{"id":866,"date":"2021-09-24T14:41:37","date_gmt":"2021-09-24T14:41:37","guid":{"rendered":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=866"},"modified":"2023-01-16T17:23:50","modified_gmt":"2023-01-16T17:23:50","slug":"rantzauer-herrschaft-und-absolutismus-1650-1726","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=866","title":{"rendered":"Rantzauer Herrschaft und Absolutismus: 1649 &#8211; 1726"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"635\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/1650-AmtBarmstedt-Meyer-d-1024x635.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1232\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/1650-AmtBarmstedt-Meyer-d-1024x635.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/1650-AmtBarmstedt-Meyer-d-300x186.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/1650-AmtBarmstedt-Meyer-d-768x477.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/1650-AmtBarmstedt-Meyer-d-1536x953.jpg 1536w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/1650-AmtBarmstedt-Meyer-d.jpg 1663w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Amt Barmstedt in<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johannes_Mejer_(Kartograf)\" target=\"_blank\"> Johannes Mejers<\/a> Karte des F\u00fcrstentums Stormarn, gezeichnet im Auftrag Christian Rantzaus 1650, nachdem er das Territorium von Gottorf gekauft hatte. Innerhalb der Grenzen ist auch M\u00f6nklohe eingezeichnet, das zum Amt Segeberg geh\u00f6rt hatte, Horst geh\u00f6rte wie das Gebiet s\u00fcd\u00f6stlich Elmshorns zur Jurisdiktion des Klosters Uetersen. Barmstedt ist mit einer Kirche eingetragen, daneben befindet sich die Wasserm\u00fchle und der &#8222;hoff&#8220;. Zum <strong>Kirchspiel Barmstedt<\/strong> geh\u00f6ren (in damaliger Schreibweise) Westerhorn, Osterhorn, Bockel, M\u00f6ncklohe, Bockelse, Brande, Gr. Offenseth, Kl. Offenseth, Lutzhorn, Aspern, Bockhorst, Bullen Kuell, der Hof mit der M\u00fchle, Heede, Coling, Bever, Langelen, Hembdingen, Seth, Ellerhope, Tyensen Zum <strong>Kirchspiel Elmshorn<\/strong> geh\u00f6ren Coldenhoff, Bosenbeck, Sandberg, Korten, Langeloh, Lith, Depenstrate Dem <strong>Kirchspiel Horst<\/strong>, das als Patrimonialgut dem Kloster Uetersen geh\u00f6rte, waren Huwenhorn, Dovemoll, Sn\u00f6welsjock zugeordnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Man erkennt, dass das Amt Barmstedt in etwa dem Einzugsgebiet der Kr\u00fcckau, im Oberlauf &#8222;Langelbeck&#8220; genannt, und dem Oberlauf der Krempau (H\u00f6rner D\u00f6rfer) entspricht. Der Unterlauf der Kr\u00fcckau, etwa ab Spiekerh\u00f6rn, bildet die Grenze zwischen der Bilenbarger Marsch und Seester, zwei adligen G\u00fctern. Die Kirchspiele Barmstede, Elmeshorn und Horst sind mit ihren zugeh\u00f6rigen Gebieten eingetragen. Umgeben ist das Amt Barmstedt von der Grafschaft Pinneberg im S\u00fcden, im Westen von Haseldorper und Bilenberger Marsch, im Norden vom Amt Steinborg (mit Kremper Marsch) und einem kleinen Bereich, in dem das Ambt Rendesborg angrenzt, im Osten vom Ambt Segeberg.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei M\u00fchlen liegen an der Kr\u00fcckau, eine bei Barmstede und dem Amtssitz, der mit &#8222;hoff&#8220; eingetragen ist, und eine \u00f6stlich von Elmeshorn an einem kleinen Stausee.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johannes_Mejer_(Kartograf)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gesamtkarte<\/a> ist mit sehr guter Aufl\u00f6sung im Internet zu finden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js is-open\" data-initially-open=\"true\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8660\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Das Amt Barmstedt nach dem 30-j\u00e4hrigen Krieg<\/h2><div id=\"ac-8660\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Bald nach dem Aussterben der Ritter von Barmstede um 1300 hatten die Schauenburger Grafen vom Hamburger Domkapitel die Burg bei Barmstedt mit s\u00e4mtlichen Eink\u00fcnften gekauft. Dazu hatten auch Gebiete bei Uetersen und Horst geh\u00f6rt. So war die neue \u201eGrafschaft Holstein-Schauenburg\u201c ( = \u201eHolstein Pinneberg\u201c bzw. &#8222;Herrschaft Pinneberg&#8220;) mit den \u00c4mtern Pinneberg, Hatzburg, Barmstedt, ab 1390 auch Herzhorn, den Vogteien Ottensen und Uetersen und dem Flecken Altona entstanden. <a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=870\" data-type=\"page\" data-id=\"870\">N\u00e4heres hier<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00f6rdliche Teil dieser Grafschaft war das Amt Barmstedt, es entsprach in seinen Grenzen dem Urkirchspiel Barmstedt und heute dem n\u00f6rdlichen Bereich des Kreises Pinneberg. Auf dem Haus Barmstedt, der ehemaligen Burg in der Kr\u00fcckau, hatte der Amtmann im Auftrag des Grafen Verwaltung und Herrschaft ausge\u00fcbt, wobei er dem Drosten in Pinneberg unterstanden hatte. Deshalb wurden die von den &#8222;Eingesessenen&#8220; erhobenen Abgaben regelm\u00e4\u00dfig nach Pinneberg abgef\u00fchrt. Seit 1602 waren die gr\u00e4flichen L\u00e4ndereien an den <a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=868#VerpachtungHausBarmstedt\" data-type=\"page\" data-id=\"868\">Amtmann verpachtet<\/a> worden, der hier auch als Gerichtsherr t\u00e4tig wurde und u. a. mehrere Hexenprozesse durchf\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg\" target=\"_blank\">30-j\u00e4hrige Krieg<\/a>, der 1618 mit dem Prager Fenstersturz begann und unter dem Vorwand eines Religionskrieges in Wirklichkeit um die Hegemonie im Heiligen R\u00f6mischen Reich und um dynastische Interessen gef\u00fchrt wurde, <a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=868#dreissigkrieg\" data-type=\"page\" data-id=\"868\">erreichte 1627\/28 auch das Amt Barmstedt<\/a>. Obwohl die Schauenburger Grafschaft Holstein-Pinneberg seit 1460 nicht mehr zum Herzogtum Holstein geh\u00f6rt hatte und damit also bis zum Ende der Schauenburger 1640 weder den in den Krieg verwickelten M\u00e4chten D\u00e4nemark oder Gottorf\/Schweden zugeh\u00f6rte noch mit mit ihnen verb\u00fcndet war, f\u00fchlten sich die kriegf\u00fchrenden M\u00e4chte nicht daran gehindert, ihre Truppen hindurchzuf\u00fchren, es verhinderte auch nicht, dass die Landsknechte zur eigenen Versorgung die D\u00f6rfer dieser Grafschaft pl\u00fcnderten und abbrannten. Besonders Elmshorn war wegen der N\u00e4he zur d\u00e4nischen Festungsanlage Kruckschanze mehrfach betroffen. Der Barmstedter Pastor Christian Detlef Rode, ber\u00fchmt geworden durch seine arch\u00e4ologische Erforschung der H\u00fcgelgr\u00e4ber, berichtete um 1700 \u00fcber m\u00fcndliche \u00dcberlieferungen aus seiner Gemeinde, dass &#8222;zur selbigen Zeit unser Kirchspiel, welches mehr denn 20 D\u00f6rfer hat, so gar ausgestorben, und die Leute dergestalt zerstreuet und verjaget worden, da\u00df nach dem Kriege die ganze Gemeine nicht \u00fcber 20 bis 30 Personen starck gewesen.&#8220; (nach D\u00f6ssel 1936, S. 83) Zur Klarheit sei hier angemerkt, dass sich diese Zahl also neben dem Dorf Barmstedt auf das gesamte Kirchspiel bezogen hat, also neben dem Kirchdorf um Westerhorn, Osterhorn, Bokel, M\u00f6nkloh, Bockelsess, Brande, Gr. Offenseth, Kl. Offenseth, Lutzhorn, Aspern, Bokholt, Bullenkuhlen, der Hof mit der M\u00fchle, Heede, K\u00f6lln, Bevern, Langeln, Hemdingen, Seth, Ellerhoop, Thiensen.<\/p>\n\n\n\n<p>1640 starb der letzte Schauenburger, Graf Otto IV., Landesherr der Grafschaft Holstein-Pinneberg, ohne Erben. Der d\u00e4nische K\u00f6nig Christian IV. nahm daraufhin mit der Begr\u00fcndung, es sei ein heimgefallenes Reichslehen und ein Teil des Herzogtums Holstein, die gr\u00e4flichen L\u00e4ndereien in Besitz und lie\u00df sich von den Eingesessenen huldigen. Herzog Friedrich III. von Holstein-Gottorp machte aber ebenso wie die Mutter des verstorbenen Schauenburgers, die nachweisen konnte, dass es ein erblicher Familienbesitz sei, die gleichen Anspr\u00fcche geltend. Am 7. Dez. 1640 kam es zu einem Vergleich: K\u00f6nig und Herzog kauften der Grafenmutter die Grafschaft ab. Der K\u00f6nig erhielt 3\/5 (wegen der bisherigen Unkosten), der Herzog 2\/5 des Territoriums. Alles zusammen soll mit 800.000 Talern veranschlagt worden sein. Der k\u00f6nigliche Teil wurde als Herrschaft Pinneberg nicht mit dem Herzogtum Holstein verbunden, sondern gesondert verwaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den marodierenden Landsknechtsarmeen und den ihnen folgenden Epidemien waren gro\u00dfe Teile Mitteleuropas verw\u00fcstet worden. Auch die jetzt aufgeteilte Grafschaft Holstein-Pinneberg hatte es schwer getroffen. Der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Westf%C3%A4lischer_Friede\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Westf\u00e4lische Frieden von 1648<\/a> hatte zwar ein Ende der Kampfhandlungen auf dem Gebiet des Deutschen Reiches gebracht, aber die Rivalit\u00e4t zwischen D\u00e4nemark und Schweden nicht beendet. Im Frieden von Bromsebr\u00f6 (1645) war der mit gro\u00dfer Brutalit\u00e4t von beiden M\u00e4chten auch auf dem Gebiet des Amtes Barmstedt gef\u00fchrte Torstensson-Krieg beendet worden. Der Gottorfer Herzog hatte sich w\u00e4hrend dieses Krieges offiziell unter den Schutz Schwedens begeben und einseitig seine Lehnsverpflichtung gegen\u00fcber D\u00e4nemark aufgek\u00fcndigt. Dadurch entstand auch innerhalb Holsteins eine politisch problematische Situation. Denn das Gebiet der beiden Herzogt\u00fcmer war wie ein Flickenteppich aufgeteilt und geh\u00f6rte entweder zum k\u00f6niglich-d\u00e4nischen oder gottorfischen Anteil. Gro\u00dfe Gebiete, in denen sich die Adeligen G\u00fcter befanden und von denen das Amt Barmstedt au\u00dfer im S\u00fcden fast vollst\u00e4ndig umgeben war, wurden traditionell gemeinsam bzw. alternierend verwaltet. Aus diesem Grund war das gesamte Territorium w\u00e4hrend dieser nordischen Auseinandersetzung st\u00e4ndig von Kriegshandlungen bedroht.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8661\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">D\u00e4nemark, Gottorf und Christian Rantzau<\/h2><div id=\"ac-8661\" class=\"c-accordion__content\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"696\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Schleswig-holstein1650-1024x696.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1231\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Schleswig-holstein1650-1024x696.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Schleswig-holstein1650-300x204.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Schleswig-holstein1650-768x522.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Schleswig-holstein1650.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schleswig-Holstein 1650<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach dem Aussterben der Schauenburger Grafen eigneten sich die beiden holsteinischen Landesherren, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christian_IV._%28D%C3%A4nemark_und_Norwegen%29\" target=\"_blank\">Christian IV.<\/a> und <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_III._%28Schleswig-Holstein-Gottorf%29\" target=\"_blank\">Friedrich III.<\/a> dieses Territorium an und teilten es nach l\u00e4ngeren juristischen Auseinandersetzungen untereinander auf. <strong>Das Amt Barmstedt, das aus den Kirchspielen Barmstedt und Elmshorn bestand, fiel dabei an den Gottorfer Herzog<\/strong>, die \u00fcbrigen Anteile unter dem Namen <strong>Herrschaft Pinneberg an den d\u00e4nischen K\u00f6nig<\/strong>. N\u00f6rdlich grenzte das Barmstedter Amt an die Herrschaft Breitenburg, das als adliges Gut zu den gemeinsam regierten Territorien geh\u00f6rte und im Besitz <strong>Christian Rantzaus<\/strong> war, der hier auf seiner &#8222;Breitenburg&#8220; seinen Familienwohnsitz hatte. Im Westen grenzte es an das durch Heirat ebenfalls ihm zugefallene Gut Neuendorf, das jetzt in die Herrschaft Pinneberg eingegliedert worden war. Als Rantzau unter dem neuen K\u00f6nig Statthalter wurde, war er in einer Person sowohl Besitzer seiner Allodialg\u00fcter als auch k\u00f6nig-herzoglicher Repr\u00e4sentant f\u00fcr Neuendorf und im Wechsel mit dem Gottorfer Statthalter die obere Autorit\u00e4t in den gemeinsam regierten Gebieten, also auch \u00fcber Breitenburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide holsteinischen Herz\u00f6ge, der Gottorfer und der d\u00e4nische K\u00f6nig, hielten in der Tradition der Schauenburger staatsrechtlich daran fest, dass ihre neu angeeigneten Anteile vom \u00fcbrigen Herzogtum getrennt blieben &#8211; gegen den Willen des Adels. Sie verwalteten trotz der durch die Au\u00dfenpolitik und Kriege gewachsenen Differenzen die gemeinschaftlichen Anteile des Herzogtums Holstein, in denen vor allem die Gutsbezirke lagen, weiterhin nach gewissen Regeln gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Drost \u00fcber das Amt Barmstedt wurde Anthon von Wietersheim. Die Kirchenaufsicht, die vorher beim Schauenburger Superintendanten Johann Gisenius in Rinteln gelegen hatte, ging jetzt auf den holsteinisch-gottorfischen Propsten Paul Sperling \u00fcber. Die Bauern hatten f\u00fcr den Hof Barmstedt neben den vielen verschiedenen Abgaben auch Hand- und Spanndienste zu leisten, was bedeutete, dass jeder an einigen Tagen der Woche auf den herrschaftlichen L\u00e4ndereien arbeiten musste. Leibeigenschaft wie auf den ostholsteinischen G\u00fctern gab es hier aber nicht. (Rauert).<\/p>\n\n\n\n<p>Als der d\u00e4nisch-norwegische K\u00f6nig und Herzog von Holstein und Schleswig Christian IV. 1648 starb, folgte ihm Friedrich III., der den gleichen Herrschernamen trug wie der regierende Gottorfer Herzog. Die 1648 gegr\u00fcndete Regierungs- und Justizkanzlei f\u00fcr den k\u00f6niglichen Anteil an den Herzogt\u00fcmern wurde 1649 nach <strong>Gl\u00fcckstadt<\/strong> verlegt, wobei der <strong>Vorsitz vom k\u00f6niglichen Statthalter gef\u00fchrt wurde, der seit 1648 Christian Rantzau hie\u00df<\/strong>. Bei geraden Jahreszahlen \u00fcbernahm die Kanzlei auch die Aufsicht \u00fcber die gemeinschaftlich regierten Anteile des Herzogtums, zu denen das Gebiet um Gl\u00fcckstadt und Breitenburg geh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/506px-Rantzau-Wappen.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1230\" width=\"194\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/506px-Rantzau-Wappen.png 506w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/506px-Rantzau-Wappen-253x300.png 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Rantzau-Wappen<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christian_zu_Rantzau_(Statthalter)\" target=\"_blank\">Christian Rantzau <\/a>(2.5.1614-8.11.1663) war nach K\u00f6nig und Gottorfer Herzog zum m\u00e4chtigsten Mann in Schleswig und Holstein geworden. Er hatte bereits zum vorherigen K\u00f6nig, Christian IV., seit langem eine pers\u00f6nliche Beziehung gepflegt. Als Sohn des Statthalters Gerd Rantzau (1558-1627) war er von 1627 bis 1629 auf der Ritterakademie Soroe gewesen, hatte seine Grand Tour durch die Niederlande und Frankreich gemacht, dann 1635 Christian IV. auf seiner Norwegen-Reise begleitet. 1640 war er holsteinischer Landrat und Amtmann in Rendsburg geworden, w\u00e4hrend des Torstensson-Krieges sogar Generalkriegskommissar in Kopenhagen, wobei sein <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schloss_Breitenburg\" target=\"_blank\">Schloss Breitenburg<\/a> bei Itzehoe 1643 zum zweiten Mal in diesem 30-j\u00e4hrigen Krieg gepl\u00fcndert worden war. Seit 1645 war er zus\u00e4tzlich Dompropst zu Hamburg, ohne dass er daf\u00fcr irgendwelche Verpflichtungen hatte. Durch die Heirat mit der Tochter Detlev Rantzaus auf Panker kam zu seinem Allodialbesitz (freier Besitz ohne Lehnsverpflichtung) Breitenburg und Rantzau in Wagrien\/Ostholstein, Lindewitt und Giesingholm auch noch Neuendorf (westlich von Elmshorn) und Drage (nordwestlich von Itzehoe) hinzu.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"585\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/800px-Breitenburg_Schloss.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1228\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/800px-Breitenburg_Schloss.jpg 800w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/800px-Breitenburg_Schloss-300x219.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/800px-Breitenburg_Schloss-768x562.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schloss Breitenburg um 1590<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.deutsche-biographie.de\/sfz104344.html\" target=\"_blank\">Familie Rantzau<\/a> geh\u00f6rte dem Uradel des Landes an, deren erste Erw\u00e4hnung Mitte des 13. Jahrhunderts &#8211; also 100 Jahre nach den Rittern von Barmstede &#8211; dokumentiert ist, und besa\u00df neben ihrem Stammsitz in Ostholstein (siehe &#8222;Arx Ranzoviana&#8220; auf dem nebenstehenden Stich) gro\u00dfe L\u00e4ndereien und zahlreiche \u00c4mter im K\u00f6nigreich D\u00e4nemark. Die beiden ber\u00fchmtesten Vorfahren waren <a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=868#johannrantzau\" data-type=\"page\">Johann Rantzau<\/a> und <a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=868#heinrichrantzau\" data-type=\"page\">Heinrich Rantzau<\/a>. Auf der von Johann Rantzau erbauten und von Heinrich zum Renaisssanceschloss ausgebauten Breitenburg hatte auch Christian Rantzau seinen Stammsitz. Dieser befand sich jedoch nach den Brandschatzungen des Torstensson-Krieges noch im Wiederaufbau.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/468px-Arx_ranzoviana.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1229\" width=\"399\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/468px-Arx_ranzoviana.jpg 468w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/468px-Arx_ranzoviana-234x300.jpg 234w\" sizes=\"auto, (max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gut Rantzau nach einem Stich aus dem 16. Jahrhundert.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der neue d\u00e4nische K\u00f6nig und Herzog von Schleswig und Holstein Friedrich III. (1609*\/1648-1670) ernannte Christian Rantzau gleich nach seiner Thronbesteigung zum Geheimen Rat und Statthalter der Herzogt\u00fcmer, machte ihn bald auch noch zum Amtmann auf der Steinburg, der heute nicht mehr vorhandenen Verwaltungszentrale f\u00fcr die Elbmarschen in der N\u00e4he der Breitenburg &#8211; heute in S\u00fcderau. Ab 1650 wurde er zus\u00e4tzlich Amtmann in S\u00fcderdithmarschen und auf Langeland. Er war so zu einem der einflussreichsten und reichsten M\u00e4nner im d\u00e4nischen K\u00f6nigreich geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>1649 lie\u00df Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf nach eigenen Entw\u00fcrfen von seinem Hofmathematiker und Hofbibliothekar Adam Olearius neben seinem Schloss Gottorf in Schleswig das Globushaus bauen, ein Geb\u00e4ude im Stil der niederl\u00e4ndischen Renaissance. Der begehbare Globus, der die zu der Zeit bekannten Gebiete darstellte, war einzigartig in der Welt. Er war so interessant, dass Zar Peter (der Gro\u00dfe) nach der Eroberung Gottorfs im Dritten Nordischen Krieg diesen als Kriegsbeute bzw. als Geschenk des siegreichen d\u00e4nischen K\u00f6nigs nach St.Petersburg transportieren und dort in seiner Kunstkammer aufbauen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>1649 wurde England nach der Hinrichtung Karls I. f\u00fcr kurze Zeit Republik und nannte sich zum ersten Mal Commonwealth. Oliver Cromwell regierte bis zu seinem Tod 1658 als Lordprotektor das Land. Schon zwei Jahre sp\u00e4ter wurde der Sohn des gest\u00fcrzten K\u00f6nigs, Karl II., vom Parlament zum neuen Herrscher proklamiert.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8662\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Entstehung der Freien Reichsgrafschaft unter Christian Rantzau (1650-1663)<\/h2><div id=\"ac-8662\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christian_Rantzau_1614-1663-767x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1227\" width=\"283\" height=\"378\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christian_Rantzau_1614-1663-767x1024.jpg 767w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christian_Rantzau_1614-1663-225x300.jpg 225w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christian_Rantzau_1614-1663-768x1026.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christian_Rantzau_1614-1663-1150x1536.jpg 1150w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christian_Rantzau_1614-1663-1533x2048.jpg 1533w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christian_Rantzau_1614-1663.jpg 1749w\" sizes=\"auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Christian Rantzau<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Durch den <strong>Kauf- und Permutationsakt vom 28.12.1649<\/strong> erwarb der d\u00e4nische Statthalter Christian Rantzau vom Gottorfer Herzog Friedrich III. zum Preis von 201.000 Speciestalern das Amt Barmstedt. (Quelle: Deutsches Reichsarchiv)Dieser Kauf war ausgehandelt worden zwischen Rantzau und dem mit ihm befreundeten Pinneberger Drosten Kielmannsegge. Konkret bedeutete es, dass er das Gut Rantzau in Wagrien und Koxb\u00fcll und S\u00fcdergaarde im Amt Husum gegen das Amt Barmstedt mit allen \u201eGerechtigkeiten\u201c zuz\u00fcglich einer Summe von 101.000 Taler (insgesamt 201.000 Taler) eintauschte. Das Stammgut der Familie Rantzau in Wagrien (Ostholstein) kaufte Rantzau allerdings bald zur\u00fcck. Durch diesen Handel kam er in den Besitz einer in heutigem Ma\u00df 95 qkm gro\u00dfen Herrschaft, aber damit auch eines reichsrechtlich unabh\u00e4ngigen Lehens, das allerdings noch vom Kaiser gebilligt werden musste. Dieses Territorium f\u00fcgte sich unmittelbar an die n\u00f6rdlich davon gelegene Herrschaft Breitenburg (seit 1524 im Besitz der Rantzaus und 1586 durch das Gut Stellau sowie 1650 durch den Ankauf der Liegenschaften auf der M\u00fcnsterdorfer Geestinsel erweitert) und das westlich davon gelegene, von Christian Rantzaus Ehefrau ererbte Gut Neuendorf an und lag nicht weit von dem etwas n\u00f6rdlicher gelegenen, ebenfalls aus dem Erbe der Ehefrau stammenden Gut Drage entfernt &#8211; insgesamt also ein riesiger G\u00fcterkomplex. (Lorenzen-Schmidt, S. 408) Der neue Herr des Amtes Barmstedt lie\u00df sich am 5. Januar 1650 von seinen neuen Untertanen auf dem Haus Barmstedt, jetzt Haus Rantzau, huldigen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"566\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ReichstagRegensburg1653.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1226\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ReichstagRegensburg1653.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ReichstagRegensburg1653-300x166.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ReichstagRegensburg1653-768x425.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kupferstich des Reichstags im Regensburger Rathaus von 1653 unter Vorsitz von Kaiser Ferdinand III. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1650 reiste Christian Rantzau als Gesandter seines K\u00f6nigs Friedrich III. nach Wien, um dort stellvertretend die Belehnung mit dessen Herzogtum Holstein durch den r\u00f6misch-deutschen Kaiser <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ferdinand_III._%28HRR%29\" target=\"_blank\">Ferdinand III.<\/a> entgegenzunehmen. Dabei konnte er &#8211; nach Augenzeugenberichten offenbar auch aufgrund seines pr\u00e4chtigen Auftretens &#8211; f\u00fcr sich selbst erreichen, dass der Kaiser die Vertauschung und den Verkauf der Gebiete von Gottorf an ihn selbst best\u00e4tigte und &#8211; noch wichtiger &#8211; dass ihn der Kaiser mit Datum vom 16. und 20. November 1650 zum <strong>freien Reichsgrafen mit Comitiv und Palatinat<\/strong> erhob, also mit allen Hoheitsrechten \u00fcber seine Freie Reichsgrafschaft. Er wurde durch diese Standeserh\u00f6hung zu einem <strong>&#8222;gef\u00fcrsteten Grafen&#8220; und Mitglied des Hochadels<\/strong>. Damit wurde gleichzeitig auch sein <strong>Amt Barmstedt zur Deutschen Freien Reichsgrafschaft<\/strong>. Dieses kleine Gebiet von 4,5 Quadratmeilen bzw. 228 Quadratkilometern, das nur aus den Kirchspielen Barmstedt und Elmshorn bestand, wurde so direktes Lehen des Reiches. 1662 wurde es auf dem L\u00fcneburger Kreistag &#8222;als ein Kreisstand des nieders\u00e4chsischen Kreises aufgenommen und zu 4 1\/3 Reuter und 5 1\/3 Mann Infanterie zum Reichskontingent angesetzt. In der Reichsmatrikel war sie nicht aufgef\u00fchrt, jedoch in der Cammergerichtsmatrikel zu 31 Pf 6 Kreuzer angeschlagen.&#8220; (Rauert, S. 5) Der hier regierende Graf war weder den beiden holsteinischen Herz\u00f6gen noch einer anderen Instanz als dem Reich untergeordnet. Als er 1654 und 1655 als Statthalter f\u00fcr das k\u00f6niglich-d\u00e4nische Herzogtum Holstein zu den Reichstagen nach Regensburg fuhr, besa\u00df er auf der Wetterauischen Grafenbank Platz und Stimme. Die Erbfolge wurde nach der <strong>Primogenitur<\/strong> bestimmt, was bedeutete, dass nur der erstgeborene Sohn das Erbe antreten konnte, es sei denn, der Erstgeborene sei unf\u00e4hig zu regieren. Daneben bestand auch das Recht f\u00fcr den Fall des fehlenden m\u00e4nnlichen Erbfolgers einen beliebigen anderen zu adoptieren und als Erben einzusetzen. Ebenfalls wurden Abfindungsregeln festgelegt. Sehr ausf\u00fchrlich ist der gesamte Katalog an Rechten des neuen Reichsgrafen beschrieben bei Kurt von Rantzau, S. 161ff.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"826\" height=\"526\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SkizzeRantzauUmbau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1225\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SkizzeRantzauUmbau.jpg 826w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SkizzeRantzauUmbau-300x191.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SkizzeRantzauUmbau-768x489.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 826px) 100vw, 826px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Entwurfszeichnung von 1653 zum Umbau des Hauses Barmstedt (m\u00f6glicherweise eigenh\u00e4ndig durch den Grafen), leider die einzige Ansicht der Baulichkeiten aus der Grafenzeit.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MuenzenGrafChristian.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1224\" width=\"466\" height=\"679\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MuenzenGrafChristian.jpg 703w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MuenzenGrafChristian-206x300.jpg 206w\" sizes=\"auto, (max-width: 466px) 100vw, 466px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">M\u00fcnzen des Grafen Christian Rantzau<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Er nahm alle Hoheitsrechte wahr, lie\u00df Portugal\u00f6ser und Thaler pr\u00e4gen, hob Gelehrte in den Adelsstand und hielt einen f\u00fcrstlichen Hofstaat<\/strong>. Daf\u00fcr lie\u00df er das <strong>Schloss Rantzau<\/strong> bauen, das &#8211; wenn auch ver\u00e4ndert und erweitert &#8211; bis 1804 erhalten blieb. Ob es ein Umbau oder Neubau auf den Grundmauern des alten &#8222;Hauses Barmstedt&#8220; war, l\u00e4sst sich bisher nicht endg\u00fcltig feststellen. Die abgebildete skizzenhafte Entwurfszeichnung ist das einzige bildhafte zeitgen\u00f6ssische Dokument zum Bau. F\u00fcr die Untergeh\u00f6rigen schaffte er die vielen Hoftage und Fuhren ab, verpachtete stattdessen s\u00e4mtliche Hofl\u00e4ndereien und traf Vereinbarungen \u00fcber die zu leistenden Dienste und Fuhren.<br>In <strong>Elmshorn<\/strong>, das nur den Bereich n\u00f6rdlich der Kr\u00fcckau umfasste, da die s\u00fcdliche Seite mit den D\u00f6rfern Vormstegen und Klostersande zur Herrschaft Pinneberg bzw. dem Kloster Uetersen geh\u00f6rte, stiftete er in seinem letzten Lebensjahr ein gro\u00dfes Armenhaus, aus dem sp\u00e4ter das Pr\u00e4bendenstift wurde. Die kirchliche Aufsicht in der neuen Grafschaft lag beim Elmshorner Pastor Johann Feusting. Der neue Reichsgraf lebte meist in <strong>Breitenburg<\/strong>, das er nach den Zerst\u00f6rungen der Kriege repr\u00e4sentativ ausbauen lie\u00df, war aber oft in Staatsgesch\u00e4ften unterwegs. 1651 wurde er zus\u00e4tzlich zu seinen \u00fcbrigen \u00c4mtern zum Pr\u00e4sidenten des Staatskollegiums in Kopenhagen erhoben.<\/p>\n\n\n\n<p>1652 gr\u00fcndeten die Niederl\u00e4nder am Kap der Guten Hoffnung eine Niederlassung als Versorgungsstation f\u00fcr die Holl\u00e4ndisch-Ostindische Handelskompanie, die mit ihren Besitzungen in Batavia (heutiges Indonesien) Handel trieb. Der Kaufmann Jan van Riebeeck landete mit 82 M\u00e4nnern und acht Frauen am 6. April 1652 in der Bucht am Fu\u00dfe des Tafelbergs, nahm das Land in Besitz und errichtete hier ein Fort. Hieraus entstand in kurzer Zeit die niederl\u00e4ndische Kapprovinz.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8663\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Die Zeit des Zweiten Nordischen Krieges 1656 bis 1661<\/h2><div id=\"ac-8663\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Von 1656 bis 1661 k\u00e4mpfte Schweden im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zweiter_Nordischer_Krieg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zweiten Nordischen Krieg<\/a> unter Karl Gustav X. sowie seinem Verb\u00fcndeten Brandenburg, das jedoch 1657 auf die polnisch-d\u00e4nische Seite wechselte, um die Vorherrschaft im Baltikum gegen Polen-Litauen und seine Verb\u00fcndeten D\u00e4nemark-Norwegen, \u00d6sterreich, Niederlande. Schwedische Truppen st\u00fcrmten am 3. August 1657 die bei Elmshorn an der Kr\u00fcckau gelegene \u201eKr\u00fcckschanze\u201c. W\u00e4hrend diese von den D\u00e4nen aufgebaute Verteidigungsanlage an der Kr\u00fcckau auf d\u00e4nisch-gottorfischem Gebiet lag, lag das Dorf Elmshorn n\u00f6rdlich des Flusses auf neutralem Gebiet in der Grafschaft Rantzau. Dennoch &#8211; oder gerade deshalb, war doch der Graf k\u00f6niglich-d\u00e4nischer Statthalter f\u00fcr die Herzogt\u00fcmer &#8211; wurde es am 3. Juli vollst\u00e4ndig einge\u00e4schert, auch die Kirche mit dem kostbaren Altar aus Alabaster, den der Seefahrer Otto von Aspern 1643 gestiftet hatte. Der s\u00fcdliche Teil des Ortes, der zur k\u00f6niglich-d\u00e4nischen Herrschaft Pinneberg geh\u00f6rte, wurde mit allen Erntevorr\u00e4ten am 9. September gebrandschatzt. Noch 1660 lagen die meisten H\u00e4user w\u00fcst und verlassen. Auch in den angrenzenden Gebieten wurde gebrandschatzt. Das Pinneberger Schloss wurde 1658 von den Schweden zerst\u00f6rt. In Wedel verlor der ber\u00fchmte Dichter Johann Rist all sein Hab und Gut und musste nach Hamburg fliehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von J\u00fctland aus gelang es den Schweden, in einem Pr\u00e4ventivschlag im Winter \u00fcber die zugefrorene Ostsee eine d\u00e4nische Insel nach der anderen zu erobern, ohne dass die Flotte eingreifen konnte. Als die Schweden dann 1658 vor Kopenhagen standen, willigte Friederich III. in den \u201ePanikfrieden von Roskilde\u201c ein. Mit diesem Frieden r\u00e4umte D\u00e4nemark-Norwegen seine Besitzungen auf dem Gebiet des heutigen Schweden: Schonen, Blekinge und Halland (Skaneland). Bitter war f\u00fcr die d\u00e4nische Krone zudem, dass man einwilligen musste, die schleswigschen Anteile Gottorfs, das mit Schweden verb\u00fcndet war, vom d\u00e4nischen Lehen zu entbinden. Die d\u00e4nische Au\u00dfenpolitik bem\u00fchte sich seitdem darum, die verlorenen Gebiete wieder zur\u00fcck zu erlangen, da die Schweden die verb\u00fcndeten Territorien als Truppenaufmarschgebiete nutzen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Jahren 1658 und 1659 waren die mit D\u00e4nemark verb\u00fcndeten <strong>\u00f6sterreichischen, brandenburgischen und polnischen Truppen auch in den die Grafschaft Rantzau umgebenden d\u00e4nischen Gebieten einquartiert<\/strong>, um den Schweden den Weg zu ihren norddeutschen Besitzungen Bremen und Verden abzuschneiden, <strong>sie pressten jedoch das gesamte Land, also auch die Grafschaft, aus und brachten verheerende Seuchen ins Land<\/strong>.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"305\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christian_Albrecht.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1223\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christian_Albrecht.jpg 250w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christian_Albrecht-246x300.jpg 246w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf. Gr\u00fcnder der nach ihm benannten Universit\u00e4t in Kiel.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1659 starb Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf in seiner von den D\u00e4nen belagerten Festung T\u00f6nning. Neuer Herzog wurde <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christian_Albrecht_%28Schleswig-Holstein-Gottorf%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Christian Albrecht<\/a> (1659 &#8211; 1695). Au\u00dfenpolitisch setzte er die enge Anbindung an Schweden fort, was zur Folge hatte, dass er in alle Auseinandersetzungen zwischen D\u00e4nemark und Schweden verwickelt wurde. Seine <strong>Residenz war Schleswig, er lebte aber w\u00e4hrend des n\u00e4chsten Nordischen Krieges von 1675 bis 1679 und ebenfalls von 1684-89 in Hamburg<\/strong>, da der Gottorfische Anteil Schleswigs von D\u00e4nemark besetzt worden war. Auch 1679 konnte er nur durch die Garantiem\u00e4chte Schweden, England und Niederlande erreichen, dass er die im Altonaer Vertrag zugesicherten L\u00e4nderein zur\u00fcck erhielt. 1665 gr\u00fcndete er in <strong>Kiel<\/strong> eine <strong>Universit\u00e4t<\/strong>, die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christian-Albrechts-Universit%C3%A4t_zu_Kiel#Die_Gr.C3.BCndung_1665\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Christiana Albertina<\/a>, mit den vier traditionellen Fakult\u00e4ten Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Freie K\u00fcnste und \u00fcbernahm selbst das Amt des Rektors. Der Zweck dieser ausdr\u00fccklich Lutherischen Hochschule war die Ausbildung von Theologen und Verwaltungsbeamten f\u00fcr die eigenen Territorien nach eigenen Vorstellungen. Schon 1669 erlie\u00df er die Verf\u00fcgung, dass Theologen, die in seinem Herzogtum angestellt werden wollten, mindestens zwei Jahre hier studiert haben mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon 1613 war in Hamburg das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Akademisches_Gymnasium_%28Hamburg%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Akademische Gymnasium<\/a> gegr\u00fcndet worden, das die S\u00f6hne des Hamburger B\u00fcrgertums auf die Universit\u00e4t vorbereiten sollte. Es war zun\u00e4chst nur ein neuer H\u00f6rsaal neben der Lateinschule im ehemaligen Johanniskloster, in dem vier Professoren \u00f6ffentliche Vorlesungen hielten. Die Unterrichtsf\u00e4cher waren vor allem die Sprachen Griechisch und Hebr\u00e4isch, aus der Philosophie die F\u00e4cher Logik und Ethik sowie Mathematik und Physik. Gelegentlich wurden auch theologische Vorlesungen von Pastoren gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>1660 endete mit dem <strong>Frieden von Kopenhagen<\/strong> der d\u00e4nisch-schwedische Krieg. Bornholm und Trondheim kamen dabei wieder an D\u00e4nemark. <strong>Das K\u00f6nigreich D\u00e4nemark wurde am Ende des D\u00e4nisch-Schwedischen Krieges zur ersten absoluten Monarchie in Europa<\/strong>. In diesem Krieg hatte der Adel milit\u00e4risch, politisch und \u00f6konomisch offensichtlich versagt, der K\u00f6nig war andererseits f\u00fcr seine Kriegsf\u00fchrung auf Kredite der reichen Kopenhagener B\u00fcrger angewiesen gewesen, so dass das adlige K\u00f6nigs-Wahlrecht, die Steuerfreiheit und weitere Privilegien f\u00fcr den Adel unter Zustimmung der Mehrheit aus Geistlichkeit und B\u00fcrgertum im St\u00e4ndereichsrat abgeschafft wurden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/502px-Louis-xiv-lebrunl.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1222\" width=\"325\" height=\"388\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/502px-Louis-xiv-lebrunl.jpg 502w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/502px-Louis-xiv-lebrunl-251x300.jpg 251w\" sizes=\"auto, (max-width: 325px) 100vw, 325px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ludwig XIV.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Frankreich unter Ludwig XIV. <\/strong>&#8211; bis 1661 noch unter der Regierung Mazarin &#8211; gewann 1659 durch den Pyren\u00e4enfrieden endg\u00fcltig f\u00fcr lange Zeit die <strong>Dominanz in Europa<\/strong>. Alle anderen Herrscher und Adelsfamilien orientierten sich am kulturellen Vorbild Frankreichs. Die Epoche des <strong>Barock<\/strong> setzte sich durch. Das Franz\u00f6sische wurde jetzt die europ\u00e4ische Bildungssprache, die an allen F\u00fcrstenh\u00f6fen Europas die jeweiligen Landessprachen oft verdr\u00e4ngte. Ludwig hatte 1643, als 4-J\u00e4hriger, den Thron geerbt. Bis zu seiner Vollj\u00e4hrigkeit war seine Mutter, Anna von \u00d6sterreich, eine spanische Habsburgerin, Regentin, die wiederum als Premierminister den Kardinal Mazarin eingesetzt hatte, um die Politik des Landes gestalten zu lassen. Im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg war Frankreich im Bund mit Schweden gegen den r\u00f6misch-deutschen Kaiser und den spanischen K\u00f6nig angetreten, um so die Vorherrschaft des Hauses Habsburg zu schw\u00e4chen. Im Westf\u00e4lischen Frieden war Frankreich zum gro\u00dfen Gewinner geworden, konnte Teile des Elsass gewinnen und seine gesamten Truppen gegen Spanien wenden. Die Staatsfinanzen waren dadurch jedoch au\u00dfer Kontrolle geraten. Dieses und die von Richelieu, seinem Vorg\u00e4nger bis 1642, und ihm selbst weiter vorangetriebene Zentralisierung der Staatsgewalt in der Person des K\u00f6nigs brachte das Parlament und die franz\u00f6sischen Prinzen zum Aufstand, der <strong>Fronde<\/strong> (1648-53), gegen die Regierung auf.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/483px-Oliver_Cromwell_by_Robert_Walker.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1221\" width=\"390\" height=\"484\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/483px-Oliver_Cromwell_by_Robert_Walker.jpg 483w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/483px-Oliver_Cromwell_by_Robert_Walker-242x300.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Oliver Cromwell 1649<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Beeinflusst war dieser Aufstand durch \u00e4hnliche Ereignisse jenseits des Kanals, wo seit 1639 der <strong>Englische B\u00fcrgerkrieg<\/strong> unter dessen F\u00fchrungsfigur Oliver Cromwell ausgebrochen war. Es ging in beiden F\u00e4llen um die Spannungen zwischen dem Anspruch absolutistischer K\u00f6nigsgewalt, abgeleitet vom Gottesgnadentum, und den teils entgegengesetzt gerichteten Interessen des in den jeweiligen Parlamenten vertretenen Landadels und B\u00fcrgertums. Dazu kamen &#8211; oft mit diesen parallel verlaufend &#8211; wie im r\u00f6misch-deutschen Reich religi\u00f6se Gegens\u00e4tze hinzu: in Frankreich die durch das Edikt von Nantes entsch\u00e4rften Spannungen zwischen katholischem K\u00f6nigshaus und Hugenotten, in England, Schottland und Irland zwischen anglikanischer Kirche, Puritanern und Katholiken. W\u00e4hrend der englische K\u00f6nig Karl I. 1649 seinen Kopf auf dem Schafott verlor und England bis 1660 zur puritanisch dominierten Republik, dem Commonwealth, wurde, scheiterte in Frankreich die Fronde endg\u00fcltig mit der Kr\u00f6nung Ludwigs im Jahre 1654 und dieser baute fortan zielgerichtet das barocke absolutistische K\u00f6nigtum aus.<\/p>\n\n\n\n<p>In England wurde im gleichen Jahr nach dem Tod Oliver Cromwells die Monarchie durch die Thronbesteigung <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_II._%28England%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Karls II<\/a> wiederhergestellt. Die Leiche Cromwells wurde aus der Westminster Abbey exhumiert und wegen K\u00f6nigsmordes \u00f6ffentlich enthauptet, der Kopf auf eine Stange aufgespie\u00dft und gegen\u00fcber Westminster ausgestellt. Karl II. konnte als letzter englischer K\u00f6nig eine absolute Monarchie durchsetzen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8664\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Die letzten Jahre des Grafen Christian<\/h2><div id=\"ac-8664\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>1662 wurde die <strong>Grafschaft Rantzau auf dem Kreistag zu L\u00fcneburg als ein Kreisstand des Nieders\u00e4chsischen Kreises<\/strong> aufgenommen und zu 4 1\/3 Reiter und 5 1\/3 Mann Infanterie zum Reichcontingent angesetzt. Graf Christian Rantzau setzte jetzt Johann Lassenius als Propst ein, berief ihn aber erst 1669 und ernannte ihn zum Hofprediger.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Praebendenstift-787x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1220\" width=\"379\" height=\"493\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Praebendenstift-787x1024.jpg 787w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Praebendenstift-230x300.jpg 230w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Praebendenstift-768x1000.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Praebendenstift.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 379px) 100vw, 379px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Pr\u00e4bendenstift in Elmshorn<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die <strong>Nikolaikirche in Elmshorn wurde 1661 wieder aufgebaut<\/strong>, nachdem sie wie das ganze Dorf im Zweiten Nordischen Krieg von schwedischen Truppen 1657 zerst\u00f6rt worden war. Aus Kostengr\u00fcnden verzichtete man jedoch auf einen Turm.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Michaelistag 1663 gr\u00fcndete Graf Christian den <strong>Pr\u00e4bendenstift mit Kapelle und Glocke in Elmshorn<\/strong>. Dieses Haus, auch Spital oder Hospital genannt, diente der <strong>Versorgung (= Pr\u00e4bende) armer und alter Menschen in der Grafschaft, Herrschaft Breitenburg und den anderen gr\u00e4flichen G\u00fctern<\/strong>. Es umfasste <strong>sieben Wohnungen bzw. Abteilungen oder Zellen f\u00fcr 13 Arme<\/strong>, je 2 in einer Zelle. Der 14. Platz sollte immer f\u00fcr einen alten Hofdiener offen bleiben. Mann und Frau sollten nicht zusammen und auch nicht mit ihren Kindern in einer Zelle leben und \u00fcber alle &#8222;darin befindlichen Personen&#8220; sollte ein &#8222;genaues Verzeichnis&#8220; gef\u00fchrt werden. Aus der Stiftungssumme von 12.700 Reichsthalern erhielten die Pr\u00e4benden 50 Reichsthaler und dazu das Nutzungsrecht an einem K\u00fcchengarten. Ende des 18. Jahrhunderts war die Zahl der Pl\u00e4tze auf 33 angewachsen, au\u00dferdem hatten die Bewohner das Recht auf zus\u00e4tzliche Mittel in Krankheitsf\u00e4llen erhalten. Jeder Arme, der im Pr\u00e4bendenhaus aufgenommen wurde, musste ein Bett mitbringen, welches nach seinem Tod nebst allem Nachlass dem Stiftungsverm\u00f6gen zufloss. Das Begr\u00e4bnis wurde aus der entsprechend gek\u00fcrzten ersten Quartalszahlung finanziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Verwaltet wurde diese Stiftung von einem gewichtigen \u00dcberbau, bestehend aus dem Landesherrn, den Predigern &#8211; dem Catecheten als Hospitalsprediger, dem Kirchspielvogt zu Elmshorn und zwei Vorstehern. Die den Fond ausmachenden Obligationen und Dokumente wurden in einer blechernen Lade im Pr\u00e4bendenhaus aufbewahrt, zu der nur der Graf, sp\u00e4ter der Administrator den Schl\u00fcssel besa\u00df. Die Lade wiederum befand sich in einem Schrank mit Vorh\u00e4ngeschloss. Der Schl\u00fcssel zum Schrank war in den H\u00e4nden des Probsten, der zum Vorh\u00e4ngeschloss beim Kirchspielsvogt. (thor Straten, S. 157)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pr\u00e4bendenstift in der sp\u00e4teren K\u00f6nigstra\u00dfe existierte in der Form als Armenhaus bis 1890, wurde dann aber ein Opfer der Bauwut der Gr\u00fcnderzeit und neu am Stadtrand zusammen mit der Stiftskirche errichtet, im gleichen Jahr, als die Nikolaikirche ihren neugotischen Turm erhielt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Graf_Christian_zu_Rantzau-B100.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1218\" width=\"311\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Graf_Christian_zu_Rantzau-B100.jpg 936w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Graf_Christian_zu_Rantzau-B100-300x279.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Graf_Christian_zu_Rantzau-B100-768x714.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Graf Christian zu Rantzau<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Tod und Begr\u00e4bnisfeierlichkeiten des Oberstatthalters, Graf Christian Rantzau:<\/strong> Rantzau wurde im Juli 1663 von K\u00f6nig Friedrich III. nach Kopenhagen gerufen, wurde dort jedoch so krank, dass er schlie\u00dflich das Krankenlager nicht mehr verlassen konnte und in seinem Palais an der Store Kannikestraede nach 14 Tagen am 8. November 1663 im Alter von 49 Jahren verstarb. Sein Sohn und Nachfolger, der 19-j\u00e4hrige Graf Detlef zu Rantzau, befand sich gerade zusammen mit zwei Vettern und seinem Breitenburger Hofmeister (Hauslehrer) auf einer Bildungsreise (Kavalierstour) in Nordfrankreich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber sein Begr\u00e4bnis hatte Rantzau vorher in einem Testament ausf\u00fchrliche Anweisungen gegeben, denn ein Leichenbeg\u00e4ngnis hochgestellter Personen war zu dieser Zeit ein Staatsereignis ersten Ranges. Drei Jahre vorher war der f\u00fcnf Jahre vorher gestorbene Gottorfer Herzog Friedrich III. mit einem phantastischen Zeremoniell bestattet worden, \u00fcber das sein Hofbibliothekar Adam Olearius ein Werk herausgegeben hatte, das neben 75 Illustrationen genaue Unterrichtungen \u00fcber die Leichentracht und die Trauerkleidung aller an der Trauer-Prozession teilnehmenden Gruppen herausgebracht hatte. Daher war das Zeremoniell f\u00fcr den Oberstatthalter der Herzogt\u00fcmer und freien Reichsgrafen zu Rantzau ein fast ebenso wichtiges Ereignis, das genauestens vorbereitet werden musste. Entgegen dem Testament ordnete der K\u00f6nig selber die Zeremonien an.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/FuerstlichesBegraebnis.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1217\" width=\"417\" height=\"648\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/FuerstlichesBegraebnis.jpg 659w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/FuerstlichesBegraebnis-193x300.jpg 193w\" sizes=\"auto, (max-width: 417px) 100vw, 417px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Trauerzug f\u00fcr Christian Rantzau war entsprechend dem abgebildeten Vorbild des Gottorfer Herzogs gestaltet.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Abf\u00fchrung des Sarges aus Kopenhagen erfolgte am 10. Dezember am Abend mit gro\u00dfem Karossen-Gefolge, w\u00e4hrend alle Glocken der Stadt l\u00e4uteten. Das wiederholte sich in allen St\u00e4dten, durch die der Sarg auf seinem Weg nach Flensburg gerollt wurde. Hier blieb er viele Monate in Warteposition f\u00fcr die n\u00e4chste Etappe nach Kiel, wo er in der Sakristei der Nikolaikirche aufgebahrt werden sollte. Kiel war der bevorzugte Ort f\u00fcr gro\u00dfe Beerdigungen, da hier viele Adlige ihre Stadth\u00e4user hatten. Erst im April des n\u00e4chsten Jahres wurden auf der Breitenburg intensivere Vorbereitungen f\u00fcr den weiteren Trauerzug gemacht. In Preetz bestellte man einen silbernen Prunksarg, die Einladung und Einteilung der adligen W\u00fcrdentr\u00e4ger und \u00fcbrigen Begleiter des Sarges wurde geplant und das entsprechende Trauerzubeh\u00f6r inclusive der dem Rang geb\u00fchrenden Insignien wie Helm, Harnisch und Ritterhandschuhe in Hamburg geordert. Am 7. Juni 1664 fand schlie\u00dflich die \u00dcberf\u00fchrung nach Kiel statt. Die ausf\u00fchrliche Beschreibung des pomp\u00f6sen Ereignisses, das hier zun\u00e4chst auf dem Weg zum Kieler Schloss, dann zur Nikolaikirche und schlie\u00dflich nach Itzehoe in die Gruft unter der St.Laurentii-Kirche stattfand, findet man in dem unten aufgef\u00fchrten Aufsatz von Rudolf Z\u00f6llner.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8665\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Die Regierungszeit Graf Detlefs zu Rantzau 1663-1697<\/h2><div id=\"ac-8665\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Graf_Detlef_zu_Rantzau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1216\" width=\"360\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Graf_Detlef_zu_Rantzau.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Graf_Detlef_zu_Rantzau-300x222.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Graf_Detlef_zu_Rantzau-768x569.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Graf Detlef zu Rantzau 1644 -1697<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Als Nachfolger erhielt Christian Rantzaus 19-j\u00e4hriger Sohn <strong>Detlef<\/strong> (geb. 11.05.1644) die <strong>Grafenw\u00fcrde und bald alle Ehren und \u00c4mter des d\u00e4nischen K\u00f6nigreichs wie sein Vater<\/strong>. Nur Statthalter wurde er aufgrund seines Alters noch nicht. Dieses Amt erhielt der Reichskanzler Friedrich Ahlefeldt, der wiederum Detlef Rantzaus Schwester Margaretha Dorothea heiratete. Detlef wurde zun\u00e4chst Vize-Statthalter. Er heiratete Catharina Hedwig Brockdorff, nach Rauert &#8222;die sch\u00f6nste und geistreichste Frau des Landes&#8220;, sie hatten 12 Kinder, von denen allerdings die meisten fr\u00fch starben. Nur drei \u00fcberlebten ihre Eltern: Christian Detlef, geb. 20.06.1670 (oder 28.06.?), Wilhelm Adolf, geb. 30.01.1687, Catharina Hedwig, geb. 1683. Sie heiratete sp\u00e4ter den Grafen Castel-Rudenhausen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberliefert ist von seiner Herrschaft vor allem, dass er die alte Barmstedter St. Margarethenkirche 1682 mit einer <strong>Orgel<\/strong> ausstatten und <strong>Planungen f\u00fcr einen Neubau oder Erweiterungsbau<\/strong> entwickeln lie\u00df, &#8222;zu der Kirchspiels-Leute Beste (damit sie nicht aus de Kirchen, wie \u00f6ffters geschiehet, bleiben d\u00fcrffen)&#8220; (1). Daf\u00fcr bat der Graf seinen ehemaligen Hofprediger und Propsten <a href=\"http:\/\/www.deutsche-biographie.de\/sfz48353.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Johannes Lassenius<\/a> in dessen Kopenhagener Kirche eine Kollekte f\u00fcr den Neubau in Barmstedt zu veranstalten. Au\u00dferdem verf\u00fcgte er, dass Inspektor Boccatius einen angesammelten Fond, der den Untertanen zustand, nicht auszuzahlen, sondern als Ansparung f\u00fcr das Projekt zu verwenden habe. Das Kirchspiel Barmstedt erhielt 1673 eine <strong>zweite Pfarrstelle<\/strong> und die Pflicht, auch <strong>Dorfschulen<\/strong> einzurichten und zu \u00fcberwachen. Alle Eltern wurden verpflichtet, ihre Kinder in die Schule zu schicken, bei Schulgeldfreiheit f\u00fcr die Armen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die kleine <strong>Fischer- und Handwerkersiedlung<\/strong> <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bezirk_Altona\" target=\"_blank\">Altona<\/a> <strong>in der Grafschaft Holstein-Pinneberg wurde 1664 vom d\u00e4nischen K\u00f6nig zur Stadt erhoben<\/strong> und schied damit aus der Herrschaft Pinneberg aus. Schon seit Beginn des Jahrhunderts war das Dorf vor den Toren Hamburgs durch einen starken Zustrom von Glaubensfl\u00fcchtlingen gewachsen und hatte eine starke wirtschaftliche Dynamik entwickelt. Denn noch der Schauenburger Graf Ernst hatte ab 1601 Altona durch Privilegienverleihung an gefl\u00fcchtete holl\u00e4ndische Mennoniten und Reformierte sowie durch die Anlage der Palmaille 1638 eine entscheidende Weichenstellung vorgenommen. Gleich nach der Einverleibung ins k\u00f6niglich-d\u00e4nische Herrschaftsgebiet im Jahre 1640 hatte Christian IV. die Gelegenheit ergriffen und <strong>nach der Gr\u00fcndung Gl\u00fcckstadts (im Jahr 1617) auch Altona zur Hafenstadt ausgebaut<\/strong>, um die alte Hansestadt Hamburg, \u00fcber die er die Lehnsherrschaft beanspruchte, in einem kriegerisch gef\u00fchrten Kampf um den Elbzoll in die Knie zu zwingen. Hamburg musste in der Niederlage von 1643 Zugest\u00e4ndnisse machen und konnte sich die Reichsfreiheit im Unterschied zu L\u00fcbeck erst 1768 sichern. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Erhebung Altonas zur Stadt war deshalb auch als feindlicher Akt gegen Hamburg zu sehen und umfasste unter anderem Zoll-, Stapel- und Gewerbefreiheiten sowie Gerichtshoheit. Zur F\u00f6rderung der Konkurrenzf\u00e4higkeit durfte ab 1703 auch sonntags vor dem Kirchgang Handel getrieben werden, wodurch die Tradition des Altonaer Fischmarkts entstand. <strong>1683 wurde zun\u00e4chst eine st\u00e4dtische Lateinschule<\/strong> gegr\u00fcndet, die auch f\u00fcr Kinder aus b\u00fcrgerlichen Kreisen der Grafschaft Rantzau offen war. 1738 wurde aus ihr ein Gymnasium, das unter dem Namen <strong>Christianeum<\/strong> heute noch besteht. Da in Altona auch ein <strong>gro\u00dfe j\u00fcdische Gemeinde<\/strong> bestand, wurden hier seit Mitte des 18. Jahrhunderts auch zahlreiche Sch\u00fcler aus j\u00fcdischen Familien aufgenommen. Altona war mindestens <strong>ab 1710 die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt im Herrschaftsbereich des d\u00e4nischen K\u00f6nig-Herzogs<\/strong> und entwickelte sich noch im 17. Jahrhundert zu einem wichtigen <strong>Pressestandort<\/strong> wegen der im Vergleich zu Hamburg gr\u00f6\u00dferen Toleranz der Obrigkeit. Es erschienen hier renommierte und langlebige Zeitungen wie insbesondere der Altonaische Mercurius (1698\u20131874) und der (Altonaische) Reichs-Post-Reuter (1699\u20131789).<\/p>\n\n\n\n<p>1665 wurde das K\u00f6nigreich D\u00e4nemark zum ersten und einzigen durch einen <strong>absolutistischen Herrschaftsvertrag f\u00fcr D\u00e4nemark, die Lex Regia, kodifizierten absolutistischen Staat,<\/strong> wodurch der Adel und die \u00fcbrigen St\u00e4nde einen gro\u00dfen Teil ihrer politischen Rechte im Staate D\u00e4nemark einb\u00fc\u00dften, die Herzogt\u00fcmer waren davon jedoch nicht betroffen. Dieses Gesetz blieb bis 1849 in Kraft. In der Folge wurde schon im 17. Jahrhundert eine moderne, nach Kollegien organisierte Zentralverwaltung eingef\u00fchrt und aufkl\u00e4rerische Ideen konnten sich relativ gut durchsetzen. Der K\u00f6nig war jetzt Herr \u00fcber alle Untertanen, auch \u00fcber die privilegierten St\u00e4nde. [Bohn 2006, 64]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1666 wurde D\u00e4nemark zur Kolonialmacht,<\/strong> als der von K\u00f6nig Friedrich III. zum Gouverneur ernannte Erik Niels Smit auf der <strong>Karibikinsel St. Thomas<\/strong> (Kleine Antillen) den Danebrog hisste. Die Insel wurde damit zur d\u00e4nischen Kolonie erkl\u00e4rt. Die Spanier hatten im Rahmen ihrer Eroberungs- und Kolonisierungsaktionen im 16. Jahrhundert die Ureinwohner vertrieben, nur noch einige Holl\u00e4nder lebten hier. So entstand die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/D%C3%A4nisch-Westindien\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">d\u00e4nisch-westindische Kolonie<\/a>, die neben Saint Thomas sp\u00e4ter auch Saint John und Saint Croix umfasste und durch Ausbeutung von Sklavenarbeit auf den Zuckerrohrpflanzungen im 18. Jahrhundert in der Zeit Schimmelmanns eine wichtige \u00f6konomische Bedeutung im Dreieckshandel erlangen sollte. Zwischendurch erlebte St. Thomas allerdings eine Phase als d\u00e4nisches Piratennest. Heute sind es die Amerikanischen Jungferninseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Der neue Graf Detlef Rantzau setzte sehr bald einen <strong>eigenen Propsten<\/strong> in seinem Herrschaftsgebiet ein. Daf\u00fcr berief er 1668 den Itzehoer Pastoren Johannes Lassenius, der zugleich Hofprediger und Pastor in Barmstedt wurde. Von jetzt an gab es f\u00fcr die gro\u00dfe Gemeinde, zu der au\u00dfer Barmstedt auch noch die H\u00f6rner Gilde geh\u00f6rte, zwei Pfarrer bzw. Kompastoren. Im Jahr danach wurde die <strong>Anlegung von Kirchenb\u00fcchern<\/strong> angeordnet und 1670 fand das <strong>erste geistliche Konsistorium auf Schlo\u00df Rantzau<\/strong> statt. Entsprechend dem evangelischen Kirchenrecht war der Landesherr gleichzeitig oberste Autorit\u00e4t in Kirchenfragen, so dass Graf Detlef pers\u00f6nlich &#8222;die sieben Stunden als Episcopus pr\u00e4sidierte&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elmshorn wurde als Hafen immer wichtiger.<\/strong> Gr\u00f6\u00dfere Schiffe konnten die Kr\u00fcckau allerdings nur bis zur &#8222;Kruck&#8220; passieren, weshalb hier der eigentliche Hafen war. Mit einem auf gr\u00e4fliche Anweisung neu gebauten Steindamm von der K\u00f6nigstra\u00dfe (damals Wedenkamp) bis zur Kruck konnten Transporte von Holzkohle aus dem Kisdorfer Wohld, also \u00f6stlich von Barmstedt, Torf und Getreide aus dem ganzen Umland leichter in den Hafen an der Kruck gebracht werden. Die K\u00f6nigstra\u00dfe wurde jetzt bebaut, zur Verbesserung der herrschaftlichen Einnahmen legte Graf Detlef am <strong>Pfahlkrug eine Zollstelle<\/strong> an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Am 10.08.1669 machte Graf Detlef ein folgenschweres geheimes Testament, die Donationsacte<\/strong> (kaiserliche Best\u00e4tigung vom 17.07.1671), wonach die Grafschaft Rantzau und die Herrschaft Breitenburg an das k\u00f6nigliche Haus fallen sollten, falls seine S\u00f6hne keine m\u00e4nnlichen Erben h\u00e4tten. F\u00fcr vorhandene weibliche Descendenten sollte der K\u00f6nig G\u00fcter in Holstein bereitstellen, die der Pflugzahl von Breitenburg entsprechen. Daf\u00fcr aber sollte die Grafschaft auf immer separiert von der Grafschaft Pinneberg und der Name immer erhalten bleiben. Gem\u00e4\u00df dieser Donationsacte wurde nach dem Mordfall am letzten Grafen Christian Detlef und die lebenslange Einkerkerung seines Bruders Wilhelm Adolf die Grafschaft vom K\u00f6nig eingezogen, da beide Grafen keine Kinder als Erben hinterlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das andere f\u00fcr das Schicksal seiner Grafschaft wichtige Dokument war ein Vertrag mit seinem Freund, dem damaligen Vizek\u00f6nig von Norwegen Ulrich Friederich G\u00fcldenl\u00f6we, der ab 1671 zeitweilig Besitzer der Herrschaft Herzhorn (Herzhorn, Sommerland und Gr\u00f6nland) war. Mit ihm machte er schriftlich in einem &#8222;Revers&#8220; ab, <strong>dass sein erster Sohn Christian Detlef die einzige Tochter G\u00fcldenl\u00f6wes heiraten sollte, wenn sie mannbar w\u00e4re. Bei Weigerung sollten 30.000 Taler Reukauf ausgezahlt werden<\/strong>. (Rauert, S.7)<\/p>\n\n\n\n<p>Detlef lie\u00df genau wie sein Vater M\u00fcnzen pr\u00e4gen, z.B. Dukaten mit der Umschrift \u201erecte faciendo neminem timeas\u201c und Rantzauische Drittel. Detlef lebte haupts\u00e4chlich auf seinem Gut Drage, war Amtmann und Gouverneur zu Rendsburg, Geheimer Rath und sp\u00e4ter Statthalter der Herzogth\u00fcmer. Nach dem Tod Catharinas heiratete er Dorothea Benedicta Ahlefeld, sie starb aber schon 1696.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"273\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christian_V_of_Denmark.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1214\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Christian V.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nach dem Tod des d\u00e4nischen K\u00f6nigs Friedrich III. im Jahr 1670 wurde sein 24-j\u00e4hriger Sohn <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christian_V._%28D%C3%A4nemark_und_Norwegen%29\" target=\"_blank\">Christian V.<\/a> K\u00f6nig von D\u00e4nemark (bis 1699).<br>Graf Detlef Rantzau erhielt 1673 die Bef\u00f6rderung zum k\u00f6niglich-d\u00e4nischen Cammerherrn und Obersten zu Ro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Im gleichen Jahr erhielt die Barmstedter Kirche eine zweite Pfarrstelle. Neben dem seit 1668 hier amtierenden Propsten und Hofprediger Lassenius wurde <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.deutsche-biographie.de\/sfz76355.html\" target=\"_blank\">Christian Detlef Rhode<\/a> (geb. 29. Juli 1653 in Itzehoe &#8211; gest. 4. Dezember 1717 auf Fehmarn) neuer Compastor in Barmstedt. Seine Bedeutung bestand darin, dass er &#8211; durch seine Gelehrsamkeit und sein besonderes Interesse an den Altert\u00fcmern getrieben &#8211; sich an die Erforschung der \u00fcberall in der Grafschaft vorhandenen H\u00fcgelgr\u00e4ber machte. Dadurch wurde er zu einem der ersten wissenschaftlich vorgehenden Arch\u00e4ologen im deutschen Sprachgebiet. Er betrieb seine Forschungen zusammen mit Professoren und Studenten des Hamburger Akademischen Gymnasiums und ver\u00f6ffentlichte seine Ergebnisse in gelehrten Bl\u00e4ttern. Sein Sohn gab ab 1719 die Forschungsergebnisse zun\u00e4chst als Periodikum, sp\u00e4ter als Buch heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>1676 ging <a href=\"http:\/\/www.deutsche-biographie.de\/sfz48353.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Johannes Lassenius<\/a> als Hauptpastor an die deutsche St. Petrikirche nach Kopenhagen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"448\" height=\"336\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Huegelgrab-echt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1215\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Huegelgrab-echt.jpg 448w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Huegelgrab-echt-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eines der letzten \u00fcbrig gebliebenen bronzezeitlichen H\u00fcgelgr\u00e4ber in Langeln<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1672 bis 1678 wurde der Niederl\u00e4ndisch-Franz\u00f6sische &#8211; oder auch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Holl%C3%A4ndischer_Krieg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Holl\u00e4ndische Krieg<\/a> &#8211; gef\u00fchrt. In einem Eroberungskrieg versuchte Ludwig XIV. die Vereinigten Niederlande (Generalstaaten), die damals wichtigste Handelsnation der Welt, unter dem General Wilhelm von Oranien zu besiegen. In diesen Krieg waren wegen unterschiedlichster territorialer und handelspolitischer Interessen England, Preu\u00dfen, \u00d6sterreich, Schweden und D\u00e4nemark involviert. F\u00fcr Frankreich ging es u. a. darum, das bei Holland liegende Monopol im Atlantischen Dreieckshandel zu brechen.<\/p>\n\n\n\n<p>1674 fielen im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schwedisch-Brandenburgischer_Krieg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schweden-Brandenburgischen Krieg<\/a> (Ableger des Holl\u00e4ndischen Krieges) die Schweden in die Kurmark (Mark Brandenburg) ein, wurden aber abgewehrt. In der Schlacht bei Fehrbellin 1675 schlugen die Brandenburger die Schweden und eroberten bis 1678 ganz Schwedisch-Pommern. In der Jagd \u00fcber das Kurische Haff 1678\/79 wurden alle schwedischen Truppen aus Preu\u00dfen vertrieben. Das Herzogtum Gottorf wurde bis 1679 besetzt und erst im Frieden von Fontainebleau zur\u00fcckgegeben. In den folgenden Feldz\u00fcgen der Brandenburg-Preu\u00dfen und ihrer Verb\u00fcndeten D\u00e4nemark (\u00d6sterreich, Spanien, Holland) wurden alle norddeutschen Besitzungen der Schweden besetzt, im Frieden von St.Germain und dem Frieden von Lund von 1679 aber die Besitzverh\u00e4ltnisse wie vor dem Krieg wieder hergestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Von 1675 bis 1715 herrschte in Mitteleuropa ein besonders kaltes Klima. Damit handelte es sich um die zweite Kaltphase der &#8222;<strong>kleinen Eiszeit<\/strong>&#8222;, deren erste Phase von 1570 bis 1630 dauerte.<\/p>\n\n\n\n<p>1680\/81 begann das Kurf\u00fcrstentum Brandenburg einen Kaperkrieg gegen Spanien.<\/p>\n\n\n\n<p>In die alte <strong>St. Margarethenkirche wurde 1682 zum ersten Mal eine Orgel eingebaut<\/strong>. Die damalige Kirche war wesentlich kleiner als die heutige, obwohl sie Mittelpunkt einer geografisch sehr viel gr\u00f6\u00dferen Gemeinde war. Das Urkirchspiel Barmstedt, dessen Mittelpunkt diese Kirche gewesen war, hatte weitgehend der Grafschaft Rantzau, in Schauenburgischer Zeit (1322-1640) dem Amt Barmstedt entsprochen, umfasste urspr\u00fcnglich also auch Elmshorn mit seinen D\u00f6rfern Raa und Besenbek, dazu Barmstedt und &#8211; au\u00dfer Bilsen &#8211; alle D\u00f6rfer des heutigen Amtes Rantzau. H\u00f6rnerkirchen wurde erst 1752 von Barmstedt abgetrennt. Die Kirche war ein typisch <strong>romanischer Bau<\/strong> mit Gemeindeteil, dem <strong>Schiff<\/strong>, und Altarraum, dem <strong>Chor<\/strong>, die durch einen <strong>Chorbogen<\/strong> verbunden waren. Das Schiff entsprach in seiner Breite dem Abstand der heutigen Nord- und S\u00fcdemporen, da die Pfosten auf den alten Grundmauern stehen. Es war 13,70m lang. &#8222;Der Chor ma\u00df 5,30x8m und reichte in der L\u00e4nge vom heutigen Quergang bis zum Kanzelaufgang. Urspr\u00fcnglich endete der Chor in einer halbrunden Apsis, die dann sp\u00e4ter durch eine gerade Ostmauer ersetzt wurde. Der \u00e4lteste Fu\u00dfboden lag einen Meter tiefer als der heutige und war mit Kopfsteinen gepflastert.&#8220; (Theilig 1980, S.11) Die Kirche war im Kaiserlichen Krieg zerst\u00f6rt und 1627 notd\u00fcrftig wieder aufgebaut worden. Wegen der Enge und des baulichen Zustandes plante bereits Graf Detlef einen Neubau. \u00dcbrigens befand sich der Friedhof unmittelbar um die Kirche herum.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elmshorn<\/strong> war 1362 ein eigenes Kirchspiel geworden. Zwischen 1347 und 1361 hatte das Dorf bereits eine eigene Kirche erhalten. Dieses Kirchspiel umfasste auch Gebiete, die nicht zur Grafschaft geh\u00f6rten, denn die s\u00fcdlich der Kr\u00fcckau liegenden Teile Elmshorns waren im Besitz des Klosters Uetersen. Aus dieser Konstellation sollten sich sp\u00e4ter in der Regierungszeit des Grafensohnes Christian Detlef noch heftige Auseinandersetzungen entwickeln, bekannt unter dem Stichwort &#8222;Preesterkreeg&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>1683 bis 1699 fand der <strong>Gro\u00dfe T\u00fcrkenkrieg<\/strong> statt. Das Osmanische Reich unter Gro\u00dfwesir Kara Mustafa versuchte durch Belagerung Wien unter Kaiser Leopold I. zu erobern und das Tor zu Zentral- und Westeuropa zu \u00f6ffnen. Die Truppen des polnischen K\u00f6nigs Jan Sobieski und die kaiserlichen unter Karl von Lothringen konnten in der Schlacht am Kahlenberge die 8-w\u00f6chige Belagerung beenden. Im weiteren Verlauf wurde <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eugen_von_Savoyen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Prinz Eugen<\/a> zum obersten Feldherrn und konnte die osmanischen Truppen aus \u00d6sterreich und Ungarn vertreiben.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8666\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Der zunehmende Gegensatz zwischen Gottorfern und d\u00e4nischen K\u00f6nigen<\/h2><div id=\"ac-8666\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>1684 lie\u00df der d\u00e4nische K\u00f6nig Christian V. das gottorfische Herzogtum besetzen und setzte 1686 seine milit\u00e4rische Einsch\u00fcchterungspolitik mit einem 16.500 Mann starken Heer gegen Hamburg fort, musste seine Eroberungspl\u00e4ne jedoch aufgeben und abziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>1685 hob Ludwig XIV. das Edikt von Nantes auf und damit den Schutz der Hugenotten (Calvinisten), die jetzt um ihr Leben und Gut f\u00fcrchten mussten. Damit setzte Verfolgung und Flucht von einer Viertelmillion Hugenotten ins protestantische Ausland ein.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Wilhelm_%28Brandenburg%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Friedrich Wilhelm von Brandenburg<\/a>, der Gro\u00dfe Kurf\u00fcrst, erlie\u00df daraufhin das Potsdamer Edikt, das 15.000 Protestanten die Ansiedlung in seinen Staaten erlaubte. In Berlin war daraufhin ein Aufschwung der Industrie die Folge.<\/p>\n\n\n\n<p>1685 erteilte Graf Detlef einen <strong>Schutzbrief an Berend Levi, wodurch es zur Gr\u00fcndung der ersten j\u00fcdischen Gemeinde in Elmshorn kam<\/strong>. Die Umst\u00e4nde und Hintergr\u00fcnde sind bei Harald Kirschninck im ersten Band seiner beiden B\u00fccher zur Geschichte der Juden in Elmshorn ausf\u00fchrlich, anschaulich und gut kommentiert dargestellt. Der Text und das Material ist auch teilweise im Internet abrufbar unter <a href=\"http:\/\/books.google.com.pe\/books?id=ej2vEEfSiysC&amp;pg=PA21&amp;hl=en&amp;source=gbs_toc_r&amp;cad=4#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gr\u00fcndung der j\u00fcdischen Gemeinde Elmshorn<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>1686 wurde der M\u00fcnsterdorfer Propst Andreas Schwesinger von Cronheim neuer Propst der Grafschaft. Die Einf\u00fchrung fand am 30.08.auf dem gr\u00e4flichen Herrenhof statt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Ostholstein kam es 1686 zu einem aufsehenerregenden Hexenprozess. Der ehemalige Reichshofrat und Besitzer der holsteinischen adligen G\u00fcter Schmoel, Hohenfelde und Oevelg\u00f6nne, Christoph Rantzau, verurteilte als Gerichtsherr 18 seiner Untertanen wegen Hexerei zum Tode und lie\u00df sie unter Missachtung wesentlicher Verfahrensvorschriften hinrichten. Er wurde deshalb auch \u00f6ffentlich stark angegriffen und stellte am 19. Juli 1688 f\u00fcr die Leibeigenen der drei ihm geh\u00f6renden G\u00fcter Freibriefe aus, wonach diese auf ewig freigelassen sein sollten. Die Freilassung konnte als Zeichen der Reue und Wiedergutmachung empfunden worden sein und Rantzau h\u00e4tte diese Wirkung beabsichtigt haben k\u00f6nnen. Am 6. September 1690 wurde Rantzau wegen gravierender M\u00e4ngel beim Verfahren seiner Hexenprozesse zu einer Geldstrafe von 24.000 Reichstaler verurteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Statthalter der &#8222;Generalstaaten&#8220; der Niederlande, der deren Unabh\u00e4ngigkeit gegen Ludwig XIV. von Frankreich hatte durchsetzen k\u00f6nnen, Prinz Wilhelm von Oranien, landete 1688 auf Bitte der Parlamentsmehrheit der Whigs in England und vertrieb seinen Schwiegervater K\u00f6nig Jakob, der eine Rekatholisierung versucht hatte, ins Exil. Damit wurde die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glorious_Revolution\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Glorious Revolution<\/a> ausgel\u00f6st, in deren Folge 1689 die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bill_of_Rights_%28England%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bill of Rights<\/a> verk\u00fcndet wurde. Nach ihr ist das Parlament, nicht der K\u00f6nig der Souver\u00e4n, wodurch in England der Absolutismus endg\u00fcltig beendet wurde. Unter dem neuen K\u00f6nig <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_III._%28Oranien%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wilhelm III. (Oranien)<\/a> wurde England in den Krieg Kontinentaleuropas hineingezogen und zu einer f\u00fchrenden Macht der protestantischen Staaten gegen den franz\u00f6sischen Hegemonialismus von Ludwig XIV. Gleichzeitig bedeutete die Thronbesteigung aber auch das Ende der religi\u00f6sen Toleranzpolitik in England gegen\u00fcber den Katholiken und nichtanglikanischen Protestanten.<\/p>\n\n\n\n<p>1689 wurde durch den Beitritt Englands und der Niederlande die <strong>Wiener Gro\u00dfe Allianz<\/strong> gebildet zur Augsburger Allianz zwischen Kaiser Leopold I., den K\u00f6nigen Karl I. von Spanien, Karl XI. von Schweden und Kurf\u00fcrst Maximilian II. von Bayern Damit sollten die Vereinbarungen des Westf\u00e4lischen Friedens und des Pyren\u00e4enfriedens erhalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch den Altonaer Vertrag von 1689 erhielt Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf seine Territorien zur\u00fcck. Garantiem\u00e4chte waren Schweden, Niederlande und England. 1692 lie\u00df der Gottorfer die geschleifte Festung T\u00f6nning wieder aufbauen. Bereits 1695 starb er. Neuer Herzog wurde sein \u00e4ltester Sohn als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_IV._%28Schleswig-Holstein-Gottorf%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Friedrich IV<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>1695 wurde der Pastor an der Michaeliskirche zu Hamburg Johann Winkler neuer Beichtvater des Grafen Detlef und zugleich nach dem Tod Cronheims neuer Propst. Am 22.12.1696 starb Inspector Bocatius. Sein Nachfolger wurde Hildebrand.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8667\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Das Regime des Christian Detlef Rantzau und der Gro\u00dfe Nordische Krieg<\/h2><div id=\"ac-8667\" class=\"c-accordion__content\">\n<p><strong>Graf Detlef starb am 8. August 1697<\/strong> in Hamburg. Bereits am 10. August mussten alle Untertanen sich vor Schloss Rantzau versammeln und mit aufgehobenen H\u00e4nden den durch Inspector Hildebrand von einem Fenster aus verlesenen Treu-Eid auf den neuen Grafen Christian Detlef schw\u00f6ren. Detlefs Leiche wurde erst im September nach Rantzau und am folgenden Tag nach Drage \u00fcberf\u00fchrt, erst am 15. Dezember in Itzehoe beigesetzt. Am 22. Dezember fand eine Ged\u00e4chtnisfeier in Barmstedt statt, wobei Wilhelm Adolf (10) und Catharina Hedwig (14) anwesend waren. Von 13 Kindern Detlef Rantzaus hatten nur diese beiden neben ihrem \u00e4ltesten Bruder \u00fcberlebt. Probst Winckler, der von Graf Detlef eingesetzte pietistische Prediger, hielt die Gedenkrede.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/474px-1671_FrederikIV.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1213\" width=\"409\" height=\"517\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/474px-1671_FrederikIV.jpg 474w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/474px-1671_FrederikIV-237x300.jpg 237w\" sizes=\"auto, (max-width: 409px) 100vw, 409px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Friedrich IV. von D\u00e4nemark<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der \u00e4lteste Grafensohn <strong>Christian Detlef Rantzau<\/strong> (geb. 28.06.1670) war zur Zeit des Todes seines Vaters in Frankreich und kam gerade noch rechtzeitig zur Beisetzung &#8211; 4 Monate nach dem Tode! Als Nachfolger erhielt der 27-J\u00e4hrige die <strong>Grafenw\u00fcrde<\/strong> und erbte nach dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Primogenitur\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Prinzip der Primogenitur<\/a> au\u00dfer der Grafschaft alle G\u00fcter. Vom d\u00e4nischen K\u00f6nig, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_IV._%28D%C3%A4nemark_und_Norwegen%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Friedrich IV.<\/a>, erhielt er das <strong>Blaue Band<\/strong>. Ob damit der Elefantenorden gemeint ist, ist nicht klar. Bald nach Regierungsantritt erkundigte sich der Freund des Vaters, der norwegische Vizek\u00f6nig G\u00fcldenl\u00f6we, ob der junge Graf nun seine Tochter heiraten wolle, wie es im Vertrag der Eltern vorgesehen war. Christian Detlef antwortete, dass er sich als freier Mann nicht entschlie\u00dfen k\u00f6nne und wolle. Nach G\u00fcldenl\u00f6wes Beschwerde beim K\u00f6nig verlangte dieser eine Antwort. Rantzau erkl\u00e4rte jedoch, dass er weder sie heiraten, noch die vertragsm\u00e4\u00dfige Entsch\u00e4digungssumme zahlen wolle und der K\u00f6nig ihm als souver\u00e4nem (deutschen) Reichsgrafen nichts befehlen k\u00f6nne. Zum Zeichen seiner Unabh\u00e4ngigkeit schickte er ihm das Blaue Band zur\u00fcck. Der K\u00f6nig nahm ihm daf\u00fcr die M\u00fchle bei Kellinghusen auf Breitenburger Gebiet weg und lie\u00df sie 1722 \u00f6ffentlich verkaufen. Au\u00dferdem wurden ihm als Ausgleich f\u00fcr den versprochenen Brautschatz die Einnahmen der d\u00e4nischen Grafschaft L\u00f6wenholm entzogen und der Gr\u00e4fin G\u00fcldenl\u00f6we zugewendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Frieden von Rijswijk wurde der Pf\u00e4lzer Erbfolgekrieg zwischen Frankreich und der Gro\u00dfen Allianz beendet.<\/p>\n\n\n\n<p>1698: Georg I. (sp\u00e4terer englischer K\u00f6nig) Ludwig von Braunschweig und L\u00fcneburg wurde Kurf\u00fcrst (Kurhannover).<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Ausgrabungen von H\u00fcgelgr\u00e4bern in der Barmstedter Region half u.a. Michael <strong>Richey<\/strong>, ein 20-j\u00e4hriger Student am Akademischen Gymnasium in Hamburg, der 1699 nach Wittenberg ging und dort Theologie, Naturlehre, Mathematik, Geschichte, sch\u00f6ne Wissenschaften studierte. Dort wurde er im gleichen Jahr Magister bei Samuel Schutzfleisch, der ihn zum Lehramt der Weltweisheit anregen wollte. Er ging aber aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nach Hamburg zur\u00fcck, studierte dort privat bei den Edzardis und Fabricius Orientalistik, dann auch Theologie bei Franck in Kiel, wurde 1704 Rektor des Gymnasiums im schwedischen Stade, floh 1712 vor den D\u00e4nen nach Hamburg, wobei er 1713 sein Rektorat niederlegte. In Hamburg \u00fcbernahm er 1717 den Lehrstuhl f\u00fcr Geschichte und griech. Sprache am Akademischen Gymnasium. Dort korrespondierte er mit Christian Detlef Rhode. [1]<\/p>\n\n\n\n<p>1699: Mit dem <strong>Frieden von Karlowitz<\/strong> ging der Gro\u00dfe T\u00fcrkenkrieg zu Ende. Das Osmanische Reich verlor jetzt au\u00dfer dem Banat alle Eroberungen des 16. Jahrhunderts. \u00d6sterreich erhielt alle Gebiete n\u00f6rdlich der Donau au\u00dfer dem Banat. Ungarn incl. Siebenb\u00fcrgen wurde Habsburg zugesprochen, das jetzt eine europ\u00e4ische Gro\u00dfmacht geworden war. Venedig erhielt den vorher eroberten Peloponnes. Bei der Belagerung Athens war 1687 bei dem venezianischen Beschuss das t\u00fcrkische Pulverlager auf der <strong>Akropolis<\/strong> in die Luft geflogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Rhode ver\u00f6ffentlichte in den Novis litterariis maris Baltici erste Ergebnisse seiner Grabungen. In dieser Zeit erhielt <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Albert_Fabricius\" target=\"_blank\">Albert Fabricius<\/a> eine Professur am Akademischen Gymnasium in Hamburg f\u00fcr Moral und Beredsamkeit. Er trug sp\u00e4ter mit einem Aufsatz zu Rhodes Buch bei, wurde Schwiegervater des bald sehr bekannten Gelehrten Hermann Samuel Reimarus, der ihm am Akademischen Gymnasium folgte und durch Lessings Ver\u00f6ffentlichung der Fragmente seiner hinterlassenen Schrift &#8222;Apologie&#8220; als Aufkl\u00e4rer sehr kontrovers diskutiert wurde. Er vertrat darin eine &#8222;nat\u00fcrliche Religion&#8220;, die sich aus der Vernunft herleitet, und wandte sich gegen die &#8222;Zumutungen eines biblischen Glaubens&#8220;. Gegner Lessings war der Hamburger Hauptpastor G\u00f6tze.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Friedrich_IV._Gottorf.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1212\" width=\"339\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Friedrich_IV._Gottorf.jpg 385w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Friedrich_IV._Gottorf-205x300.jpg 205w\" sizes=\"auto, (max-width: 339px) 100vw, 339px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Friedrich IV. von Holstein-Gottorf<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1700: Der <strong>Gro\u00dfe Nordische Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum<\/strong> begann mit einem Angriff der Dreierallianz, bestehend aus Russland unter Zar Peter I (dem Gro\u00dfen), D\u00e4nemark-Norwegen unter K\u00f6nig Friedrich IV. und Sachsen-Polen unter August II. (dem Starken), auf Schweden. Dessen junger K\u00f6nig Karl XII. war 1697 mit 15 Jahren gekr\u00f6nt worden und galt mit seinen jetzt 18 Jahren als jung und unerfahren. D\u00e4nemark, unter dem im Vorjahr zum K\u00f6nig gewordenen Cousin Karls, n\u00e4mlich Friedrich IV., erkl\u00e4rte am 11. M\u00e4rz Schweden den Krieg und lie\u00df am 17. M\u00e4rz ein an der Trave zusammengezogenes Heer unter Ferdinand Wilhelm von W\u00fcrttemberg holstein-gottorfische Orte angreifen, da der mit dem d\u00e4nischen K\u00f6nig namensgleiche Gottorfer Herzog Friedrich IV. als Schwager Karls XII. mit Schweden verb\u00fcndet war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grafschaft Rantzau wurde jetzt von k\u00f6niglich-d\u00e4nischen Truppen besetzt. Mitten durch Elmshorn wurden am Nordufer der Kr\u00fcckau Schanzen als Verteidigungsanlagen gegraben und Laufstege eingerichtet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 22. April wurde das gottorfische T\u00f6nning von den D\u00e4nen eingeschlossen und belagert, ab dem 26. April wurden auch Kanonen eingesetzt, die Granaten auf die Stadt schossen. Um einen Gegenangriff vorzubereiten, wurde in Schwedisch-Pommern und Bremen-Verden eine schwedische Armee zusammengezogen, ab Sommer unterst\u00fctzt von einem holl\u00e4ndisch-hannoveranischem Hilfskorps. Die Truppen vereinigten sich bei Altona, um T\u00f6nning zu befreien. Zur gleichen Zeit griff Karl das fast ungesch\u00fctzte Kopenhagen an, was zur Folge hatte, dass die Belagerung T\u00f6nnings abgebrochen wurde. Im Frieden von Traventhal beendete D\u00e4nemark den Krieg gegen Schweden und musste die Gottorfer Oberherrschaft \u00fcber das Herzogtum Schleswig anerkennen und eine Entsch\u00e4digung von 260.000 Talern zahlen. Karl XII. wandte sich jetzt gegen Russland unter Peter I. (dem Gro\u00dfen) und den s\u00e4chsisch-polnischen K\u00f6nig August II. (den Starken), die gemeinsam die schwedischen Besitzungen im Baltikum angegriffen hatten. Beide Gegner konnte er zun\u00e4chst schlagen und August zum Verzicht auf Polen zwingen. Zar Peter konnte aber in dieser Zeit ungehindert Ingermanland und Estland erobern und seine neue Hauptstadt St. Petersburg aufbauen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Carl_XII_of_Sweden.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1211\" width=\"343\" height=\"559\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Carl_XII_of_Sweden.jpg 368w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Carl_XII_of_Sweden-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Karl XII. um 1700<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spanischer_Erbfolgekrieg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Spanische Erbfolgekrieg<\/a> begann 1701. Gleich nach der ersten Phase des Nordischen Krieges k\u00e4mpfte im \u00fcbrigen Europa eine Allianz aus \u00d6sterreich, Preu\u00dfen, England, Holland und Hannover gegen Frankreich und seine Verb\u00fcndeten K\u00f6ln, Savoyen und Bayern. Es handelte sich hierbei um einen Kabinettskrieg um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers. Diese Art der Kriege, die typisch war, f\u00fcr das Zeitalter des Absolutismus war durch seine Begrenztheit auf konkrete Ziele und Mittel und die Nichtbeteiligung der \u00d6ffentlichkeit gekennzeichnet. Allerdings dauerte dieser Krieg 13 Jahre. Frankreich unter Ludwig XIV. konnte im Ergebnis gegen den habsburgischen Kandidaten den Bourbonen Philipp V. als spanischen K\u00f6nig durchsetzen und so die habsburgische Einklammerung beenden. Wichtiger aber noch waren die in der Folge verschobenen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse in Europa und teilweise in den amerikanischen Kolonien. Frankreich konnte seine Gro\u00dfmachtstellung ausbauen, \u00d6sterreich gewann aus der Erbmasse Spaniens Gebiete in Italien hinzu und v. a. die Spanischen Generalstaaten, die jetzt \u00d6sterreichische Generalstaaten (das sp\u00e4tere Belgien) wurden. Die Niederlande verloren langsam ihre Rolle als dominierende Handelsmacht, die nach und nach an Gro\u00dfbritannien \u00fcberging. Preu\u00dfen, das wenig gewonnen oder verloren hatte, stieg unmittelbar nach Friedensschluss 1714 wieder in den Nordischen Krieg gegen Schweden ein.<\/p>\n\n\n\n<p>1701 wurde Propst Johann Winkler als Senior nach Hamburg berufen und legte deshalb sein Amt in der Grafschaft nieder. Bis 1710 blieb die Stelle vakant. Der Barmstedter Pastor Johann Berens war bis 1709 als \u201eSenior constitutus\u201c eine Art Stellvertreter. Im gleichen Jahr, als Winkler ging, beendete der Barmstedter Pastor Christian Detlev Rhode die Ausgrabungen von H\u00fcgelgr\u00e4bern (Tumuli).<\/p>\n\n\n\n<p>1702 gerieten <strong>Christian Detlef Rantzau und der d\u00e4nische K\u00f6nig<\/strong> in Gl\u00fcckstadt so aneinander, dass nur ein Eingreifen der Minister verhinderte, dass der K\u00f6nig den Grafen niederschlug. Etwa gleichzeitig spielte sich der Elmshorner Pastorenstreit (<strong>Preesterkreeg<\/strong>) ab. Der Graf hatte ohne Absprache mit dem k\u00f6niglichen Vertreter (Kloster Uetersen) und ohne Wahl durch die Kirchengemeinde den Pastor Franz Josef M\u00fcller als Hauptpastor und Propst einsetzen wollen. Die K\u00f6niglichen aus der Herrschaft Pinneberg und die Gemeindemitglieder aus dem kl\u00f6sterlichen Uetersen (Hainholzer, Langloher, Vormstegener, Klostersander, K\u00f6hnholzer und Wischer) hatten sich vor dem Pfingstgottesdienst, bei dem die Ordination stattfinden sollte, im \u201eGro\u00dfen Haus\u201c versammelt, dann Altar und Kanzel besetzt, als der K\u00fcster die Kirche aufschloss. So verhinderten sie die Einf\u00fchrung. Der Graf verpflichtete daraufhin am Mittwoch danach seine Barmstedter Untertanen mit \u201eKnitteln\u201c bewaffnet die Kircheneing\u00e4nge zu besetzen, damit die Ordination durch die beiden Barmstedter Pastoren Rhode und H. Berens ordnungsgem\u00e4\u00df vonstatten gehen konnte. Die Gegner verlie\u00dfen danach unter energischem Protest die Kirche. Nach der Ordination veranstaltete Christian Detlef ein Bankett im Haus des Kirchspielvogts, bei dem er den Barmstedter Bauern f\u00fcr ihren Gehorsam, mit Pr\u00fcgeln in der Kirche zu erscheinen, \u201e2 T\u00f6nne Bier zu besten gegeben\u201c hat. Die Gegner verlie\u00dfen in der Folgezeit immer den Gottesdienst, wenn M\u00fcller predigte. Tumulte gab es besonders bei Beerdigungen, weil dabei beide Prediger die Grabbegleitung machten. Dieser Streit dauerte bis 1706. 1705 verlie\u00df M\u00fcller Elmshorn. Er wurde 1712 als Propst und Pastor nach Barmstedt berufen. 1726 ging er wieder nach Elmshorn.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8668\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Gottorfer Anspr\u00fcche und der Aufstand auf Rantzau<\/h2><div id=\"ac-8668\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Im gleichen Jahr 1702 wurde der Gottorfer Herzog Friedrich IV. in einer Schlacht in Polen get\u00f6tet. Sein Sohn <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Friedrich_%28Schleswig-Holstein-Gottorf%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Karl Friedrich<\/a> war erst 2-j\u00e4hrig. Daher \u00fcbernahmen die Mutter, eine Schwester Karls XII. und sein Onkel die <strong>Regentschaft in Gottorf<\/strong>, die tats\u00e4chliche Macht lag aber bei den Geheimen R\u00e4ten Magnus von Wedderkop und Georg Heinrich von Schlitz, genannt von G\u00f6rtz. Diese Regentschaft, die weitgehend von Stockholm aus gef\u00fchrt wurde, war f\u00fcr das weitere Schicksal der Grafschaft Rantzau von entscheidender Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p>Von G\u00f6rtz f\u00fchrte jetzt den Plan des Staatsrats Samuel Rachel aus, <strong>das Amt Barmstedt wieder f\u00fcr Gottorf in Besitz zu bekommen<\/strong>. Ihm half dabei das Stimmungsbild in der Grafschaft, denn Graf Christian Detlef \u201ewar ausschweifend und besa\u00df manche nicht liebensw\u00fcrdige Eigenschaften; er war in D\u00e4nemark nicht geachtet und mit seinen Untertanen zerfallen.\u201c (Rauert 9) G\u00f6rtz fand Verb\u00fcndete in Rantzau, z.B. den Verwalter D.H.L. Strycke und den Elmshorner Kirchspielvogt Samuel Pr\u00e4torius. (2)<\/p>\n\n\n\n<p>Queen Anne bestieg als letzte Stuart (nach Mary II) den Thron von England und von Schottland. Gro\u00dfbritannien erlebte jetzt eine gro\u00dfe wirtschaftliche und kulturelle Bl\u00fcte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1705 kam es zu einem <strong>Aufstand in Rantzau<\/strong>. Der Graf hatte mehrere Bauern wegen ausstehender Abgaben ins Gef\u00e4ngnis werfen lassen, Sachen gepf\u00e4ndet und sie in Rantzau aufbewahren lassen. Als er aus Rantzau abreiste, wurde die Zugbr\u00fccke runtergelassen, die Gefangenen in Freiheit gelassen, die gepf\u00e4ndeten Sachen im Triumph weggef\u00fchrt und nebenbei &#8222;mancher Unfug ver\u00fcbt&#8220; (Rauert). Da der Graf kein Milit\u00e4r hatte, musste er sich welches besorgen, eigentlich bei der Kreisdirektion (L\u00fcneburg), aber hinterlistige Ratschl\u00e4ge, so Rauert, lie\u00dfen ihn in Gottorf um Hilfe bitten, die sofort 60 Dragoner unter Lieutenant Wolters hinbeorderten. Diese nahmen aber mehr Partei gegen als f\u00fcr ihn, woraufhin er sich an das Kreisdirektorium wendete, ohne zu erkl\u00e4ren, dass er schon Gottorf um Hilfe gebeten hatte. Es wurde ihm dann mitgeteilt, dass man die Gottorpische Regierung gebeten habe, die Hilfe zu geben. G\u00f6rz gab sich als Schiedsrichter und brachte die Klagen der Untertanen vor. Allerdings hatte Strycke die Donationsacte aus dem Archiv entwendet und an G\u00f6rz weitergegeben. Als Ausweg erkl\u00e4rte man jetzt, der Herzog Friedrich III. habe nach dem Primogenitur nicht das Recht gehabt, die Grafschaft zu ver\u00e4u\u00dfern und verlangte auf dem Kieler Umschlag nun, gegen R\u00fcckzahlung des Kaufpreises die Grafschaft abzugeben. Graf Christian Detlef protestierte dagegen und versuchte vergeblich, die Gottorper Dragoner loszuwerden, wandte sich an mehrere H\u00f6fe, die ihm Unterst\u00fctzung versprachen. Gottorf setzte jetzt auf das Reichsrecht und schickte den Notar Sallern mit Zeugen, um die Grafschaft in Besitz zu nehmen. Samuel Pr\u00e4torius, der Elmshorner Kirchspielvogt, hatte sich auf den Hof geschlichen und die Zugbr\u00fccke herunter gelassen, Strycke war mit dem Grafen in Hamburg. Der Hausvogt Birkenbusch sollte die Schl\u00fcssel des Archivs \u00fcbergeben, weigerte sich aber und verlie\u00df die Grafschaft. Darauf nahm man von allen Geb\u00e4uden offiziell Besitz, Abgaben sollten jetzt an den Commisair abgeliefert werden, in den Kirchen sollten die Prediger jetzt den Herzog statt des Grafen in das Gebet einbinden. Auch in Langeln wurden jetzt Korn und Vieh der Bauern von \u201eden Kaltenkirchenern\u201c weggeschleppt. Der Graf erhielt das Angebot von 201.000 Talern, lehnte es ab und sandte Strycke nach Barmstedt mit dem Befehl, allen Untertanen bei Leibesstrafe zu verbieten, dem Herzog zu huldigen, was auch durch den kaiserlichen Gesandten in Hamburg \u00fcbernommen wurde. Strycke wurde aber \u201ein Barmstedt aufgehoben\u201c (gefangen genommen) und ohne Ergebnis \u00fcber die Grenze gebracht. <strong>Alle Untertanen huldigten am 14. April auf dem Schloss Rantzau dem Herzog<\/strong>. Alle H\u00f6fe (auch Kaiser und d\u00e4n. K\u00f6nig) wandten sich nun dagegen und verwarnten die Untertanen, einem anderen als dem Grafen zu gehorchen. (Rauert). Der umstrittene Propst M\u00fcller verlie\u00df schlie\u00dflich Elmshorn.<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00f6rz erreichte 1706 jedoch, dass die Grafschaft \u201ebis zur ausgemachten Sache\u201c zu einem Kreissequester erkl\u00e4rt wurde. Daraufhin r\u00fcckten 60 Mann Wolfenb\u00fcttler Fu\u00dftruppen in die Grafschaft ein, die Gottorper zogen ab. Samuel Pr\u00e4torius wurde zum Interims-Intendanten der Grafschaft ernannt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Elmshorn endete der Kirchenstreit<\/strong> mit dem R\u00fccktritt des Rantzauischen Pastors M\u00fcller. Der vom K\u00f6nig ernannte Pastor G\u00f6deke war schon vorher mit 8 Dragonern erschienen und hatte die Kirche \u201eerbrochen\u201c und seines Amtes gewaltet.(Dr.A.R. 9)<\/p>\n\n\n\n<p>Augsut II. von Sachsen-Polen trat nach der verlorenen Schlacht um Polen aus dem Krieg gegen Schweden aus und verzichtete im Frieden von Altranst\u00e4dt auf die polnische K\u00f6nigskrone. Kriegsgefangene und \u00dcberl\u00e4ufer wurden ausgeliefert. Karl machte Stanislaus I. zum polnischen K\u00f6nig. Zar Peter I. hielt Westpolen und gro\u00dfe Teile des Baltikums besetzt und betrieb eine Politik der verbrannten Erde: D\u00f6rfer wurden verbrannt, die Menschen deportiert und teils als Leibeigene auf russische G\u00fcter geschafft, teils als Sklaven ins Osmanische Reich und an die Tataren verkauft. Karl sicherte den europ\u00e4ischen M\u00e4chten zu, sich nicht in den spanischen Erbfolgekrieg einzumischen. Er wollte das Russische Reich besiegen, um die besetzten Ostseeprovinzen zur\u00fcck zu erobern.<\/p>\n\n\n\n<p>In Bezug auf die Grafschaft Rantzau erlie\u00df der Kaiser 1707 ein Mandat an das Kreisdirectorio, den Grafen sofort zu restituieren. Aber G\u00f6rz konnte Karl XII. pers\u00f6nlich f\u00fcr die Sache gewinnen, so dass der Rechtsstreit sich bis 1709 hinzog.<\/p>\n\n\n\n<p>Act of Union (Real Union von England und Schottland zu Gro\u00dfbritannien)<\/p>\n\n\n\n<p>Karl griff 1708 Russland an, konnte aber nicht direkt Moskau angreifen, weil wegen deren Taktik der verbrannten Erde die Versorgung nicht gew\u00e4hrleistet werden konnte Er wich deshalb nach S\u00fcden in die Ukraine aus, wo er von den aufst\u00e4ndischen Kosaken Hilfe erhielt. Die war allerdings nicht mehr sehr bedeutsam, weil Zar Peter I. deren Aufstand brutal niedergeschlagen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>1708\/09 kam es zum schwersten Winter des Jahrhunderts. Besonders die in Deutschland angeworbenen schwedischen Soldaten sollen die K\u00e4lte nicht ausgehalten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>In der <strong>Schlacht bei Poltawa 1709<\/strong> erlitt Karl eine entscheidende Niederlage, woraufhin die schwedische Armee sich nach S\u00fcden zur\u00fcckzog. Nur ein kleiner Teil der Armee unter Karl konnte schlie\u00dflich im Osmanischen Reich Asyl erreichen. Russland besiegte die schwedische Armee in Polen und lie\u00df sie bis nach Schwedisch-Pommern verfolgen. Seit 1707 hatte sich in Polen die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gro%C3%9Fe_Pest_%28Preu%C3%9Fen%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8222;Gro\u00dfe Pest&#8220;<\/a> verbreitet, die 1709 auch Ostpreu\u00dfen erreichte und bis 1711 dort und im \u00fcbrigen Ostseeraum zu gro\u00dfem Bev\u00f6lkerungsverlust und Ver\u00f6dung von D\u00f6rfern f\u00fchrte.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8669\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Kriegswende<\/h2><div id=\"ac-8669\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>D\u00e4nemark (Friedrich IV) und Sachsen (August II. der Starke) traten 1709 wieder in den Krieg ein, nachdem im August s\u00e4chsische Truppen in Polen einmarschiert waren und K\u00f6nig Stanislaus zur Flucht gezwungen hatten. Mit russischer Hilfe wurde August wieder polnischer K\u00f6nig. Im Vertrag von Thorn kam auch Preu\u00dfen (Friedrich I.) dazu. 1710 bis 1714 eroberte der Zar Estland, Livland und Finnland sowie die Herrschaft \u00fcber die n\u00f6rdliche Ostsee, nachdem er eine gro\u00dfe Flotte hatte bauen lassen und im Seesieg in der Schlacht von Hanko gewinnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Barmstedter Pastor Matthias Schreiber \u00fcbernahm Berens\u00b4 Stelle und wurde zugleich Propst.<\/p>\n\n\n\n<p>Christian Detlef Rantzau gelangte nach dem Machtverlust Karls XII. wieder in den Besitz seiner Grafschaft, belie\u00df die Wolfenb\u00fcttler Truppen aber aus Angst vor seinen Untertanen bis 1711 dort. Gottorp versuchte danach, seine Anspr\u00fcche weiterhin schriftlich durchzusetzen, was aber ab 1713 durch die Einziehung der Gottorfischen Lande durch den K\u00f6nig obsolet wurde. Christian Detlef umgab sich zu seiner Sicherheit mit \u201eeiner Anzahl Trabanten\u201c und f\u00fchrte weiter ein ausschweifendes Leben und plagte die Untertanen.<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00e4nemark (Friedrich IV.) unternahm 1710 eine Invasion gegen das schwedische Schonen, wurde aber zur\u00fcckgeschlagen. Auch bricht die Pest wieder aus.<\/p>\n\n\n\n<p>1711 ging Christian Detlef Rode nach Fehmarn.<\/p>\n\n\n\n<p>Im gleichen Jahr sammelte sich die d\u00e4nische Armee in Holstein und zog gegen die Festung Wismar.<\/p>\n\n\n\n<p>1712 ging Albrecht Andreas Rode nach Hamburg. D\u00e4nische Truppen hatten Elmshorn besetzt und die Bev\u00f6lkerung durch Einquartierungen drangsaliert (Athen Jb.2011). Nach dem Weggang des Propsten Matthias Schreiber wurde sein Nachfolger Franz Johann M\u00fcller (der umstrittene ehemalige) neuer Propst (bis 1737).<\/p>\n\n\n\n<p>1713: Im Frieden von Utrecht trat Gro\u00dfbritannien aus der Allianz gegen Frankreich aus. Das Deutsche Reich und Portugal waren nicht einverstanden und k\u00e4mpften weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Vergeltung f\u00fcr den d\u00e4nischen Angriff auf das schwedische Stade wurde <strong>Altona durch den schwedischen Feldherrn Stenbock niedergebrannt<\/strong>. Das schwedische Heer zog weiter durch Holstein. Elmshorn konnte sich nur durch Geldzahlungen vor gro\u00dfen Proviantlieferungen dr\u00fccken. Stenbock musste sich in die zu Schleswig-Holstein-Gottorf geh\u00f6rende Festung T\u00f6nning zur\u00fcckziehen, wo es sich nach 3 Monaten Belagerung ergab. F\u00fcr Rantzau hatte das Bedeutung, weil er Hilfeleistungen Gottorfs entgegengenommen hatte, z.B. eine kleine Schutztruppe, jetzt nach dem Fall Gottorfs aber diese Unterst\u00fctzung verlor. D\u00e4nemark besetzte jetzt den Gottorfer Anteil von Schleswig, die Gottorfer regierten von jetzt an aus Kiel ihre verbliebenen Holsteiner Anteile. K\u00f6nig Friedrich IV. nahm am 13.03.1713 mit dem Okkupationspatent den Gottorfer Anteil von Schleswig in Besitz. Die Huldigung durch die Notabeln erfolgte 1721 auf Schloss Gottorf.<\/p>\n\n\n\n<p>Gl\u00fcckstadt verwaltete jetzt nur noch das Herzogtum Holstein.<\/p>\n\n\n\n<p>Preu\u00dfen (Friedrich I.) hatte sich im Nordischen Krieg bisher neutral gehalten, konnte aber nach Verhandlungen mit den Alliierten gegen eine Summe von 400.000 Reichstalern das gerade eroberte ehemals schwedische Stettin \u00fcbernehmen. Preu\u00dfen, seit 1713 von Friedrich Wilhelm I. regiert, erwarb nach Verhandlungen mit D\u00e4nemark und Russland 1714 den gr\u00f6\u00dften Teil Vorpommerns und trat 1715 wiederum verb\u00fcndet mit Sachsen in den Krieg gegen Schweden ein. Pommern und Wismar wurden von den Aliierten erobert, schlie\u00dflich nach langer Belagerung auch Stralsund, wobei Karl XII. mit knapper Not in einem Fischerboot entkam. 1716 fiel auch Wismar. 1717 vertrieben welfische Truppen von Kurhannover = Braunschweig-L\u00fcneburg (Georg I., seit 1714 zugleich K\u00f6nig von England und Irland) im Auftrag des Reichs (Kaiser Karl VI.) die russischen Truppen aus Mecklenburg und dessen Herzog, um den zu starken Einfluss Russlands auf den Ostseehandel einzud\u00e4mmen. Als Lohn erhielt Hannover daf\u00fcr das ehemals schwedische \u2013 von D\u00e4nemark eingenommene &#8211; Herzogtum Verden.<\/p>\n\n\n\n<p>1714 Georg I. Ludwig, Kurf\u00fcrst von Braunschweig-L\u00fcneburg, wurde durch die Wahl des englischen Parlaments am 1. August 1714 zum <strong>K\u00f6nig von England<\/strong> gew\u00e4hlt, nachdem der act of settlement auch den Welfen die Thronfolge erm\u00f6glichte, so dass der protestantische Kandidat \u00fcber 50 n\u00e4her mit den Stuarts verwandte Kandidaten verdr\u00e4ngen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Spanischer Erbfolgekrieg endete mit Erhebung des Bourbonen Philipp V. auf den spanischen Thron Venezianisch-\u00f6sterreichischer T\u00fcrkenkrieg beginnt durch Besetzung des Peloponnes durch das Osmanische Reich.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86610\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Die Zeit des Wilhelm Adolf Rantzau<\/h2><div id=\"ac-86610\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Graf Christian Detlef wurde 1715 bei einem <a href=\"http:\/\/www.invertito.de\/jahrbuch\/inv08\/inv08_02.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Aufenthalt in Berlin<\/a> verhaftet und wegen &#8222;sch\u00e4ndlichen Lebenswandels&#8220; als &#8222;Sodomit&#8220;, der damaligen Bezeichnung f\u00fcr Homosexuelle, arretiert und in das Zuchthaus Spandau gebracht. Zeugenaussagen best\u00e4tigten die Vorw\u00fcrfe, auf die damals offiziell die Todesstrafe stand. Der K\u00f6nig von Preu\u00dfen lie\u00df seine hiesigen Verwandten von der Anklage unterrichten, woraufhin der Grafenbruder Wilhelm Adolf (28-j\u00e4hrig) als Administrator Besitz von den Allodialg\u00fctern nahm, auf \u201einst\u00e4ndiges Verlangen seiner Untertanen\u201c (Grassau) auch die Grafschaft, wollte sich aber nicht huldigen lassen, obwohl die Untertanen ihm das antrugen. Er verhielt sich aber als Graf, indem er die Kirche neu bauen lie\u00df und Prediger \u201evocierte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>1.9.1715 Ludwig XIV., K\u00f6nig von Frankreich, stirbt. Deutsch-gelb.jpg Preu\u00dfen und Hannover traten in den Krieg gegen Schweden ein und griffen Schwedisch-Pommern (Wismar, Stralsund, Stettin) an.<\/p>\n\n\n\n<p>1716 trat \u00d6sterreich erneut in den Krieg gegen die T\u00fcrken ein (Prinz Eugen Pr\u00e4sident des Hofkriegsrats).<\/p>\n\n\n\n<p>1717 verkaufte Brandenburg-Preu\u00dfen (Friedrich Wilhelm I) die afrikanischen Besitzungen f\u00fcr 7200 Dukaten und 12 Mohren an die Holl\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Belagerung Belgrads gelang es Prinz Eugen die T\u00fcrken endg\u00fcltig zu schlagen. Mit dem Frieden von Passarovitz erlangte \u00d6sterreich seine gr\u00f6\u00dfte Ausdehnung nach S\u00fcdosteuropa, Venedig verlor Morea (den Peloponnes) und seine Rolle als Gro\u00dfmacht. Die \u00f6sterreichischen Staatsfinanzen aber waren desolat geworden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86611\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Bau der Heiligen-Geist-Kirche<\/h2><div id=\"ac-86611\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ZeichnungKircheBTNOSeite.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1210\" width=\"302\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ZeichnungKircheBTNOSeite.jpg 382w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ZeichnungKircheBTNOSeite-266x300.jpg 266w\" sizes=\"auto, (max-width: 302px) 100vw, 302px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Heiligen-Geist-Kirche von Nordost, Zeichnung: B.Theilig<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Graf Wilhelm Adolf lie\u00df 1717 die alte St. Margarethenkirche abbrechen<\/strong> und den Neubau durch den Hamburger Baumeister <strong>Joh. Lorenz Nerger<\/strong> durchf\u00fchren, der alte Feldsteinturm blieb stehen. Der Bau war schon in der Regierungszeit seines Vaters in Aussicht genommen worden, wurde aber immer wieder verschoben. Auch in Kopenhagen waren damals Kollektengelder f\u00fcr die neue Barmstedter Kirche gesammelt worden. Jetzt im Jahre 1717, dem 200. Jahr nach der Reformation, sollte die Kirche sehr gro\u00dfz\u00fcgig neu erbaut werden. Die Grundfl\u00e4che wurde mehr als verdreifacht, von 130 auf 420 qm, und als <strong>Saalbau im Barockstil mit Tonnengew\u00f6lbe und Oktogonalschluss nach Osten ausgef\u00fchrt<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Altar und Kanzel wurden jetzt in den Gemeindeteil einbezogen, die Predigt sollte von allen gut verstanden werden k\u00f6nnen, eine <strong>Sanduhr neben der Kanzel<\/strong> zeigte dem Prediger genau die einzuhaltende Dauer an. Die Gemeinde konnte so gut verfolgen, dass alle lithurgischen Handlungen nach der Kirchenordnung genau nach dem vorgeschriebenen zeitlichen Plan erfolgten. \u00dcberschreitungen konnten sogar bestraft werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"554\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kirche-Grundriss-Vergleich_bearb2-1024x554.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1209\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kirche-Grundriss-Vergleich_bearb2-1024x554.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kirche-Grundriss-Vergleich_bearb2-300x162.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kirche-Grundriss-Vergleich_bearb2-768x415.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kirche-Grundriss-Vergleich_bearb2.jpg 1392w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Grundrisse der alten und der neuen Kirche<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am Aufgang zur Kanzel wurde entsprechend dem Jubil\u00e4um ein gro\u00dfes <strong>Lutherbild<\/strong> angebracht und gegen\u00fcber der Kanzel lie\u00df sich der Graf einen Patronatsstuhl mit Au\u00dfenzugang einbauen, <strong>Grafenstuhl<\/strong> genannt. Er beherrscht das Innere der Kirche &#8222;weit und ger\u00e4umig; er war sogar wohnlich, durch einen kleinen Windofen heizbar. Dies Erinnerungszeichen einzuschr\u00e4nken oder ganz zu unterdr\u00fccken war man in unserer Zeit mehrfach drauf und dran, und es mu\u00dften viele Kr\u00e4fte in Bewegung gesetzt werden, es zu verhindern&#8220;, schreibt Richard Haupt, der erste Landeskonservator Schleswig-Holsteins im Jahr 1920. An der der Gemeinde zugewandten Seite sind das Wappen der Grafen Rantzau (links) und das seiner Frau zu sehen, dazwischen ein aus den Wolken gereichter Ehering. Am Aufgang zum Grafenstuhl stehen die \u00dcberschriften &#8222;Angenehme Zeiten&#8220; (innen) und &#8222;Felicora Voto&#8220; (au\u00dfen), was evtl. \u00fcbersetzt werden kann mit: &#8222;mit dem Wunsche, gl\u00fccklichere (Zeiten herbeizuf\u00fchren)&#8220;, womit sich Wilhelm Adolf selbst und seinen Untertanen wom\u00f6glich Mut zusprechen wollte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Sanduhr_neben_Kanzel-578x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1208\" width=\"268\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Sanduhr_neben_Kanzel-578x1024.jpg 578w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Sanduhr_neben_Kanzel-169x300.jpg 169w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Sanduhr_neben_Kanzel-768x1360.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Sanduhr_neben_Kanzel-867x1536.jpg 867w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Sanduhr_neben_Kanzel.jpg 944w\" sizes=\"auto, (max-width: 268px) 100vw, 268px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kanzeluhr<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Auch an anderen Stellen lie\u00df er <strong>Inschriften<\/strong> anbringen, die teils wie Botschaften wirken. \u00dcber der S\u00fcdt\u00fcr findet man: ANNO MDCCXVII CONDUIT (Im Jahre 1717 ist diese Kirche erbaut), \u00fcber dem Nordeingang steht: DEO POSTERIS SUBDITIS (gewidmet Gott, den sp\u00e4teren Geschlechtern und den Untertanen), \u00fcber dem Osteingang aber, der T\u00fcr hinter dem Altar, steht eine verr\u00e4tselte Botschaft, bestehend nur aus Abk\u00fcrzungen: R.G.D.W.A.C.R. et L.D. in B.L.N. C.C.D.CH.L.C. de S.W.H.W. et N. Der ehemalige Pastor und Lokalgeschichtsforscher Bernhard Theilig hat folgende \u00dcbersetzung vorgeschlagen: von Gottes Gnaden regierend Wilhelm Adolf, Graf zu Rantzau und L\u00f6wenholm, Herr auf Breitenburg, Lindewitt, Neuendorf mit seiner Gemahlin, Frau Charlotta Louisa, Gr\u00e4fin von Sayn Wittgenstein, Homburg, Vallendar und Neumagen. Verst\u00e4ndlich &#8211; wenn diese \u00dcbersetzung stimmt &#8211; dass bei derart ungekl\u00e4rten Machtverh\u00e4ltnissen ein solcher Anspruch nicht in Klarschrift erscheinen durfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der originale <strong>Altarbehang von der Einweihung der Kirche<\/strong> ist noch erhalten. Er zeigt die Wappen des Grafenpaares vor purpurnem Hintergrund (Bild). Die <strong>Bilder an den Emporenbr\u00fcstungen<\/strong> zeigen Motive aus dem Leben Jesu, beginnend vorn links mit der Verk\u00fcndigung an Maria, rechts herum forfahrend bis zur Himmelfahrt an der Nordt\u00fcr. Darunter sind die Namen der Stifter und ein passender Sinnspruch zu finden. Das <strong>Tonnengew\u00f6lbe<\/strong> war zun\u00e4chst gipsverputzt und noch nicht bemalt. Es zeigt eindrucksvoll die Heilsgeschichte nach der Bibel, ausgehend von der Sch\u00f6pfung \u00fcber der Orgel bis zum Tag des J\u00fcngsten Gerichts \u00fcber dem Altar. Eine ausf\u00fchrliche Darstellung zur Geschichte und zur Ausstattung der Kirche finden Sie hier.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/450px-Barmstedt_HG-Kirche_Grafenstuhl-wp.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1206\" width=\"331\" height=\"441\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/450px-Barmstedt_HG-Kirche_Grafenstuhl-wp.jpg 450w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/450px-Barmstedt_HG-Kirche_Grafenstuhl-wp-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 331px) 100vw, 331px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Grafen- oder Patronatsstuhl<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Zu Pfingsten 1718 wurde die neue Heiligen-Geist-Kirche eingeweiht<\/strong>, obwohl am Tag zuvor ein Blitz in den Turm eingeschlagen war. Das Feuer konnte jedoch schnell gel\u00f6scht werden. Im Festgottesdienst wurde eine lobesvolle Panegyrik auf den Grafen Wilhelm Adolf verlesen. Das Bild (oben rechts) gibt nicht die genaue Situation von 1718 wieder, da das Taufbecken noch unter der Orgelempore stand und weder Deckenbemalung noch Kronleuchter existierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Altona: 1719 begann <strong>Andreas Albert Rhode<\/strong> mit der Herausgabe der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/diglib.hab.de\/wdb.php?dir=drucke\/hc-24\" target=\"_blank\">Cimbrisch-Holsteinischen Antiquit\u00e4tenremarques<\/a> als Zeitschrift in 14-t\u00e4glichen Lieferungen. Darin pr\u00e4sentierte er die Forschungsergebnisse seines Vaters aus der \u00d6ffnung der holsteinischen H\u00fcgelgr\u00e4ber v. a. in der Barmstedter Region. Die Darstellung wird dadurch besonders interessant, dass fast alle Fundst\u00fccke genau gezeichnet als Illustration beigegeben sind. Leider ist \u00fcber den Verbleib dieser Artefakte nichts bekannt. Eine wissenschaftliche W\u00fcrdigung erhielt das Werk durch die Vorrede des Hamburger Professors Joh. Albert Fabricius, der 1715 zusammen mit dem ehemaligen Ausgrabungshelfer und jetzigen Professors am Akademischen Gymnasium Hamburg, Michael Richey, und dem Kollegen Brockes die &#8222;Teutsch \u00fcbende Gesellschaft&#8220; in Hamburg gegr\u00fcndet hatte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/1718AltarbehangRantzau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1207\" width=\"470\" height=\"336\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/1718AltarbehangRantzau.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/1718AltarbehangRantzau-300x214.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/1718AltarbehangRantzau-768x549.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Altarbehang von 1718. Er befindet sich heute wie die Kanzeluhr im Museum der Grafschaft Rantzau auf der Schlossinsel.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Christian Grassau begann 1719 in Neuendorf sein Amt als Pastor. Das Gut Neuendorf war Allodialbesitz der Breitenburger Rantzaus und deshalb von den Auseinandersetzungen in der Grafschaft direkt betroffen. Er f\u00fchrte eine Chronik u. a. \u00fcber die Vorgeschichte und die aktuellen politischen Auseinandersetzungen in der Grafschaft Rantzau bis 1731. Die Art der Regierungs\u00fcbernahme durch Wilhelm Adolf und die K\u00e4mpfe um die Herrschaft sind in seinem Neuendorffischen Kirchen Protokoll detailliert beschrieben. Die Grassauische Chronik ist deshalb heute eine wichtige Quelle. Sie wurde von seinen Nachfolgern bis 1777 weitergef\u00fchrt.<\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86612\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">R\u00fcckkehr Christian Detlefs und K\u00e4mpfe um die Macht<\/h2><div id=\"ac-86612\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Nach Niemann hatte Wilhelm Adolf Rantzau dem preu\u00dfischen K\u00f6nig 24.000 Taler bieten lassen, wenn er den Bruder zeit seines Lebens gefangen halten w\u00fcrde. Das Geld wurde demnach angenommen, aber der Graf trotzdem sofort freigelassen. Rauert zweifelt diese Angabe an. Anfang 1720 wurde Christian Detlef aber tats\u00e4chlich aus der Haft in Memel freigelassen und kehrte nach Hamburg zur\u00fcck, wo er h\u00f6rte, dass sein Bruder sich die Regierung angema\u00dft habe. Beide Br\u00fcder stritten jetzt mit Gewalt um die Grafschaft: Christian Detlef schickte deshalb seinen Rat Grubben nach Rantzau, der sich des Schlosses bem\u00e4chtigte. Wilhelm Adolfs Partei setzte daraufhin mit einem Kahn \u00fcber den Burggraben und nahm die Leute des Christian Detlef fest. Grubben wurde \u00fcber die Grenze gejagt. Wilhelm Adolf kam daraufhin selbst nach Rantzau. Als dies Christian Detlef erfuhr, warb er 50 Mann Soldaten an und zog mit ihnen vor Rantzau, woraufhin das Schloss \u00fcbergeben wurde. 7 \u2013 9 Mann, die dort waren, wurden gefangen und misshandelt, unter ihnen Detlef Pr\u00e4torius, der Sohn des ehemaligen Elmshorner Kirchspielvogts Samuel Pr\u00e4torius. Wilhelm Adolf war vorher geflohen und versuchte von Drage aus mit einem Gl\u00fcckst\u00e4dter Notar gegen das Verfahren seines Bruders zu klagen. Der Notar lehnte aber wegen der Gefahr ab. Daraufhin wandte er sich an die Gl\u00fcckst\u00e4dtische Regierung, um seinen Bruder manu militarii zur Raison zu bringen. Christian Detlef reiste nach Hamburg zur\u00fcck und \u00fcbergab das Kommando seinem Capitain Henry. Gegen den wurde aber sofort gemeutert, man nahm ihm den Degen ab, erschoss den Kammerdiener und \u201espolierte\u201c das Schloss. Die Gefangenen wurden freigesetzt. Als sie allerdings mit ihrem Raub \u00fcber die Grenze in die Grafschaft Pinneberg kamen, lie\u00df sie der Oberlanddrost Graf Callenberg festnehmen und nach Gl\u00fcckstadt schicken. Da aber niemand die \u201eDetentionskosten\u201c (Haftkosten) f\u00fcr sie bezahlen wollte, wurden sie wieder freigelassen. Der M\u00f6rder des Kammerdieners allerdings wurde in Pinneberg gehalten und gegen Bezahlung der Detentionskosten durch Christian Detlef ausgeliefert und bei Barmstedt hingerichtet. Wilhelm Adolf behielt die G\u00fcter Breitenburg und Drage inne. Der Streit konnte auch durch eine k\u00f6nigliche Kommission in Kiel nicht beigelegt werden. Der Kaiser erlie\u00df an Wilhelm Adolf auf Veranlassung Christian Detlefs den Befehl, sich innerhalb von 2 Wochen zu verantworten. Mehrere Unzufriedene, u.a. Detlef Pr\u00e4torius, sammelten sich auf Drage bei Wilhelm Adolf und schmiedeten Pl\u00e4ne. Der Hass der Untertanen wegen willk\u00fcrlich auferlegter Contributionen, die mit Gewalt beigetrieben wurden, war gewaltig gestiegen und zeigte sich in mehreren missgl\u00fcckten Mordanschl\u00e4gen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Orgel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1203\" width=\"410\" height=\"517\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Orgel.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Orgel-238x300.jpg 238w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Klapmeyer-Orgel in der Heiligen-Geist-Kirche im heutigen Zustand. Das R\u00fcckpositiv in der Emporenbr\u00fcstung wurde erst 1960 eingebaut<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Mordversuche an Graf Christian Detlef:<\/strong> Am 18.08.1720 wurde Graf Christian Detlef in einem Wirtshaus in Elmshorn fast vergiftet (Rauert, S. 13). Kurze Zeit sp\u00e4ter warteten an der Thiensener Br\u00fccke, dem Grenz\u00fcbergang in die (d\u00e4nische) Herrschaft Pinneberg, vermummte Gestalten auf ihn, wovon er jedoch noch rechtzeitig h\u00f6rte und deswegen nicht fuhr. In Hamburg brannte bald darauf das Haus ab, in dem er schlief und bei einer Jagd in der N\u00e4he von Rantzau (beim Fuchsloch) wurden Sch\u00fcsse auf ihn abgefeuert, von denen aber keiner traf.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser unsicheren Lage erhielt zur selben Zeit 1719\/20 die <strong>Heiligen-Geist-Kirche<\/strong> eine gro\u00dfartige <strong>Barock-Orgel<\/strong> mit Hauptwerk und Brustwerk. Das R\u00fcckpositiv in der Emporenbr\u00fcstung kam erst 1960 hinzu. Den Auftrag hatte der Gl\u00fcckst\u00e4dter Orgelbauer Johann Hinrich Klapmeyer erhalten, ein Sch\u00fcler des ber\u00fchmten norddeutschen Orgelbauers Arp Schnitger. Die Kosten waren mit 2100 Mark L\u00fcsch enorm. Der Preis entsprach in der damaligen Zeit etwa dem Wert von zwei mittleren Bauernh\u00f6fen. Von den damaligen Pfeifen sollen 1980 noch die H\u00e4lfte vorhanden gewesen sein. 10 Jahre sp\u00e4ter fanden bereits umfangreiche Wartungsarbeiten statt, durch die das Pedal auf 8 Register erweitert wurde. Die Orgel hatte jetzt 2000 Pfeifen und 26 Register, 2 Manuale und 1 Pedal. Erst 1857 fand die n\u00e4chste Hauptreparatur statt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ende des Nordischen Krieges:<\/strong> Am 11.12.1718 war der schwedische K\u00f6nig Karl XII. bei der Belagerung von Frederikshald in Norwegen erschossen worden. Die Todesumst\u00e4nde sind bis heute umstritten. Der daraufhin sofort einsetzende Truppenr\u00fcckzug und der Waffenstillstand beendeten faktisch den Gro\u00dfen Nordischen Krieg. In den folgenden Friedensvertr\u00e4gen stieg das russische Zarenreich, ab 1721 von Peter I. als Kaiserreich tituliert, zur Gro\u00dfmacht auf. Gleichzeitig gab das schwedische K\u00f6nigreich derartige Anspr\u00fcche auf. Im Frieden von Frederiksborg (3. Juli 1720) wurde von Schweden die <strong>d\u00e4nische Annexion der schleswigschen Anteile des Hauses Gottorf best\u00e4tigt<\/strong>. Da dem ehemaligen schwedischen Verb\u00fcndeten, dem Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf, jetzt nur noch die holsteinischen Anteile erhalten blieben, musste er seine Residenz von Schleswig nach Kiel verlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die schleswigsche Ritterschaft huldigte 1721 auf Schloss Gottorf dem d\u00e4nischen K\u00f6nig. Der gottorfische Herzog hatte faktisch in Schleswig-Holstein keinen Einfluss mehr. Der entmachtete Thronfolger Karl Friederich heiratete 1725 eine Tochter des russischen Zaren Peter I., so dass sein Sohn als <strong>Peter III. 1762 Zar von Russland<\/strong> wurde. Er war bereits seit 1742 als designierter Thronfolger schon russischer Gro\u00dff\u00fcrst. Da er aber nach der Thronbesteigung allzu offensiv das russische Reich in einen Krieg gegen D\u00e4nemark treiben wollte, entstand eine starke Gegnerschaft gegen ihn im Land. Er wurde bereits nach 6 Monaten ermordet. Seine Frau <strong>Katharina (die Gro\u00dfe)<\/strong> konnte durch geschicktes Taktieren die Zarenkrone erk\u00e4mpfen und <strong>beendete 1773 mit dem Vertrag von Zarskoje Selo die gottorfische Herrschaft in Holstein und erm\u00f6glichte so die Bildung des d\u00e4nischen Gesamtstaates<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>In Pinneberg wurde 1720 die Ruine des Schlosses abgerissen, bis dahin Sitz des d\u00e4nischen Landdrosten f\u00fcr die Herrschaft Pinneberg. Zu dieser Zeit residierte hier der Oberlanddrost Otto Carl Graf von Callenberg, k\u00f6niglich d\u00e4nischer Geheimer Rat und seit 1717 Oberhofmarschall. Das heutige repr\u00e4sentative Rokoko-Geb\u00e4ude der Drostei lie\u00df sich 1765-67 der damalige Landdrost Hans von Ahlefeldt als Wohn- und Amtssitz erbauen. Es wird heute einfach <strong>die Drostei<\/strong> genannt und beherbergt das Kulturzentrum des Kreises Pinneberg.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86613\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Grafenmord und Kriminalgericht<\/h2><div id=\"ac-86613\" class=\"c-accordion__content\">\n<p><strong>Am 10.11.1721 wurde Graf Christian Detlef &#8222;bei einer Schnepfenjagd im Holze&#8220; bei Vo\u00dfloch erschossen.<\/strong> Man brachte die Leiche nach Rantzau und 8 Tage sp\u00e4ter auf die Breitenburg. Wilhelm Adolf, der jetzt das Erbe seines ungeliebten Bruders offiziell antreten konnte, kam am Tage nach dem Mord von Drage als Trauernder nach Rantzau und verordnete ein vierw\u00f6chiges Trauergel\u00e4ute. Er lie\u00df von den Kanzeln Gott bitten, dass die M\u00f6rder gefunden w\u00fcrden, und setzte eine Belohnung auf deren Entdeckung aus. Er war als Reichsstand auch Gerichtsherr und verantwortlich f\u00fcr die kriminalistische Untersuchung und Verurteilung der M\u00f6rder. In diesem Fall, in dem der Graf Mordopfer geworden war, w\u00e4re eventuell, wenn nicht ein gr\u00e4fliches, dann ein Reichsgericht zust\u00e4ndig gewesen. Jedoch setzte auch der d\u00e4nische K\u00f6nig eine Untersuchungskommission in Rendsburg ein, mit der Begr\u00fcndung, Drage und Breitenburg, die weiteren Wohnsitze der Grafen st\u00e4nden unter seiner Jurisdiktion. Die Rendsburger Kommission f\u00fchrte eigenst\u00e4ndig Verhaftungen gegen einige Verd\u00e4chtige durch und lie\u00df sie befragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurze Zeit nach dem Mord erhielt der neue Graf Wilhelm Adolf Rantzau die Aufforderung, nach Kopenhagen zu kommen, um dort wegen der als d\u00e4nische Lehen zu empfangenden G\u00fcter das Testament seines Vaters zu unterschreiben. Kurz nach seiner Ankunft trug man ihm &#8211; m\u00f6glicherweise gezielt &#8211; jedoch Ger\u00fcchte zu \u00fcber Verd\u00e4chtigungen gegen ihn im Zusammenhang mit dem Mord an seinem Bruder. Stark beunruhigt brach er offenbar sofort auf und fl\u00fcchtete, um in der eigenen Grafschaft vor dem Zugriff der d\u00e4nischen H\u00e4scher sicher zu sein. Seine Kutsche wurde in Jevenstedt angehalten und sein Kammerdiener Alexander herausgeholt. Er selbst erfuhr dabei, dass man ihn schon auf Drage gesucht habe, das von Soldaten besetzt sei, und fl\u00fcchtete \u00fcber Kellinghusen nach Stellau, von wo er sich in Bauernkleidern nachts nach Hamburg bringen lie\u00df. Hier blieb er mehrere Wochen und kam dann mit seiner Frau nach Rantzau. Vor der Untersuchungskommission sagte unterdessen der Kammerdiener gegen Wilhelm Adolf und den Hauptmann Pr\u00e4torius aus. Der inzwischen gleichfalls verhaftete J\u00e4ger Simon W\u00e4hling gab zu, auf den Grafen geschossen zu haben und ein anderer Verd\u00e4chtigter namens Christian Sa\u00df sagte als Kronzeuge gegen Wilhelm Adolf aus und nannte weitere Verschworene, n\u00e4mlich Paul Sievers, der nach Schwedisch-Pommern gefl\u00fcchtet sei, und Claus Frahm. Graf Wilhelm Adolf sollte demnach einerseits der Verhaftung von Christian Sa\u00df aus Barmstedt zugestimmt haben, ihn gleichzeitig aber gewarnt haben, so dass er fl\u00fcchten konnte. Der mit seiner Ehefrau verd\u00e4chtigte Breitenburger Hegereuter (F\u00f6rster) Berneck gab in der Untersuchung an, Wilhelm Adolf habe ihn angestiftet, jemanden zu finden, der Christian Detlef Rantzau umbringen w\u00fcrde. Daraufhin wurde ein <strong>ordentliches Criminalgericht in Rendsburg<\/strong> eingerichtet, das aus vier Geheimen R\u00e4ten und Rittern und vier gelehrten R\u00e4ten bestand.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Am 23.Mai 1722 wurde Wilhelm Adolf auf einer Fahrt nach Hamburg in Pinneberg festgenommen und dort arretiert.<\/strong> Einige Rantzauer Untertanen planten eine Gefangenenbefreiung, sobald der Transport nach Rendsburg abgehen w\u00fcrde. Der Brief, in dem sie nach der Zeit des Transportes fragten, gelangte aber in die H\u00e4nde des Steinburger Amtsverwalters, weshalb die Bedeckung dann so stark war, dass keine Befreiung mehr m\u00f6glich war. Wilhelm Adolf legte vor der Kommission Ordensband und Schl\u00fcssel ab, die er vom K\u00f6nig erhalten hatte, und erkl\u00e4rte, sich nur vor einem Reichsgericht verantworten zu wollen, was er aber wieder fallen lie\u00df, als ihm \u201estrengere Haft\u201c angedroht wurde. Der Hauptmann <strong>Detlef Pr\u00e4torius<\/strong> wurde im Herbst 1723 durch Verrat seines Freundes, des \u00f6sterreichischen Majors K\u00e4hler, verhaftet, der ihn unweit Krossen im Brandenburgischen den preu\u00dfischen Soldaten auslieferte. \u00dcber Danzig und Kopenhagen wurde er nach Rendsburg gebracht und dort unter Folter verh\u00f6rt. Er gestand unter diesen Bedingungen, selber den Grafen erschossen zu haben und die Information \u00fcber Vertraute in der Sch\u00e4ferei an den Grafen nach Drage weitergegeben zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael Richey, der als Sch\u00fcler dem Barmstedter Pastor Christian Detlef Rhode bei den Ausgrabungen von H\u00fcgelgr\u00e4bern geholfen, und mit Barthold Heinrich Brockes zusammen schon 1715 die &#8222;Teutsch \u00fcbende Gesellschaft&#8220; in Hamburg gegr\u00fcndet hatte, begr\u00fcndete 1722 mit anderen zusammen die bis heute existierende <strong>Patriotische Gesellschaft<\/strong> in Hamburg, einen &#8222;Promotor und Protektor urbaner Aufkl\u00e4rung&#8220; (Besch, Betten u. a., S.2305).<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SchlossAkershus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1202\" width=\"442\" height=\"227\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SchlossAkershus.jpg 800w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SchlossAkershus-300x154.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SchlossAkershus-768x395.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 442px) 100vw, 442px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Akershus bei Oslo<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die <strong>Urteilsverk\u00fcndung<\/strong> gegen die T\u00e4ter erfolgte am 25.Juni 1725. Claus Frahm war bereits im Gef\u00e4ngnis gestorben. Der Hauptangeklagte, Detlef Pr\u00e4torius, wurde am 29. Juni mit dem Schwert auf dem Marktplatz der Neustadt zu Rendsburg hingerichtet und sein K\u00f6rper auf das Rad geflochten. Ein quadratischer Stein vor der Garnisons-Apotheke erinnert noch heute an diese letzte Hinrichtung mit dem Schwert. Paul Sievers und Simon W\u00e4hling wurden zeit ihres Lebens an die Karre geschmiedet, der eine noch dazu mit einem Brandmal versehen, der andere mit dem Staupbesen traktiert. Auch Christian Sa\u00df verurteilte das Gericht am 26. Oktober auf unbestimmte Zeit zur Zwangsarbeit an der Karre.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Urteil gegen Wilhelm Adolf, Graf zu Rantzau<\/strong> , wurde am 9. April 1726 publiziert. Er erhielt lebensl\u00e4ngliche Kerkerhaft (\u201ead perpetuos carceres\u201c) und musste 20.000 Taler Strafe zahlen. Kurz nach dem Urteil erschien eine Brosch\u00fcre, die behauptete, in Gutachten sei ein schwerer Tod f\u00fcr Wilhelm Adolf Rantzau gefordert worden, und er selbst habe um den Tod gebeten. In den Akten sei aber \u2013 nach Rauert \u2013 nichts dar\u00fcber zu finden. Wilhelm Adolf wurde nach dem Urteil ins Schloss Aggershuus (Akershus) in Norwegen gebracht. Er durfte seine Frau nie wieder sehen und starb kinderlos am 21. M\u00e4rz 1734.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sequestrierung der Grafschaft:<\/strong> Gleich nach dem Urteil lie\u00df der K\u00f6nig durch Conferenzrath Blome und die Land- und Kanzleir\u00e4te Christian Ahlefeldt und Anton Hildebrandt die Grafschaft sequestrieren, also beschlagnahmen. Eine direkte Inbesitznahme war nicht m\u00f6glich, weil der Kaiser das Verfahren nicht gebilligt hatte. Stattdessen war vom kaiserlichen Hof die Auslieferung des Grafen und ein Verfahren vor einem Reichsgericht gefordert worden. Auch einige Nebenlinien der Rantzaus hatten mit \u00e4hnlichem Vorwurf bei den Reichsgerichten einen Prozess gegen den d\u00e4nischen K\u00f6nig angestrengt. Das Verfahren wurde sp\u00e4ter aber nicht fortgef\u00fchrt, nachdem die Rantzau-Linien II und IV erreichen konnten, dass ihnen vom Kaiser 1727 und 1728 der verwaiste Reichsgrafentitel zugesprochen wurde. Die Akten dieses Prozesses gegen die d\u00e4nische Krone liegen noch heute im Kaiserlichen Archiv in Wien.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 9. April 1726 wurde alles gr\u00e4fliche Eigentum und das Archiv ausgeliefert, nachdem die Grafschaft faktisch schon 1723 durch Besetzung mit d\u00e4nischen Truppen \u00fcbernommen worden war, wobei die Zimmer versiegelt wurden. Es wurde versprochen, dass alles beim Alten bleiben w\u00fcrde. Ein detailliertes Inventar wurde gleich nach der Sequestrierung 1726 durch die Kaiserlichen Notarien J. Finck und A. E. Pr\u00e4torius angelegt. Die Gattin Wilhelm Adolfs, Louise Gr\u00e4fin von Sayn-Wittgenstein, sollte das Schloss mit seinen Eink\u00fcnften f\u00fcr die Dauer ihres Lebens erhalten. Catharina Hedewig, Gr\u00e4fin von Castell-R\u00fcdenhausen, die Schwester der beiden Grafenbr\u00fcder und aufgrund ihrer Ehe in Franken wohnend, erhielt alle Allodialg\u00fcter und Mobilien, verzichtete auf die Grafschaft, erkannte das Testament ihres Vaters an und zahlte die Prozess- und Detentionskosten ihres Bruders. Sie durfte auch Breitenburg behalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Blome wurde als Administrator eingesetzt, die Eigenst\u00e4ndigkeit wurde entsprechend der Donationsakte erhalten, die Grafschaft also nicht eingegliedert. Die Pr\u00f6pste (immer die Elmshorner Hauptpastoren) behielten das Ordinationsrecht.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86614\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Anmerkungen<\/h2><div id=\"ac-86614\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>&#8211; D\u00f6ssel, Barmstedt. Geschichtl. Schau, S.20<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86615\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Literatur<\/h2><div id=\"ac-86615\" class=\"c-accordion__content\">\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Johann Adrian <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Adrian_Bolten\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bolten<\/a>: Historische Kirchen-Nachrichten von der Stadt Altona und deren verschiedenen Religions-Partheyen, von der Herrschaft Pinneberg und von der Grafschaft Ranzau. Verf\u00fcgbar unter: (<a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=TZsAAAAAcAAJ&amp;redir_esc=y\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Digitalisat<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>Werner Besch, Anne Betten, Oskar Reichmann, Stefan Sonderegger (Hrsg.): Sprachgeschichte: ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung, 2. Aufl., Teil 3, herausgegeben von . Walter de Gruyter Berlin, New York. Im Internet verf\u00fcgbar: (<a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=DZwbJjFlqJYC&amp;pg=PA2305&amp;lpg=PA2305&amp;dq=Teutsch+%C3%BCbende+Gesellschaf&amp;source=bl&amp;ots=_bcuQxWeJK&amp;sig=9hm13TaNG33SLUnYGgNqEpdkvoU&amp;hl=de&amp;ei=HNRKTrmKNYrXsga5lY2EBw&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;ct=result&amp;resnum=4&amp;ved=0CDEQ6AEwAw#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Digitalisat<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>Hans D\u00f6ssel: Stadt und Kirchspiel Barmstedt &#8211; Eine geschichtliche Schau Bd. 2, Barmstedt 1936<\/li>\n\n\n\n<li>Hans D\u00f6ssel: Barmstedt. Geschichtliche Schau. Mit Beitr\u00e4gen von Dr. Helmut Wulf, Bernhard Theilig, Ernst Adolf Wiechers, Heinrich Gabriel, Heinz Starken und anderen. Bearbeitet von Hildegard Burchert, Husum 1988<\/li>\n\n\n\n<li>Wilhelm Ehlers: Geschichte und Volkskunde des Kreises Pinneberg, Elmshorn 1922, Nachdruck 1977<\/li>\n\n\n\n<li>Christian Grassau: Neuendorffisches Kirchen Protokoll. (Grassauische Chronik) Maschinenschr. Manuskript Bernhard Theilig 1960. Auszugsweise ist der Text auch abgedruckt in: Neues staatsb\u00fcrgerliches Magazin mit besonderer R\u00fccksicht auf die Herzogth\u00fcmer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Hrsg.: Dr. R. Falck Schleswig 1835. 3. Band S. 281ff, im Internet vorhanden als <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=XcFCAAAAcAAJ&amp;pg=PA285&amp;lpg=PA285&amp;dq=Pr%C3%A4torius+elmshorn&amp;source=bl&amp;ots=DZHEwmYV5E&amp;sig=BSttfQt2MreyaRdtsFjW64tlHMc&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwjri4Om7-zeAhVG1BoKHchXC8QQ6AEwD3oECCYQAQ#v=onepage&amp;q=Pr%C3%A4torius%20elmshorn&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Digitalisat<\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li>J. Greve: Geographie und Geschichte der Herzogth\u00fcmer Schleswig und Holstein. Schwers\u00b4sche Buchhandlung Kiel 1844, im Internet verf\u00fcgbar unter: (Digitalisat)<\/li>\n\n\n\n<li>Richard Haupt: Barmstedt und Rantzau, Vollbehr &amp; Riepen, ca. 1920<\/li>\n\n\n\n<li>Harald Kirschninck: Zur Geschichte der J\u00fcdischen Gemeinde Elmshorn bis 1869. in: Stadt Elmshorn (Hrsg.): Beitr\u00e4ge zur Elmshorner Geschichte. Band 1. Elmshorn 1987<\/li>\n\n\n\n<li>Harald Kirschninck: Die Geschichte der Juden in Elmshorn 1685-1918 Band 1, Books on Demand 2005, teilweise im Internet verf\u00fcgbar unter<\/li>\n\n\n\n<li>Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt: Die Reichsgrafen zu Rantzau, in: Carsten Porskrog-Rasmussen, Elke Imberger, Dieter Lohmeier, Ingwer Momsen (Hrsg. im Auftrag der Gesellschaft f\u00fcr Schleswig-Holsteinische Geschichte): Die F\u00fcrsten des Landes. Herz\u00f6ge und Grafen von Schleswig, Holstein und Lauenburg, Wachholtz Verlag Neum\u00fcnster 2008, S. 405-417<\/li>\n\n\n\n<li>Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt: auf: Die Reichsgrafschaft Rantzau &#8211; geschichte-s-h.de Geschichte SH<\/li>\n\n\n\n<li>Kurt von Rantzau: Das Haus Rantzau. Eine Familienchronik, Celle 1865, verf\u00fcgbar unter: (Digitalisat)<\/li>\n\n\n\n<li>Matthias Heinrich Theodor Rauert: Die Grafschaft Rantzau. Ein Beitrag zur genaueren Landeskunde (1840), 2. Auflage Barmstedt 1936<\/li>\n\n\n\n<li>Matthias Heinrich Theodor Rauert: Lebenserinnerungen des Rantzauer Amtsverwalters H. Rauert (1806-1859), in: Zeitschrift f\u00fcr Schleswig-Holsteinische Geschichte Bd. 106 (1981)<\/li>\n\n\n\n<li>Christian Detlef Rhode: Cimbrisch-Hollsteinische Antiquit\u00e6ten-Remarques Oder: Accurate und umst\u00e4ndliche Beschreibung\/ derer in denen Grab-H\u00fcgeln derer alten Heydnischen Hollsteiner der Gegend Hamburg gefundenen Reliquien, als Urnen\/ Wehr und Waffen\/ Zierrahten\/ Ringe\u2026, Altona 1728. Verf\u00fcgbar unter: <a href=\"http:\/\/diglib.hab.de\/drucke\/hc-25\/start.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Digitalisat<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Henning v. Rumohr: Schl\u00f6sser und Herrenh\u00e4user im westlichen Schleswig-Holstein. Verlag Weidlich, W\u00fcrzburg, 1988<\/li>\n\n\n\n<li>Hildemar thor Straten: Beschreibung der Grafschaft Rantzau 1823. Hrsg. von Helmut Trede, Bokel 2005<\/li>\n\n\n\n<li>Bernhard Theilig: Die sieben Epochen in der Geschichte unserer engeren Heimat. Ein \u00dcberblick, in: Jahrbuch f\u00fcr den Kreis Pinneberg 1999<\/li>\n\n\n\n<li>Rudolf Z\u00f6llner: Der &#8222;Silber&#8220;-Sarg und das Leichenbeg\u00e4ngnis des Reichsgrafen Christian zu Rantzau, Herr auf Breitenburg (1614-1663) Teil II, in: NORDELBINGEN. Beitr\u00e4ge zur Kunst- und Kulturgeschichte Bd. 46, S.95-126<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Verfasser: Michael Theilig<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Amt Barmstedt in Johannes Mejers Karte des F\u00fcrstentums Stormarn, gezeichnet im Auftrag Christian Rantzaus 1650, nachdem er das Territorium von Gottorf gekauft hatte. Innerhalb der Grenzen ist auch M\u00f6nklohe eingezeichnet, das zum Amt Segeberg geh\u00f6rt hatte, Horst geh\u00f6rte wie das Gebiet s\u00fcd\u00f6stlich Elmshorns zur Jurisdiktion des Klosters Uetersen. 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