie des Administrators von Hennings ausgewertet hat, wurde der Neubau vom oben erw\u00e4hnten Landbaumeister Christian Frederik Hansen im neoklassizistischen Stil errichtet, w\u00e4hrend von Hennings sich um die Stelle bewarb. Er habe auch die Pl\u00e4ne zugesandt bekommen und sich \u00fcber die Symmetrieversessenheit Hansens lustig gemacht. Dieser gro\u00dfz\u00fcgige Bau sei erst zum Einzug von Hennings im Jahre 1808 fertig geworden, im Jahr 1828 aber nach einem Brand von einem ganz schlichten Neubau ersetzt worden. N\u00e4heres hier. Nach Hubertus Neusch\u00e4ffer wurde der Bau jedoch in der heutigen Form 1804 bis 1806 von C.F.Hansens Neffen, dem sp\u00e4teren Bauleiter der Kirche in Quickborn, Johann Matthias Hansen, erbaut. Auch hier (?) hatte allerdings C.F.Hansen den Entwurf geliefert. Helmut Trede konnte &#8211; wiederum in seiner 2011 erschienenen Ver\u00f6ffentlichung &#8211; nach Auswertung der Bauakten nachweisen, dass der Entwurf zum 1805\/06 erbauten Geb\u00e4ude auf der Schlossinsel vom Bauinspektor Friedrich Christian Heylmann d.\u00c4. aus Altona stammt. Festhalten l\u00e4sst sich allerdings, dass der Landbaumeister Hansen zust\u00e4ndig war, im Jahre 1804 aber nach Kopenhagen ging, um das abgebrannte Schloss Christiansborg neu zu errichten, und dabei die Holstein betreffenden Aufgaben an seinen Stellvertreter Heylmann abgab. Interessant ist jedoch die \u00c4hnlichkeit des Rantzauer Geb\u00e4udes mit dem auf Hansen zur\u00fcckzuf\u00fchrenden Herrenhaus auf <a href=\"https:\/\/www.kreis-stormarn.de\/freizeit-und-tourismus\/herrenhaeuser\/krummbek.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gut Krummbek<\/a> aus dem Jahr 1803. Das gesamte Geb\u00e4udeensemble auf den Schlossinseln ist im 19. Jahrhundert erneuert worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 1808 wurde August Adolph von Hennings neuer Administrator auf Rantzau. Er war die sicherlich interessanteste und auch bekannteste Pers\u00f6nlichkeit auf diesem Posten. Vor seiner Ernennung zum Administrator in dem von aller Politik weit abgeschiedenen, idyllischen Rantzau hatte er sich bereits einen Namen gemacht als Vork\u00e4mpfer der Aufkl\u00e4rung und Menschenrechte, Staatsmann und Schriftsteller.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_12_1818_thorStraten_Schlossinseln-863x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1036\" width=\"512\" height=\"607\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_12_1818_thorStraten_Schlossinseln-863x1024.jpg 863w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_12_1818_thorStraten_Schlossinseln-253x300.jpg 253w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_12_1818_thorStraten_Schlossinseln-768x911.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_12_1818_thorStraten_Schlossinseln-1295x1536.jpg 1295w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_12_1818_thorStraten_Schlossinseln-1727x2048.jpg 1727w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_12_1818_thorStraten_Schlossinseln.jpg 1784w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Karte thor Straten von 1818<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>M\u00f6glicherweise um einen ruhigeren Ort als Pl\u00f6n zu finden, hatte von Hennings den regierenden Kronprinz mehrfach um die durch Tod des Vorg\u00e4ngers im August 1807 freigewordene Stellung in Rantzau gebeten und erhielt sie schlie\u00dflich im Mai 1808. Nach Hamburg, wo seine T\u00f6chter C\u00e4cilie Wattenbach und Louise Sieveking wohnten, war es nur 4 Meilen und man konnte an einem Tag mit der Kutsche sowohl hin als auch zur\u00fcck fahren. Auf Rantzau hatte Hennings im Bereich des Vorwerks einen gro\u00dfen Garten, den er nach den Tagebuchaufzeichnungen seiner Enkelin selbst angelegt hatte. Sie schreibt dar\u00fcber:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Eine tiefe Au, ein M\u00fchlenteich und kleinere Kan\u00e4le bilden verschiedene Inseln, durch Br\u00fccken verbunden. Auf einer derselben liegt das Wohnhaus mit einem Wirtschaftsgeb\u00e4ude, durch eine Br\u00fccke mit einer Insel verbunden, die zur Bleiche dient. Zur anderen Seite f\u00fchrt eine Br\u00fccke auf eine dritte Insel, welche das Gerichtshaus trug, abermals f\u00fchrt eine vierte Br\u00fccke auf die vierte Insel mit dem Wohnhaus des Amtsverwalters und mit Hennings\u00b4 Kuhhaus und Pferdestall. Dieses Eiland verband eine Zugbr\u00fccke mit dem festen Lande, und dort befand sich erst der eigentliche Garten, ein Blumen- und Gem\u00fcsegarten. Rabatten mit Rosen und Johannisbeerstr\u00e4uchern und vielen Sommerblumen fa\u00dften lange gerade Wege ein. Buchenhecken bildeten Bogeng\u00e4nge; drei Fischteiche, ein Lusthaus, ein Brunnen und eine Moosh\u00fctte waren merkw\u00fcrdige Punkte und die sch\u00f6nsten Erdbeerbeete breiteten sich verlockend zwischen Rasen und Fruchtb\u00e4umen aus. Ich glaube, da\u00df dies alles noch nicht da war, als die Familie im Mai 1808 Besitz nahm von der neuen St\u00e4tte.&#8220; (Ritschl, S. 157)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Hamburger Enkelkinder befanden sich mit ihren Familien oft hier, da sie wie alle Hamburger unter den Folgen der franz\u00f6sischen Besatzung zu leiden hatten. Hennings kaufte 1812 zu seinen Amts\u00e4ckern noch den Hof Bollenkuhlen und betrieb jetzt eine richtige eigene Landwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_13_GrafschaftRantzauLohse1811-kompr.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1037\" width=\"523\" height=\"509\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_13_GrafschaftRantzauLohse1811-kompr.jpg 789w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_13_GrafschaftRantzauLohse1811-kompr-300x292.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_13_GrafschaftRantzauLohse1811-kompr-768x748.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 523px) 100vw, 523px\" \/><figcaption>Lohsesche Karte von 1811<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Idylle auf Rantzau war jedoch sehr gest\u00f6rt durch das Verh\u00e4ltnis zwischen ihm und dem Amtsverwalter thor Straten. Die Meinungsverschiedenheiten m\u00fcndeten in gegenseitigen Beschwerden vor dem Schleswig-Holsteinischen Obergericht in Gl\u00fcckstadt und eskalierten im Jahr 1816, als Wilhelm, der Sohn von Hennings, inzwischen Leutnant der hannoverschen Armee, thor Straten wegen Beleidigung seines Vaters zum Duell aufforderte. Erst 1823 wurde thor Straten nach Ahrensb\u00f6k versetzt, \u00fcbergab aber noch im gleichen Jahr &#8211; nach 22 Jahren T\u00e4tigkeit als Amtsverwalter und Hausvoigt &#8211; eine umfangreiche handgeschriebene &#8222;Beschreibung der Grafschaft Rantzau&#8220;, eine kameralistische Darstellung der Administratur mit geschichtlichen Erl\u00e4uterungen von 738 Seiten an die K\u00f6nigliche Rentekammer in Kopenhagen. Diese Darstellung wurde offensichtlich Grundlage f\u00fcr die sp\u00e4tere Ver\u00f6ffentlichung Rauerts aus dem Jahre 1840. Helmut Trede ver\u00f6ffentlichte im Jahr 2005 dieses Werk und machte es damit f\u00fcr weitere Auswertungen zug\u00e4nglich. Die Angaben sind au\u00dferordentlich detailreich und bieten ein gro\u00dfes Potential f\u00fcr die Lokalgeschichtsforschung. (s. Literaturliste)<\/p>\n\n\n\n<p>Ende Mai 1814 verlie\u00dfen die geschlagenen napoleonischen Truppen das verw\u00fcstete und brennende Hamburg. Von Rantzau und Barmstedt aus, wo einige Fl\u00fcchtlinge Zuflucht gesucht hatten, soll man den Feuerschein der brennenden H\u00e4user des Hamburger Randgebietes gesehen haben. Hennings Sohn Wilhelm war als Soldat schon fr\u00fch auf die antifranz\u00f6sische Seite gegangen und damit auch zum Kriegsgegner D\u00e4nemarks geworden und r\u00fcckte jetzt mit dem Feldbatallion Lauenburg in Holstein vor. Diese Koalitions-Truppen fluteten auch \u00fcber Barmstedt hinweg, um die d\u00e4nische Festung Gl\u00fcckstadt einzuschlie\u00dfen. Am 9. Dezember 1813 r\u00fcckten schwedische Husaren in Barmstedt und Rantzau ein. Von jetzt an bis in den Februar mussten die Bewohner die Einquartierung und Verpflegung der Truppen hinnehmen. Nach den Schweden kamen die Russen, dann die Preu\u00dfen, schlie\u00dflich Engl\u00e4nder, Hannoveraner und die Hanseatische Legion. In Rantzau lie\u00dfen sich die Offiziere und Gener\u00e4le auftischen und die Betten machen, in den anderen H\u00e4usern die &#8222;Gemeinen&#8220;. Sie f\u00fchlten sich im Feindesland und sangen nationale Befreiungslieder von Theodor K\u00f6rner, der als Mitglied des auch hier einquartierten L\u00fctzowschen Freikorps, erst wenige Monate vorher gefallen war. Am 1. Januar 1814 kamen feindliche Husaren mit 4000 Mann. Da sie sich in Feindesland sahen, brandschatzten sie nach J.J. Brockmann den Ort (1200 Mark). Als die Einquartierungen endlich beendet waren, folgte eine Typhusepidemie, der viele zum Opfer fielen. (Ritschl, S.167ff)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-10136\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">M\u00fchle und Vorderinsel erhalten neue Geb\u00e4ude<\/h2><div id=\"ac-10136\" class=\"c-accordion__content\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_16_Gerichtsschreiberhaus1824.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1040\" width=\"449\" height=\"273\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_16_Gerichtsschreiberhaus1824.jpg 676w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_16_Gerichtsschreiberhaus1824-300x182.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 449px) 100vw, 449px\" \/><figcaption>Das neue Amtsverwalterhaus, sp\u00e4ter Gerichtsschreiberhaus<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nach dem Ende der napoleonischen Kriege wurden auf Rantzau &#8211; genau wie in Barmstedt &#8211; wichtige \u00f6ffentliche Bauma\u00dfnahmen, die man lange hatte aufschieben m\u00fcssen, durchgef\u00fchrt. Auf Rantzau entstanden 1815 ein neues M\u00fcllerhaus und eine Scheune. Auf dem Foto lugt das M\u00fcllerhaus hinter dem neueren M\u00fchlengeb\u00e4ude von 1863 hervor. Leider musste es nach einem Orkan 1962 abgerissen werden. Die Scheune &#8211; ganz hinten auf dem Foto wurde 1970 ebenfalls wegen Bauf\u00e4lligkeit entfernt. Beide Geb\u00e4ude der alten Rantzauer Wasserm\u00fchle waren reetgedeckt und im Fachwerkbau errichtet. \u00dcber der Grootd\u00f6r der Scheune war eingeschnitzt: FR VI (Friedrich VI.) den 14ten Seot.1815. Beide Geb\u00e4ude und die M\u00fchle lagen an der von der H\u00f6lzung her kommenden, am Schlossgraben entlang f\u00fchrenden mit Kopfsteinen gepflasterten Landstra\u00dfe, die zwischen ihnen hindurch nach Bevern und Pinneberg f\u00fchrte. Geradeaus ging es nach Heede. Das im Vordergrund rechts stehende Geb\u00e4ude wurde erst 1863 als Ersatz f\u00fcr die alte M\u00fchle erbaut. (Trede 2011, S.33ff)<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere wichtige Bauma\u00dfnahme betraf das Amtsverwalterhaus auf der vorderen Insel. Dieses war schon seit Jahrzehnten offenbar in einem sehr schlechten Zustand gewesen. Sowohl der Legationsrat Hasse als auch sein Nachfolger von Straten schrieben eindringliche Briefe \u00fcber ihre Dienstwohnung an die Rentekammer in Kopenhagen. (Trede 2011, S. 19ff) Im Jahr 1824 endlich &#8211; nachdem von Straten gegangen war &#8211; wurde ein Neubau errichtet, der seit der Aufhebung der Grafschaft Rantzau in preu\u00dfischer Zeit als Gerichtsschreiberhaus bezeichnet wird. Auf dem Bild rechts oben ist es im heutigen Zustand aus s\u00fcdlicher Perspektive zu betrachten, deutlich zu erkennen ist das klassizistische Portal. Auf dem unteren Bild sieht man es zusammen mit der gesamten Inselgruppe von Norden aus, dargestellt in einer zeitgen\u00f6ssischen Lithographie des Elmshorner Grafikers R. v. Duhn. Hier ist am rechten Rand des Bildes noch die Zugbr\u00fccke zu erkennen, die nachts hochgezogen wurde und 1836 zusammen mit der alten Br\u00fccke und dem Pf\u00f6rtnerhaus durch einen stabilen festen Neubau ersetzt wurde. Daneben steht das neue Amtsverwalterhaus von 1824 und dahinter der gro\u00dfe Stall neben dem alten Pf\u00f6rtnerhaus und Gef\u00e4ngnis. Vor dem Amtsverwalterhaus befindet sich die heute noch existierende Remise. In der Mitte des Bildes erkennt man zwischen den B\u00e4umen das Gericht, den Vorg\u00e4ngerbau des heutigen Museums, und links hinter den B\u00e4umen das Administratorenwohnhaus.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_18_AltesWehrScheune.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1042\" width=\"404\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_18_AltesWehrScheune.jpg 826w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_18_AltesWehrScheune-300x178.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_18_AltesWehrScheune-768x456.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 404px) 100vw, 404px\" \/><figcaption>Das alte Wehr mit der Scheune<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der Streit zwischen Hennings und von Straten war nach Verleumdungen im Jahr 1816 bis zur Duell-Forderung, von von Straten zum Mord\u00fcberfall hochstilisiert, gediehen und \u00fcberschattete die durch viele Tode in der Familie Hennings getr\u00fcbte Zeit. Jetzt aber gab Hennings noch einmal ein gr\u00f6\u00dferes schriftstellerisches Werk heraus, das dem in den folgenden Jahrzehnten zunehmenden R\u00fcckbezug auf die nationale Geschichte vorgreifen sollte. Die Deutschen, dargestellt in der fr\u00fchesten Vorzeit, aus den d\u00fcrftigen Quellen der Geschichte und weit umfassenden Taten ist ein fr\u00fches Zeugnis historisch orientierter Germanenkunde, das die antiken Darstellungen neu bewertet und z.B. die Hyperbor\u00e4er mit den Germanen identifiziert und die Sage von Atlantis auf ein untergegangenes Land in der Nordsee bezieht. Im \u00fcbrigen hatte Hennings, inzwischen \u00fcber 70, weiter als Administrator zu arbeiten. Pensionierungen gab es f\u00fcr k\u00f6nigliche Beamte nicht. Seine Aufgaben waren: zweimal w\u00f6chentlich Gericht halten, die Sitzungen des kirchlichen Konsistoriums leiten, Kirchen visitieren, die Landesverwaltung aus\u00fcben. Dadurch hatte er auch nach dem Tod des 93-j\u00e4hrigen bisherigen Propstes Valentiner mit der Einf\u00fchrung von dessen Nachfolger Peter Christian Weller im Jahr 1817 zu tun. Die bisher freie Propstei wurde jetzt der k\u00f6niglichen Generalsuperintendentur unterstellt. Auch offizielle Anl\u00e4sse, wie die Begleitung des inzwischen zum K\u00f6nig gekr\u00f6nten Friedrich VI., wenn er auf seiner Reise durch Holstein in Elmshorn haltmachte, geh\u00f6rten zu Hennings Aufgaben, die er sehr gerne erf\u00fcllte, da er diesen reformwilligen K\u00f6nig verehrte. (Ritschl, S.194) 1824 heiratete seine j\u00fcngste Tochter in der Barmstedter Kirche und auf Rantzau den sp\u00e4teren Hamburger B\u00fcrgermeister Friederich Sieveking, bei der es durch einen B\u00f6llerschuss aus der zur Feier des Ereignisses abgefeuerten, aber zerplatzenden Kanone des M\u00fcllers zu einem Todesfall kam. 1826 starb Hennings nach l\u00e4ngerer Krankheit und wurde &#8211; ohne kirchliche Feier, aber mit einer Gedenkrede seines Freundes Pastor Mielk &#8211; auf dem Friedhof an der Kirche begraben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als neuer Administrator wurde 1826 &#8211; 1829 Hans Christian Diedrich Victor von Levetzow eingesetzt. Dessen Nachfolger von 1829 &#8211; 1849 war Otto Johann von Stemann.<\/p>\n\n\n\n<p>1836 wurde das &#8222;uralte&#8220; Pf\u00f6rtnerhaus von 1654 am Eingang der Schlossinseln abgerissen. Der gro\u00dfe Stall daneben blieb noch stehen. In ihm wohnte der Torw\u00e4chter und Pf\u00f6rtner, der u.a. nachts die Zugbr\u00fccke hochzuziehen und allmorgendlich wieder herabzulassen hatte. Er war gleichzeitig Gerichtsdiener und Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter &#8211; denn hinter seiner Kammer befanden sich sieben Arrestzellen &#8211; und betrieb l\u00e4ngere Zeit eine eigene eintr\u00e4gliche Krugwirtschaft. Das neue, heute noch stehende Geb\u00e4ude hatte wie das alte einen Dachreiter mit Glockenstuhl und Uhr. Das im hinteren Anbau befindliche Gef\u00e4ngnis hatte sechs Zellen und wurde noch bis 1927 benutzt. Die H\u00e4ftlinge waren v.a. wegen Bettelei, Rauferei und in Trunkenheit ver\u00fcbten Exzessen f\u00fcr 1 bis 2 Tage oder Absitzen von \u201eBr\u00fcchen\u201c verurteilt worden. Die Zellen waren mit Pritsche und Strohsack und sp\u00e4rlichem Mobiliar eingerichtet. Im Sommer machten die H\u00e4ftlinge oft Gartenarbeit f\u00fcr den Gerichtsdiener. Hin und wieder brachen einige \u00fcber das Dach aus, um an Vergn\u00fcgungen (Stoppelmarkt oder Tanzen) teilzunehmen, kamen aber zur\u00fcck. Im vorderen Bereich gab es eine Amts- und Wachstube sowie 2 Wohnstuben f\u00fcr den Gerichtsdiener und seine Familie. Rundherum war ein Garten angelegt, der selbst genutzt werden durfte. &#8211; Mit dem Neubau des Hauses war auch gleichzeitig die alte Br\u00fccke durch eine stabilere Holzkonstruktion ersetzt worden. F\u00fcr den Pf\u00f6rtner entfiel damit das abendliche Aufziehen der Zugbr\u00fccke und das morgendliche Herablassen. Stattdessen wurde die Insel jetzt durch eine Pforte gesichert.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_21_1900-Gefaengnis-Einfahrt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1045\" width=\"343\" height=\"456\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_21_1900-Gefaengnis-Einfahrt.jpg 473w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_21_1900-Gefaengnis-Einfahrt-226x300.jpg 226w\" sizes=\"auto, (max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Grundrisszeichnung links stammt vom Rantzauer Amtsverwalter Rauert, die idyllische Zeichnung von der Schlossinsel Rantzau vom Elmshorner Lithografhen R. V. Duhn. Der Blick geht von Westen entlang der Sichtachse bis zum &#8222;Schlo\u00df&#8220;. Daneben ist der Grundriss der Inseln aus der gleichen Zeit und in der gleichen Sichtrichtung wiedergegeben. Man erkennt, dass aus den drei Inseln, die noch 1805 existierten, zu Rauerts Zeit bereits zwei geworden waren, als n\u00e4mlich 1818 aufgrund des Vorschlags von Stratens der Wasserlauf zwischen der ersten und zweiten zugesch\u00fcttet worden war. Der ganze Komplex war mit dem Vorwerk durch eine Br\u00fccke verbunden, die bis 1836 noch als Zugbr\u00fccke gebraucht und allabendlich geschlossen wurde.Rechts sieht man die Karte der Grafschaft Rantzau von M. H. T. Rauert von 1852.<\/p>\n\n\n\n<p>Die hier wiedergegebenen Bilder erwecken den Eindruck von einer Rantzauer Idylle, die allerdings in scharfem Kontrast stand zu den politischen, sozialen und \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen dieser Zeit. Der Amtssitz Rantzau war um die Zeit der Revolution und der schleswig-holsteinischen Erhebung 1848-49 praktisch vakant geblieben, da zun\u00e4chst ungekl\u00e4rt blieb, wer die staatliche Autorit\u00e4t beanspruchen konnte, das Bev\u00f6lkerungswachstum und die Verarmung vieler Menschen hatten bereits Unruhen und Diskussionen \u00fcber politische Ver\u00e4nderungen nach sich gezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 10. Mai 1840 wurde f\u00fcr die Bauern der M\u00fchlzwang aufgehoben. Im Jahr darauf, am 21. April, wurden die Rantzauer- und Bokler M\u00fchle f\u00fcr die Summe von 41.295 Rbthl. (=Reichsbanktaler) auf Erbpacht verpachtet. Der bisherige M\u00fcller Jakob Bornholdt wurde der neue P\u00e4chter. (J.J.Brockmann)<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Rauert_MHTRauert-B100.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-350\" width=\"253\" height=\"221\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Rauert_MHTRauert-B100.jpg 916w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Rauert_MHTRauert-B100-300x262.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Rauert_MHTRauert-B100-768x671.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Rauert_MHTRauert-B100-850x742.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 253px) 100vw, 253px\" \/><figcaption>M.H.T.Rauert<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Als Sekret\u00e4r des Amtsverwalters &#8211; unter Administrator von Stemann &#8211; wurde von 1834 bis 1837 Matthias Heinrich Theodor Rauert angestellt. Er ist in der Barmstedter Region ber\u00fchmt geworden f\u00fcr seine 1840 erschienene Monografie unter dem Titel &#8222;Die Grafschaft Rantzau. Ein Beitrag zur genaueren Landeskunde&#8220;. Dieses Buch, das weitgehend auf den Vorarbeiten von Stratens beruhte, wurde 1936 mit einem Vorwort von Hans D\u00f6ssel und als Reprint noch einmal 1983 aufgelegt, da in ihm Geschichte, Gr\u00f6\u00dfe und Grenzen der Grafschaft, nat\u00fcrliche Beschaffenheit des Bodens, die Moore, Produkte wie Getreide, Viehzucht, Wild, Fische, die Lebensweise der Einwohner: Wohlstand, Nahrung, Bewirtschaftung der Landstellen und vieles Weitere detailliert beschrieben wurde. Mit diesem Buch empfahl sich Rauert in seiner &#8222;Vorrede&#8220; als patriotischer Beamter f\u00fcr die Stelle des Amtsverwalters und konnte das Amt auch von 1843 &#8211; 1855 bekleiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein anderes f\u00fcr die Geschichte der Region sehr aufschlussreiches Werk ist die nebenstehende Karte der Grafschaft Rantzau, die relativ exakt die Orte, Stra\u00dfen, Gew\u00e4sser, Landschaftsformen und -nutzungen des Amtsbezirks darstellte, der wiederum weitgehend die Grenzen der historischen Grafschaft von 1650 umfasste. Interessant ist neben der Zentralit\u00e4t Rantzaus innerhalb der Grafschaft die Tatsache, dass Elmshorn nur n\u00f6rdlich der Kr\u00fcckau dazu geh\u00f6rte. Die s\u00fcdlichen Bereiche Klostersande, Vormstegen und Langeloh geh\u00f6rten zur Herrschaft Pinneberg.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-10137\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Revolution von 1848 und das Ende der d\u00e4nischen Herrschaft<\/h2><div id=\"ac-10137\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>siehe <a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=313\" data-type=\"post\" data-id=\"313\">Bernhard Adolf Erdmann Georg von Moltke<\/a><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-10138\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Ende der Administratur \/ Errichtung des Amtsgerichts<\/h2><div id=\"ac-10138\" class=\"c-accordion__content\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_24_Elmshorn_Propstenfeld_1864.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1048\" width=\"400\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_24_Elmshorn_Propstenfeld_1864.jpg 800w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_24_Elmshorn_Propstenfeld_1864-300x219.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_24_Elmshorn_Propstenfeld_1864-768x561.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption>Elmshorn. Versammlung auf dem Probstenfeld. Engl. Zeichnung<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die starke deutsch orientierte Volkbewegung in Holstein organisierte f\u00fcr den 27. Dezember 1863 auf dem Probstenfeld in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Elmshorn#1863:_Unabh.C3.A4ngigkeit_von_D.C3.A4nemark\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Elmshorn<\/a> eine Manifestation, bei der 20.000 Menschen zusammenkamen, um den Augustenburger Herzog zum &#8222;Herzog von Schleswig-Holstein&#8220; auszurufen. Der Ort war durch den seit etwa 20 Jahren existierenden Eisenbahnanschluss mitten in Holstein g\u00fcnstig gelegen. Die Anwesenden wollten durch diese Aktion erreichen, dass der R\u00fcckenwind der von S\u00fcden einger\u00fcckten Truppen zu einem eigenst\u00e4ndigen deutschen Bundesstaat Schleswig-Holstein genutzt werden konnte. Moltke muss durch diese Versammlung stark verunsichert worden sein, es ging um Oberbeamte wie ihn. Der Antrag auf Vertreibung der Eidleister fand jedoch keine Mehrheit, m\u00f6glicherweise weil in diesen b\u00fcrgerlichen Kreisen die Angst vor dem Chaos einer sozialen Revolution durch den &#8222;Vierten Stand&#8220;, die Arbeiterschaft, zu stark war. In den Zeitungen &#8222;Hamburger Presse&#8220; und den &#8222;Schleswig-Holsteinischen Bl\u00e4ttern&#8220; wurden jedoch Anklagen gegen Moltke laut, er &#8222;habe Amtspflichten vorget\u00e4uscht, um nicht an einem allgemeinen Bettage mit and\u00e4chtig angeh\u00f6rten Reden der Pastoren Harder und Gardthausen teilnehmen zu m\u00fcssen.&#8220; (Jessen, S. 170) Als Ende Januar preu\u00dfische Truppen frostig von der Bev\u00f6lkerung empfangen wurden, stand Moltke, dessen Bruder bereits im Generalstab war, wieder unter h\u00f6herem Schutz durch den neuen Zivilkommissar, der erkl\u00e4rte, &#8222;die treuen Beamten gegen Bedrohung und Verjagung durch das Volk zu sch\u00fctzen.&#8220; Bismarck, der preu\u00dfische Ministerpr\u00e4sident, betrieb eine andere Politik, als die nationale Bewegung in Holstein sich gew\u00fcnscht hatte. Er wollte einen eigenen Bundesstaat Schleswig-Holstein verhindern und stattdessen beide Provinzen dem preu\u00dfischen Staat einverleiben. (ebd.)<\/p>\n\n\n\n<p>Das diplomatische Tauziehen wurde zun\u00e4chst durch ein Ultimatum gegen D\u00e4nemark zur Herausgabe des Herzogtums Schleswig unterbrochen. In dem folgenden deutsch-d\u00e4nischen Krieg von 1864 unterlagen die D\u00e4nen bei D\u00fcppel und mussten im Frieden von Wien (30.10.1864) auf die drei Herzogt\u00fcmer verzichten. In einem Kondominium, also einer gemeinsamen Verwaltung gelangte Holstein unter \u00f6sterreichische Verwaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Administrator von Moltke schw\u00f6rt D\u00e4nemark ab und unterstellt sich Preu\u00dfen<br>Adolph von Moltke, der als k\u00f6nig-herzoglicher Administrator dem d\u00e4nischen K\u00f6nig 1852 noch einen Eid geschworen hatte und nun von den neuen Verh\u00e4ltnissen \u00fcberrannt worden war, befand sich in einer unsicheren Lage. Sein Bruder, der preu\u00dfische Generalstabschef Helmuth, hielt ihn von einem R\u00fccktritt ab und st\u00fctzte \u2013 als siegreicher Generalstabschef \u2013 seine Position. Ein R\u00fccktritt h\u00e4tte den Verlust aller Einnahmen und damit &#8211; wegen fehlenden Eigentums &#8211; den Verlust des bisherigen Lebensstandards bedeutet &#8211; und der war nicht unerheblich und verursachte Kosten, z. B. f\u00fcr die sechs Kinder. Wilhelm (17) und Helmuth (16) waren inzwischen auf dem Christianeum in Altona, Marie (15), Friedrich (11), Ludwig (9) und Louise (8) wurden auf der Schlossinsel von Hauslehrern unterrichtet. (Jessen, S. 189)<br>Die Rivalit\u00e4t und Uneinigkeit \u00fcber die Zukunft Schleswigs und Holsteins zwischen \u00d6sterreich und Preu\u00dfen f\u00fchrte im Juni 1866 zum Angriff Preu\u00dfens auf Holstein und damit zum Deutschen Krieg, der mit dem Sieg Preu\u00dfens bei K\u00f6niggr\u00e4tz am 12.01.1867 zur Einverleibung Schleswig-Holsteins in das K\u00f6nigreich Preu\u00dfen f\u00fchrte. Damit war auch der Beitritt zum Zollverein und zum Norddeutschen Bund als Ersatz f\u00fcr den aufgel\u00f6sten Deutschen Bund verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Gebiet der Rantzauer L\u00e4ndereien, wo sich bereits vorher eine Brauerei befunden hatte, lie\u00df sich der Bauer und Brauer Peter Grelck vom preu\u00dfischen Finanzministerium in Berlin einen Eiskeller genehmigen. Das Eis wurde im Winter auf den \u00fcberschwemmten Wiesen der Kr\u00fcckauniederung &#8222;geerntet&#8220; und in einer \u00fcberdachten Grube eingelagert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rantzauer Administratur unterstand jetzt der neuen Provinzialregierung in Schleswig unter einem preu\u00dfischen Oberpr\u00e4sidenten. Moltke \u00fcbte zun\u00e4chst weiter sein Amt auf Rantzau aus und musste ab Oktober 1866 preu\u00dfische Gesetze wie die Trennung von Justiz und Verwaltung, die Einf\u00fchrung der allgemeinen Wehrpflicht, preu\u00dfische Steuergesetze und die Wahlen zum ersten Kreistag umsetzen, teilweise gegen erheblichen Widerstand der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_26_Winterbild-1024x685.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1050\" width=\"573\" height=\"383\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_26_Winterbild-1024x685.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_26_Winterbild-300x201.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_26_Winterbild-768x514.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_26_Winterbild.jpg 1099w\" sizes=\"auto, (max-width: 573px) 100vw, 573px\" \/><figcaption>Die ehemalige Administratorenwohnung ist ab 1868 Wohnhaus des Amtsrichters mit Nebenwohnung f\u00fcr den Justizwachtmeister<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcr Rantzau wichtigste Neuerung war jedoch die Neueinteilung der Verwaltungsbezirke und damit der Verlust seiner Funktion als Verwaltungszentrum. Die Grafschaft Rantzau wurde in den neuen Kreis Pinneberg einbezogen, zusammen mit der Herrschaft Pinneberg, dem Kloster Uetersen (mit Ausnahme des Gutes Horst und der Vogtei Krempdorf), den Adligen G\u00fctern Haseldorf, Haselau und Seesterm\u00fche und dem Kanzleigut Flottbek. F\u00fcr den Posten des zuk\u00fcnftigen Landrats kamen die beiden bisherigen Oberbeamten Moltke (65) und der bisherige Pinneberger Landdrost Friedrich Graf von Baudessin (46) in Frage. Trotz seines Alters schlug der Oberpr\u00e4sident Scheel-Plessen &#8211; wohl auch unter dem Druck von dessen inzwischen einflussreichen Bruder, dem Generalstabschef, &#8211; Adolf von Moltke vor, so dass dieser mit Wirkung vom 6. April 1868 sein Amt als Landrat antreten konnte und mit seiner Frau nach Pinneberg in die Drostei umzog. Da Residenzpflicht herrschte, bewohnte er zun\u00e4chst das Palais mit 25 R\u00e4umen, was er sich nur leisten konnte, weil er als ehemaliger d\u00e4nischer Administrator auch weiterhin mehr als doppelt so viel verdiente wie ein normaler Landrat.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings ging er bereits am 1. Juni 1870 in den Ruhestand. Moltke wollte darauf hin f\u00fcr ein Landtagsmandat der Konservativen Partei kandidieren. Er machte zun\u00e4chst aber mit seiner Frau noch einen Besuch bei seinem Bruder auf Gut Kreisau und dann Urlaub in Lugano, wo er am 7. April 1870 starb. Seine Beerdigung fand &#8222;unter gro\u00dfer Beteiligung der Bev\u00f6lkerung&#8220; in Barmstedt auf dem neuen Friedhof statt.(Mosler; Jessen, S.190)<\/p>\n\n\n\n<p>Als eine weitere wesentliche Neuerung wurde die Rechtsprechung von der Verwaltung getrennt und Rechtsgleichheit f\u00fcr alle Untertanen hergestellt. Die Provinz wurde in 70 Amtsgerichts- und 3 Landgerichtsbezirke aufgeteilt mit einem Oberlandesgericht. Als Ersatz f\u00fcr die bisherige Funktion wurde auf der Schlo\u00dfinsel jetzt eines der k\u00f6niglich-preu\u00dfischen Amtsgerichte in dem gerade 1863 neu errichteten Geb\u00e4ude auf der mittleren Insel eingerichtet. Der Amtsrichter wohnte fortan in dem ehemaligen Wohngeb\u00e4ude des Administrators, in der Nebenwohnung und in den \u00fcbrigen Geb\u00e4uden erhielten die Justizangestellten Platz f\u00fcr ihre Familien. Das ehemalige Amtsverwalterhaus war fortan das Gerichtsschreiberhaus, der Gerichtsdiener gegen\u00fcber behielt seine Aufgabe der Gefangenenbewachung und -betreuung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gef\u00e4ngnis wurde noch bis 1927 benutzt, zuletzt allerdings nur f\u00fcr die Untersuchungshaft und kurze Arreststrafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den landwirtschaftlichen Betrieb auf dem Vorwerk gab man nach dem Ende der Administratur auf. Entsprechend fehlten f\u00fcr die damit verbundenen Geb\u00e4ude, das Vorwerk und den gro\u00dfen Stall neben dem Gef\u00e4ngnis, die Verwendung und wurden abgerissen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-10139\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Bau des Rantzauer Sees 1934-37<\/h2><div id=\"ac-10139\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Das Aussehen der Anlage ver\u00e4nderte sich entscheidend in den 1930er Jahren, als der Rantzauer See angelegt wurde. In einem gro\u00df angelegten Programm sollten die sumpfigen Kr\u00fcckauwiesen, durch die die Kr\u00fcckau hindurchm\u00e4andrierte, durch eine Begradigung des Flusslaufes kultiviert und ein Staubecken vor der Wasserm\u00fchle gebaut werden. Eine Abteilung des Reichsarbeitsdiensts wurde daf\u00fcr nach Barmstedt beordert, die mit Spaten und Lorenbahn die Erdarbeiten erledigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar waren die Wasserl\u00e4ufe zwischen der ersten und zweiten Insel schon 1818, zwischen der dritten und dem Ringwall um 1860 zugesch\u00fcttet worden, jetzt aber entstand die gro\u00dfe zusammenh\u00e4ngende \u201eSchlo\u00dfinsel\u201c in der heutigen Gestalt, umgeben vom Burggraben und dem Rantzauer See. Nur die kleine \u201eLiebesinsel\u201c existiert noch als Rest des ehemaligen Ringwalls. Einen \u00e4hnlichen Anblick von Weitem hatten die Inseln auch vorher schon vom Herbst bis zum Fr\u00fchjahr geboten, wenn der Wasserm\u00fcller das Kr\u00fcckauwasser aufstaute, um gen\u00fcgend Kraft f\u00fcr den M\u00fchlenbetrieb zu speichern. Jetzt aber war eine dauerhaft neue Situation entstanden, die den historischen Ort aus einer Flusslandschaft in eine Seelage gebracht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges wurde im Amtsgerichtsgeb\u00e4ude f\u00fcr kurze Zeit ein Marinekriegsgericht eingesetzt. Die Akten wurden bei Heranr\u00fccken der britischen Truppen auf einem Scheiterhaufen vor dem Haus verbrannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Kriegsjahr und den Nachkriegsjahren waren hier auf der Insel wie \u00fcberall viele Fl\u00fcchtlinge untergebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald nach Kriegsende nahm das Amtsgericht Rantzau nach der R\u00fcckkehr des zust\u00e4ndigen Amtsrichters aus der Kriegsgefangenschaft seine T\u00e4tigkeit wieder auf. 1975 wurden jedoch die Zust\u00e4ndigkeiten auf Elmshorn \u00fcbertragen und die Schlossinsel verlor ihre letzte staatliche Funktion.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-101310\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Die Schlossinsel heute<\/h2><div id=\"ac-101310\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>In das leerstehende Gerichtsgeb\u00e4ude zog 1979 das Museum der Grafschaft Rantzau von seinem bisherigen Standort Am Markt ein und zeigt hier seine Sammlung zur Geschichte der Grafschaft, aber auch Barmstedts von der Fr\u00fchzeit bis zur Moderne. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Entwicklung der Landwirtschaft und des Handwerks, besonders der Schuhmacherei, f\u00fcr die Barmstedt ber\u00fchmt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der vorderen Insel entstand f\u00fcr kurze Zeit ein privater Vogelzoo.<\/p>\n\n\n\n<p>1984 \u00fcbergab das Land Schleswig-Holstein die Insel an die Stadt Barmstedt. Vorhergegangen war eine Sanierung des Herrenhauses und eine \u00dcberplanung der Gesamtnutzung der Insel. Eine privat getragene Initiative machte sich &#8211; mit Unterst\u00fctzung der Stadt &#8211; daran, die Restaurierung und kulturelle Nutzung der drei vorderen H\u00e4user umzusetzen und konnte aus \u00f6ffentlichen F\u00f6rderprogrammen Mittel daf\u00fcr einwerben. Die Geb\u00e4ude wurden in diesem Zuge umfassend saniert und restauriert, so dass sich der Ort vom Verwaltungssitz und Gerichtsort zum kulturellen Mittelpunkt verwandeln konnte. Museum, Erlebniscaf\u00e9, offene Ateliers, wechselnde Ausstellungen unterschiedlicher Kunstgattungen und ein kulturelles Veranstaltungsprogramm f\u00fcr die ganze Insel ziehen seitdem Kunstschaffende, kulturell Interessierte und erholungsuchende Menschen in gro\u00dfer Zahl an.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Verfasser: Michael Theilig<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-1013","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-orte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1013","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1013"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1013\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1068,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1013\/revisions\/1068"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1013"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1013"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1013"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}