{"id":862,"date":"2021-09-24T14:40:01","date_gmt":"2021-09-24T14:40:01","guid":{"rendered":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=862"},"modified":"2023-01-30T19:05:02","modified_gmt":"2023-01-30T19:05:02","slug":"revolutionen-und-nationale-bewegungen-1780-1864","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=862","title":{"rendered":"Revolutionen und nationale Bewegungen 1780 &#8211; 1864"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js is-open\" data-initially-open=\"true\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8620\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Die Franz\u00f6sische Revolution 1789 und ihre Auswirkungen auf Holstein und Hamburg<\/h2><div id=\"ac-8620\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/799px-Prise_de_la_Bastille.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1323\" width=\"282\" height=\"211\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/799px-Prise_de_la_Bastille.jpg 799w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/799px-Prise_de_la_Bastille-300x225.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/799px-Prise_de_la_Bastille-768x577.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In Paris kam es am <strong>14. Juli 1789 zum Sturm auf die Bastille<\/strong>, dem Staatsgef\u00e4ngnis des noch absolutistisch regierenden K\u00f6nigs Ludwig XVI., nachdem sich der Dritte Stand des B\u00fcrgertums zur Nationalversammlung erkl\u00e4rt hatte und das Ger\u00fccht aufgekommen war, der K\u00f6nig wolle diese milit\u00e4risch aufl\u00f6sen. Besonders in Paris litt die Bev\u00f6lkerung nach der Missernte von 1788 an der schlechten Lebensmittelversorgung und war aufgebracht \u00fcber die verschwenderische Hofhaltung des K\u00f6nigs, den Luxus von Adel und Klerus bei gleichzeitig ineffizienter Staatsf\u00fchrung. Dieser Aufruhr f\u00fchrte zur Revolution mit der &#8222;Erkl\u00e4rung der Menschen- und B\u00fcrgerrechte&#8220; vom 26. August 1789, Abschaffung der St\u00e4ndegesellschaft mit allen feudalen Rechten und schlie\u00dflich auch der Monarchie. Damit wurde die <strong>erste demokratische Republik in Europa geschaffen, nachdem 13 Jahre zuvor die 13 britischen Kolonien mit ihrer Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung<\/strong> eine \u00e4hnliche Entwicklung vollzogen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nachrichten von den Ereignissen in Paris verbreiteten sich wie ein Lauffeuer in ganz Europa. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der gebildeten B\u00fcrger, aber auch viele Adlige begr\u00fc\u00dften die Revolution und sahen darin das Signal f\u00fcr das Aufkommen einer neuen Zeit. Bei vielen wich die Sympathie jedoch einer Skepsis, als mit den Septembermorden, der Hinrichtung Ludwigs XVI. und Marie Antoinettes und der Terrorherrschaft der Jakobiner 1793 die blutige Seite der Umw\u00e4lzung deutlich wurde. Die Bedrohung durch \u00d6sterreich und Preu\u00dfen, deren Herrscher ein Ausbreiten der Revolution auf ihre L\u00e4nder verhindern wollten, hatte ab April 1792 zum Krieg gef\u00fchrt, der am Ende unter F\u00fchrung Napoleon Bonapartes ganz Europa und Nordafrika \u00fcberzog. Napoleon war am 9. November 1799, dem 18. Brumaire VIII (Revolutionszeitrechnung), durch einen Staatsstreich zum Ersten Konsul und damit zum Alleinherrscher von Frankreich geworden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/499px-Beethoven.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1317\" width=\"191\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/499px-Beethoven.jpg 499w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/499px-Beethoven-250x300.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ludwig van Beethoven<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig_van_Beethoven\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ludwig van Beethoven<\/a>(1770-1827) war als junger Mann begeisterter Anh\u00e4nger der franz\u00f6sischen Revolution und wollte seine 3. Sinfonie sogar Napoleon Bonaparte widmen, entschied sich jedoch dagegen, als dieser sich 1804 zum Kaiser kr\u00f6nen lie\u00df. Er gilt mit seinem Gesamtwerk als Vollender der Wiener Klassik und Wegbereiter der Romantik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch in Hamburg und in den Herzogt\u00fcmern war unter den Gebildeten die Begeisterung zun\u00e4chst gro\u00df<\/strong>, w\u00e4hrend die Masse aufgrund fehlender Information und nur sehr geringer Schulbildung relativ teilnahmslos blieb. Die Presse der damaligen Zeit war noch sehr elit\u00e4r, es gab nur wenige Bl\u00e4tter, die mit Auflagen von zun\u00e4chst einigen Hundert oder Tausend jetzt auf Rekordzahlen von 40-45.000 explodierten. Aus Hamburg stammte eine der wichtigsten poltitischen Zeitungen Deutschlands, n\u00e4mlich die &#8222;Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten&#8220;, kurz der &#8222;Correspondent&#8220;. Und gleich zwei der wichtigsten Zeitungen des d\u00e4nischen Gesamtstaats kamen aus Altona, n\u00e4mlich der &#8222;Altonaer Mercur&#8220; und der &#8222;Reichspostreuter&#8220;. Zumindest einige der Exemplare davon d\u00fcrften auch in Barmstedt gelesen worden sein. In verschiedenen St\u00e4dten Deutschlands bildeten sich <strong>Jakobinerclubs<\/strong>, die die Ideale der Revolution, n\u00e4mlich <strong>Freiheit, Gleichheit und Br\u00fcderlichkeit<\/strong> auch in Deutschland vertraten und hier einen Umsturz oder zumindest einen radikalen gesellschaftlichen Wandel herbeif\u00fchren wollten. Auch Hanseaten wie <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Heinrich_Sieveking\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Georg Heinrich Sieveking<\/a> und Caspar Voght, die zusammen ein florierendes Handelshaus f\u00fcr Nordamerika f\u00fchrten, feierten am 14.07.1790 mit ihrem Freundeskreis in Harvestehude ein <strong>Freiheitsfest<\/strong>, begr\u00fc\u00dften die Revolution und hofften auf ein \u00dcbergreifen auf Deutschland.(Klessmann, S.312) \u00c4hnliches spielte sich in Eutin ab, wo Adlige ihre &#8222;Stammb\u00e4ume&#8220; \u00f6ffentlich verbrannten. Doch bald trafen in Hamburg und Altona Fl\u00fcchtlinge aus Frankreich ein, zun\u00e4chst Angeh\u00f6rige des Adels, sp\u00e4ter nach dem Beginn von Robespierres Terrorherrschaft ein zweiter Strom von Menschen, die die Revolution aktiv mit vorangetrieben hatten. Insgesamt sollen es \u00fcber 10.000 gewesen sein.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8621\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Die Landschaft um 1800 \/ Verkoppelung<\/h2><div id=\"ac-8621\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Die Vahrendorfsche Karte von 1789\/96 zeigt auf Blatt 49 den Flecken Barmstedt und die Administratur Grafschaft Rantzau. Das Blatt wurde zur 850-Jahr-Feier der Stadt Barmstedt im Jahr 1990 vom Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein als Nachdruck (s.u.) neu herausgegeben. Genau und sehr anschaulich im Ma\u00dfstab 1&nbsp;: 25.000, was einer heutigen Wanderkarte entspricht, sind hier Stra\u00dfen, H\u00e4user, Gel\u00e4ndeoberfl\u00e4chen und Nutzungen eingetragen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"735\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Barmstedt-GrfschRantzau1789-1796.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1342\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Barmstedt-GrfschRantzau1789-1796.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Barmstedt-GrfschRantzau1789-1796-300x215.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Barmstedt-GrfschRantzau1789-1796-768x551.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ausschnitt aus der Vahrendorfschen Landesaufnahme Blatt 49 von 1789-96<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Landschaft weist deutliche Ver\u00e4nderungen auf gegen\u00fcber der ersten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts. Denn im Unterschied zu anderen Regionen ist hier die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/geschichte-s-h.de\/sh-von-a-bis-z\/v\/verkoppelung\/\" target=\"_blank\">Verkoppelung<\/a> schon durchgef\u00fchrt. Diese u. a. vom ber\u00fchmtesten Agrarreformer der Herzogt\u00fcmer, dem Gl\u00fccksburger Propst E. L\u00fcders, vehement geforderte Reform f\u00fchrte ab 1767 in Holstein zu einer Neuaufteilung der landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen. Im Jahr 1771 erlie\u00df der d\u00e4nische K\u00f6nig die &#8222;Verkoppelungsverordnung f\u00fcr das Herzogtum Holstein&#8220; und beauftragte die &#8222;Schleswig-Holsteinische Landcommission&#8220; mit der Vermessung und Bonierung aller Gemeindefluren. Wenn die H\u00e4lfte der Bewohner zustimmte, wurde das Verfahren eingeleitet. (G\u00f6ttsch, S. 241) Das Land wurde parzelliert, da jetzt die Feldgemeinschaften aufgehoben und stattdessen nach Fl\u00e4che und G\u00fcte m\u00f6glichst gerechte neue Eigentumsverh\u00e4ltnisse unter den einzelnen Bauernstellen hergestellt werden sollten. Entscheidungen wurden interessanterweise von den Dorfgemeinschaften getroffen und nicht von der absolutistischen Obrigkeit, die allerdings den Fortgang der Verkoppelung selbst erzwang. Auch Wald, Moor und Heide wurden einbezogen. Die Folge war eine v\u00f6llige Ver\u00e4nderung des Landschaftsbildes, da jetzt \u00fcberall <strong>Knicks<\/strong> entstanden, aus denen auch der Brennholzbedarf gedeckt werden sollte. Das Ziel einer <strong>Erh\u00f6hung der Produktivit\u00e4t der Landwirtschaft<\/strong> konnte offenbar erreicht werden. Allerdings war damit auch eine <strong>Verst\u00e4rkung der sozialen Spaltung<\/strong> verbunden, da die K\u00e4tner und Insten, die keine Bauernstelle besa\u00dfen, aber &#8211; als Mitglied der Dorfgemeinschaft &#8211; ihre Kuh oder ihre Schafe bis dahin auf der Allmende hatten mitweiden k\u00f6nnen, jetzt leer ausgingen. Als Weide blieb nur noch der \u00f6ffentliche Wegrand \u00fcbrig, die Kinder mussten sie h\u00fcten und blieben deshalb oftmals der Schule fern. Auch die Feuerung hatten sie jetzt meist zu bezahlen, da ihnen auch hier das Recht auf kostenlose Entnahme aus dem gemeinsamen Waldst\u00fcck genommen war. (Hoch 1988, S. 25f)<\/p>\n\n\n\n<p>Um den Sinn dieser von der Regierung angeordneten Ma\u00dfnahme zu verstehen, muss man wissen, dass zunehmend erkannt worden war, dass die Landwirtschaft mit ihren veralteten Anbaumethoden die stark zunehmende Bev\u00f6lkerung nicht mehr ausreichend ern\u00e4hren konnte. Seit dem Mittelalter waren die verschiedenen Fluren um die holsteinischen D\u00f6rfer herum in Streifen aufgeteilt. Auf jedem dieser &#8222;<strong>Kamps<\/strong>&#8220; besa\u00dfen die einzelnen Bauern (Hufner, abgeleitet von Hofner, in der Grafschaft meist &#8222;Bauleute&#8220; genannt) einen oder mehrere Streifen oder sie hatten diese gepachtet. Das Gleiche galt von Wald und Wiesen, soweit sie nicht herrschaftlich waren. Diese Feldgemeinschaft betrieb den Ackerbau seit Jahrhunderten im Prinzip unver\u00e4ndert. Winter- und Sommergetreide und eine Brachephase wechselten einander st\u00e4ndig ab, D\u00fcngung war lediglich \u00fcber das Einarbeiten der Streu aus den Viehst\u00e4llen bekannt. Die Folge waren ausgelaugte B\u00f6den und geringe Ertr\u00e4ge. &#8222;<em>Die Gemengelage der Besitzanteile brachte es mit sich, da\u00df ein Bauer seinen Acker nur \u00fcber den der anderen Dorfgenossen erreichen konnte, da\u00df ferner jeder Kamp gleichzeitig mit gleichem Getreide bestellt und auch gleichzeitig abgeerntet und dann &#8211; unter Aufsicht des Dorfhirten &#8211; als gemeinsame Viehweide genutzt wurde: Es herrschte &#8222;Flurzwang&#8220;. Ein rationelles Wirtschaften mit Bodenpflege, Anbau spezieller Fr\u00fcchte und dergl. war bei diesem altert\u00fcmlichen genossenschaftlichen System, das in weiten Teile Schleswig-Holsteins herrschte, unm\u00f6glich. Deshalb betrieben &#8211; manchmal auch auf Wunsch der Bauern &#8211; die im 18. Jh. an der Entwicklung der Landeskultur interessierten Regierungen (\u2026) in Kiel die Verkoppelung. Die Flur wurde v\u00f6llig neu eingeteilt. Jeder Bauer erhielt durch Los oder Zuteilung sein Land in wenigen gr\u00f6\u00dferen St\u00fccken, die er mit Knicks (Wallhecken) einzufriedigen hatte und die er k\u00fcnftig ganz individuell als Acker und\/oder Weide nutzen konnte. Damals erst entstand das f\u00fcr Schleswig-Holstein so typische Knicknetz.<\/em>&#8220; (Degn, S. 162) Es konnte allerdings auch passieren, dass im Interesse einer Arrondierung H\u00f6fe aus dem Dorf ausgesiedelt werden mussten. Deshalb sollte immer das Los entscheiden, wenn es nicht freiwillige &#8222;Ausbauer&#8220; gab.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Kuehe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1372\" width=\"243\" height=\"240\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von 1789 bis 1796 erstellte im Auftrag der k\u00f6niglichen Regierung unter der Leitung des Generalmajors <strong>Gustav Adolf von Varendorf<\/strong> das Schleswigsche Infanterieregiment die \u201e<strong>Topographisch Milit\u00e4rische Charte des Herzogtums Holstein<\/strong>\u201c, insgesamt 68 kunstvoll gezeichnete, mehrfarbige Bl\u00e4tter im Originalma\u00dfstab 1:26.293. Diese kartografische Darstellung, bekannt unter dem Namen Varendorfsche Karten enth\u00e4lt auf 68 Bl\u00e4ttern eine sehr pr\u00e4zise und hervorragend anschauliche Wiedergabe der Landschaft vor 200 Jahren, teilweise vor der Verkoppelung. Das Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein hat 1991 eine Reproduktion auch der \u00fcbrigen Bl\u00e4tter herausgegeben. Das Original befindet sich im Kort- og Matrikelstyrelsen in Kopenhagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die genaue kartografische Erfassung der Landschaften war zu dieser Zeit aufgrund technisch-mathematischer Durchbr\u00fcche und einer an der Landesentwicklung sehr interessierten aufkl\u00e4rerischen Haltung vieler f\u00fcrstlicher Kabinette ein Bestandteil moderner Verwaltung geworden. Durch den Roman &#8222;Die Vermessung der Welt&#8220; von Daniel Kehlmann wurde die Leistung des Mathematikers <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carl_Friedrich_Gau%C3%9F#Landvermessung_und_Erfindung_des_Heliotrops\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Carl Friedrich Gau\u00df<\/a> auch als Landvermesser wieder entdeckt. Dieser f\u00fchrte seine ersten Arbeiten ab 1797 als Assistent des franz\u00f6sischen Generalquartiermeisters Lecoq im (franz\u00f6sisch besetzten) Herzogtum Westfalen durch, ab 1816 machte er Breiten- und L\u00e4ngengradvermessungen im K\u00f6nigreich D\u00e4nemark und 1818 bis 1826 die Gau\u00dfsche Landesaufnahme des K\u00f6nigreichs Hannover.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8622\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Napoleonische Kriege<\/h2><div id=\"ac-8622\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Napoleon.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1379\" width=\"250\" height=\"409\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Napoleon.jpg 455w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Napoleon-183x300.jpg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Napoleon Bonaparte<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im ersten <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Koalitionskriege\" target=\"_blank\">Koalitionskrieg<\/a> Preu\u00dfens und \u00d6sterreichs 1792-1797 gegen Frankreich, der gef\u00fchrt wurde, um die Revolution zu verteidigen bzw. einzud\u00e4mmen, erhielten die beiden monarchischen M\u00e4chte zus\u00e4tzliche B\u00fcndnispartner in Gro\u00dfbritannien, den Niederlanden, Spanien, Neapel und Piemont. Sah es zun\u00e4chst nach einer Niederlage des revolution\u00e4ren Frankreichs aus, so wendete sich das Blatt, als die Franzosen die allgemeine Wehrpflicht (Lev\u00e9e en masse) einf\u00fchrten und sowohl Preu\u00dfen als auch \u00d6sterreich zum Frieden zwangen. Das linke Rheinufer wurde von Frankreich annektiert. Im Inneren war es 1793\/94 zu einem B\u00fcrgerkrieg gekommen, der schlie\u00dflich von der Zentralregierung blutig niedergeschlagen worden war. Unter den Jakobinern kam es danach jedoch zu heftigen Auseinandersetzungen, an deren Ende alle f\u00fchrenden K\u00f6pfe unter der Guillotine gefallen waren. W\u00e4hrend der Krieg au\u00dfen erfolgreich zu Ende gef\u00fchrt wurde, kam es in Paris zur Direktoriumsverfassung, die nach mehreren Staatsstreichen schlie\u00dflich 1799 mit der Konsulatsverfassung endete, bei der <strong>Napoleon Bonaparte<\/strong>, der gerade von der \u00c4gyptenexpedition zur\u00fcck gekehrte sehr popul\u00e4re Revolutionsgeneral, zum ersten Konsul gew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem ersten Koalitionskrieg war nur Gro\u00dfbritannien als Kriegsgegner Frankreichs \u00fcbrig geblieben. Preu\u00dfen unter seinem neuen K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III. blieb in dem zweiten Koalitionskrieg neutral. \u00d6sterreich unterlag mehrere Male und ebenso das Osmanische Reich gegen die franz\u00f6sischen Truppen in <strong>\u00c4gypten<\/strong>, die sich aber ruhmlos unter britischer Hilfe zur\u00fcckziehen mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00e4nemark unter dem Au\u00dfenminister Bernstorff hatte sich im ersten Koalitionskrieg Frankreichs mit seinen Feinden wie in den voraufgegangenen Kriegen zun\u00e4chst <strong>defensiv neutral erkl\u00e4rt<\/strong>, wurde aber durch die englischen Kaperfahrer zum Schutz der eigenen Flotte gezwungen und schloss sich schlie\u00dflich dem bewaffneten Neutralit\u00e4tsbund Schwedens, Preu\u00dfens und Russlands an. 1801 zwang jedoch ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Seeschlacht_von_Kopenhagen_(1801)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Angriff der Royal Navy unter Admiral Nelson auf Kopenhagen<\/a> D\u00e4nemark zur Kapitulation und zum Wohlverhalten gegen\u00fcber Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DaenBesetzungHamburgs1801.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1347\" width=\"322\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DaenBesetzungHamburgs1801.jpg 665w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DaenBesetzungHamburgs1801-195x300.jpg 195w\" sizes=\"auto, (max-width: 322px) 100vw, 322px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">D\u00e4nische Truppen besetzen Hamburg 1801<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Hamburgs Neutralit\u00e4tspolitik:<\/strong> Die Hansestadt hatte in den 1780er Jahren einen starken Handelsaufschwung erlebt, seit das Handelsmonopol der Briten f\u00fcr Nordamerika nach deren Niederlage in Amerika gefallen war. Im Koalitionskrieg hatte sich die Stadt versucht neutral zu verhalten, was schwieriger war als f\u00fcr D\u00e4nemark. Denn der Krieg war 1793 zum Reichskrieg erkl\u00e4rt worden und die Stadt konnte sich nur durch Zahlungen milit\u00e4risch heraushalten, zudem hatte es im S\u00fcden das mit England in Personalunion verbundene K\u00f6nigreich Hannover als Nachbarn. Nach Besetzung der Niederlande durch Frankreich besetzten hannoversche Truppen das hamburgische Amt Ritzeb\u00fcttel. 1798 gab es erneute Probleme, als Napper Tandy, der F\u00fchrer eines irischen Aufstands gegen die Briten, in Hamburg Asyl erhielt. Die Briten sperrten die Elbm\u00fcndung, beschlagnahmten Hamburger Schiffe und drohten mit Intervention. Als Hamburg jetzt auslieferte, erlie\u00df Frankreich ein Handelsembargo gegen Hamburg, das schlie\u00dflich in eine Strafzahlung umgewandelt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D\u00e4nische Besetzung Hamburgs<\/strong>: Nachdem 1800 Hamburg den britischen Admiral Nelson mit allen Ehren gefeiert hatte, besetzten d\u00e4nische Truppen Hamburg, um den englischen Handel zu treffen. (Bild) Wenige Tage sp\u00e4ter griff die britische Flotte vor Kopenhagen die d\u00e4nische Flotte an und besiegte diese. Damit sollte eine anti-britische Koalition aus Russland, D\u00e4nemark, Schweden und Preu\u00dfen verhindert werden, die in einer bewaffneten Neutralit\u00e4t potentiell die napoleonische Seite h\u00e4tten unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Die d\u00e4nische Besetzung in Hamburg wurde daraufhin beendet. 1803 besetzten franz\u00f6sische Truppen Ritzeb\u00fcttel, woraufhin Gro\u00dfbritannien eine Blockade \u00fcber die M\u00fcndungen von Elbe und Weser verh\u00e4ngte. Napoleon erpresste jetzt Unterhaltszahlungen f\u00fcr die franz\u00f6sische Armee, die inzwischen das benachbarte Hannover besetzt hatte. Der Hamburger Senat zeigte Wohlverhalten, indem er 1804 alle Au\u00dfenwerke seiner Befestigung schleifen und aus den kanonenbewehrten W\u00e4llen Gartenanlagen machen lie\u00df. Fast gleichzeitig beseitigte man auch die mittelalterlichen Reste der alten exterritorialen Anspr\u00fcche auf Hamburger Gebiet und nutzte die Regelungen des Reichsdeputationshauptschluss von 1803, um den <strong>Dom<\/strong>, immerhin &#8222;eines der gr\u00f6\u00dften und bedeutendsten mittelalterlichen Baudenkmale Norddeutschlands&#8220; (Klessmann, S.377) abzurei\u00dfen. Dabei wurden auch s\u00e4mtliche wertvollen Kunstsch\u00e4tze vernichtet oder in Sielanlagen verarbeitet. Zus\u00e4tzlich wurde auch die Franziskanerkirche abgerissen. Stattdessen wurden um 1800 von den Freimaurern ein Logenhaus und ein Logen-Krankenhaus gebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 24.03.1803 kam es im <strong>Reichsdeputationshauptschluss<\/strong> unter dem Druck Napoleons zu einer v\u00f6lligen Neuordnung des Heiligen R\u00f6mischen Reichs, in der 110 Territorien in neue Staaten integriert wurden und die Reichsinstitutionen v\u00f6llig an Bedeutung verloren. Die linksrheinischen Gebiete wurden vollst\u00e4ndig an Frankreich abgegeben, das sich 1804 von einer Republik in ein Kaiserreich verwandelte.<\/p>\n\n\n\n<p>In der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_von_Trafalgar\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schlacht bei Trafalgar<\/a> am 21. Oktober 1805 wurde die franz\u00f6sische Flotte von der britischen vernichtend geschlagen und so f\u00fcr 100 Jahre die britische Vormacht zur See geschaffen. Im Dezember 1805 siegten in der <strong>Dreikaiserschlacht bei Austerlitz<\/strong> die franz\u00f6sischen Truppen gegen \u00d6sterreich und Russland.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 12. Juli 1806 wurde durch Kurmainz, Bayern, W\u00fcrttemberg, Baden, Hessen-Darmstadt, Nassau, Kleve-Berg und weitere F\u00fcrstent\u00fcmer der <strong>Rheinbund<\/strong> gegr\u00fcndet, der unter dem Schutz Napoleons stand. Alle diese Territorien erkl\u00e4rten am 1. August den Austritt aus dem Reich. Durch ein franz\u00f6sisches Ultimatum kam es am 6.8.1806 zum <strong>Ende des Heiligen R\u00f6mischen Reichs<\/strong> durch Abdankung Kaiser Franz II., der sich von jetzt an nur noch Kaiser von \u00d6sterreich nannte<\/p>\n\n\n\n<p>Das Herzogtum Holstein wurde am 9.9.1806 vom d\u00e4nischen Kronprinzen durch das <strong>Inkorporationspatent<\/strong> als ein in jeder Beziehung mit dem d\u00e4nischen Gesamtstaat \u201eungetrennter Teil\u201c verbunden. Die Deutsche Kanzlei in Kopenhagen erhielt jetzt die Bezeichnung Schleswig-Holsteinische Kanzlei.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Administratur der Grafschaft Rantzau bedeutete diese Neuordnung auch das Ende der Sonderbehandlung. Sie wurde von jetzt an zusammen mit den Herrschaften Herzhorn, Sommerland und Gr\u00f6nland als Bestandteil des Herzogtums Holstein behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Sieg in der Schlacht bei Jena und Auerstedt wurde <strong>Hamburg durch die Franzosen besetzt<\/strong> und im November 1806 verf\u00fcgte Napoleon vom gerade eroberten Berlin aus eine <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kontinentalsperre\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">totale Kontinentalsperre<\/a> gegen Gro\u00dfbritannien, um das Land durch diese Blockade \u00f6konomisch in die Knie zu zwingen. Dieser Blockade verdankt u.a. die R\u00fcbenzuckerindustrie ihren Aufschwung, da jetzt die gesamte Rohrzuckereinfuhr aus der Karibik gestoppt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B\u00fcndnis D\u00e4nemarks mit Frankreich<\/strong>: D\u00e4nemark war schon seit 1801 zum Wohlverhalten gegen\u00fcber Gro\u00dfbritannien gezwungen gewesen. Als das K\u00f6nigreich jedoch eine englische Allianzforderung ausschlug, beschoss die Royal Navy im August 1807 Kopenhagen mit verheerenden Folgen und erzwang die Auslieferung der gerade wieder neue aufgebauten d\u00e4nischen Kriegsflotte an England. Diese Schmach f\u00fchrte am 31. Oktober 1807 zu einem offenen B\u00fcndnis D\u00e4nemarks mit Napoleon und einer Kriegserkl\u00e4rung gegen Gro\u00dfbritannien im Gl\u00fcckst\u00e4dter Wasmer-Palais.<\/p>\n\n\n\n<p>Franz\u00f6sische Truppen kamen daraufhin in die Herzogt\u00fcmer, um die <strong>Kontinentalsperre<\/strong> durchzusetzen. Die Folgen f\u00fcr Hamburg und andere Hafenst\u00e4dte waren desastr\u00f6s, da so der Seehandel vollst\u00e4ndig zum Erliegen kam. Ende 1810 wurde der gesamte norddeutsche K\u00fcstenbereich s\u00fcdlich der Elbe in das franz\u00f6sische Kaiserreich einverleibt. Bei extremer Massenarbeitslosigkeit, Einquartierungen und Geldforderungen war die Lage in Hamburg katastrophal, wenn auch die Einf\u00fchrung des franz\u00f6sischen Rechts und Verwaltungsreformen sehr fortschrittlich waren. Die Briten organisierten von Helgoland aus den Schmuggel und das Agentenwesen zum Kontinent. Von Hennings berichtet von Warentransporten geschmuggelter amerikanischer Waren \u00fcber Helgoland und den Hafen Husum durch die Grafschaft Rantzau.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8623\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Rantzau verliert sein Schloss &#8211; Verwaltungszentrale der Grafschaft wird modernisiert<\/h2><div id=\"ac-8623\" class=\"c-accordion__content\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"467\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/RekonstruktionSchlossinseln-1024x467.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-851\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/RekonstruktionSchlossinseln-1024x467.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/RekonstruktionSchlossinseln-300x137.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/RekonstruktionSchlossinseln-768x351.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/RekonstruktionSchlossinseln.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Rekonstruktion der Bebauung nach 1756 aufgrund der Karte thor Stratens durch Helmut Trede. &#8222;Schlossinsel Rantzau. Ein geschichtlicher R\u00fcckblick&#8220; Bokel 2011 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Administrator Friedrich von Bardenfleth 1789-1795<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Ich besah mir das Haus des Administrators. Das ganze Wesen ist eine abscheuliche meist aus kleinen L\u00f6chern bestehende Schrummeley. Bald geht es Trepp auf und bald herunter. Alles ist von Fachwerk. Das neue Haus ist noch schlechter als das alte gebaut. Unter dem neuen Hause ist fast nirgends fester Grund, und das Haus ist deswegen unglaublich viel von au\u00dfen und innen gesunken. Ich habe nie so versunkene Scherwende gesehen, und einige gezogene Schornsteine auf so unsicheren Unterlagen sind durch die vielen Risse die sie bekommen gaben, und stets bekommen werden, sehr unsicher.<\/em>&#8220; (Trede 2011, S.28)<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz nachdem Graf Reventlow 1796 diese Eintragungen in seinen &#8222;Reise Bemerkungen&#8220; machte, wurde in Kopenhagen die Entscheidung getroffen, das alte Schloss, das noch von 1650 aus der Rantzauer Zeit stammte, abzurei\u00dfen und durch einen erheblich schlichteren Neubau zu ersetzen. \u00dcber deren Hintergrund ist bisher noch wenig bekannt, au\u00dfer der Tatsache, dass die Bausubstanz offenbar v\u00f6llig marode war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vorher hier in dem alten Gem\u00e4uer wohnenden Administratoren auf Rantzau blieben vielleicht deswegen nicht lange: von 1789 &#8211; 1795 <strong>Friedrich von Bardenfleth<\/strong> (Kammerherr und Landrath), w\u00e4hrend dessen Zeit das gro\u00dfe <strong>Vorwerksgeb\u00e4ude<\/strong> unter der Aufsicht des f\u00fcr Holstein und Altona zust\u00e4ndigen, durch klassizistische Bauten in Altona ber\u00fchmt gewordenen Landbaumeisters <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christian_Frederik_Hansen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Christian Frederik Hansen<\/a> errichtet wurde. (Trede 2011, S. 32)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Administrator Hinrich Friedrich von Eggers 1795-1798<\/strong> (Conferenzrath und Ritter). Die Amtsverwalter im Haus auf der ersten Insel waren bis 1792 <a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=309\" data-type=\"post\" data-id=\"309\">Philip Georg Friederich von Reck<\/a>, Regierungsrath, und bis 1801 <strong>Heinrich Theophilius Christian Hasse<\/strong>, Legationsrath und Doctor der Rechte (Grabstein an der Kirchmauer, jetzt beim Torhaus). Wichtig als Quelle f\u00fcr die wirtschaftlichen, sozialen und verwaltungsm\u00e4\u00dfigen Verh\u00e4ltnisse in der Grafschaft Rantzau wurde dann 1801 <strong>Hildemar thor Straten<\/strong> (Kriegsrath).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Administrator Nicolaus Otto Baron von Pechlin 1798-1807<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der neue Administrator ab 1798 war der Kammerherr von Pechlin. Nach Aussage seines Nachfolgers von Hennings (ab 1808) war er unzuverl\u00e4ssig (Ritschl, S.156). Ebenfalls thor Straten, der Amtsverwalter ab 1801 klagt \u00fcber die Amtsf\u00fchrung seines Vorg\u00e4ngers Hasse. (thor Straten, S.91). In die Zeit Pechlins und thor Stratens f\u00e4llt die Entscheidung \u00fcber den Abriss des Schlosses und der Neubau des heutigen Hauses.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte dieses auf Graf Christian Rantzau zur\u00fcckgehenden, 1722 umgebauten und in d\u00e4nischer Zeit, 1757 und 1758, durch einen gro\u00dfen Fl\u00fcgelanbau erweiterten Schlosses sowie des gesamten Komplexes der Schlossinseln incl. des Vorwerks mit neu aufgefundenen Karten und Zeichnungen hat Helmut Trede 2011 recht ausf\u00fchrlich und sehr gut illustriert in seiner Brosch\u00fcre &#8222;Schlossinsel Rantzau. Ein geschichtlicher R\u00fcckblick&#8220; vorgelegt. (siehe Literaturverzeichnis)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/18JhHaupt-1024x831.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1271\" width=\"442\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/18JhHaupt-1024x831.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/18JhHaupt-300x243.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/18JhHaupt-768x623.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/18JhHaupt.jpg 1376w\" sizes=\"auto, (max-width: 442px) 100vw, 442px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schlossinsel im 18. Jahrhundert. Das Haupthaus wurde 1804 durch einen Neubau ersetzt<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Im Jahre 1804 bzw. 1805 wurde das alte inzwischen dreifl\u00fcgelige Schloss aus der Zeit um 1650 abgerissen und ein neues Wohnhaus f\u00fcr den Administrator errichtet, das (wohl) heute noch steht.<\/strong> Es gibt unterschiedliche Darstellungen \u00fcber die Baugeschichte, die hier nur angedeutet werden sollen. Nach Ritschl, der die privaten Unterlagen der Familie des Administrators von Hennings ausgewertet hat, wurde der Neubau vom oben erw\u00e4hnten Landbaumeister Christian Frederik Hansen im klassizistischen Stil errichtet, w\u00e4hrend von Hennings sich um die Stelle bewarb. Er habe auch die Pl\u00e4ne zugesandt bekommen und sich \u00fcber die Symmetrieversessenheit Hansens lustig gemacht. Dieser gro\u00dfz\u00fcgige Bau sei erst zum Einzug von Hennings im Jahre 1808 fertig geworden, im Jahr 1828 aber nach einem Brand von einem ganz schlichten Neubau ersetzt worden. N\u00e4heres hier. Nach Hubertus Neusch\u00e4ffer wurde der Bau jedoch in der heutigen Form 1804 bis 1806 von C.F.Hansens Neffen, dem sp\u00e4teren Bauleiter der Kirche in Quickborn, Johann Matthias Hansen, erbaut. Auch hier (?) hatte allerdings C.F.Hansen den Entwurf geliefert. Helmut Trede konnte &#8211; wiederum in seiner 2011 erschienenen Ver\u00f6ffentlichung &#8211; nach Auswertung der Bauakten nachweisen, dass der Entwurf zum 1805\/06 erbauten Geb\u00e4ude auf der Schlossinsel vom Bauinspektor Friedrich Christian Heylmann d.\u00c4. aus Altona stammt. Festhalten l\u00e4sst sich allerdings, dass der Landbaumeister Hansen zust\u00e4ndig war, im Jahre 1804 aber nach Kopenhagen ging, um das abgebrannte Schloss Christiansborg neu zu errichten, und dabei die Holstein betreffenden Aufgaben an seinen Stellvertreter Heylmann abgab. Interessant ist jedoch die \u00c4hnlichkeit des Rantzauer Geb\u00e4udes mit dem auf Hansen zur\u00fcckzuf\u00fchrenden Herrenhaus auf <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.kreis-stormarn.de\/freizeit\/herrenhaeuser\/krummbek.html\" target=\"_blank\">Gut Krummbek<\/a> aus dem Jahr 1803. Au\u00dfer dem Schlossgeb\u00e4ude wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts das gesamte Geb\u00e4udeensemble auf den Schlossinseln erneuert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"749\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_11_Inselnca1815-1024x749.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1035\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_11_Inselnca1815-1024x749.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_11_Inselnca1815-300x219.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_11_Inselnca1815-768x562.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchlIns_11_Inselnca1815.jpg 1053w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Neubau des Amtssitzes auf der Schlossinsel &#8211; Zeichnung von ca. 1815<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Die Grafschaft Rantzau um 1800:<\/strong> In der <strong>Topographie von Holstein<\/strong> von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Friedrich_August_D%C3%B6rfer\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Johann Friedrich August D\u00f6rfer<\/a>, der sein Buch im Jahr 1808 &#8222;seiner k\u00f6niglichen Hoheit dem Kronprinzen&#8220; widmet, wird die Grafschaft folgenderma\u00dfen beschrieben (in originaler Rechtschreibung)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<strong>Grafschaft Ranzau<\/strong>, <em>vormals ein Theil der Herrschaft Pinneberg, das Amt Barmstedt genannt, welches nach Absterben des Grafen Otto III. von Schauenburg an das f\u00fcrstl. holsteinische Haus fiel, von demselben an den Grafen Christian Ranzau verkauft, und darauf 1650 eine Reichsgrafschaft wurde. 1733 erhielt der K\u00f6nig die schon vorher sequestrierte Grafschaft, und hatte als Graf zu Ranzau Sitz und Stimme auf der wetterauischen Grafenbank. Die Grafschaft liegt zwischen der Herrschaft Pinneberg, dem Amt Steinburg, dem Uetersener Klostergebiet, der Herrschaft Breitenburg, dem Amt Segeberg, und dem Gut Caden. 41\/3 Quadratmeilen. Ein kleiner Theil derselben ist Marsch (Raaermarschdistrikt), welcher seinen eigenen Deichgrafen hat. Der Administrator und der Amtsverwalter, welcher zugleich Hausvogt ist, wohnen auf dem Schlosse Ranzau. a) Kirchspielsvogtei Elmshorn. Pertinenzen (Zugeh\u00f6rigkeit) Bauerweg, Besenbek, Elmshorn (nicht vollst\u00e4ndig), Hasenbusch, Kaltenhof, Kaltenweide, Kr\u00fccke, Lehmkuhl, Papenh\u00f6he, Raa, Reisik, Scheidepfahl, Spitzerdorf, Spiekerh\u00f6rn. b) Kirchspielsvogtei Barmstedt. Wird in 3 Gilden getheilt, welche aber nur einen Kirchspielsvogt haben: 1) Mittelgilde. Pertinenzen Aspern, Barmstedt, Bokholt, Hanredder, Lutzhorn, Gros- und Kleinoffenseth, Sparrieshoop, Bilsen. 2) H\u00f6rnergilde. Pertinenzen Bokel, Bokelses, Brande, H\u00f6rnerkirchen, Oster- und Westerhorn. 3) \u00dcberauergilde. Pertinenzen Bevern, Bullenkuhlen, Ekholt, Ellerhoop, Grossendorf, Hede, Hemding, Langeln, Seth, Thiensen. Erster Forstdistrikt. 1 Hegereuter, 1 Holzvogt. Die bisher genannten Aemter und Landschaften werden in 3 Forstdistrikte getheilt, von denen jeder einen J\u00e4germeister und Oberf\u00f6rster hat. Zu welchem Distrikt jedes Amt geh\u00f6re, ist bei jedem schon <\/em>angezeigt.&#8220; (D\u00f6rfer, S. 13f.)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8624\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Der Flecken Barmstedt um 1800<\/h2><div id=\"ac-8624\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Rode-Apotheke1806.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1288\" width=\"295\" height=\"372\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Rode-Apotheke1806.jpg 349w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Rode-Apotheke1806-238x300.jpg 238w\" sizes=\"auto, (max-width: 295px) 100vw, 295px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Rodesche Apotheke, Neubau 1806<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Um die Jahrhundertwende ver\u00e4nderte sich auch das Aussehen des Fleckens Barmstedt und des dieses \u00f6stlich und n\u00f6rdlich umgebenden Gro\u00dfendorf. Man erkennt an der kartografischen Darstellung auf der Vahrendorfschen Karte sehr gut, wie sich im Flecken die H\u00e4user dichtgedr\u00e4ngt an wenigen Stra\u00dfenz\u00fcgen entlang von S\u00fcden \u00fcber die Kr\u00fcckau her um die Kircheninsel &#8211; erkennbar an dem roten Kreuz &#8211; und die zwei Marktpl\u00e4tze herum nach Westen und Nordwesten hinziehen. Die Kr\u00fcckau schl\u00e4ngelt sich noch auf den regelm\u00e4\u00dfig durch Aufstauung des M\u00fcllers \u00fcberschwemmten Sumpfwiesen s\u00fcdlich am Flecken vorbei hin zu den Schlossinseln und der Wasserm\u00fchle, die &#8211; abgelegen von D\u00f6rfern &#8211; ihre herrschaftliche Distanz wahren. Um diese Zeit wurden einige H\u00e4user neu erbaut, z.B. 1802 die Privilegierte Apotheke an der Kirche von Wulf Samuel Rode, der das alte Haus ersetzte durch einen repr\u00e4sentativen Neubau an gleicher Stelle. 1808 wurde der \u201eGro\u00dfe Marktplatz&#8220; eingeebnet und f\u00fcr M\u00e4rkte hergerichtet. Diese vorherige &#8222;Unzierde des Ortes&#8220; erhielt 1825 eine erste Bepflanzung mit Linden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"782\" height=\"536\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Barmstedt-VahrendorfscheKarte1792.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1343\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Barmstedt-VahrendorfscheKarte1792.jpg 782w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Barmstedt-VahrendorfscheKarte1792-300x206.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Barmstedt-VahrendorfscheKarte1792-768x526.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 782px) 100vw, 782px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">&#8222;Topographisch-milit\u00e4rische Karte des Herzogtums Holstein 1792\/93&#8243; &#8211; Vahrendorfsche Karte. Der Ausschnitt f\u00fcr Barmstedt zeigt in einer sehr genauen Darstellung im Ma\u00dfstab 1&nbsp;: 25.000 Stra\u00dfennetz und Bebauung im Flecken Barmstedt und dem \u00f6stlich und n\u00f6rdlich gelegenen Gro\u00dfendorf. S\u00fcdlich der Kr\u00fcckaubr\u00fccke vor der Abzweigung der Kampstra\u00dfe gab es nur 4 Grundst\u00fccke auf der rechten Seite und 2 auf der gegen\u00fcberliegenden. Von hier f\u00fchrte die dicht bebaute Hauptstra\u00dfe \u2013 die Kircheninsel mit der heutigen Chemnitzstra\u00dfe umschlie\u00dfend \u2013 wie heute im Verlauf der Austra\u00dfe-Reichenstra\u00dfe bis zum Markt, der aus zwei Teilen bestand, einem kleinen, der heute den eigentlichen Marktplatz darstellt, und einem gr\u00f6\u00dferen, der heute der kleine Markt ist. Von hier zweigen westlich die heutige K\u00f6nigstra\u00dfe und n\u00f6rdlich der Kuhberg ab, der wiederum in die Brunnenstra\u00dfe \u00fcbergeht. In der Umgebung Barmstedts liegen Rantzau und Gro\u00dfendorf mit den kleineren Siedlungen Sch\u00e4ferey, Bei der Sandkuhl und Appelhorn. Au\u00dferdem gibt es an der Wegkreuzung im Norden eine Gerichtsst\u00e4tte, offenbar ein Ersatz f\u00fcr den fr\u00fcheren Galgenberg auf dem hiervon westlich gelegenen Feld&#8220;Topographisch-milit\u00e4rische Karte des Herzogtums Holstein 1792\/93&#8220; &#8211; Vahrendorfsche Karte. Der Ausschnitt f\u00fcr Barmstedt zeigt in einer sehr genauen Darstellung im Ma\u00dfstab 1&nbsp;: 25.000 Stra\u00dfennetz und Bebauung im Flecken Barmstedt und dem \u00f6stlich und n\u00f6rdlich gelegenen Gro\u00dfendorf. S\u00fcdlich der Kr\u00fcckaubr\u00fccke vor der Abzweigung der Kampstra\u00dfe gab es nur 4 Grundst\u00fccke auf der rechten Seite und 2 auf der gegen\u00fcberliegenden. Von hier f\u00fchrte die dicht bebaute Hauptstra\u00dfe \u2013 die Kircheninsel mit der heutigen Chemnitzstra\u00dfe umschlie\u00dfend \u2013 wie heute im Verlauf der Austra\u00dfe-Reichenstra\u00dfe bis zum Markt, der aus zwei Teilen bestand, einem kleinen, der heute den eigentlichen Marktplatz darstellt, und einem gr\u00f6\u00dferen, der heute der kleine Markt ist. Von hier zweigen westlich die heutige K\u00f6nigstra\u00dfe und n\u00f6rdlich der Kuhberg ab, der wiederum in die Brunnenstra\u00dfe \u00fcbergeht. In der Umgebung Barmstedts liegen Rantzau und Gro\u00dfendorf mit den kleineren Siedlungen Sch\u00e4ferey, Bei der Sandkuhl und Appelhorn. Au\u00dferdem gibt es an der Wegkreuzung im Norden eine Gerichtsst\u00e4tte, offenbar ein Ersatz f\u00fcr den fr\u00fcheren Galgenberg auf dem hiervon westlich gelegenen Feld<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In der <strong>Topographie von Holstein<\/strong> von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Friedrich_August_D%C3%B6rfer\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Johann Friedrich August D\u00f6rfer<\/a> aus dem Jahre 1808 wird die Barmstedter Region folgenderma\u00dfen beschrieben (in originaler Rechtschreibung):<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em><strong>Barmstedt<\/strong>, Flecken (seit 1736) in der Grafschaft und Probstei Ranzau, in der Mittelgilde der Kirchspielsvogtei Barmstedt, an der Elmsh\u00f6rnerau; eine Meile von Elmshorn. Ohngefehr 120 H\u00e4user und 600 Einwohner. Verfassung, s.Corp. Const. B. 3. Die Wasserm\u00fchle ist f\u00fcr k\u00f6nigliche Rechnung auf Zeitpacht ausgethan. Jahrmarkt am Montage nach Judica, am 15. August, am 6. und 30. Oktober. Auch ist am Mittewochen und Sonnabend <strong>Wochenmarkt<\/strong>. &#8211; Die beiden hiesigen Prediger und den Katecheten, als Adjunktus Ministerii, ernennt der K\u00f6nig. Pastor Eink. 1680 Mk. Comp. gewisse Eink. 400 Mk., ungew. 550 Mk. Eingepfarrte Orte: Grossendorf, Ranzau, Bokholt, Hanredder, Aspern, Gr. und Kl Offenseth, Sparrieshoop, Luzhorn, Heede, Langeln, Hemding, Ellerhoop, Thiensen, Bevern, Seth, Eekholt, Offenade, Kortenhagen, Bullenkuhlen, C\u00f6lln, Reisik (nicht vollst\u00e4ndig), Spitzerforth, Bilsen.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em><strong>Kr\u00fcckau<\/strong>, wird bis zur Elmshornerm\u00fchle schlechtweg Au genannt. Vormals hies sie Giester oder Sester. Entspringt bei Alvesloh im Gut Caden, geht nach Barmstedt und Elmshorn, wo sie schon f\u00fcr Torfewer fahrbar ist. In der Gegend von Kronsnest im Adelichen Gut Neuendorf ist eine F\u00e4hre \u00fcber dieselbe. Bei Seesterm\u00fche f\u00e4llt sie in die Elbe.<\/em>&#8220; (D\u00f6rfer, S. 43)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8625\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">August von Hennings \/ Franz\u00f6sische Truppen in Hamburg, Holstein und Barmstedt<\/h2><div id=\"ac-8625\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Die franz\u00f6sische Besetzung Hamburgs 1806 hatte neben einem totalen Stopp f\u00fcr die Hamburger Schifffahrt mit den Folgen eines allgemeinen wirtschaftlichen Niedergangs, gro\u00dfer Arbeitslosigkeit und Armut u.a. auch zur Folge, dass Familien, die es sich leisten konnten, ins benachbarte Holstein emigrierten, um z. B. in Altona eine Zuflucht zu suchen. Manche Familien schickten ihre Kinder auch weiter weg. Auf diese Weise kam der sp\u00e4ter ber\u00fchmt gewordene Architekt <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gottfried_Semper\" target=\"_blank\">Gottfried Semper<\/a> als Kind nach Barmstedt und verbrachte hier seine Schulzeit auf der Gemeindeschule, um dann ab 1819 an die Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"742\" height=\"653\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1815PostkarteDtBund.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1326\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1815PostkarteDtBund.jpg 742w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1815PostkarteDtBund-300x264.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 742px) 100vw, 742px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Karte der Postlinien von 1815<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus milit\u00e4rischen Gr\u00fcnden wurde vor\u00fcbergehend eine <strong>erste Poststation auf Rantzau<\/strong> eingerichet. Der \u00fcbliche Postdienst verlief nicht \u00fcber Barmstedt oder die Rantzauer Administratur, sondern diese lie\u00df ihre eigenen Briefe von laufreisepflichtigen Untertanen \u00fcber die n\u00e4chstgelegene <strong>Poststation Elmshorn<\/strong> besorgen. Die Dienstpflichtigen hatten jedoch inzwischen einen Boten angestellt, der wohl auch Privatbriefe mitbef\u00f6rderte. Die <strong>Feldpoststation<\/strong>, eingef\u00fchrt im September 1807, hatte nur Bestand bis zum Kriegsende im Januar 1815. Sie hatte die Aufgabe, die \u00fcber Stafetten eingehenden Briefe weiterzuleiten und daf\u00fcr 2 &#8211; 6 Ordonnanzen st\u00e4ndig in Bereitschaft zu halten, die wiederum ihre eigenen Pferde stellen mussten. Nach 5 Tagen erfolgte jeweils eine Abl\u00f6sung. Briefe mit 2 Siegeln sollten in einer 3\/4 Stunde mindestens eine Meile (= 8,8 km), mit 3 Siegeln noch schneller bef\u00f6rdert werden. In Richtung Kopenhagen war die n\u00e4chste Feldpostation in Bramstedt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/FiedrichVIvidenmark.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1355\" width=\"208\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/FiedrichVIvidenmark.jpg 420w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/FiedrichVIvidenmark-217x300.jpg 217w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Friedrich VI.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Friedrich VI. neuer K\u00f6nig von D\u00e4nemark:<\/strong> 1808 wurde der bisher schon regierende Kronprinz <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_VI._%28D%C3%A4nemark_und_Norwegen%29\" target=\"_blank\">Friedrich VI.<\/a> nach dem Tod seines nicht regierungsf\u00e4higen Vaters Christian VII. auch offiziell K\u00f6nig von D\u00e4nemark etc. Unter seiner Herrschaft konnten Minister wie Ernst Heinrich von Schimmelmann fortschrittliche politische Ver\u00e4nderungen wie die Bauernbefreiung durchsetzen. Die Schollenbindung und die Leibeigenschaft hatte er bereits abgeschafft. Trotz der absolutistischen Staatsverfassung galt weiterhin die von Struensee eingef\u00fchrte absolute Pressefreiheit und diese f\u00fchrte zusammen mit der aufkl\u00e4rerischen und an Menschenrechtsthemen interessierten Regierung zu einer ideellen Allianz mit Frankreich, die durch die britischen \u00dcberf\u00e4lle auf Kopenhagen 1801 und 1807 schlie\u00dflich auch zu einem milit\u00e4rischen B\u00fcndnis wurde. Aus diesem Grunde wurde Holstein im Unterschied zu den meisten deutschen Territorien, wie Hamburg oder Hannover, nicht von franz\u00f6sischen Truppen besetzt. Zur Durchsetzung der Kontinentalsperre verst\u00e4rkten sie jedoch die verb\u00fcndeten d\u00e4nischen Truppen und kontrollierten selbst die H\u00e4fen und Verbindungslinien.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/August_Hennings.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1339\" width=\"210\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/August_Hennings.jpg 399w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/August_Hennings-237x300.jpg 237w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">August von Hennings<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ab 1808 wurde <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/August_Adolph_von_Hennings\" target=\"_blank\">August Adolph von Hennings<\/a> neuer Administrator auf Rantzau und erster Bewohner des neuen Herrenhauses auf der Schlo\u00dfinsel. Er war die sicherlich interessanteste und auch bekannteste Pers\u00f6nlichkeit auf diesem Posten. Vor seiner Ernennung zum Administrator in dem von aller Politik weit abgeschiedenen, idyllischen Rantzau hatte er sich bereits einen Namen gemacht als Vork\u00e4mpfer der Aufkl\u00e4rung und Menschenrechte, Staatsmann und Schriftsteller.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>August von Hennings &#8211; Literarischer Vork\u00e4mpfer der Aufkl\u00e4rung<\/strong>: Er stammte aus Pinneberg, war dort als Sohn des Amtmannes Martin Hennings geboren, dessen Hausarzt \u00fcbrigens Struensee gewesen war, war in seiner Jugendzeit eng befreundet mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Heinrich_von_Schimmelmann\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ernst Heinrich von Schimmelmann<\/a>, dem Sohn des d\u00e4nischen &#8222;Schatzmeisters&#8220;, der selbst Finanzminister wurde, hatte zun\u00e4chst zur Zeit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andreas_Peter_von_Bernstorff\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Andreas Peter von Bernstorffs<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Friedrich_Struensee\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Johann Friedrich Struensees<\/a> am Hof in Kopenhagen verschiedene Verwaltungs\u00e4mter bekleidet, erlebte Struensees Sturz dort mit, anf\u00e4nglich bejahend, mit den Strafen aber nicht einverstanden, war befreundet mit dem neuen Minister Guldberg, wurde dann im d\u00e4nischen diplomatischen Dienst nach Berlin geschickt und erlebte dort noch Friedrich II, den &#8222;Alten Fritz&#8220;. Hier befreundete er sich eng mit dem Philosophen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Moses_Mendelssohn\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Moses Mendelssohn<\/a>, dem Vorbild f\u00fcr Lessings &#8222;Nathan den Weisen&#8220;, von dem er erfuhr, dass sein ehemaliger Schulfreund Kestner in <strong>Goethes<\/strong> &#8222;Leiden des jungen Werthers&#8220; in v\u00f6llig verdrehten Zusammenh\u00e4ngen dargestellt worden war, woher bei ihm eine tiefe Abneigung gegen Goethe entstand. (Ritschl, S.24) Seine Schwester war mit dem Professor am Akademischen Gymnasium in Hamburg <strong>Dr. Reimarus<\/strong>, dem Sohn des ber\u00fchmten Vaters der Bibelkritik und Freund Lessings, Albert Reimarus, verheiratet und betrieb ihre &#8222;Teestube&#8220; als literarischen Salon, in dem man die wichtigsten Werke der sch\u00f6ngeistigen Literatur und Philosophie las. Er stieg in Kopenhagen zwar zum Staatsrat auf, verlie\u00df dann aber nach einem Regierungswechsel die Hauptstadt, da sein ehemaliger enger Freund Ernst Schimmelmann, der 1784 nach dem Sturz Guldbergs Finanzminister wurde, ihn nicht mehr einbeziehen wollte, wahrscheinlich weil Hennings in seinem Epos &#8222;Olavides&#8220; zu aufr\u00fchrerische Gedanken ge\u00e4u\u00dfert hatte. (Ritschl, S. 40) Er verbrachte mit seiner Frau Eleonore und seinen kleinen Kindern drei Jahre in Schleswig, ver\u00f6ffentlichte jetzt seine &#8222;Philosophischen Versuche&#8220;, beeinflusst von Rousseau, Locke, Hume und Mendelssohn. 1785 folgte &#8222;\u00dcber die wahren Quellen des Nationalwohlstandes&#8220;, in dem er &#8222;Staatswirtschaft, Staatskunst und Staatsklugheit mit den Pflichten der Menschheit, mit Moral und Religion&#8220; verbinden wollte (Ritschl, S. 58), und schlie\u00dflich 1786 das vierb\u00e4ndige Werk &#8222;Gegenw\u00e4rtiger Zustand der Besitzungen der Europ\u00e4er in Ostindien&#8220;. 1787 erhielt er wieder eine Stelle, n\u00e4mlich als <strong>Amtmann in Pl\u00f6n<\/strong>, wo er als Dienstsitz einen Fl\u00fcgel des Schlosses bewohnte. Die franz\u00f6sische Revolution zwei Jahre sp\u00e4ter begr\u00fc\u00dfte er zun\u00e4chst, wie fast alle Gebildeten und ver\u00f6ffentlichte dazu mehrere Schriften. 1793 gab Hennings eine Zeitschrift mit dem Titel &#8222;Schleswiger Journal&#8220; heraus, die aber bald auf preu\u00dfischen Druck hin verboten wurde, weil er hier mit dem revolution\u00e4ren Schriftsteller <strong>Johann Heinrich Vo\u00df<\/strong> zusammenarbeitete. Daraufhin gab er eine neue Zeitschrift unter dem Titel Genius der Zeit heraus, die von 1794 bis 1802 erschien. Hier erschienen Artikel und kritische Berichte zu Politik und Literatur, die den Zeitgeist beschrieben. Er lieferte sich hier auch eine scharfe Auseinandersetzung mit Goethe, der zusammen mit Schiller den &#8222;Genius der Zeit&#8220; und Hennings pers\u00f6nlich in seinen &#8222;Xenien&#8220; und im Faust, Teil 1, angegriffen hatte. 1792 schrieb Hennings &#8222;Wider den Adelsgeist&#8220;, in dem er den Adel kennzeichnet als den &#8222;unerm\u00fcdete(n) Emp\u00f6rer gegen Regenten und die Gei\u00dfel des unteren Standes&#8220; (Ritschl, S.76). Diese Kritik ist interessant, weil er selbst in den Adelsstand erhoben worden war und hoher Beamter eines monarchischen Staates war. Widerspruch erhielt er deshalb auch vom <strong>Emkendorfer Kreis<\/strong>, in dem ein konservativ-romantisches Staatsideal vertreten wurde. Dieser Kreis mit seinem literarischen Wortf\u00fchrer Matthias Claudius sah in Hennings wie in Herzog Friedrich von Augustenburg, Vo\u00df, Ernst Schimmelmann und Adam von Moltke seine Gegner. Als die Revolution 1792 mit den Septembermorden und der Jakobinerherrschaft unter Robespierre blutig wurde, kamen <strong>Fl\u00fcchtlingswellen aus Frankreich<\/strong> in Hamburg und Holstein an, die auch von Hennings unterst\u00fctzt wurden. Er unterhielt nach Ritschl in dieser Zeit teils enge Beziehungen zu Menschen wie <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marie-Joseph_Motier,_Marquis_de_La_Fayette\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Marquis de La Fayette<\/a>, dem Helden der amerikanischen und franz\u00f6sischen Revolution, jetzt aber in Ungnade gefallen, zu Jacobi, Vo\u00df und dem <strong>Gesandten der revolution\u00e4ren franz\u00f6sischen Regierung in Hamburg<\/strong>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Friedrich_Reinhard\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Karl Friedrich Reinhard<\/a>, dessen Schwager er schlie\u00dflich wurde<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Antibritische Stimmung nach \u00dcberfall auf Kopenhagen:<\/strong> Nach dem \u00dcberfall der britischen Flotte auf Kopenhagen am 12.08.1807, bei dem 500 H\u00e4user zerst\u00f6rt und 2000 Menschen get\u00f6tet worden waren, schlug die Stimmung in D\u00e4nemark und den Herzogt\u00fcmern gegen England um. Daher wurde der Kurswechsel der Kopenhagener Regierung \u00f6ffentlich begr\u00fc\u00dft. Hatte vorher die d\u00e4nische Armee noch den S\u00fcden Holsteins gesichert, wurde nun nach der Kapitulation und erzwungenen \u00dcbergabe der d\u00e4nischen Kriegsmarine an England ein B\u00fcndnis mit Frankreich geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom 24. bis 27. Februar 1808 wurden die Landwehrleute in der Grafschaft Rantzau gezogen. Kurz darauf, am 8. M\u00e4rz, zogen zur Durchsetzung der Kontinentalsperre napoleonische Armeeteile, bestehend aus franz\u00f6sischen, holl\u00e4ndischen und spanischen Soldaten, durch Elmshorn. (Brockmann, Ehlers)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hennings ab 1808 auf Rantzau<\/strong>: M\u00f6glicherweise um einen ruhigeren Ort als Pl\u00f6n zu finden, hatte von Hennings den regierenden Kronprinzen mehrfach um die durch Tod des Vorg\u00e4ngers im August 1807 freigewordene Stellung in Rantzau gebeten und erhielt sie schlie\u00dflich im Mai 1808. Nach Hamburg, wo seine T\u00f6chter C\u00e4cilie Wattenbach und Louise Sieveking wohnten, war es nur 4 Meilen und man konnte an einem Tag mit der Kutsche sowohl hin als auch zur\u00fcck fahren. Auf Rantzau hatte Hennings im Bereich des Vorwerks einen gro\u00dfen Garten, den er nach den Tagebuchaufzeichnungen seiner Enkelin selbst angelegt hatte. Sie schreibt dar\u00fcber:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1818_thorStraten_Schlossinseln-863x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1327\" width=\"380\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1818_thorStraten_Schlossinseln-863x1024.jpg 863w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1818_thorStraten_Schlossinseln-253x300.jpg 253w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1818_thorStraten_Schlossinseln-768x911.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1818_thorStraten_Schlossinseln-1295x1536.jpg 1295w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1818_thorStraten_Schlossinseln-1727x2048.jpg 1727w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1818_thorStraten_Schlossinseln.jpg 1784w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zeichnung Hildemar thor Straten 1818. Quelle: LAS Abt.66, Nr.4362. S\u00fcdosten = oben, farblich nachbearbeitet von Helmut Trede in &#8222;Schlossinsel Rantzau. Ein geschichtlicher R\u00fcckblick, Bokel 2011<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>&#8222;<em>Eine tiefe Au, ein M\u00fchlenteich und kleinere Kan\u00e4le bilden verschiedene Inseln, durch Br\u00fccken verbunden. Auf einer derselben liegt das Wohnhaus mit einem Wirtschaftsgeb\u00e4ude, durch eine Br\u00fccke mit einer Insel verbunden, die zur Bleiche dient. Zur anderen Seite f\u00fchrt eine Br\u00fccke auf eine dritte Insel, welche das Gerichtshaus trug, abermals f\u00fchrt eine vierte Br\u00fccke auf die vierte Insel mit dem Wohnhaus des Amtsverwalters und mit Hennings\u00b4 Kuhhaus und Pferdestall. Dieses Eiland verband eine Zugbr\u00fccke mit dem festen Lande, und dort befand sich erst der eigentliche Garten, ein Blumen- und Gem\u00fcsegarten. Rabatten mit Rosen und Johannisbeerstr\u00e4uchern und vielen Sommerblumen fa\u00dften lange gerade Wege ein. Buchenhecken bildeten Bogeng\u00e4nge; drei Fischteiche, ein Lusthaus, ein Brunnen und eine Moosh\u00fctte waren merkw\u00fcrdige Punkte und die sch\u00f6nsten Erdbeerbeete breiteten sich verlockend zwischen Rasen und Fruchtb\u00e4umen aus. Ich glaube, da\u00df dies alles noch nicht da war, als die Familie im Mai 1808 Besitz nahm von der neuen St\u00e4tte.<\/em>&#8220; (Ritschl, S. 157)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hamburger Enkelkinder befanden sich mit ihren Familien oft hier, da sie wie alle Hamburger unter den Folgen der franz\u00f6sischen Besatzung zu leiden hatten. Hennings kaufte 1812 zu seinen Amts\u00e4ckern noch den Hof Bollenkuhlen und betrieb jetzt eine richtige eigene Landwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hauslehrer <strong>J. Lohse<\/strong>, der die Hennings-Kinder auf Rantzau unterrichtete, zeichnete 1811 &#8222;nach den neusten Vermessungen&#8220; die nebenstehende <strong>erste Karte der Grafschaft Rantzau<\/strong>, die zusammen mit der umfassenden Darstellung thor Stratens eine Fundgrube geografischer, \u00f6konomischer und soziologischer Daten dieser Zeit ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"789\" height=\"768\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/GrafschaftRantzauLohse1811-kompr.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1361\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/GrafschaftRantzauLohse1811-kompr.jpg 789w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/GrafschaftRantzauLohse1811-kompr-300x292.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/GrafschaftRantzauLohse1811-kompr-768x748.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 789px) 100vw, 789px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Grafschaft Rantzau des J.Lohse von 1811, Lehrer zu Rantzau, gewidmet dem Pastor Arminius K\u00f6ster, Elmshorner Stadtarchiv<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Idylle auf Rantzau war in dieser Zeit sehr gest\u00f6rt durch das Verh\u00e4ltnis zwischen Hennings und dem Amtsverwalter <strong>thor Straten<\/strong>. Die Meinungsverschiedenheiten m\u00fcndeten in gegenseitigen Beschwerden vor dem Schleswig-Holsteinischen Obergericht in Gl\u00fcckstadt und eskalierten im Jahr 1816, als Wilhelm, der Sohn von Hennings, inzwischen Leutnant der hannoverschen Armee, thor Straten wegen Beleidigung seines Vaters zum Duell aufforderte. Erst <strong>1823 wurde thor Straten nach Ahrensb\u00f6k<\/strong> <strong>versetzt<\/strong>, \u00fcbergab aber noch im gleichen Jahr &#8211; nach 22 Jahren T\u00e4tigkeit als Amtsverwalter und Hausvoigt &#8211; eine umfangreiche handgeschriebene &#8222;<strong>Beschreibung der Grafschaft Rantzau<\/strong>&#8222;, eine kameralistische Darstellung der Administratur mit geschichtlichen Erl\u00e4uterungen von 738 Seiten an die K\u00f6nigliche Rentekammer in Kopenhagen. Diese Darstellung wurde offensichtlich Grundlage f\u00fcr die sp\u00e4tere Ver\u00f6ffentlichung Rauerts aus dem Jahre 1840. Erst Helmut Trede ver\u00f6ffentlichte im Jahr 2005 dieses Werk und machte es damit f\u00fcr weitere Auswertungen zug\u00e4nglich. Die Angaben sind au\u00dferordentlich detailreich und bieten ein gro\u00dfes Potential f\u00fcr die Lokalgeschichtsforschung. (s. Literaturliste)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Cover-thorStraten-655x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1346\" width=\"297\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Cover-thorStraten-655x1024.jpg 655w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Cover-thorStraten-192x300.jpg 192w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Cover-thorStraten-768x1200.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Cover-thorStraten.jpg 882w\" sizes=\"auto, (max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Beziehung von Hennings zu <strong>Graf Reinhard<\/strong>, dem Mann seiner Nichte, blieb bei den seltenen Treffen, die noch m\u00f6glich waren, gut, wurde aber h\u00f6chst diplomatisch, wenn es um Politik ging. Reinhard war w\u00e4hrend des ersten Koalitionskrieges franz\u00f6sischer Gesandter in Hamburg gewesen, sollte jetzt aber Gesandter Napoleons bei dessen Bruder Jerome, dem K\u00f6nig von Westfalen, werden. Daher vertrat dieser teils v\u00f6llig entgegengesetzte Interessen zu Hennings, der die Hamburger und d\u00e4nische Seite einnahm. F\u00fcr die <strong>Hamburger und Holsteiner war das Verbot jeglicher Schifffahrt eine <\/strong>Katastrophe. Daher bl\u00fchte der <strong>Schmuggel<\/strong> mit Kaffee und Baumwolle auf den Verbindungswegen zwischen den H\u00e4fen Husum und T\u00f6nning mit Hamburg. Handelsh\u00e4user, wie das der Sievekings, brachen zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Napoleons Niederlage in Russland<\/strong>: Nachdem der urspr\u00fcnglich noch mit Frankreich verb\u00fcndete russische Zar Alexander die Kontinentalsperre gegen England aufhob, begann Napoleon im Juni 1812 unter Beteiligung des (deutschen) Rheinbundes einen Feldzug gegen Russland, der nach dem Brand Moskaus, das als Winterquartier der Eroberungsheere dienen sollte, in einer verheerenden Niederlage endete.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8626\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Feindliche Einquartierungen nach der franz\u00f6sisch-d\u00e4nischen Niederlage<\/h2><div id=\"ac-8626\" class=\"c-accordion__content\">\n<p><strong>Russen besetzen Hamburg<\/strong>: Die Niederlage der Grande Arm\u00e9e in Russland f\u00fchrte auch in Holstein und Hamburg zu einem Stimmungswechsel. Am 24.02.1813 kam es zu einem Aufstand und Morden an franz\u00f6sischen Douaniers zwischen Altona und Hamburg. Am 12.03.1813 zogen sich die Franzosen pl\u00f6tzlich zur\u00fcck und russische Truppen unter Oberst Tettenborn, einem Deutschen aus Baden, zogen unter gro\u00dfem Jubel der Bev\u00f6lkerung ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im gleichen Jahr besetzten russische Truppen auch Elmshorn.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/KirchenalsPferdestall.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1369\" width=\"416\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/KirchenalsPferdestall.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/KirchenalsPferdestall-300x213.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/KirchenalsPferdestall-768x545.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 416px) 100vw, 416px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Kirchen Hamburgs wurden im Winter 1813\/14 zu Pferdest\u00e4llen umgewandelt (Lithografie von Peter Suhr)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Franzosen kehren zur\u00fcck und bauen Hamburg zur Festung aus<\/strong>: Jetzt wurde eine Hanseatische Legion aus Freiwilligen Hamburgern und L\u00fcbeckern gebildet, die gegen die Franzosen ins Feld ziehen sollten. Tettenborn lie\u00df sich pers\u00f6nlich die Befreiung Hamburgs mit 5000 Louisdors bezahlen, verschwand aber mit seinen Truppen aus der Stadt, als die Franzosen unter Marschall Davout zur R\u00fcckeroberung schritten. D\u00e4nemark hatte 1813 auf die falsche Karte gesetzt. Um nicht Norwegen zu verlieren, schloss es sich wieder Frankreich an. Als die Russen und Preu\u00dfen aus Hamburg abgezogen waren, besetzten d\u00e4nische Truppen die Stadt, um die Franzosen wieder hereinzulassen. Davout errichtete ein hartes Zwangsregiment und bestrafte Hamburg durch Auferlegung von Kontributionen in H\u00f6he von 48 Millionen Francs, die er in Form der Silberbarren der Hamburger Bank beschlagnahmte. Nach der gewonnenen &#8222;V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig&#8220; r\u00fcckten schwedische und preu\u00dfische Truppen gegen Holstein vor und russische Truppen schlossen Hamburg ein. Die Stadt wurde entsprechend dem damaligen Kriegsrecht wieder &#8211; unter Zwangsarbeit der Bev\u00f6lkerung &#8211; zur Festung ausgebaut, in den Vororten wurden die H\u00e4user abgebrochen und die B\u00e4ume abgeholzt, um ein \u00fcbersichtliches Schussfeld zu bekommen. Alle Kirchen wurden Pferdest\u00e4lle, alle B\u00fcrger mussten sich f\u00fcr 6 Monate verproviantieren. Wer das nicht konnte, wurde an 24.Dezember 1813 aus der Stadt ausgewiesen. Das betraf mehrere Tausend Menschen, die aus ihren H\u00e4usern geholt, die Nacht \u00fcber in der Petrikirche festgehalten und dann bei strenger K\u00e4lte aus der Stadt getrieben wurden. Altona nahm zwar die Vertriebenen auf, aber 1138 von ihnen starben an K\u00e4lte und Untereren\u00e4hrung. Davout sollte Hamburg so tats\u00e4chlich bis zur Abdankung Napoleons verteidigen. Im August 1813 traten England, Schweden und \u00d6sterreich dem B\u00fcndnis der Russen und Preu\u00dfen bei. Am Ende des Krieges, als Napoleon in Russland und auf den \u00fcbrigen Schlachtfeldern geschlagen war, k\u00e4mpfte 1813\/14 eine russisch-preu\u00dfisch-schwedische Armee auch in den Herzogt\u00fcmern gegen D\u00e4nemark, das in kurzer Zeit besiegt wurde. Am 30. Mai 1814 verlie\u00dfen die letzten franz\u00f6sischen Besatzungssoldaten die katastrophal zugerichtete Stadt. Klessmann, S.311-329)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Koalitionstruppen in Barmstedt<\/strong>: Von Rantzau und Barmstedt aus, wo einige Fl\u00fcchtlinge Zuflucht gesucht hatten, soll man den Feuerschein der brennenden H\u00e4user des Hamburger Randgebietes gesehen haben. Hennings Sohn Wilhelm war als Soldat auf die antifranz\u00f6sische Seite gegangen und r\u00fcckte jetzt mit dem Feldbatallion Lauenburg gegen die D\u00e4nen in Holstein vor. <strong>Diese Koalitions-Truppen fluteten auch \u00fcber Barmstedt hinweg, um die d\u00e4nische Festung Gl\u00fcckstadt einzuschlie\u00dfen.<\/strong> Am 1. Januar 1813 kamen feindliche englische Husaren mit 4000 Mann nach Barmstedt und Gro\u00dfendorf. Da sie sich in Feindesland sahen, brandschatzten sie den Ort und erbeuteten dabei 1200 Mark. Am 5. Januar wurde nach 14 Tagen Belagerung Gl\u00fcckstadt \u00fcbergeben. (Brockmann) Am 9. Dezember 1813 r\u00fcckten schwedische Husaren in Barmstedt und Rantzau ein. Von jetzt an bis in den Februar mussten die Bewohner die Einquartierung und Verpflegung der Truppen hinnehmen. Nach den Schweden kamen die Russen, dann die Preu\u00dfen, schlie\u00dflich wieder Engl\u00e4nder, Hannoveraner und die Hanseatische Legion. In Rantzau lie\u00dfen sich die Offiziere und Gener\u00e4le auftischen und die Betten machen, in den anderen H\u00e4usern die &#8222;Gemeinen&#8220;. Sie f\u00fchlten sich im Feindesland und sangen nationale Befreiungslieder von Theodor K\u00f6rner, der als Mitglied des auch hier einquartierten L\u00fctzowschen Freikorps, erst wenige Monate vorher gefallen war. Als die Einquartierungen endlich beendet waren, folgte eine Typhusepidemie, der viele zum Opfer fielen. (Ritschl, S.167ff)<\/p>\n\n\n\n<p>Im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Frieden_von_Kiel\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Frieden von Kiel<\/a> vom Januar 1814 musste D\u00e4nemark auf Norwegen verzichten, so dass die seit 1380 bestehende Personalunion beider L\u00e4nder aufgel\u00f6st wurde. Norwegen fiel jetzt an Schweden, das seinerseits Finnland an Russland hatte abgeben m\u00fcssen. Au\u00dferdem musste D\u00e4nemark Helgoland an England abtreten. Daf\u00fcr erhielt es das ehemals schwedische Vorpommern, gab es aber 1815 weiter an Preu\u00dfen, wof\u00fcr es wiederum das Herzogtum Lauenburg erhielt. Das Wirtschaftsleben im d\u00e4nischen Gesamtstaat war am Ende des Krieges vollkommen zerr\u00fcttet, der Staat seit 1813 bankrott. (Bohn, S.87)<\/p>\n\n\n\n<p>1814 wurde eine <strong>Allgemeine Schulordnung<\/strong> in Holstein mit Schulpflicht f\u00fcr alle Kinder sowie eine reglementierte Ausbildung und Entlohnung der Lehrer eingef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verbannung Napoleons nach Elba und Herrschaft der hundert Tage<\/strong>: Paris wurde im M\u00e4rz 1814 von russischen und preu\u00dfischen Truppen eingenommen. Der russische Kaiser und der preu\u00dfische K\u00f6nig zogen mit Paraden unter Jubel ein. Der Senat erkl\u00e4rte Napoleon f\u00fcr abgesetzt und berief Ludwig XVIII. als neuen K\u00f6nig. Napoleon Bonaparte wurde jetzt die Insel Elba zugewiesen, von wo er allerdings am 1. M\u00e4rz 1815 nach Paris zur\u00fcckkehrte und die Macht zur\u00fcckerlangte. Die Kriegsgegner hatten in Wien bereits mit Verhandlungen \u00fcber die Neuordnung Europas begonnen und griffen nun erneut Frankreich an. Nach anf\u00e4nglichen Erfolgen unterlag Napoleon in der Schlacht bei Waterloo (Belgien) den englischen Truppen unter Wellington und den preu\u00dfischen unter Bl\u00fccher. Nach seiner erneuten Abdankung im Juni 1815 wurde der Korse auf die S\u00fcd-Atlantikinsel St. Helena verbannt, wo er 1821 starb. 1840 wurden seine \u00dcberreste nach Paris in den Invalidendom \u00fcberf\u00fchrt und dort in einem Sarkophag aufgebahrt.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8627\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Nach 1815 &#8211; die Zeit von Verfassungsdebatte, entstehendem Nationalismus und beginnender Industrialisierung<\/h2><div id=\"ac-8627\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Auf dem <strong>Wiener Kongress<\/strong> 1815 wurde nach der endg\u00fcltigen Niederlage Napoleons eine <strong>Neuordnung Europas<\/strong> beschlossen. Diese Niederlage wurde gleichzeitig auch zu einem Sieg der konservativen Monarchien und F\u00fcrstent\u00fcmer \u00fcber die Ideen der Franz\u00f6sischen Revolution. Auf dem Kongress wurden die Forderungen nach politischer Freiheit und sozialen Rechten zur\u00fcckgeschraubt auf den Anspruch der V\u00f6lker auf gewisse parlamentarische Mitbestimmungsrechte in weiterhin monarchischen Staaten. Die neue Staatenordnung sah vor, dass Preu\u00dfen von D\u00e4nemark Schwedisch-Pommern mit R\u00fcgen im Tausch gegen das Herzogtum Lauenburg erhielt. Weil Preu\u00dfen au\u00dferdem Westfalen und die Rheinprovinz erhielt, wurde es so zum Motor der wirtschaftlichen und politischen Einigung (Nipperdey). Hamburg, L\u00fcbeck und Bremen wurden wieder souver\u00e4ne Stadtstaaten und aus dem Kurf\u00fcrstentum Braunschweig-L\u00fcneburg wurde das in Personalunion mit England verbundene K\u00f6nigreich Hannover. D\u00e4nemark, das Napoleon zu lange unterst\u00fctzt hatte, musste im Frieden von Kiel Norwegen an Schweden abtreten. Das von Gro\u00dfbritannien eroberte <strong>Helgoland<\/strong> blieb in dessen Besitz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Europa nach dem Wiener Kongress:<\/strong> Als Ersatz (nicht Rechtsnachfolger) f\u00fcr das 1804 zu Ende gegangene Heilige R\u00f6mische Reich Deutscher Nation wurde der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_Bund\" target=\"_blank\">Deutsche Bund<\/a> aus 41 souver\u00e4nen Staaten und Freien St\u00e4dten mit Osterreich als Pr\u00e4sidialmacht gegr\u00fcndet. Es sollte der Sicherheit nach au\u00dfen und innen dienen. In der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Bundesakte\" target=\"_blank\">Bundesakte<\/a>, dem Gr\u00fcndungsdokument des Deutschen Bundes, verpflichteten sich die beteiligten F\u00fcrsten und St\u00e4dte auf eine Verfassung mit b\u00fcrgerlichen Freiheiten. In der <strong>Bundesversammlung<\/strong> war der d\u00e4nische K\u00f6nig f\u00fcr seine Herzogt\u00fcmer Holstein und Lauenburg vertreten, womit er v\u00f6lkerrechtlich verbindlich das <strong>Inkorporationspatent von 1806 zur\u00fccknahm<\/strong>. Dar\u00fcber hinaus gr\u00fcndeten die Monarchen von Preu\u00dfen, \u00d6sterreich und Russland die <strong>Heilige Allianz<\/strong>, die als wesentliches Ziel der Restauration der monarchischen Machtverh\u00e4ltnisse dienen sollte, also antirevolution\u00e4r war. Der d\u00e4nische K\u00f6nig hatte zwar eine Innenpolitik gef\u00f6rdert, die die Ideale der Revolution teilweise aufnahm, vertrat aber weiterhin eine absolutistische Staatsauffassung. Der von seinen schleswig-holsteinischen Mitpatrioten nach Wien gesandte Adam Gottlob Moltke wollte seinem K\u00f6nig die Forderung nach einer freiheitlichen Verfassungsforderung \u00fcberreichen, wurde von diesem jedoch gar nicht erst vorgelassen. (Degn, S. 203)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"600\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/600px-Deutscher_Bund.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1320\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/600px-Deutscher_Bund.png 600w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/600px-Deutscher_Bund-300x300.png 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/600px-Deutscher_Bund-150x150.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Deutsche Bund von 1815<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Der-Denkerclub_1819.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1349\" width=\"449\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Der-Denkerclub_1819.jpg 750w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Der-Denkerclub_1819-300x172.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 449px) 100vw, 449px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Denkerclub. Karikatur auf die Karlsbader Beschl\u00fcsse<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1819 wurden vom Bundestag die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karlsbader_Beschl%C3%BCsse\" target=\"_blank\">Karlsbader Beschl\u00fcsse<\/a> verabschiedet, die Exekutionsordnung, das Universit\u00e4tsgesetz, das &#8222;Pre\u00dfgesetz&#8220; und das Untersuchungsgesetz, womit \u00f6ffentliche schriftliche Meinungsfreiheit und die Burschenschaften verboten wurden, die Universit\u00e4ten \u00fcberwacht, die Turnpl\u00e4tze geschlossen, die Zensur der Presse eingef\u00fchrt bzw. versch\u00e4rft und liberale und national gesinnte Professoren entlassen wurden, sofern sie ihre Einstellungen ihren Sch\u00fclern mitteilten. Alle Ver\u00f6ffentlichungen unter 20 Bogen, d.h. 320 Seiten unterlagen einer Vorzensur, umfangreichere Schriften mussten sich einer Nachzensur unterziehen. Diese Beschl\u00fcsse griffen tief in die Rechtstraditionen der einzelnen Staaten ein, wurden jedoch nicht \u00fcberall ver\u00f6ffentlicht. Auch im Herzogtum Holstein waren jetzt liberale und nationale, v.a. demokratische Gedanken und Konzepte. Sie galten als aufr\u00fchrerisch und wurden als Volksverhetzung hart bestraft. Unter diesen &#8222;Demagogen&#8220;verfolgung hatten Menschen verschiedenster Auffassungen zu leiden, u.a. Ernst Moritz Arndt, Karl Marx, Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Hans Ferdinand Ma\u00dfmann, Christian Sartorius, Georg B\u00fcchner, Fritz Reuter, Friedrich Ludwig Jahn. Die von Letzterem ins Leben gerufenen Turnvereine wurden (bis 1842) verboten, weil der Anlass f\u00fcr die Karlsbader Beschl\u00fcsse die Ermordung Kotzebues durch den Turner und Burschenschafter <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Ludwig_Sand\" target=\"_blank\">Karl Ludwig Sand<\/a> im Jahre 1818 gewesen war. Sand wurde nach seiner Hinrichtung 1820 zu einer Ikone des Vorm\u00e4rz.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Mitte des 18. Jahrhunderts fand &#8211; zun\u00e4chst im Bereich von Technik und Wirtschaft &#8211; ein <strong>Modernisierungsprozess<\/strong> statt, der von England ausgehend jetzt auch in den Herzogt\u00fcmern langsam an Fahrt gewann. Nach den Kriegsjahren kam es in den 1820er Jahren langsam zu einer wirtschaftlichen Wiederbelebung im Zeichen der Fr\u00fchindustrialisierung. Allerdings waren die Verh\u00e4ltnisse gegen\u00fcber Preu\u00dfen, Sachsen und Gro\u00dfst\u00e4dten wie Hamburg noch sehr r\u00fcckst\u00e4ndig. Die <strong>Agrarkrise<\/strong> infolge der Bauernbefreiung und der napoleonischen Kriege wurde \u00fcberwunden und besonders durch die <strong>Verkehrsrevolution<\/strong> konnte der landwirtschaftliche und gewerbliche Absatz, aber auch die \u00fcberregionale Versorgung der M\u00e4rkte mit modernen Waren aus industrieller Produktion stark gesteigert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 1819 fuhr mit der Calendonia das erste <strong>Dampfschiff<\/strong> zwischen Kopenhagen und Kiel und 1827 wurde die erste Dampfschifflinie zwischen Hamburg und Gl\u00fcckstadt eingerichtet. Die Dampfschiffe fuhren schneller, waren weniger vom Wetter abh\u00e4ngig und konnten so mehr Personen und G\u00fcter transportieren. Das katastrophale Stra\u00dfennetz, das nur aus kaum befestigten Wegen bestand, erhielt nach und nach durch <strong>Chausseen<\/strong> sichere und schnellere Achsen. 1832 wurde die erste moderne gepflasterte Stra\u00dfe in den Herzogt\u00fcmern gebaut. Sie f\u00fchrte von Altona \u00fcber Quickborn und Bramstedt nach Kiel und sollte die Transitstrecke von Kopenhagen nach Altona erg\u00e4nzen, so dass der wichtigste d\u00e4nische Ausfuhrhafen besser erreicht werden konnte. Ab Anfang der 1840er Jahre wurde dann der Transport durch <strong>Eisenbahnlinien<\/strong> revolutioniert. Die erste Eisenbahn fuhr ab 1844 zwischen Altona und Kiel auch durch Elmshorn. Dadurch wurde der Warenaustausch gef\u00f6rdert, neue Absatzm\u00e4rkte erschlossen, Manufakturen und sp\u00e4ter Fabriken erm\u00f6glicht und die Mobilit\u00e4t der Menschen immens gesteigert. Gleichzeitig verdoppelte sich die <strong>Bev\u00f6lkerungszahl<\/strong> im Laufe des Jahrhunderts von 600.000 im Jahr 1803 auf 1,2 Millionen 1890 an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste <strong>Dampfmaschine<\/strong> in den Herzogt\u00fcmern wurde 1824 in der Textilfabrik Renck in Neum\u00fcnster aufgestellt und der erste industrielle Gro\u00dfbetrieb entstand 1827 mit der Carlsh\u00fctte in B\u00fcdelsdorf bei Rendsburg. Das f\u00fcr industrielle Investitionen notwendige <strong>Kapital<\/strong> kam kaum aus der Landwirtschaft. Hier wurde es eher f\u00fcr die Vergr\u00f6\u00dferung der eigenen Betriebe angelegt. Banken gab es in der ersten H\u00e4lfte des Jahrhunderts nicht, lediglich Sparkassen. Aber diese befassten sich nicht mit Industriefinanzierung. Lediglich im Handel und bei Handwerkern konnte solches &#8222;Wagniskapital&#8220; gewonnen werden und in zun\u00e4chst einzelnen Projekten angelegt. (Wulf, S. 53)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8628\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Grafschaft Rantzau und Barmstedt ab 1815<\/h2><div id=\"ac-8628\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"448\" height=\"336\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/KrueckauWeb.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1370\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/KrueckauWeb.jpg 448w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/KrueckauWeb-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kr\u00fcckau unterhalb Barmstedts<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Walf\u00e4nger aus der &#8222;Grafschaft Rantzau&#8220; vor Gr\u00f6nland<\/strong>: 15 Elmshorner B\u00fcrger kauften 1816 f\u00fcr 15.000 Courant Mark die Bark &#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/martinm.twoday.net\/stories\/5116880\/\" target=\"_blank\">Flora<\/a>&#8222;, um mit ihr ab 1817 Fahrten in die gr\u00f6nl\u00e4ndischen Gew\u00e4sser zum Walfang zu unternehmen. Au\u00dfer der &#8222;Flora&#8220; fuhren noch drei weitere Fangschiffe von Elmshorn aus. Der Walfang wurde wegen des Trans v. a. als Lampen\u00f6l, aber auch f\u00fcr Seifen, Salben, Suppen, Farben, Gelatine oder Fette und der Barten wegen des Fischbeins f\u00fcr die elegante Mode f\u00fcr 50 Jahre ein wichtiger Wirtschaftsfaktor f\u00fcr Elmshorn. Aber auch in Barmstedt wurde der Erfolg der Flotte genau beobachtet. Der Lehrer J.J. Brockmann notiert in seinem Tagebuch f\u00fcr 1819: &#8222;Auch dieses Jahr haben die Gr\u00f6nl\u00e4nder nicht viel gefangen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings war die <strong>Befahrbarkeit der Kr\u00fcckau von Elmshorn bis zur Elbe<\/strong> durch die vielen Schleifen &#8211; u. a. die Kruck &#8211; und die Verschlickung wegen der Tide stark beeintr\u00e4chtigt. Daher wurde in den Jahren 1827 bis 1829 nach Empfehlungen einer Kommission \u201eder Au eine Tiefe von 5 \u00bd Fu\u00df unter ordinairer Fluth bei 23 Fu\u00df Bodenbreite&#8220; gegeben, damit eine st\u00f6rungsfreiere Schifffahrt m\u00f6glich wurde. Die ebenfalls geforderte Begradigung fand aber nicht statt, so dass das Problem kaum gel\u00f6st wurde. Darum erlie\u00df die schleswig-holsteinische Regierung auf Gottorf 1837 die erste \u201eWasserstra\u00dfenordnung\u201c f\u00fcr die Kr\u00fcckau. Die Oberaufsicht wurde &#8222;der Rantzauer Administratur, die Feststellung und die Behebung von M\u00e4ngeln der Elmshorner Kirchspielsvogtei \u00fcbertragen.&#8220; (Danker-Carstensen, S.6) Aber erst nachdem Schleswig-Holstein zur preu\u00dfischen Provinz geworden war, wurden entscheidende Verbesserungen vorgenommen<\/p>\n\n\n\n<p>Auch auf <strong>Rantzau und in Barmstedt wurden nach Kriegsende wichtige \u00f6ffentliche Bauma\u00dfnahmen<\/strong>, die man lange hatte aufschieben m\u00fcssen, durchgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der alten <a href=\"http:\/\/www.rantzauer-wassermuehle.de\/index.php\/de\/geschichte\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rantzauer Wasserm\u00fchle<\/a> entstanden 1815 ein <strong>neues M\u00fcllerhaus<\/strong> und die <strong>M\u00fchlenscheune<\/strong>. Auf dem Bild links steht das M\u00fcllerhaus hinter dem alten M\u00fchlengeb\u00e4ude, die Scheune sieht man auf dem zweiten Bild neben dem Wehr, mit dem der Kr\u00fcckaupegel reguliert werden konnte. Leider stehen heute beide Geb\u00e4ude nicht mehr. Das M\u00fcllerhaus wurde nach einem Orkan 1962 abgerissen und die Scheune wegen Bauf\u00e4lligkeit im Jahr 1970. Beide H\u00e4user waren reetgedeckt und im Fachwerkbau errichtet. \u00dcber der Grootd\u00f6r des M\u00fcllerhauses war eingeschnitzt: FR VI (Friedrich VI.) den 14ten Seot.1815. Beide Geb\u00e4ude und die M\u00fchle lagen an der kopfsteingepflasterten, von der H\u00f6lzung her kommenden und am Schlossgraben entlang f\u00fchrenden Landstra\u00dfe, die zwischen ihnen hindurch nach Bevern und Pinneberg f\u00fchrte. Geradeaus ging es nach Heede. (Trede 2011, S.33ff) Auf dem Bild rechts sieht man die Zugbr\u00fccke, die noch bis in die 1830er Jahre existierte und jeden Abend vom Pf\u00f6rtner hochgeklappt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter erneuerte Johann Vo\u00df die <strong>Kr\u00fcckaubr\u00fccken<\/strong> in der Austra\u00dfe (1822) und \u00fcber die Schleusenau am Beverdamm (1823). (Brockmann)<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere wichtige Bauma\u00dfnahme fand auf Rantzau statt. Das <strong>Amtsverwalterhaus<\/strong> war schon seit Jahrzehnten offenbar in einem sehr schlechten Zustand. Sowohl der Legationsrat Hasse als auch sein Nachfolger von Straten schrieben eindringliche Briefe \u00fcber ihre Dienstwohnung an die Rentekammer. (Trede 2011, S. 19ff) Im Jahr 1824 endlich &#8211; nachdem von Straten gegangen war &#8211; wurde ein Neubau errichtet, das oben abgebildete und seit der preu\u00dfischen Zeit so bezeichnete <strong>Gerichtsschreiberhaus<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Flecken Barmstedt wurde 1820 nach dem Vorbild des Pr\u00e4bendenstifts in Elmshorn ein neues <strong>Armenhaus<\/strong> erbaut, mit 8 Wohungen bzw. Zellen, allerdings ohne Kapelle und Glockenturm. Auf dem gleichen Grundst\u00fcck befand sich bis 2012 das Seniorenheim Brunnenstra\u00dfe. (J. J. Brockmann).<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Buergermeisteramt_Reichenstrasse-B100.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1344\" width=\"483\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Buergermeisteramt_Reichenstrasse-B100.jpg 944w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Buergermeisteramt_Reichenstrasse-B100-300x193.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Buergermeisteramt_Reichenstrasse-B100-768x495.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 483px) 100vw, 483px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Elementar-Schulhaus in der Reichenstra\u00dfe<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>1826 reichte die bisherige Schule im Organistenhaus neben der Kirche nicht mehr aus<\/strong>. Hier war seit \u00fcber hundert Jahren die Kirchspielschule gewesen, der jeweilige Lehrer war immer auch gleichzeitig Organist, ebenso hatte der K\u00fcster im 18. Jahrhundert mit zu unterrichten. Die Oberaufsicht lag bei den Pastoren als Schulvisitatoren. Es ging allerdings damals um nicht mehr als ums Buchstabieren, die Anfangsgr\u00fcnde des Lesens und Schreibens, etwas Rechnen und die Unterrichtung im Katechismus. Zudem fand Schule f\u00fcr die meisten Kinder nur im Winter statt. Die zentrale Rolle f\u00fcr das Kirchspiel hatte die Barmstedter Fleckensschule aber inzwischen verloren, weil alle D\u00f6rfer ihre eigenen Schulen gebaut hatten. Aber jetzt war durch das Anwachsen der Kinderzahl auch in Barmstedt und Gro\u00dfendorf eine Platznot entstanden, die auch durch Einrichtung einer Extraklasse in einem Privathaus nicht mehr sinnvoll ausgeglichen werden konnte. Die <strong>neue Schulverordnung<\/strong> von 1826 sah deshalb vor, dass die Schulanstalten &#8222;k\u00fcnftig bestehen 1. aus einer Aufsichtsschule f\u00fcr Kinder bis zum vollendeten 6. Jahre, 2. einer Elementarschule, 3. einer h\u00f6heren Knaben- und M\u00e4dchenschule&#8220;. Die Aufsichtsschule f\u00fcr die Vorschulkinder wurde nicht verwirklicht, aber f\u00fcr die Kinder vom 6. bis zum 10. Lebensjahr wurde ein neues Schulhaus gebaut, n\u00e4mlich das <strong>Elementar-Schulhaus in der Reichenstra\u00dfe<\/strong> (dort, wo heute der Parkplatz an der Abzweigung der Feldstra\u00dfe liegt) und am 18.10.1827 seiner Bestimmung \u00fcbergeben. Es enthielt ein Klassenzimmer und zwei Wohnungen f\u00fcr den zweiten Hauptlehrer und den Elementarlehrer. (D\u00f6ssel, Unsere Schulen, S. 106) 1830 begann hier J. J. Brockmann seine T\u00e4tigkeit als Gehilfe (Hilfslehrer) und verfasste im Laufe seiner Barmstedter Jahre eine Chronik wichtiger Ereignisse, die f\u00fcr die Lokalgeschichte von gro\u00dfem Interesse ist. Das Haus wurde im Laufe der Zeit wohl mehrfach erweitert, um u. a. Platz f\u00fcr den Fleckenschreiber zu schaffen. Als Schule wurde es 1891 durch den Bau eines neuen, sehr viel gr\u00f6\u00dferen Schulgeb\u00e4udes &#8222;Auf dem Akker&#8220;, also nicht weit entfernt, \u00fcberfl\u00fcssig und erhielt eine neue Aufgabe als <strong>Fleckensverwaltung bzw. B\u00fcrgermeisteramt<\/strong>. 1931 zog die Stadtverwaltung dann um in die Bahnhofstra\u00dfe, das Haus an der Reichenstra\u00dfe wurde von jetzt an zu unterschiedlichsten Zwecken genutzt, z. B. von der &#8222;Beratungsstelle f\u00fcr S\u00e4uglingspflege&#8220; in Verbindung von Gemeindeschwester und Evangelischer Frauenhilfe. Dabei wurden u. a. Wanderk\u00f6rbe mit Babyw\u00e4sche ausgeliehen. Ab 1935 musste diese Arbeit an die NS-Frauenschaft abgegeben werden. Kurz vor dem Abriss des Geb\u00e4udes im Jahr 1971 wurde hier noch einer der ersten Tatort-Krimis &#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tatort:_Blechschaden\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Blechschaden<\/a>&#8220; mit Kommissar Finke gedreht. Zur Orientierung \u00fcber die \u00d6rtlichkeiten siehe unten den Stadtplan von 1834<\/p>\n\n\n\n<p>Die zunehmende Armut und die Verpflichtung, den Unterhalt der betroffenen Menschen aus der Gemeindekasse zu bezahlen, veranlasste einige Honoratioren des Fleckens, den Gedanken der <strong>Sparkasse<\/strong> aufzugreifen. Seit 1778 gab es bereits die 9. Klasse der Hamburger Versorgungsanstalt, 1801 wurde in Altona eine \u00e4hnliche Einrichtung geschaffen. Aber w\u00e4hrend in England dieser Gedanke schnell um sich griff, blieben die holsteinischen l\u00e4ndlichen Regionen ablehnend. Die Patriotische Gesellschaft in Hamburg entwickelte daraufhin eine Kampagne mit der englischen Werbeschrift annalo of banks for savings und lie\u00df sie in allen gr\u00f6\u00dferen Gemeinden verteilen. Nachdem auch Itzehoe eine erste Sparkasse gegr\u00fcndet hatte, war <strong>Barmstedt schon 1821 dabei<\/strong>. Die anderen Orte des heutigen Kreises Pinneberg folgten erst mit gro\u00dfem Abstand: Uetersen 1827, Pinneberg 1828, Elmshorn 1838, Wedel 1876, H\u00f6rnerkirchen 1895. Es waren nicht Kaufleute, die die Initiative ergriffen, sondern die Pastoren Chemnitz und Mielck, der Arzt Dr.med.Venndt und der Administrator von Hennings. Das Vorwort zum Plan der Spar- und Leih-Kasse im Flecken Barmstedt zeigt deutlich, dass nicht Wirtschaftsf\u00f6rderung, sondern soziale Vorsorge Pate gestanden hatte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Durch die Spar-Kasse soll denjenigen, welche auf die Zeiten der Krankheit und des Alters Bedacht nahmen, und sich der Sparsamkeit beflei\u00dfigen, Gelegenheit gegeben werden, ihr Erspartes sicher unterzubringen; es soll dadurch verh\u00fctet werden, da\u00df sie nicht um das Geld kommen, was sie er\u00fcbrigt haben, und da\u00df es ihnen nicht geht wie denjenigen, welche ihre zusammengebrachten Kapitale an Andre auf Zinsen ausgeliehen haben, des Geldes verlustig gegangen sind, und in ihren kranken und alten Tagen haben Mangel leiden und zur Armenkasse ihre Zuflucht nehmen m\u00fcssen; es soll dadurch die h\u00e4ufigen Verarmungen und die vielen Ausgaben an die Armen-Kasse vermindert werden; es soll dadurch die Erfahrung erlangt werden, da\u00df die Sparsamen es besser haben als diejenigen, welche ihr Geld unn\u00fctzer und s\u00fcndlicher Weise verthun.<\/em>&#8220; (D\u00f6ssel, S. 157)<\/p>\n\n\n\n<p>1824 wurde eine neue <strong>Kirchenverordnung<\/strong> erlassen: &#8222;Alles Weltliche wird nicht mehr von der Kanzel verk\u00fcndet, sondern vor der Turmt\u00fcr an den Turm geschlagen&#8220;. Im Jahr darauf besserte man im Sommer den <strong>Kirchturm<\/strong> aus und malte die <strong>Uhrscheibe<\/strong> aus. (Tagebuch J. J.Brockmann)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"240\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Postkutsche1820.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1382\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Postkutsche1820.jpg 400w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Postkutsche1820-300x180.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Lithographie von 1820<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im Jahre 1825 erhielt Barmstedt die erste <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.zeitspurensuche.de\/04\/post2.htm\" target=\"_blank\">Extrapoststation<\/a> unter der Regie des Brandgilde- und Kirchspielschreibers Naesemann. Das bedeutete, dass von jetzt an regelm\u00e4\u00dfig Postkutschen in alle Richtungen verkehrten, mit festen Preisen f\u00fcr die Reisenden. Als Ziele werden in der K\u00f6niglichen Resolution genannt: Kellinghusen, Pinneberg, Bramstedt, Itzehoe, Ulzburg, Elmshorn, Gl\u00fcckstadt \u00fcber Geest oder Marsch, Segeberg, Oldesloe und Uetersen. (D\u00f6ssel 1988, S.166ff)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr 1825 f\u00fchrt J.J. Brockmann in seinen Tagebuchaufzeichnungen an:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Den 2. &#8211; 3. Februar ist ein Sturm mit solcher Flut gewesen, da\u00df sehr viel Marschland \u00fcberschwemmt und untergegangen ist. Viel Vieh und auch Menschen sind ertrunken. In Elmshorn war 6 Fu\u00df Hochwasser. Mehrere H\u00e4user und Br\u00fccken sind fortgetrieben. Der Deich hatte 15 Br\u00fcche. Ein Gewitter hat in den Rellinger Kirchturm eingeschlagen. 9. August hat sich ein Jud im Gef\u00e4ngnis auf Rantzau erh\u00e4ngt. Diesen Sommer ist der Barmstedter Kirchturm ausgebessert und neu angemalt; auch ist die Uhrscheibe neu ausgemalt. 21. November sind B\u00e4ume auf dem Marktplatz gepflanzt. 21. November haben wir Ludwig Vasmer zum Polizisten erhalten.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Der <strong>Streit zwischen Hennings und von Straten<\/strong> war nach Verleumdungen im Jahr 1816 bis zur Duell-Forderung, von von Straten zum Mord\u00fcberfall hochstilisiert, gediehen und \u00fcberschattete die durch viele Tode in der Familie Hennings getr\u00fcbte Zeit. Jetzt aber gab Hennings noch einmal ein gr\u00f6\u00dferes schriftstellerisches Werk heraus, das dem in den folgenden Jahrzehnten zunehmenden R\u00fcckbezug auf die nationale Geschichte vorgreifen sollte. <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=8lkAAAAAcAAJ&amp;printsec=frontcover&amp;dq=August+von+Hennings&amp;source=bl&amp;ots=9CRkBOZFqH&amp;sig=sRuPOzccwakVDLku21bIzgzmC-M&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=exNyUNqmFsjGswb7_IDgBA&amp;ved=0CFoQ6AEwCTgK\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Deutschen, dargestellt in der fr\u00fchesten Vorzeit, aus den d\u00fcrftigen Quellen der Geschichte und weit umfassenden Taten<\/a> ist ein fr\u00fches Zeugnis historisch orientierter Germanenkunde, das die antiken Darstellungen neu bewertet und z.B. die Hyperbor\u00e4er mit den Germanen identifiziert und die Sage von Atlantis auf ein untergegangenes Land in der Nordsee bezieht. Im \u00fcbrigen hatte Hennings, inzwischen \u00fcber 70, zu arbeiten. Pensionierungen gab es f\u00fcr k\u00f6nigliche Beamte nicht. Seine Aufgaben waren: zweimal w\u00f6chentlich Gericht halten, die Sitzungen des kirchlichen Konsistoriums leiten, Kirchen visitieren, die Landesverwaltung aus\u00fcben. Dadurch hatte er auch nach dem Tod des 93-j\u00e4hrigen bisherigen Propstes Valentiner mit der Einf\u00fchrung von dessen Nachfolger Peter Christian Weller im Jahr 1817 zu tun. Die bisher freie Propstei wurde jetzt der k\u00f6niglichen <strong>Generalsuperintendentur<\/strong> unterstellt. Auch <strong>offizielle Anl\u00e4sse<\/strong>, wie die Begleitung des K\u00f6nigs Friedrich VI., wenn er auf seiner Reise durch Holstein in Elmshorn haltmachte, geh\u00f6rten zu Hennings Aufgaben, die er sehr gerne erf\u00fcllte, da er diesen reformwilligen K\u00f6nig verehrte. (Ritschl, S.194) 1824 heiratete seine j\u00fcngste Tochter in der Barmstedter Kirche und auf Rantzau den sp\u00e4teren Hamburger B\u00fcrgermeister Friederich Sieveking, bei der es bei einem B\u00f6llerschuss durch die zerplatzende Kanone des M\u00fcllers zu einem Todesfall kam. (Brockmann)<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vorjahr war Hennings endlich seinen Widersacher <strong>von Straten<\/strong> los geworden. Dieser hatte sich auf die Stelle eines Amtsverwalters nach Ahrensb\u00f6k beworben und wurde im Oktober 1823 berufen. Unmittelbar vorher jedoch, am 12. September, hatte er nach 22 Jahren als Amtsverwalter eine beachtliche Arbeit von 738 handschriftlichen Seiten \u00fcber die Administratur der Grafschaft Rantzau an die K\u00f6nigliche Rentekammer in Kopenhagen geschickt. M\u00f6glicherweise hat dieses Werk auch eine entscheidende positive Rolle f\u00fcr seine Bewerbung in Ahrensb\u00f6k gespielt, sicher aber ist, dass es f\u00fcr das Weiterkommen eines sp\u00e4teren Amtsverwalters eine gro\u00dfe Rolle spielte. M.H.T. Rauert hatte n\u00e4mlich dieses Manuskript offenbar als Grundlage f\u00fcr sein ber\u00fchmtes Buch &#8222;Die Grafschaft Rantzau&#8220; von 1840 benutzt &#8211; ohne ihn allerdings in der Literaturliste zu nennen. Hierin bewies er eine \u00fcberaus gro\u00dfe Kenntnis der Verwaltungsmaterie der Grafschaft, obwohl er nur in der Zeit von 1834 bis 1837 als Sekret\u00e4t hier gearbeitet hatte. (s. Vorwort Helmut Tredes in: thor Straten, S.3). Nachfolger thor Stratens wurde 1824 ein Herr G\u00f6hlin.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/HenningsGrabstein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1363\" width=\"288\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/HenningsGrabstein.jpg 516w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/HenningsGrabstein-174x300.jpg 174w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Am 17. Mai 1826 <strong>starb August von Hennings<\/strong> nach l\u00e4ngerer Krankheit und wurde &#8211; ohne kirchliche Feier, aber mit einer Gedenkrede seines Freundes Pastor Mielk &#8211; auf dem Friedhof an der Kirche, damals &#8222;Ruhe Hoff&#8220; genannt (s. Karte Mangels unten), begraben. Brockmann schreibt dazu in seinem Tagebuch:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>14. Mai ist der Hochwohlgeb. Herr, Kammerherr August v. Hennings auf Rantzau in den Tod gegangen, ca. 82 Jahre alt. Er ist den 21. Mai des Morgens um 6 Uhr beerdigt ohne Glockengel\u00e4ute, der Sarg war ganz einfach. Auf dem Elmshorner Totenwagen ward der nach dem Kirchhof gefahren.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Der abgebildete Grabstein von Hennings stand nach Aufhebung des <strong>Kirchhofs<\/strong> 1844 zun\u00e4chst an der Kirchenmauer, wurde sp\u00e4ter auf den neuen Friedhof an der Ohe (sp\u00e4ter Moltkestra\u00dfe) versetzt und liegt jetzt neben dem &#8222;Torhaus&#8220;. Der alte Kirchhof war wegen der zunehmenden Bev\u00f6lkerung bei nicht erweiterbarem Platz v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllt, so dass S\u00e4rge \u00fcbereinander gestellt werden mussten, wobei &#8222;der oberste oft nur mit einem Fu\u00df Erde bedeckt wird; sind aber schon 2 S\u00e4rge in einer Gruft, so bleibt nichts anders \u00fcbrig, als da\u00df der untere, falls es noch nicht geschehen, zusammengesto\u00dfen, und der obere wieder versenkt wird, um den dritten Sarg darauf zu setzen.&#8220; (Rauert, S. 106) Die Beerdigungen fanden im 19. Jahrhundert im \u00dcbrigen meist ohne kirchliche Mitwirkung statt. Nach der Gemeindechronik von 1896 wurden noch 1876 h\u00f6chstens 10&nbsp;% der Leichen mit Begleitung bestattet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Administrator Hans Christian Diedrich Victor von Levetzow 1826-1829<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Einsetzung des neuen Administrator von Levetzow w\u00fcrdigte Brockmann mit folgendem Eintrag:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>2. Oktober ist Herr Exzellenz Lewezow nach Rantzau gekommen. Es waren ihm die Gevollm\u00e4chtigten, die V\u00f6gte und 20 Mann Barmstedter entgegengeritten zur Grenze, ebenfalls die reitende Garde aus Elmshorn (ungef\u00e4hr 20 Mann) und die Fu\u00dfgarde von Rantzau, und nahmen den Herrn mit voller Musik in Empfang.<\/em>&#8222;<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8629\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Revolution\u00e4re Zeiten ab 1830<\/h2><div id=\"ac-8629\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>In <strong>Frankreich kam es im Juli 1830 zu einer erneuten Revolution<\/strong> gegen den letzten Bourbonenk\u00f6nig Karl X., nachdem dieser die Abgeordnetenkammer auszuhebeln versucht hatte und die soziale Krise der einsetzenden Fr\u00fchindustrialisierung breite Kreise der unteren Schichten zum Aufstand brachte. Nach der Flucht Karls nach Gro\u00dfbritannien wurden die Barrikadenk\u00e4mpfe der proletarischen Unterschichten schnell unterdr\u00fcckt und der <strong>&#8222;B\u00fcrgerk\u00f6nig&#8220; Louis-Philippe<\/strong> eingesetzt. Die Durchsetzung einer republikanischen Verfassung scheiterte an der Sorge vor einer Intervention der Heiligen Allianz. Die Revolution hatte &#8211; wie die von 1789 &#8211; starke Ausstrahlung auf ganz Europa und f\u00f6rderte \u00fcberall liberale und demokratische Str\u00f6mungen. Auch nationale Tendenzen wurden gleichzeitig immer st\u00e4rker. Die Griechen hatten von 1821 bis 1830 in einem Unabh\u00e4ngigkeitskampf gegen das Osmanische Reich ihre nationale Souver\u00e4nit\u00e4t errungen. Die s\u00fcdlichen Niederlande trennten sich ab vom Norden und gr\u00fcndeten jetzt den &#8211; allerdings aus zwei V\u00f6lkern bestehenden &#8211; Staat Belgien. Polen konnte sich f\u00fcr 3 Jahre von der russischen Herrschaft befreien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Administrator Otto Johann von Stemann 1829-1849<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Oktober 1829 starb der Geheime Konferenzrat Lewezow auf Rantzau. Auch sein Grabstein liegt neben dem Torhaus des fr\u00fcheren Friedhofs an der Moltkestr. Als Nachfolger f\u00fcr den Administratorenposten trat im Januar 1830 der Kammerherr <strong>Otto Johann von Stemann<\/strong> sein Amt an und bekleidete es bis 1849.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cholera-Epidemie:<\/strong> 1831 Cholera ist an mehreren Stellen von Europa. 6. September ist sie in Berlin ausgebrochen. Im September wurde bei Hamburg und an unseren Grenzen Cordon geschlossen zur Verf\u00fctung des Eindringens der Cholera. 9. Oktober kam sie in Hamburg, und unser Milit\u00e4r zog sich zur\u00fcck bis Wedel, Rellingen, Rahlstedt, die Cordonlinie zu ziehen. Von Hamburg und der Cholera ist der Cordon zur\u00fcckgezogen bis zur Eider und zum Kanal bei Kiel und Rendsburg. 23. November sind in jede Dorfschaft im Kirchspiel Barmstedt Medikamente und Wasserkr\u00fcge geschickt; ist aber nicht n\u00f6tig gewesen.&#8220; (J.J. Brockmann)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/729px-Hambacher_Fest_1832_001.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1321\" width=\"455\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/729px-Hambacher_Fest_1832_001.jpg 729w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/729px-Hambacher_Fest_1832_001-300x247.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 455px) 100vw, 455px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hambacher Fest 1832<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Vorm\u00e4rz<\/strong>: Auch in den Staaten des Deutschen Bundes einschl. Schleswig-Holstein wurden liberale und demokratische Ideen jetzt offen diskutiert und f\u00fchrten zu Aufst\u00e4nden, Regierungsst\u00fcrzen, einigen Reformen und neuen Formen politischer \u00d6ffentlichkeit. Das wichtigste Ereignis dieser Epoche war das <strong>Hambacher Fest<\/strong>, eine 1832 als Volksfest getarnte politische Manifestation f\u00fcr Freiheit (Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit), B\u00fcrgerrechte, nationale Einheit, eine Neuordnung Europas auf der Grundlage gleichberechtigter V\u00f6lker, Volkssouver\u00e4nit\u00e4t und religi\u00f6se Toleranz. \u00dcber 30.000 Menschen aus allen Schichten und vielen europ\u00e4ischen Nationen zogen kilometerweit von Neustadt in der Pfalz auf die Hambacher Schlossruine. Zum ersten Mal wurden hier schwarz-rot-goldene Kokarden getragen als Symbol f\u00fcr Freiheit, B\u00fcrgerrechte und nationale Einheit. Wichtige Tr\u00e4ger dieser Ideen waren damals die Burschenschaften. Als neue literarische Str\u00f6mung entstand das Junge Deutschland, deren wichtigste Vertreter Heinrich Heine und Karl Gutzkow wurden. Ihre Schriften wurden bereits 1835 durch den von den F\u00fcrsten gebildeten Deutschen Bundestag verboten. Der wesentlich radikalere Dichter Georg B\u00fcchner schloss sich dieser Bewegung nicht an, da er eine \u00c4nderung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse \u00fcber die Literatur nicht f\u00fcr m\u00f6glich hielt, sondern auf eine politische und soziale Revolution setzte. In seinem &#8222;Hessischen Landboten&#8220; von 1835 prangerte er die Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen und Ausbeutung der unteren Schichten scharf an, weshalb er sich einer Verhaftung nur durch Flucht entziehen konnte und fortan steckbrieflich gesucht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lornsen fordert &#8222;Schleswigholsteinische&#8220; Verfassung<\/strong>: 1830 hatte nach ersten Unruhen der von den F\u00fcrsten gebildete Deutsche Bundestag in Frankfurt auch vom d\u00e4nischen K\u00f6nig energisches Vorgehen gegen revolution\u00e4re Bewegungen und gem\u00e4\u00df der Bundesakte des Deutschen Bundes eine landst\u00e4ndische Verfassung gefordert. Daher traf die Flugschrift von Uwe Jens Lornsen mit der Forderung nach einer eigenen Verfassung f\u00fcr &#8222;Schleswigholstein&#8220; und Verwaltungstrennung der Herzogt\u00fcmer von D\u00e4nemark, also einen Doppelstaat, den Nerv der Zeit. Der eigentlich loyale d\u00e4nische Untertan und Landvogt von Sylt vertrat hier zwar eine kritische Position gegen\u00fcber dem v\u00f6llig unzeitgem\u00e4\u00dfen noch immer absolutistischen d\u00e4nischen Verwaltungsstaat, aber gleichzeitig eine vermittelnde gegen\u00fcber der ganz deutsch ausgerichteten Haltung des Kieler Geschichtsprofessors und Sekret\u00e4rs der Ritterschaft <strong>Friedrich Christoph Dahlmann<\/strong>. Dieser verlangte eine Verfassung f\u00fcr Schleswig-Holstein als Teil des deutschen Staatsverbandes. Staatsrechtlich war das problematisch, weil zwar Holstein, nicht aber Schleswig zum Deutschen Bund geh\u00f6rte. Seit 1815 hatte sich aber sowohl auf deutscher als auch auf d\u00e4nischer Seite die Verfassungsdiskussion mit der nationalen Frage verbunden, da notwendigerweise ein Grundgesetz in Bezug auf ein definiertes Territorium gelten muss. Daher wurden jetzt <strong>deutsche oder d\u00e4nische Gesinnungen zu einem immer wichtiger werdenden Element<\/strong> in den heftiger werdenden publizistisch-politischen Auseinandersetzungen. Die Entwicklung der Printmedien und der Verkehrsmittel taten vieles dazu, dass die Unzufriedenheit mit den bestehenden Verh\u00e4ltnissen und neue politische Ideen aus den deutschen L\u00e4ndern, Frankreich und dem \u00fcbrigen Europa zu einer nicht mehr einzud\u00e4mmenden Verfassungsdiskussion in akademischen und b\u00fcrgerlichen Kreisen f\u00fchrte. Der Vorsto\u00df Lornsens kostete diesen das Amt und ein Jahr Festungshaft, machte ihn aber nach seinem Freitod 1838 zum M\u00e4rtyrer der deutschen Schleswig-Holstein-Bewegung. Auf d\u00e4nischer Seite wurde von liberalen Kr\u00e4ften ebenso eine Beseitigung des Absolutismus propagiert und die Schaffung eines d\u00e4nischen Nationalstaats gefordert. Diese Kr\u00e4fte wurden die <strong>Eiderd\u00e4nen<\/strong> genannt, weil sie das Herzogtum Schleswig bis zur Eider einbeziehen wollten. Ihr wichtigster Vork\u00e4mpfer war der Pastor und P\u00e4dagoge Nikolai Grundtvig, der Gr\u00fcnder der d\u00e4nischen Volkshochschulen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verfassungszugest\u00e4ndnis im d\u00e4nischen Gesamtstaat:<\/strong> 1831 lie\u00df sich der d\u00e4nische K\u00f6nig Friedrich VI. angesichts dieses Drucks und zus\u00e4tzlich der <strong>franz\u00f6sischen Julirevolution<\/strong> zu einer halbherzigen Reform bewegen und gestattete f\u00fcr Holstein, Schleswig, J\u00fctland und Inseld\u00e4nemark jeweils eine <strong>St\u00e4ndeversammlung<\/strong>. Jedoch war das aktive Wahlrecht nur verm\u00f6genden M\u00e4nnern christlichen Glaubens \u00fcber 25 Jahre gestattet, das passive an das doppelte Verm\u00f6gen und ein Alter von \u00fcber 30 gebunden. Au\u00dferdem wurde durch diese Reform der Absolutismus nicht abgeschafft, denn das Parlament hatte nur beratende Funktion und tagte geheim.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>St\u00e4ndeversammlung in Itzehoe<\/strong>: F\u00fcr Holstein trat diese St\u00e4ndeversammlung zum ersten Mal 1835\/36 in Itzehoe zusammen, danach in jedem zweiten Jahr. Mit Entstehen dieser ersten Parlamente war auch das Entstehen der <strong>Vorl\u00e4ufer erster Parteien<\/strong> verbunden. In Holstein wurden die Konservativen angef\u00fchrt von Graf Reventlow-Criminil, die Linken, die eigentlichen Liberalen der damaligen Zeit, vom Itzehoer Advokaten Georg L\u00f6ck. Letztere forderten u. a. Beschlusskompetenz f\u00fcr die St\u00e4ndeversammlung, Steuerbewilligungsrecht und kommunale Selbstverwaltung. Daneben traten die b\u00e4uerlichen Abgeordneten f\u00fcr Verbesserung der b\u00e4uerlichen Lebensverh\u00e4ltnisse ein. (Schultz Hansen, S. 432)<\/p>\n\n\n\n<p><em>J.J. Brockmann tr\u00e4gt 1834 hierzu ein: &#8222;25.-27.September sind die Wahlen zur St\u00e4ndischen Versammlung gewesen und zwar in Pinneberg f\u00fcr den 8. Wahldistrikt Holstein. Abgeordneter der Ziegeleibesitzer J.C.Radbruch in Blinde mit 183 Stimmen, Stellvertreter der Deichgraf H. Witt in Holm mit 125 Stimmen.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferhalb der St\u00e4ndeversammlungen wurden die Petitionsbewegungen bedeutsam, sie durften aber keine Ver\u00e4nderungen von Verfassung und Staatsf\u00fchrung fordern. Die politischen Aktivit\u00e4ten waren aber durch die <strong>Pressezensur<\/strong> und <strong>Einschr\u00e4nkungen des Versammlungsrechts<\/strong> stark eingeschr\u00e4nkt. Es gab nur wenige liberale Zeitungen, von diesen wurde hier v.a. das &#8222;Itzehoer Wochenblatt&#8220; gelesen. Der &#8222;Altonaer Mercur&#8220; war konservativ. Die Regierung duldete aber die Gr\u00fcndung von B\u00fcrgervereinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen 1830 und 1832 wurde die <strong>erste Chaussee in Schleswig-Holstein<\/strong> als Kunsttra\u00dfe zwischen einem Ostsee- und einem Nordseehafen gebaut, die <strong>Kiel-Altonaer Chaussee<\/strong>, die heutige B4. Die Fahrzeit zwischen beiden St\u00e4dten verk\u00fcrzte sich damit von 16 auf 9 Stunden mit der Extrapost und nur 6 Stunden mit dem Kurier. Bezahlt wurde sie durch Erhebung von Geb\u00fchren an extra gebauten <strong>Chausseew\u00e4rterh\u00e4uschen<\/strong>. Diese Kunststra\u00dfe unterschied sich von den bisherigen Wegen durch Gr\u00e4ben neben dem Fahrdamm und eine Verschlei\u00dfdecke, die durch Festwalzen unregelm\u00e4\u00dfiger Steine unter Sand- und Wasserbeigabe hergestellt wurde. Neben der Fahrbahn verlief ein Wirtschaftsweg f\u00fcr schwere Lasten, Vieh- und Pferdetransporte. (Lange, S.346ff) Die Planungen waren seit 1828 betrieben worden. Noch heute sind an einigen Stellen die alten Meilensteine zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Gaststaette_Hof_u._Brauhaus_Johs.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1357\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Gaststaette_Hof_u._Brauhaus_Johs.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Gaststaette_Hof_u._Brauhaus_Johs-300x200.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Gaststaette_Hof_u._Brauhaus_Johs-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Brau- und Brennerhaus am Markt, Foto von ca. 1900 (Archiv Steenbuck)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1833 Gr\u00fcndung des Textilhauses &#8222;Betten-Voss&#8220; in der Riken Reie (Reichenstra\u00dfe). Diese Barmstedter Traditionsfirma existierte bis 2003.<\/p>\n\n\n\n<p>M. Mangels zeichnete 1834 die nebenstehende <strong>Karte von Barmstedt und Rantzau<\/strong>, die in ihrer Anschaulichkeit weit \u00fcber die bisherigen hinausgeht. Allerdings ist die Stra\u00dfenf\u00fchrung und die Gr\u00f6\u00dfe der Bebauungen nicht ganz perfekt dargestellt. Die damaligen Stra\u00dfennamen und H\u00e4userbezeichnungen sind auf der Karte als Legende notiert und von uns in die Karte eingetragen. Mangels gab hier auch an, in wie vielen H\u00e4usern Bier gebraut oder Branntweit destilliert wurde! Die &#8222;Dodentwiet&#8220; oder auch &#8222;Toten Twiet&#8220; ist nach Brockmann im gleichen Jahr verbreitert worden. Weiterhin erhielt in diesem Jahr das Spritzenhaus zwei Seitent\u00fcrme an beiden Enden. Die Feuerwehr hatte damals \u00fcbrigens viel zu tun. Brockmann verzeichnet in seinem Tagebuch fast j\u00e4hrlich gr\u00f6\u00dfere Br\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"739\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Mangels-Karte_1834_bearb-1024x739.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1375\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Mangels-Karte_1834_bearb-1024x739.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Mangels-Karte_1834_bearb-300x217.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Mangels-Karte_1834_bearb-768x555.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Mangels-Karte_1834_bearb-1536x1109.jpg 1536w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Mangels-Karte_1834_bearb.jpg 1713w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine Volksz\u00e4hlung im Jahr am 1. Februar 1835 ergibt f\u00fcr <strong>Barmstedt 1.465 und f\u00fcr Gro\u00dfendorf 379<\/strong> Einwohner. Die Zahl der H\u00e4user im Jahr 1837 betr\u00e4gt 151. Das bedeutet, dass im Durchschnitt mehr als 9 Personen in einem Haus wohnten.<\/p>\n\n\n\n<p>1836 wurde das &#8222;uralte&#8220; <strong>Pf\u00f6rtnerhaus<\/strong> am Eingang der Schlossinseln abgerissen. In ihm wohnte der Torw\u00e4chter und Pf\u00f6rtner, der u.a. nachts die Zugbr\u00fccke hochzuziehen und allmorgendlich wieder herabzulassen hatte. Er war gleichzeitig Gerichtsdiener und Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter &#8211; denn hinter seiner Kammer befanden sich sieben Arrestzellen &#8211; und betrieb l\u00e4ngere Zeit eine eigene eintr\u00e4gliche Krugwirtschaft. Das neue Geb\u00e4ude hatte wie das alte einen Dachreiter mit Glockenstuhl und Uhr. Das im hinteren Anbau befindliche <strong>Gef\u00e4ngnis<\/strong> hatte sechs Zellen und wurde noch bis 1927 benutzt. (Trede 2011, S.37ff)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Gefaengnisvor1984.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1358\" width=\"460\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Gefaengnisvor1984.jpg 716w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Gefaengnisvor1984-300x162.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das K\u00f6nigreich Preu\u00dfen gr\u00fcndete 1834 mit einigen Staaten des Deutschen Bundes den <strong>Deutschen Zollverein<\/strong>. Er war ein Zusammenschluss f\u00fcr den Bereich der Zoll- und Handelspolitik. Ihm geh\u00f6rten zu Beginn neben Preu\u00dfen das Gro\u00dfherzogtum Hessen, Kurhessen, Bayern, W\u00fcrttemberg, Sachsen und die th\u00fcringischen Einzelstaaten an. Bis 1836 traten Baden, Nassau und Frankfurt dem Zollverein bei. 1842 erweiterte sich das Zollgebiet um Luxemburg, Braunschweig und Lippe, 1854 folgten Hannover und Oldenburg. Holstein kam nach dem Deutschen Krieg von 1866 als preu\u00dfische Provinz dazu, Hamburg und Bremen behielten bis 1888 ihre Freih\u00e4fen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/508px-Goettinger_Sieben-RZ.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1318\" width=\"252\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/508px-Goettinger_Sieben-RZ.jpg 508w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/508px-Goettinger_Sieben-RZ-254x300.jpg 254w\" sizes=\"auto, (max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die G\u00f6ttinger Sieben<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Die G\u00f6ttinger Sieben<\/strong>: In Hannover bestieg 1837 Ernst August I. den Thron und beendete damit die 137-j\u00e4hrige Personalunion Hannovers mit England. Als er die relativ freiheitliche Verfassung von 1833 wieder aufhob, legten Professoren der G\u00f6ttinger Universit\u00e4t, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%C3%B6ttinger_Sieben\" target=\"_blank\">die G\u00f6ttinger Sieben<\/a>, zu denen auch die Gebr\u00fcder Grimm und Friedrich Christoph Dahlmann geh\u00f6rten, scharfen Protest ein und wurden daraufhin ihres Amtes enthoben. Der Protestbrief wurde in ganz Deutschland ver\u00f6ffentlicht und f\u00f6rderte liberale Gedanken. Drei der Sieben, Dahlmann, Jacob Grimm und Gervinus, wurden sogar des Landes verwiesen, erhielten aber in einer Unterst\u00fctzungsaktion Spenden, mit denen ihr Gehalt ersetzt wurde. 1840 wurden Dahlmann und die Br\u00fcder Grimm durch den neuen preu\u00dfischen K\u00f6nig Friedrich Wilhelm IV. empfangen und rehabilitiert, was die Illusion n\u00e4hrte, er w\u00fcrde den <strong>Liberalen<\/strong>, die inzwischen zu einer Massenbewegung geworden waren, entgegenkommen. Die geforderte gesamtstaatliche Verfassung lehnte er jedoch ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Kirchspiel Herzhorn<\/strong>, bisher zur Propstei Pinneberg, wurde 1837 in die Propstei Rantzau eingegliedert.<\/p>\n\n\n\n<p>1839 wurde die <strong>Barmstedter Sch\u00fctzengilde<\/strong> gegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Inspektion der Schulen und des Kirchturms durch einen Baumeister wurden vom 10.-19. September 1839 <strong>Kirchturm und \u201eSp\u00f6ndach&#8220;<\/strong> ausgebessert, der Turmhahn und Tienapfel vergoldet.<\/p>\n\n\n\n<p>1839 starb der d\u00e4nische K\u00f6nig Friedrich VII, der keinen m\u00e4nnlichen Erbprinzen hinterlie\u00df. Nachfolger wurde sein Neffe, <strong>Christian VIII.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Barmstedt wurde daf\u00fcr vom 3. Dezember (Todestag) bis zum 17. Januar t\u00e4glich von 10 bis 12 und von 16 bis 18 Uhr gel\u00e4utet. W\u00e4hrend dieser Zeit durfte au\u00dferdem keine \u00f6ffentliche Musik aufgef\u00fchrt werden. (Brockmann)<\/p>\n\n\n\n<p>Am 1. Februar 1840 fand in D\u00e4nemark und Schleswig-Holstein eine Volksz\u00e4hlung statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Barmstedt hatte demnach eine <strong>Bev\u00f6lkerungszahl von 1608 Enwohnern<\/strong>. (Brockmann)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>1840 ist der Turm abgest\u00fctzt und der Grundstein vom Kammerherrn Stemann gelegt und feierlich begonnen. Ein Felsen ist ausgehauen und in denselben eine kupferne Dose gelegt, in welcher auf Pergamentleder geschriebene Schrift sich befindet. [\u2026] Eine neue Turmuhr ist von Pein in Elmshorn gemacht. Der Kirchhof wird verlegt nach der Ohe, westlich an Barmstedt.<\/em>&#8220; (Brockmann)<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Verlegung des Friedhofs von der Kirche nach der &#8222;Ohe&#8220;<\/strong>, der heutigen Moltkestra\u00dfe, war dringend n\u00f6tig. Denn die Bev\u00f6lkerungszahl hatte stark zugenommen und schon in den 20er Jahren waren Beerdigungen nur noch m\u00f6glich, wenn &#8222;Platz geschaffen&#8220; wurde (s. v. Hennings Beerdigung im Jahr 1826). Es dauerte jedoch noch einge Zeit, bis der neue Friedhof tats\u00e4chlich genutzt werden konnte. Erst im September 1841 entstand hier das bekannte <strong>Torhaus<\/strong> nach dem Entwurf des Bausinspectors Meyer in Schleswig. Es diente gleichzeitig als Wohnung f\u00fcr den Friedhofsw\u00e4rter und &#8222;Kuhlengr\u00e4ber&#8220;, dessen Amt wahrscheinlich erst jetzt eingef\u00fchrt wurde. Vorher war diese Funktion vom K\u00fcster mit ausgef\u00fchrt worden. Trauerfeiern fanden in der Kirche statt, sofern \u00fcberhaupt kirchliche Begleitung gew\u00fcnscht wurde. Die Einweihung fand erst am 14. 7. 1844 statt. Normalerweise war der Tote bis zur Beerdigung zu Hause aufgebahrt, wo auch das Trauergefolge am offenen Sarg Abschied nahm. Der Sarg wurde dann auf den Schultern zum Friedhof getragen, wo er im Torhaus f\u00fcr einige Augenblicke abgestellt und dann zur offenen Gruft gebracht wurde. Die Dorfbev\u00f6lkerung fuhr den Sarg auf Leiterwagen zum Friedhof. Das Schuhmacheramt schaffte 1868 den ersten schwarzumflorten Leichenwagen an, der in einer Remise am Marktplatz neben dem Spritzenhaus stand. Vorher war bereits in einzelnen F\u00e4llen der Elmshorner Leichenwagen ausgeliehen worden (z.B. v. Hennings). Erst 1905 gr\u00fcndete Hans Mohr, der Betreiber des Hotels &#8222;Zur Linde&#8220;, ein Bestattungsunternehmen mit eigenem Leichenwagen. Der Friedhof wurde 1872 erweitert, erhielt 1892 eine Friedhofskapelle im Stil der Zeit, konnte dann noch bis 1911 genutzt werden und wurde genau 50 Jahre sp\u00e4ter, am 1. Januar 1961, aufgehoben, woraufhin an dieser Stelle die Rentnerwohnanlage entstand. (Theilig 1988)<\/p>\n\n\n\n<p>Am 21. April 1841, pachtete der bisher angestellte Rantzauer M\u00fcller Jakob Bornholdt die <strong>Rantzauer und Bokler M\u00fchle<\/strong> f\u00fcr die Summe von 41.295 Rbthl. (=Reichsbanktaler) auf Erbpacht. (Brockmann)<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Tod des <strong>Fleckensgevollm\u00e4chtigten Friedrich Br\u00fcgge<\/strong> im Januar 1841 wurde <strong>Johann Querling<\/strong> wieder als Interimsgevollm\u00e4chtigter eingesetzt. Auch der Gildeschreiber, Postmeister und Kirchspielschreiber Hasemann starb und musste ersetzt werden. Gildeschreiber wurde der bisherige Polizeireuter Stamerjohann, Postmeister wurde der Gevollm\u00e4chtigte Brandt, Kirchspielsvollmachtschreiber der Advokat Starjohann. (Brockmann)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86210\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Matthias Heinrich Theodor Rauert und die 1840er Jahre in Barmstedt<\/h2><div id=\"ac-86210\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/MHTRauert-B100.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1377\" width=\"348\" height=\"303\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/MHTRauert-B100.jpg 916w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/MHTRauert-B100-300x262.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/MHTRauert-B100-768x671.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 348px) 100vw, 348px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">M.H.T.Rauert<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Auf der Administratur Rantzau wurde 1834 die Stelle des Sekret\u00e4rs beim Amtsverwalter frei. Unter Administrator von Stemann und dem Amtsverwalter Etatsrat Tornerup wurde von 1834 bis 1837 <strong>Matthias Heinrich Theodor Rauert<\/strong> angestellt. Er ist in der Barmstedter Region ber\u00fchmt geworden f\u00fcr seine <strong>1840 erschienene Monografie<\/strong> unter dem Titel &#8222;<strong>Die Grafschaft Rantzau. Ein Beitrag zur genaueren Landeskunde<\/strong>&#8222;. Dieses Buch wurde 1936 mit einem Vorwort von Hans D\u00f6ssel und als Reprint noch einmal 1983 aufgelegt, da in ihm Geschichte, Gr\u00f6\u00dfe und Grenzen der Grafschaft, nat\u00fcrliche Beschaffenheit des Bodens, die Moore, Produkte wie Getreide, Viehzucht, Wild, Fische, die Lebensweise der Einwohner: Wohlstand, Nahrung, Bewirtschaftung der Landstellen und vieles Weitere detailliert beschrieben wurde. Mit dieser Ver\u00f6ffentlichung empfahl sich Rauert in seiner &#8222;Vorrede&#8220; als patriotischer Beamter f\u00fcr die Stelle des <strong>Amtsverwalters<\/strong> und konnte das Amt auch von <strong>1843 &#8211; 1855<\/strong> bekleiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wissen u. a. durch die Ver\u00f6ffentlichung Helmut Tredes, dass dieses Buch aufgrund der gro\u00dfen \u00dcbereinstimmung von Gliederung und ausgebreitetem Material zu einem gro\u00dfen Teil aus dem 1823 an die k\u00f6nigliche Kanzlei \u00fcbergebenen volumin\u00f6sen Bericht des oben beschriebenen Amtsverwalters thor Straten stammte und daher von Rauert redigiert, also aus einem gestelzten Kanzleideutsch in fl\u00fcssige Sprache umgeformt, neu sortiert, aktualisiert und durch einige allerdings sehr interessante Teile erg\u00e4nzt worden ist. \u00dcber den <strong>Flecken Barmstedt<\/strong> schreibt er: (Rechtschreibung modernisiert)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Der Flecken Barmstedt liegt an der Langeler Au, \u00fcber welche hier eine auf K\u00f6nigl. Kosten unterhaltene h\u00f6lzerne Br\u00fccke f\u00fchrt, mitten in der Grafschaft. Die Entfernung von Pinneberg betr\u00e4gt 2, von Bramstedt 2 1\/4, von Elmshorn 1 Meile. Der Flecken hat gegenw\u00e4rtig 151 H\u00e4user, die, wenn gleich durchg\u00e4ngig nur klein, doch mit wenigen Ausnahmen ein freundliches und reinliches Ansehen haben. Im Jahre 1827 betrug die Anzahl der H\u00e4user nur 116. Ein in der Mitte des Ortes belegener <strong>mit Linden bepflanzter Marktplatz<\/strong> erh\u00f6ht das freundliche Ansehen des Orts. Die Stra\u00dfen sind s\u00e4mtlich gepflastert und von geh\u00f6riger Breite; die H\u00e4user mit Ziegeln gedeckt. Eine Ausnahme hiervon machen <strong>5 innerhalb der Grenze des Fleckens liegende, zur Vogtei Gro\u00dfendorf geh\u00f6rige Landstellen<\/strong>. Da einige H\u00e4user dieser Vogtei sich unmittelbar an dem Flecken anschlie\u00dfen und hinsichtlich der Treibung von b\u00fcrgerlichen Gewerben manche Streitigkeiten vorfielen, auch die \u00f6konomische Verwaltung des Fleckens nicht getrennt war von der des Kirchspiels Barmstedt, so wurden durch ein Reglement vom 4. Nov. 1754 nicht nur den Grenzen des Fleckens genau bestimmt, sondern auch \u00fcber die Verwaltung der Fleckensangelegenheiten (\u2026) Bestimmungen getroffen, welche noch gegenw\u00e4rtig zur Richtschnur dienen. (\u2026)<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Z\u00fcnfte im Flecken Barmstedt<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Im Jahre 1737 unterm 4. Jan. erhielt Barmstedt ein Fleckensprivilegium, wonach es den Einwohnern verstattet ist, jedwede b\u00fcrgerliche Nahrung ungehindert zu betreiben. (\u2026) Der Flecken ist mehr wie jeder andere Ort auf b\u00fcrgerliche Nahrung angewiesen, weshalb denn auch die Eingesessenen gew\u00f6hnlich <strong>au\u00dfer einem Handwerke noch Krugwirtschaft oder H\u00f6kerei<\/strong> treiben. Der Handel erstreckt sich jedoch nur auf den Ort und das Kirchspiel. Bedeutend ist nur die <strong>Ausfuhr von Schusterarbeiten<\/strong>. Zufolge einer Concession vom 22. M\u00e4rz 1756 werden hier an jedem Mittwoch und Sonnabend <strong>Wochenm\u00e4rkte<\/strong> abgehalten, die indessen wenig frequentiert werden. Au\u00dferdem werden j\u00e4hrlich <strong>4 Kram- und Viehm\u00e4rkte<\/strong> gehalten, wovon der im Herbste statt findende <strong>Ochsenmarkt<\/strong> nicht unbedeutend ist.<\/em>&#8220; (Rauert, S.68f)<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Kram- und Viehm\u00e4rkte<\/strong> waren festgelegt auf Montag nach Judica, auf Mari\u00e4 Himmelfahrtstag, den 15. August, auf acht Tage nach Michaelis, den 6. October und auf den 30. Oktober, den bedeutenden <strong>Ochsenmarkt<\/strong>.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Querling.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1383\" width=\"319\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Querling.jpg 504w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Querling-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 319px) 100vw, 319px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fleckensgevollm\u00e4chtigter Johann Querling<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Barmstedt war im 19. Jahrhundert eine <strong>Schuhmacherstadt<\/strong>. Von den 205 bei Rauert aufgef\u00fchrten Handwerksmeistern geh\u00f6rten 133 der Schuhmacherzunft an, also \u00fcber 53 %, z\u00e4hlt man die Gesellen dazu, waren es 76 % der Handwerker. Das Schuhmacheramt, also die Zunft, spielte im \u00f6ffentlichen Leben des Fleckens eine herausragende Rolle. Es gab eine eigene Schuhmacherherberge, die den <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wanderjahre\" target=\"_blank\">wandernden Schuhmachergesellen<\/a> Unterkunft und Verpflegung bot. <strong>Die vielen Schuhmacherbetriebe produzierten haupts\u00e4chlich f\u00fcr den Export. Sie bezogen ihr Leder aus den am Ort ans\u00e4ssigen Gerbereien oder aus Elmshorn und verkauften ihre Schuhe, v.a. Seemannstiefel, \u00fcber Hamburg gro\u00dfenteils nach Nordamerika<\/strong> (Schr\u00f6der). Manche Schuhmacher lieferten &#8222;10.000 Pfund und dar\u00fcber, ja einer an 50.000 Pfund Fu\u00dfzeug j\u00e4hrlich nach Hamburg&#8220; (nach Redling, der in seiner Verteidigungsschrift f\u00fcr den Bau der Nord-Ostsee-Bahn \u00fcber Barmstedt Argumente zusammentrug (D\u00f6ssel, 1988, S.177)).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Flecken Barmstedt war seit dem Beginn des Jahrhunderts bereits stark gewachsen. Die Einwohnerzahl hatte von 939 im Jahre 1803 auf 1470 im Jahre 1835 zugenommen. Aus heutiger Sicht immer noch eine geringe Zahl. F\u00fcr die gesamte Grafschaft, also die Kirchspiele Barmstedt, Elmshorn und H\u00f6rnerkirchen incl. der zugeh\u00f6rigen D\u00f6rfer, wurde 1840 eine Bev\u00f6lkerungszahl von 11.996 ermittelt, Elmshorn hatte nach Bremer davon 5100 Einwohner. F\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Stadt der Herzogt\u00fcmer, Altona, ergab sich eine Volkszahl von 28.095, f\u00fcr Kiel 12.344 (Bremer 1844, S. 179).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Industrialisierung hatte in Barmstedt noch nicht begonnen. In den 1830er Jahren existierten noch keine Fabriken oder Manufakturen, allerdings M\u00fchlen. Das Getreide der Bauern aus der Barmstedter Umgebung musste seit Jahrhunderten in den k\u00f6niglichen Wasserm\u00fchlen Rantzau und Bokel gemahlen werden, die wiederum auch das Mehl verkauften. Neben diesen Kornm\u00fchlen entstanden jetzt neue Spezialbetriebe v. a. f\u00fcr die expandierende Schuhmacherzunft. Bereits 1838 gab es eine <strong>Ro\u00dflohm\u00fchle<\/strong>, die von Pferden angetrieben wurde und zum Mahlen von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gerberlohe\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gerberlohe<\/a> aus Rinde, Bl\u00e4ttern oder Holz, meist von Eichen genutzt wurde. Diese M\u00fchle hat nach Johannes Schr\u00f6ders 1841, also fast gleichzeitig, erschienenen <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=lm0yAAAAYAAJ&amp;pg=RA1-PA35&amp;lpg=RA1-PA35&amp;dq=ro%C3%9Flohm%C3%BChle&amp;source=bl&amp;ots=RaKfynjFJS&amp;sig=lkLQ9EYBJkGVzX5b3Y9-ezzikL8&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=un6ZUOLvIcPftAajwYD4BQ&amp;ved=0CCsQ6AEwAg#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Topographie des Herzogthums Holstein<\/a>\u2026 auch als <strong>Knochenm\u00fchle<\/strong> gedient. Sie konnte damit den f\u00fcr die damals moderne Landwirtschaft wichtigen Rohstoff Knochenmehl aus Schlachtknochen als D\u00fcnger liefern, der bei der \u00dcberwindung der traditionellen Dreifelderwirtschaft n\u00f6tig wurde. Die <strong>Gerberlohe<\/strong> war der wichtigste Rohstoff wiederum f\u00fcr einige Lohgerbereien, in denen Tierh\u00e4ute zu Leder verarbeitet wurden. Diese konnten allerdings nicht so viel Leder liefern, wie am Ort von den Schustern verbraucht wurde. Viele davon erzeugten ihr Leder selbst. Eine der beiden <strong>Lohm\u00fchlen<\/strong> lieferte (nach Redling) seit Jahren ansehnliche Mengen nach Altona.<\/p>\n\n\n\n<p>Jacob Friedrich Bornholdt, der P\u00e4chter der k\u00f6niglichen Rantzauer und Bokeler Wasserm\u00fchlen, baute 1842 eine erste <strong>Windm\u00fchle am M\u00fchlenberg<\/strong> im Gebiet des Gro\u00dfen Kamp. Drei Jahre sp\u00e4ter, 1845, entstand bereits die n\u00e4chste <strong>Windm\u00fchle in der sp\u00e4teren M\u00fchlenstra\u00dfe<\/strong>. Hier verarbeitete Simon Eggerstedt bis 1854 Eichenrinde zu Gerberlohe, die die Barmstedter Gerbereien und einige Schuster in gro\u00dfen Mengen zur Lederherstellung ben\u00f6tigten. &#8222;Dieses Mahlgut sah braun wie Kakao aus, und so hie\u00df der M\u00fcller bald allgemein: &#8222;Kakao-M\u00fcller&#8220;.&#8220; (D\u00f6ssel, Schr\u00f6der, Burchert, S.117) 1894 erwarb Sophus Abel die M\u00fchle und modernisierte den Betrieb.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/WindmuehleGrosserKamp1856.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1391\" width=\"365\" height=\"264\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/WindmuehleGrosserKamp1856.jpg 928w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/WindmuehleGrosserKamp1856-300x217.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/WindmuehleGrosserKamp1856-768x556.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Windm\u00fchle von Jacob Bornholdt auf dem M\u00fchlenberg s\u00fcdlich des Gro\u00dfen Kamp<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1846 wurde die Weberfabrik von Stolzenwald in der sp\u00e4teren Austra\u00dfe, damals &#8222;Vor de Br\u00fcch&#8220;, gebaut, zu der dann eine Dampff\u00e4rberei kam, die auch dem Leder der Barmstedter Schuhmacher den richtigen Farbton gab. Nachdem diese Firmen ihren Betrieb einstellten, wurde das Gel\u00e4nde 1911 von der Firma J. Schlickum aufgekauft und zu den Wachs- und Ceresinwerken Schlickum ausgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass gerade die <strong>Weberei<\/strong> zu einer der wichtigsten Branchen der Industrialiserung wurde, steht in einem gewissen Widerspruch zum Ansehen dieses Handwerks. Es wurde v. a. von den M\u00e4nnern nicht als eigenst\u00e4ndiges Gewerbe betrachtet, da es zu Hause von der Hausfrau und den T\u00f6chtern betrieben wurde. Der Webstuhl war wie das Spinnrad immer noch ein n\u00f6tiges St\u00fcck der Aussteuer. (Rauert, S. 58) Allerdings produzierte man zu Hause vorwiegend f\u00fcr den Eigenbedarf.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls im Jahr 1846 entstand an der Westseite des Marktplatzes das <strong>&#8222;Spr\u00fctzenhaus&#8220; der Freiwilligen Feuerwehr<\/strong>. Der Vorg\u00e4ngerbau befand sich auch am Marktplatz an der Hauptstra\u00dfe. (D\u00f6ssel, S.205)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AbelscheWindmuehle1896.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1334\" width=\"409\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AbelscheWindmuehle1896.jpg 940w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AbelscheWindmuehle1896-300x203.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AbelscheWindmuehle1896-768x520.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 409px) 100vw, 409px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Windm\u00fchle an der heutigen M\u00fchlenstra\u00dfe, erbaut von Simon Eggerstedt, ab 1894 im Besitz von Sophus Abel, Foto von 1896<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Neben diesen Betrieben gab es nach Schr\u00f6der auch <strong>Gr\u00fctzm\u00fchlen<\/strong> und eine <strong>Lichtgie\u00dferei<\/strong>. Neu dazu gekommen waren nach Rauert auch <strong>zwei Ziegeleien<\/strong> ohne Concession, welche j\u00e4hrlich 4 bis 500.000 Ziegelsteine und 50.000 Dachziegel lieferten. Nach Schr\u00f6der geh\u00f6rte &#8222;die des Herrn Schneider zu den bedeutendsten im Lande [\u2026] und [setzte] schon z.Zt. von ihrem vorz\u00fcglichen Fabrikat manches nach der Umgebend von Altona&#8220; ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Produktion und der Handel mit <strong>Torf, Bundholz (als Brennholz) und Getreide<\/strong> war f\u00fcr die Barmstedter und Gro\u00dfendorfer Bauern eine wichtige Einkommensquelle. Sie wurden in gro\u00dfen Mengen aus den Barmstedter Landdistrikten nach Altona und Hamburg geliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig war in Barmstedt immer schon das <strong>Bierbrauen<\/strong> und der <strong>Ausschank<\/strong>. Da es als herrschaftliches Recht angesehen wurde, musste f\u00fcr das Ausschenken bis 1672 eine Krugaccise bezahlt werden, wobei Rauert vermutet, dass landesherrschaftliche Brauereien existierten, von denen die Kr\u00fcger und Eingesessenen ihr Bier holen mussten. Sp\u00e4ter durften Kr\u00fcger, die ein Privilegium erhielten, gegen erh\u00f6hte Accise ihr Bier selber brauen. Da das neue Monopol aber auf Protest stie\u00df, wurde es schlie\u00dflich allen Kirchspieleinwohnern gestattet, ihr Bier selber zu brauen oder es aus einem beliebigen Ort zu beziehen. Daf\u00fcr wurde wiederum eine Geb\u00fchr auf die gesamte Einwohnerschaft nach der Gr\u00f6\u00dfe ihrer Hofstellen umgelegt. Barmstedt blieb davon aber ausgenommen. 1715 durften weiterhin nur 4 Brauh\u00e4user offiziell Bier brauen, Kr\u00fcger brauchten bis 1824 eine Konzesssion der K\u00f6niglichen Rentekammer. Die Monopolstellung des 1835 bereits nur noch von zwei Brauern hergestellten Bieres blieb gesetzlich zwar bestehen, existierte faktisch nach Rauert aber schon lange nicht mehr. Die <strong>Brennereien<\/strong> konnten Branntwein herstellen und ausschenken, ohne dass Abgaben oder Konzessionen erforderlich waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Streng reglementiert war auch das Betreiben der Musik. Es wurden nur vier <strong>Musikanten<\/strong> in der Grafschaft privilegiert. Zwei davon sollten in Elmshorn und zwei in Barmstedt wohnen. Im Jahre 1825 kam f\u00fcr Barmstedt ein Dritter dazu. Wegen der Klagen der Fleckensb\u00fcrger \u00fcber die schlechte privilegierte Musik wurden die beiden Flecken im Jahr 1800 bevollm\u00e4chtigt, jedenfalls einen der Musiker selbst auzusuchen, 1837 sogar beide.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Landschaft<\/strong> in der Umgebung von Barmstedt wurde von Schr\u00f6der und Rauert als gr\u00f6\u00dftenteils sandig und die Wiesen als moorig beschrieben. Interessant ist, dass f\u00fcr 1840 noch von vielen <strong>Grabh\u00fcgeln<\/strong> in der N\u00e4he Barmstedts die Rede ist, offenbar eine Situation, wie sie auch 150 Jahre fr\u00fcher schon vom Altertumsforscher und Pastor Rhode in seinem Buch beschrieben wurde. Die Zerst\u00f6rung der vorgeschichtlichen H\u00fcgel d\u00fcrfte also weitgehend erst &#8211; wohl im Zusammenhang der Modernisierung der Landwirtschaft &#8211; in der Zeit nach 1840 erfolgt sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/GrosserKampBarmstedt1850-Web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1362\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/GrosserKampBarmstedt1850-Web.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/GrosserKampBarmstedt1850-Web-300x200.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/GrosserKampBarmstedt1850-Web-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Archiv Steenbuck<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1856LangesSchulhaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1329\" width=\"405\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1856LangesSchulhaus.jpg 730w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1856LangesSchulhaus-300x178.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 405px) 100vw, 405px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das &#8222;lange Schulhaus&#8220; neben der Kirche von 1841, heute Gemeindesaal<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Schulen in Barmstedt fassten inzwischen wieder einmal die Zahl der Sch\u00fcler nicht mehr. Die im Organistenhaus an der Kirche untergebrachten Oberklassen hatten 95 und 76 Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen, die Elementarklasse in der Reichenstra\u00dfe sogar 243! (D\u00f6ssel, Unsere Schulen, S. 108) Bei Rauert und Schr\u00f6der finden sich zur Schulsituation \u00e4hnliche Beschreibungen. Danach gab es 3 Schulen: eine Elementarklasse mit wechselseitiger Schuleinrichtung von 218 Sch\u00fclern (bei Schr\u00f6der 2 Klassen), eine Knabenklasse von 96 und eine M\u00e4dchenklasse von 87 Sch\u00fclern. Daher waren Anfang der 1840er Jahre ein neuer Klassenraum und ein zus\u00e4tzlicher Lehrer unumg\u00e4nglich. Nach langer erregter Diskussion wurde schlie\u00dflich <strong>das alte Organistenhaus abgebrochen und ein neues fast an der gleichen Stelle errichtet.<\/strong> So <strong>entstand 1841 die neue Gemeindeschule neben der Kirche, die &#8222;lange Schule&#8220;, die weiterhin gleichzeitig auch Organistenhaus<\/strong> blieb. Sie wurde auf Kirchenland gebaut und diente als &#8222;Elementarsklasse mit wechselseitiger Schuleinrichtung von 218 Sch\u00fclern&#8220; (Rauert, S.70). Sie war eingerichtet f\u00fcr zwei Klassen und im vorderen und hinteren Teil war jeweils Platz f\u00fcr eine Lehrerwohnung. Einer der beiden Lehrer war immer (bis 1934) auch gleichzeitig <strong>Organist<\/strong>. Als Schule diente dieses Geb\u00e4ude mindestens bis 1905, als die M\u00e4dchen- und die Knabenschule an der August-Christen-Stra\u00dfe gebaut wurden. Das Haus blieb im Besitz der Stadt, wurde aber 1937 an die Kirche abgegeben, die daf\u00fcr L\u00e4ndereien an der Kr\u00fcckau der Stadt f\u00fcr den Bau des Rantzauer Sees abtrat. Danach wurde das Haus haupts\u00e4chlich f\u00fcr die kirchliche Gemeindearbeit, v.a. die Frauenhilfe, genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>1842 wurde der Feldsteinturm der Heiligen-Geist-Kirche mit Ziegelsteinen ummauert.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom 5. bis zum 7. Mai 1842 kam es zur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hamburger_Brand\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">gro\u00dfen Brandkatastrophe in Hamburg<\/a>, bei der fast die gesamte Altstadt zerst\u00f6rt wurde. Das Feuer war auch noch in Barmstedt zu sehen. J. J. Brockmann berichtet in seinem Tagebuch, dass 1500 H\u00e4user abgebrannt sind.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86211\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">W\u00e4lder und Landwirtschaft<\/h2><div id=\"ac-86211\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/LandschaftSchafeHellwieserChaussee_St.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1373\" width=\"394\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/LandschaftSchafeHellwieserChaussee_St.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/LandschaftSchafeHellwieserChaussee_St-300x200.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/LandschaftSchafeHellwieserChaussee_St-768x511.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Peter Steenbuck (09.01.2006)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Landschaft in Holstein war seit dem ausgehenden Mittelalter stark entwaldet. Gro\u00dffl\u00e4chige Waldzerst\u00f6rungen durch Rodungen f\u00fcr Siedlungen, \u00c4cker und Weiden hatten auf den armen Sandb\u00f6den &#8222;<strong>riesige Heidefl\u00e4chen <\/strong>hinterlassen, die <strong>nur zur Schafweide und zum Plaggenhieb<\/strong> (=Gewinnung der Heide als Einstreu im Viehstall) genutzt werden konnten, ansonsten aber unfruchtbar und lebensfeindlich erschienen. Niemand ahnte damals, da\u00df die allm\u00e4hliche nat\u00fcrliche Wiederbewaldung dieser trostlosen Heidelandschaften nur durch die Schafweide und den Plaggenhieb verhindert wurde.&#8220; (Hewicker, S. 3) Allerdings gab es in der Barmstedter Umgebung im Verh\u00e4ltnis zum \u00fcbrigen Land doch noch erhebliche Waldfl\u00e4chen, v. a. im Westen. (s. Varendorf-Karte und Rauert unten) Als nun Mitte des 19. Jahrhunderts infolge der fallenden Preise f\u00fcr Schafwolle aufgrund der Billigimporte aus Australien und der Konkurrenz der Baumwolle aus \u00dcbersee die Schafhaltung nicht mehr profitabel erschien, wurde <strong>1843 die herrschaftliche Sch\u00e4ferei aufgegeben<\/strong>. Man bem\u00fchte sich jetzt, <strong>die Heidefl\u00e4chen wieder zu bewalden<\/strong>. Ein Teil der Fl\u00e4che wurde nach langen Verhandlungen mit den angrenzenden Dorfschaften Aspern, Offenseth, Lutzhorn und Gro\u00dfendorf zum k\u00fcnftigen herrschaftlichen Wald bestimmt, der Rest wurde auf die D\u00f6rfer verteilt, die H\u00e4lfte davon erhielt Gro\u00dfendorf. Die <strong>Geb\u00e4ude der Sch\u00e4ferei in der Brunnenstra\u00dfe wurden zum Forstdienstgeh\u00f6ft umgewandelt<\/strong> und mit einem neu eingesetzten Holzvogt besetzt, der jetzt f\u00fcr Teile der Hofh\u00f6lzung und die Aufforstungsfl\u00e4chen auf dem Gebiet des heutigen Lutzhorner Geheges zust\u00e4ndig war, insgesamt f\u00fcr 956 ha. Es entstand so das Gro\u00dfendorfer Gehege, das im S\u00fcden <strong>K\u00f6nigskoppel<\/strong> und im Norden <strong>H\u00fcttenkratt<\/strong> genannt wird. (Hewicker, S. 6) 1846 beschloss die Fleckensversammlung von Barmstedt die bisherigen &#8222;Gemeinigt-Gr\u00fcnde&#8220; im Steinmoor und Heide, H\u00f6llwisch und auf der gro\u00dfen Heide zu verkaufen, das Geld wurde &#8222;am Flecken festgesetzt und die Zinsen zu verausgaben beschlossen, was nach H\u00e4userzahl repartiert wird.&#8220;<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86212\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Stra\u00dfen und Postkutschen<\/h2><div id=\"ac-86212\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"240\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Postkutsche1820.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1382\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Postkutsche1820.jpg 400w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Postkutsche1820-300x180.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Lithographie von 1820<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die <strong>Verbindungen Barmstedts mit der Welt<\/strong> bestanden &#8211; wie \u00fcberall in den Herzogt\u00fcmern Schleswig und Holstein &#8211; bisher nur aus unbefestigten Landstra\u00dfen. Daher fuhren auch die <strong>Postkutschen und Fuhrwerke<\/strong> \u00fcber holprige Sandwege mit tiefen Spurrinnen, die teils tiefe L\u00f6cher aufwiesen. Die Bauern aus der Umgebung waren zur Ausbesserung verpflichtet und hatten bei Bedarf L\u00f6cher mit Sand und Feldsteinen zu verf\u00fcllen. Die Wegf\u00fchrung im Bereich der Grafschaft war insgesamt durchaus mit der heutigen vergleichbar, wie man an der Karte der Grafschaft Rantzau, gezeichnet 1852 vom Amtsverwalter Rauert, erkennen kann. Allerdings gab es auch bedeutsame Unterschiede im Detail. Die westliche Landstra\u00dfe nach S\u00fcden f\u00fchrte zwangsl\u00e4ufig f\u00fcr jeden zwischen Wasserm\u00fchle und Burggraben entlang und teilte sich erst vor der M\u00fchlenscheune. Rechts ging es nach Bullenkuhlen und Bevern, geradeaus &#8211; auf dem schmalen Feldweg Spitzerfurth &#8211; f\u00fchrte der Weg nach Heede. Nach Elmshorn hatte die Strecke zwischen der Okate und Vo\u00dfloch eine Einbuchtung nach S\u00fcden.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst 1832 war mit der <strong>Kiel-Altona-Chaussee<\/strong> eine erste Kunststra\u00dfe gebaut worden, die heutige B4. Rechts in der Karte schneidet sie knapp die Grafschaft nahezu in Nord-S\u00fcd-Richtung. Chausseen waren &#8222;befestigte Stra\u00dfen mit einem durch Gr\u00e4ben begrenzten Fahrdamm und einer Verschlei\u00dfdecke, die durch Festwalzen unregelm\u00e4\u00dfiger Steine (Basalt, Granit, Kies) unter Sand- und Wasserbeigabe hergestellt wurden und auch Makadam-Stra\u00dfen hie\u00dfen, nach dem Schotten McAdam, der diese Bauweise um 1820 propagierte.&#8220; Die Fahrzeit zwischen den Hafenst\u00e4dten Kiel und Altona konnte damit von bisher 16 auf 9 und f\u00fcr Kuriere auf 6 Stunden verringert werden. Auch die Transportleistung von Fuhrwerken konnte um das Dreifache gesteigert werden. (Lange 1996, S. 58)<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1826 hatte es eine <strong>Extrapoststation in Barmstedt<\/strong> f\u00fcr Personenbef\u00f6rderung gegeben, sie wurde aber nach Schr\u00f6der bald wegen mangelnder Nachfrage wieder aufgegeben. In die Bresche sprangen aber Barmstedter <strong>Pferde-Omnibusunternehmer<\/strong>, die Personentransporte mit der Kutsche nach Hamburg anboten. Sie w\u00e4hlten seit dem Bau der Chaussee die Strecke \u00fcber Quickborn nach Hamburg. Dadurch verk\u00fcrzte sich die einfache Fahrzeit gegen\u00fcber dem traditionellen Weg \u00fcber Ellerhoop und die Thiensener Br\u00fccke auf 5 &#8211; 6 Stunden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Postamt1844.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1381\" width=\"446\" height=\"307\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Postamt1844.jpg 736w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Postamt1844-300x206.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das erste Barmstedter Postamt von 1844 in der K\u00f6nigstr. 30<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ab 1844 gab es jedoch einen <strong>Eisenbahn-Anschluss in Elmshorn<\/strong>. Dadurch wurde es sehr viel attraktiver, f\u00fcr Personen, Frachten und Briefe diesen Weg zu w\u00e4hlen. Allerdings waren die Wegeverh\u00e4ltnisse zwischen Barmstedt und Elmshorn noch sehr schlecht. Deshalb versuchte man, seitdem die Entscheidung \u00fcber die Eisenbahntrasse gefallen war, einen <strong>Chausseebau zwischen den Flecken Barmstedt und Elmshorn<\/strong> voranzutreiben. Dies gelang jedoch erst 1853, wobei der Verlauf der alten Landstra\u00dfe weitgehend beibehalten wurde, nur zwischen Barmstedt und Vo\u00dfloch wurde die Strecke deutlich begradigt. Wie auf allen Chausseen im K\u00f6nigreich wurden in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Chausseegeld-Hebestellen errichtet, die aus typischen quadratischen H\u00e4uschen bestanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich der Briefpost fand Barmstedt ab 1844 durch die Errichtung einer <strong>ersten Briefpost-Expedition<\/strong> am 1.10.1844 in der K\u00f6nigstra\u00dfe 30 an die allgemeine Entwicklung Anschluss. Dieses Haus steht heute noch. W\u00e4hrend vorher ein Boteng\u00e4nger aus Barmstedt zweimal w\u00f6chentlich abholte und dann gegen Geb\u00fchr austrug, wurde jetzt vom Postamt aus t\u00e4glich ein Botengang von Elmshorn nach Barmstedt und in der Gegenrichtung durchgef\u00fchrt. Ab 1854 wurde daf\u00fcr ein Postwagen angeschafft, der neben dem selteneren Frachtposttransport den Briefverkehr erledigte. (D\u00f6ssel 1988, S. 183ff)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86213\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Der Eisenbahnstreit zwischen Barmstedt und Elmshorn und die Revolution des Verkehrswesens<\/h2><div id=\"ac-86213\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>In England waren die ersten Dampfeisenbahnen 1825 in Betrieb genommen worden. In k\u00fcrzester Zeit machte das Beispiel in ganz Europa Schule, \u00fcberall wurden Eisenbahnlinien aufgebaut. Extra hierzu gegr\u00fcndete Aktiengesellschaften brachten das n\u00f6tige Kapital auf und schon in den 1830er Jahren entstanden auch in den deutschen Staaten jeweils eigene Linien. Der erfolgreiche englische Konstrukteur George Stephenson lieferte die erste Eisenbahn auf deutschem Boden, den &#8222;Adler&#8220; aus der Maschinenfabrik in Darlington, dessen Jungfernfahrt zwischen N\u00fcrnberg und F\u00fcrth am 7. Dezember 1835 stattfand.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Eisenbahnwaggons1845-1024x191.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1352\" width=\"490\" height=\"91\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Eisenbahnwaggons1845-1024x191.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Eisenbahnwaggons1845-300x56.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Eisenbahnwaggons1845-768x143.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Eisenbahnwaggons1845.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 490px) 100vw, 490px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich suchte man auch im d\u00e4nischen Gesamtstaat &#8211; ganz besonders in den Herzogt\u00fcmern &#8211; nach M\u00f6glichkeiten, Anschluss an die moderne Zeit zu finden. Die Planung der Eisenbahnlinie von Altona nach Kiel geriet ab 1840 in die letzte Phase. Interessierte Kaufmannskreise in Kiel und Altona gr\u00fcndeten <strong>Eisenbahnkomitees<\/strong> und beauftragten &#8211; mit k\u00f6niglicher Erlaubnis &#8211; den englischen Ingenieur <strong>G. W. Buck<\/strong> damit, eine m\u00f6glichst sinnvolle Linienf\u00fchrung zur Verbindung beider St\u00e4dte zu finden. Am 15. Oktober 1840 legte er seine Vorschl\u00e4ge vor, die darauf hinausliefen, westlich der Altona-Kieler Chaussee \u00fcber Neum\u00fcnster, Hingstheide, Barmstedt und Thesdorf wegen ihrer K\u00fcrze und geringsten Gel\u00e4ndeschwierigkeiten eine Eisenbahnlinie zu bauen. Die Komitees w\u00e4hlten daraufhin eine <strong>Linie \u00fcber Pinneberg &#8211; Barmstedt &#8211; Kellinghusen &#8211; Neum\u00fcnster<\/strong> aus und warben f\u00fcr die <strong>Aktienzeichnung<\/strong> der neugegr\u00fcndeten AG.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"260\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Eisenbahn1.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-1351\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Lokomotive Holstein auf der Medaille zur Er\u00f6ffnung der Strecke<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die <strong>Barmstedter B\u00fcrgerschaft<\/strong> setzte sich schnell f\u00fcr diese Streckenf\u00fchrung \u00fcber den eigenen Ort ein, so dass der Flecken am 10. April 1842 bei der Administratur 50 Aktien a 100 Species- Taler zeichnete. W\u00e4hrend in der Elmshorner Bev\u00f6lkerung die Barmstedter Begeisterung angeblich nicht verstanden worden sei, arbeitete dort eine Gruppe um Claus Panje f\u00fcr eine alternative Streckenf\u00fchrung \u00fcber Elmshorn. Die Argumente waren die Fleckensgr\u00f6\u00dfe Elmshorns im Verh\u00e4ltnis zu Barmstedt (4862 zu 1470 Einwohner), der umfangreiche Frachtdurchgangs- und Reiseverkehr, der Wirtschaftsstandort mit seinem Hafen und der reichen Marsch sowie die gr\u00f6\u00dfere Zahl erreichbarer Menschen. Von jetzt an wurde ein harter, auch sehr emotional gef\u00fchrter <strong>Konkurrenzkampf um die Linienf\u00fchrung<\/strong> gef\u00fchrt, der \u00fcber Jahrzehnte das Verh\u00e4ltnis der beiden Rantzauer Flecken tr\u00fcben sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Abordnungen wurden nach Kopenhagen geschickt, &#8222;um K\u00f6nigliche Majest\u00e4t zu bitten, dass die Eisenbahn \u00fcber Barmstedt und nicht \u00fcber Elmshorn gelegt werde. Nachdem war Baron Homfeldt aus Rellingen hier und bot als Entsch\u00e4digung 10.000 Rbthlr. Den 4. Februar war der Graf Reventlow, Amtmann zu Bordesholm, als k\u00f6nigl. Kommissar des Eisenbahnkomitees gesandt, um mit uns abzuhandeln, dass die Bahnlinie \u00fcber Elmshorn genommen werden d\u00fcrfe, welches ganz Barmstedt einstimmig ausschlug und mit \u201enein&#8220; beantwortete. <strong>Der K\u00f6nig hat es dem Komitee \u00fcberlassen und reserviert, \u00fcber Elmshorn zu bauen.<\/strong>&#8220; (J.J. Brockmann)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"444\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/ElmshornerBahnhof1844-1024x444.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1353\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/ElmshornerBahnhof1844-1024x444.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/ElmshornerBahnhof1844-300x130.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/ElmshornerBahnhof1844-768x333.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/ElmshornerBahnhof1844.jpg 1069w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Erster Elmshorner Bahnhof von 1844<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Damit war die Entscheidung gefallen: Elmshorn erhielt f\u00fcr seine industrielle Entwicklung am Knotenpunkt der Wasserstra\u00dfe Kr\u00fcckau und der Landstra\u00dfe von Itzehoe nach Altona eine weitere f\u00fcr die fr\u00fchindustrielle Zeit entscheidende Verkehrsader. <strong>Am 18.09.1844 wurde die &#8222;Christian VIII. Eisenbahn&#8220; feierlich er\u00f6ffnet<\/strong> und schon 1845 wurde die Erweiterung nach Gl\u00fcckstadt fertiggestellt. Aber erst 1896 erreichte Barmstedt mit der Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn seinen Anschluss an das Schienennetz. (Wulf, S. 55; eine ausf\u00fchrliche Darstellung zum Eisenbahnstreit und zur Postgeschichte bei D\u00f6ssel 1988, S.172-183; Frank 1987, S. 95-107)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Eisenbahnverbindung war deshalb so wichtig f\u00fcr die Entwicklung des Landes, weil <strong>Fahrzeit und Frachtkapazit\u00e4t<\/strong> damit in kurzer Zeit extrem verbessert wurden. W\u00e4hrend auf den sandigen, von den anliegenden Bauern immer wieder notd\u00fcrftig mit Feldsteinen ausgebesserten Wegen f\u00fcr Fuhrwerke und Postkutschen auf dem Weg von Kiel nach Altona noch 16 Stunden veranschlagt werden mussten &#8211; sofern kein Achsen- oder Radbruch passierte &#8211; wurde auf der Chaussee mit ihrer festen Verschlei\u00dfdecke eine Fahrzeit von 9 Stunden erreicht und die Kapazit\u00e4t erh\u00f6hte sich um das Dreifache. Durch die Eisenbahn aber konnte die Fahrzeit auf unter drei Stunden reduziert werden und die Transportkapazit\u00e4t erh\u00f6hte sich ins Unvorstellbare. Die Kosten je Tonnenkilometer reduzierten sich auf ein Zehntel und weniger. Eine der sichtbaren Folgen f\u00fcr das gesamte Land war damit auch das Ende der Ochsentriften. Die riesigen <strong>Rinderherden<\/strong>, die aus J\u00fctland bisher auf dem &#8222;Ochsenweg&#8220; in die St\u00e4dte des S\u00fcdens getrieben wurden, verschwanden jetzt in den Eisenbahnwaggons. Die \u00fcberregionale Verbindung der Eisenbahnen nach S\u00fcden wurde allerdings erst 1866 erreicht, als die <strong>Verbindungsbahn zwischen Hamburg und Altona<\/strong> eingeweiht wurde. Damit konnten schleswig-holsteinische Agrarprodukte bis in den deutschen Binnenraum ohne Umladen transportiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Parallel dazu ver\u00e4nderte sich auch das Zeitempfinden, denn die f\u00fcr die jeweilige Strecke festgelegten Abfahrts- und Ankunftszeiten wurden nach der <strong>Normalzeit<\/strong> der Sternwarte Hamburg bemessen. Damit diese Zeiten, an denen sich Fahrg\u00e4ste und Fuhrleute zu orientieren hatten, auch eingehalten wurden, wurde ab 1851 mit <strong>elektrischen Telegraphen<\/strong> die genaue Zeitangabe an die Bahnh\u00f6fe weitergeben. Diese neue Erfindung revolutionierte die Nachrichten\u00fcbermittlung nicht nur f\u00fcr die Bahnreisenden. Denn schon 1859 konnte die Kieler Kaufmannschaft befriedigt feststellen, dass &#8222;das Reisen f\u00fcr Gesch\u00e4ftsleute nicht mehr in der absoluten Notwendigkeit geboten wird&#8220;. (Lange 1996, S. 60) Denn der Anschluss ans Telegraphennetz lie\u00df jetzt auch gesch\u00e4ftliche Abmachungen zu, ohne dass die k\u00f6rperliche Anwesenheit in jedem Fall erforderlich war.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Holstein &#8211; und damit auch f\u00fcr Barmstedt, besonders aber f\u00fcr Elmshorn &#8211; war die damals noch eigenst\u00e4ndige holsteinische Stadt <strong>Altona<\/strong> von besonderer Bedeutung in dieser Phase der Fr\u00fchindustrialisierung. Sie war nicht nur die gr\u00f6\u00dfte in den Herzogt\u00fcmern und die zweitgr\u00f6\u00dfte im d\u00e4nischen Gesamtstaat, sondern auch als Endpunkt von Eisenbahn und Chaussee wichtiger Hafen, von der aus Waren aus D\u00e4nemark und den Herzogt\u00fcmern in alle Welt gingen, aber \u00fcber die auch wiederum Waren eingef\u00fchrt wurden. F\u00fcr unsere beiden Flecken bekam die Stadt als Abnehmer von Wolle, Holz und Gerberlohe zunehmende Bedeutung, denn in ihr waren neben Tabak- und Zigarrenfabriken die Textilindustrie und Gerbereien dominierend. (Wulf, S. 55ff)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86214\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Matth\u00e4us Friedrich Chemnitz und das Schleswig-Holstein-Lied<\/h2><div id=\"ac-86214\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"343\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/KarlMuellenhoffTitel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1367\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/KarlMuellenhoffTitel.jpg 250w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/KarlMuellenhoffTitel-219x300.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ab Beginn der 1840er Jahre kam es langsam zur <strong>Versch\u00e4rfung der nationalen Spannungen<\/strong>. K\u00f6nig Christian VIII. hatte auf Vorschlag der schleswigschen St\u00e4ndeversammlung D\u00e4nisch als Amtssprache in Nordschleswig einf\u00fchren lassen, was aus Sicht der &#8222;Schleswig-Holsteiner&#8220; die Einheit der Herzogt\u00fcmer gef\u00e4hrdete. Auch in anderen Staaten des Deutschen Bundes waren nationale Gef\u00fchle erregt worden, u.a. durch die Forderung aus Frankreich, den <strong>Rhein als Westgrenze<\/strong> f\u00fcr sich zu reklamieren. Angefeuert worden war diese Stimmung auch durch die auf das Mittelalter gewandte kulturelle Str\u00f6mung der <strong>Romantik<\/strong>. Es entstand so das Bed\u00fcrfnis nach einer verkl\u00e4rten Vergangenheit, die u.a. den preu\u00dfischen K\u00f6nig dazu bewog, den Weiterbau des seit 300 Jahren unfertigen K\u00f6lner Doms anzuordnen. Die meisten Liberalen in den Herzogt\u00fcmern waren inzwischen <strong>Nationalliberale<\/strong> geworden, die unter Beseler eine Allianz eingingen mit der Ritterschaft und dem erzkonservativen <strong>Herzog von Augustenburg<\/strong>, der wiederum Erbanspr\u00fcche auf Schleswig-Holstein stellte, wenn der kinderlose Kronprinz Friedrich sterben w\u00fcrde. Dieser Erbanspruch wurde damit Teil der &#8222;Fundamentals\u00e4tze&#8220; der &#8222;<strong>Landespartei<\/strong>&#8222;.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem die <strong>Gebr\u00fcder Grimm<\/strong> 1812 ihre &#8222;<strong>Kinder- und Hausm\u00e4rchen<\/strong>&#8220; ver\u00f6ffentlicht hatten, war ein gro\u00dfes Interesse an mittelalterlichen und volkst\u00fcmlichen M\u00e4rchen- und Sagenstoffen entstanden, das zunehmend auch regional orientiert war. Karl M\u00fcllenhoff ver\u00f6ffentlichte 1845 seine <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=138BAAAAQAAJ&amp;printsec=frontcover&amp;dq=Holstein&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=MVjlUOC2Es3OswaN6YCgCQ&amp;ved=0CDQQ6AEwAA\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sagen, M\u00e4rchen und Lieder der Herzogt\u00fcmer Schleswig, Holstein und Lauenburg<\/a>, die er nach seinen Studien in Kiel, Leipzig und Berlin gesammelt hatte. Er erhielt sp\u00e4ter eine Professur f\u00fcr Medi\u00e4vistik in Kiel, dann in Berlin und trat an der Akademie der Wissenschaft in Berlin die Nachfolge von Jacob Grimm an.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/426px-Matthaus_Friedrich_Chemnitz.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1316\" width=\"288\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/426px-Matthaus_Friedrich_Chemnitz.jpg 426w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/426px-Matthaus_Friedrich_Chemnitz-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Matth\u00e4us Friedrich Chemnitz<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schleswig-Holstein_meerumschlungen\" target=\"_blank\">Schleswig-Holstein-Lied<\/a> von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Matth%C3%A4us_Friedrich_Chemnitz\" target=\"_blank\">Matth\u00e4us Friedrich Chemnitz<\/a> (1815-1870) wurde in der vorrevolution\u00e4ren und von nationalen Str\u00f6mungen gepr\u00e4gten Zeit 1844 zum ersten Mal auf einem gro\u00dfen S\u00e4ngerfest in Schleswig aufgef\u00fchrt, verbreitete sich schnell in ganz Deutschland als nationaler Hit und wurde auf dem W\u00fcrzburger S\u00e4ngerfest 1845 st\u00fcrmisch gefeiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es dr\u00fcckte &#8211; wie das &#8222;Lied der Deutschen&#8220; von Hoffmann von Fallersleben, das 1841 auf der englischen Insel Helgoland entstanden war &#8211; die national gepr\u00e4gte Stimmung b\u00fcrgerlicher und deutsch gesinnter Kreise aus. Schleswig-Holstein war als Grenzgebiet zwischen den Reichen jahrhundertelang unbestritten unter d\u00e4nischer Krone gewesen, obwohl nur das Herzogtum Schleswig d\u00e4nisches Lehen gewesen war. Durch den Vertrag von Ripen hatte die Ritterschaft beider Landesteile sich ein historisches Recht auf dauernde Zusammengeh\u00f6rigkeit unter einer Krone gesichert. Die d\u00e4nische Krone war damals an die deutsche Dynastie der Oldenburger gefallen. Eine &#8222;nationale&#8220; Frage hatte es entsprechend nie gegeben. Erst nach 1815, mit zunehmender <strong>Verfassungsdiskussion<\/strong> aufgrund v\u00f6llig ver\u00e4nderter gesellschaftlicher Bedingungen sowohl in D\u00e4nemark als auch in den verschiedenen deutschen und angrenzenden F\u00fcrstent\u00fcmern, war die Frage nationaler Grenzen akut geworden. Hinzu kam der <strong>d\u00e4nische Staatsbankrott von 1815<\/strong>, der eine erh\u00f6hte Steuerlast f\u00fcr die Herzogt\u00fcmer mit sich gebracht hatte. Lornsen und Dahlmann hatten f\u00fcr Schleswig-Holstein jeweils unterschiedliche Zugeh\u00f6rigkeiten gefordert. Lornsen war, obwohl er f\u00fcr eine &#8222;schleswigholsteinische&#8220; Verfassung unter d\u00e4nischer Krone eingetreten war, von eben dieser Krone mit einj\u00e4hriger Haft bestraft worden. Auch in D\u00e4nemark gab es starke b\u00fcrgerliche Kreise, die eine demokratische Verfassung forderten, dabei aber das Herzogtum Schleswig einbeziehen wollten, und zwar &#8222;bis zur Eider&#8220;. Entsprechend wurden sie &#8222;<strong>Eiderd\u00e4nen<\/strong>&#8220; genannt. Gegen diese Position richteten sich die &#8222;Deutschgesinnten&#8220;. Wichtige Formen politischer \u00d6ffentlichkeit in dieser von Zensur gepr\u00e4gten Zeit waren einerseits <strong>Burschenschaften<\/strong> f\u00fcr die Studenten, andererseits <strong>Sch\u00fctzenvereine, Turnvereine, Liedertafeln und Gesangsvereine<\/strong> f\u00fcr das B\u00fcrgertum. Aus diesen heraus fand die Agitation f\u00fcr eine Zugeh\u00f6rigkeit Schleswig-Holsteins zu einem zuk\u00fcnftigen national geeinten Deutschland bzw. D\u00e4nemark statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Matth\u00e4us Friedrich Chemnitz wurde <strong>1815 in Barmstedt<\/strong> als Sohn des Pastoren Paul Chemnitz im Pastorat an der H\u00f6rn, der heutigen Chemnitzstra\u00dfe, geboren und von ihm &#8211; wie es damals \u00fcblich war &#8211; bis zur Primareife, was heute der Versetzung in die Oberstufe entspricht &#8211; unterrichtet. Danach besuchte er in Altona von 1832 bis 1835 das Christianeum. Als sein Vater 1834 starb, zog seine Mutter in das Predigerwitwenhaus &#8222;An\u00b4n Riekenreeg&#8220; (Reichenstra\u00dfe). Nach dem Abitur studierte er Jura in Kiel und wurde ab 1840 <strong>Rechtsanwalt in Schleswig<\/strong>. Er war Turner und wurde bald Mitglied des Schleswiger S\u00e4ngervereins, dessen Dirigent der Kantor am St.Johanniskloster Karl Gottlieb Bellmann war.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"656\" height=\"482\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Lith-SHmeerumschlungen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1374\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Lith-SHmeerumschlungen.jpg 656w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Lith-SHmeerumschlungen-300x220.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 656px) 100vw, 656px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Lithografie aus den 1840er Jahren mit Symbolen aus dem Schleswig-Holstein-Lied: die zusammengewachsene &#8222;Doppeleiche&#8220;, die aufgehende Sonne f\u00fcr den &#8222;sch\u00f6neren Morgen&#8220;. Vorn stehen ein Student mit der 1845 verbotenen blau-wei\u00df-roten Landesfahne und ein Turner mit der schwarz-rot-goldenen Fahne der deutschen Einheitsbewegung, darin 4 &#8222;F&#8220;s f\u00fcr &#8222;frisch, fromm, fr\u00f6hlich, frei&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1844 veranstaltete dieser <strong>Schleswiger S\u00e4ngerverein ein gro\u00dfes S\u00e4ngerfest<\/strong> mit Einladungen an alle entsprechenden Vereine in Schleswig und Holstein. Zur Begr\u00fc\u00dfung wurden \u00fcberall Fahnen ausgeh\u00e4ngt in den alten Wappenfarben blau-wei\u00df-rot. Vor ca. 14.000 H\u00f6rern fand das S\u00e4ngerkonzert statt, danach im Festzelt nach einer Rede auf das &#8222;ungedeelte&#8220; Vaterland die <strong>erste Auff\u00fchrung des neuen Schleswig-Holstein-Liedes<\/strong>, die in ungeheurem Jubel geendet haben soll. Der Komponist war <strong>Bellmann<\/strong>, Autor dieses Liedes war Chemnitz. Er hatte allerdings nur ein anderes Lied von Stra\u00df, auf das Bellmann bereits die Melodie geschrieben hatte, umgedichtet und ihm diese vaterl\u00e4ndisch-deutsche Tendenz gegeben. Nach diesem Erfolg traten die Schleswig-Holsteiner S\u00e4nger mit diesem Lied auch in W\u00fcrzburg beim ersten gro\u00dfen deutschen S\u00e4ngerfest mit 20.000 Teilnehmern an. Chemnitz war auch dabei. Ein Erfolg des Liedes soll es gewesen sein, dass man sich in ganz Deutschland f\u00fcr die Schleswig-Holsteinische Frage zu interessieren begann. Den politischen Kampf unterst\u00fctzte Chemnitz durch &#8222;Korrespondenzen&#8220; in deutschen Zeitungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Heimatort des Dichters gr\u00fcndeten im gleichen Jahr begeisterte S\u00e4nger die <strong>Barmstedter Liedertafel<\/strong>, die sich 1844 &#8211; wohl aus Anlass dieses Erfolges &#8211; eine neue Fahne zulegte. Kosten incl. Zubeh\u00f6r 160 Speziesthaler. (Brockmann) Die Geschichte der Liedertafel ist in einem Zeitungsartikel von 1970 hier teilweise dokumentiert. Das \u00f6ffentliche Singen war aber schnell wieder vorbei, denn bereits 1847 &#8222;wurden die <strong>\u00f6ffentlichen Singvereine untersagt<\/strong>, weil da von politischen Sachen gesprochen wurde.&#8220; (Brockmann)<\/p>\n\n\n\n<p>1846 bis 1847 ward hier ein neues Spritzenhaus (f\u00fcr die Feuerwehr) gebaut und eine &#8222;2schl\u00e4gige Pumpe&#8220; angeschafft. 1847 wurde noch ein Nachtw\u00e4chter mehr angestellt und die halbe Stunde gerufen.[\u2026] 17. April kostete pr. Tonne Roggen in Hamburg 7 Speziesthaler, ein Preis, der seit 100 Jahren nicht dagewesen. 1847 war es eine gro\u00dfe dr\u00fcckende Teurung an Lebensmitteln. (Brockmann)<\/p>\n\n\n\n<p>1846\/47 f\u00fchrte die prek\u00e4re Situation der landwirtschaftlichen Lohnarbeiter zu Streiks und Demonstrationen, den sog. <a href=\"https:\/\/geschichte-s-h.de\/sh-von-a-bis-z\/i\/instenunruhen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Instenunruhen<\/a>. Die Agrarhochkonjunktur in Verbindung mit Mechanisierung und Arbeitskr\u00e4fte\u00fcberangebot hatten zu Lohnsenkungen bei gleichzeitigen Preissteigerungen gef\u00fchrt. Viele dieser l\u00e4ndlichen Arbeitskr\u00e4fte wichen in die St\u00e4dte aus, um dort Arbeit zu finden, erh\u00f6hten dort jedoch nur das ebenfalls vorhandene \u00dcberangebot an Arbeitskr\u00e4ften. Dieser &#8222;<strong>Pauperismus<\/strong>&#8220; hatte in vielen Gegenden Deutschlands teils erhebliche <strong>soziale Unruhen<\/strong> zur Folge, von denen der bekannteste der Weberaufstand in Schlesien war. Die nun <strong>entstehende Arbeiterbewegung<\/strong> sollte f\u00fcr die zuk\u00fcnftige politische Entwicklung eine immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung gewinnen, denn sie brachte die liberalen Kr\u00e4fte in Interessenkonflikte. Industrielle k\u00e4mpften zwar f\u00fcr b\u00fcrgerliche Freiheiten, sahen sich jetzt aber gleichzeitig den sozialen Forderungen der Arbeiter gegen\u00fcber in der Defensive.<\/p>\n\n\n\n<p>Die politische Auseinandersetzung in der Verfassungsfrage wurde erregt, als K\u00f6nig Christian VIII. in einem &#8222;<strong>offenen Brief<\/strong>&#8220; am 8.Juli 1846 die <strong>dynastische Erbfolgefrage<\/strong> rechtlich neu auslegen wollte. Er vertrat die Auffassung, dass die in D\u00e4nemark, nicht aber in Holstein m\u00f6gliche weibliche Thronfolge f\u00fcr die Herzogt\u00fcmer gelten sollte, was nach der noch immer g\u00fcltigen absolutistischen &#8222;Lex Regia&#8220; in D\u00e4nemark durchaus m\u00f6glich sein. Diese Auffassung prallte zusammen mit derjenigen der &#8222;Schleswig-Holsteiner&#8220;, die bereits 1837 den Herzog Christian August aus der Augustenburger Linie der Oldenburger zum Favoriten erkl\u00e4rt hatten. <strong>Aus Protest l\u00f6sten sich die beiden St\u00e4ndeversammlungen in Holstein (Itzehoe) und Schleswig auf.<\/strong> Nachdem es in Nortorf und Neum\u00fcnster zu <strong>gro\u00dfen Protestversammlungen<\/strong> gekommen war, <strong>verbot die Regierung alle politischen Volksversammlungen, Vereinigungen und Petitionen in Holstein<\/strong>. Als K\u00f6nig Christian VIII. im Januar 1848 starb, versuchte sein Sohn und Nachfolger <strong>Friedrich VII.<\/strong> zun\u00e4chst eine Kompromissl\u00f6sung und suchte den Konflikt in der Einberufung einer <strong>Verfassungsversammlung<\/strong> zu l\u00f6sen. Hier aber traten die beiden nationalliberalen Parteien D\u00e4nemarks und der Herzogt\u00fcmer unvers\u00f6hnlich aufeinander.<\/p>\n\n\n\n<p>In Frankreich kam es am 21.02.1848 zur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Februarrevolution_1848\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Februarrevolution<\/a>, als nach einer Wirtschaftskrise sich die allgemeine Unzufriedenheit mit der inzwischen reaktion\u00e4r regierenden &#8222;Julimonarchie&#8220; unter dem &#8222;B\u00fcrgerk\u00f6nig&#8220; Louis-Philippe in Protestdemonstrationen und Barrikadenk\u00e4mpfen ausdr\u00fcckte. Die Regierung st\u00fcrzte und der K\u00f6nig floh nach England. Zum ersten Mal hatte sich an diesem Aufstand neben den Liberalen und Konservativen die neu entstandene <strong>Arbeiterbewegung<\/strong> beteiligt, war auch in der ersten Revolutionsregierung vertreten. Beschl\u00fcsse, wie die <strong>Abschaffung der Sklaverei in den Kolonien, Wahlrecht, Pressefreiheit und das Recht auf Arbeit<\/strong> konnten in diesem gro\u00dfen B\u00fcndnis gefasst werden. Die Linke unterlag aber nach der Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung. Nach einem erneuten Aufstand der Arbeiter im Juni wurde mit milit\u00e4rischer Gewalt vom Pr\u00e4sidenten Cavaignac die Ordnung brutal wieder hergestellt und etwa 15.000 Verurteilte in \u00fcberseeische Straflager verbannt. Bei der Wahl im Dezember 1848 unterlag Cavaignac dem Mitbewerber Louis-Napoleon, der 1851 nach einem Staatsstreich durch Populismus und geschickte Taktik erfolgreich eine neue diktatorische Verfassung und ein Plebiszit f\u00fcr eine neue Monarchie durchf\u00fchren konnte. Am 2. Dezember 1852 lie\u00df er sich zum neuen Kaiser der Franzosen unter dem Namen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Napoleon_III.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Napoleon III.<\/a> ausrufen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86215\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Deutsche Revolution von 1848 und schleswig-holsteinischer Krieg<\/h2><div id=\"ac-86215\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Nach dem Tod Christians VIII. wurde sein Sohn, <strong>Friedrich VII.<\/strong>, im Januar 1848 K\u00f6nig von D\u00e4nemark. Gleich nach Regierungsantritt bem\u00fchte er sich darum, das Verfassungsversprechen seines Vorg\u00e4ngers umzusetzen. Jedoch wurde das heikle Unternehmen einer Einigung durch die Revolutionen in Frankreich (24. Februar) und im Deutschen Bund (ab 27. Februar) praktisch unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/765px-Maerz1848_berlin.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1322\" width=\"373\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/765px-Maerz1848_berlin.jpg 765w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/765px-Maerz1848_berlin-300x235.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 373px) 100vw, 373px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">M\u00e4rz-Revolution in Deutschland<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die restaurative Politik in den deutschen F\u00fcrstent\u00fcmern hatte fast \u00fcberall zu einer revolution\u00e4ren Stimmung gef\u00fchrt, die durch politische Repression, uneingel\u00f6ste Verfassungsversprechen und soziale Not der unteren Schichten ausgel\u00f6st war. Der Funken aus Frankreich sprang auf ganz Europa \u00fcber und brachte demokratische und nationale Bewegungen neben Schleswig-Holstein auch in Polen und Italien zum Aufstand. In den meisten deutschen Staaten kam es durch die Unruhen zur <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Revolution_1848\/1849\" target=\"_blank\">Deutschen M\u00e4rz-Revolution<\/a>. Die F\u00fcrsten setzten als Zugest\u00e4ndnis ihre alten Kabinette ab und bildeten M\u00e4rzministerien, die wie in Frankreich Zugest\u00e4ndnisse an die aufst\u00e4ndischen Gruppen machten. Die revolution\u00e4ren M\u00e4rz-Forderungen bestanden aus 1.Volksbewaffnung mit freier Wahl der Offiziere, 2. Pressefreiheit, 3. Schwurgerichte nach englischem Vorbild, 4. sofortige Herstellung eines deutschen Parlaments, 5. Menschen- und B\u00fcrgerrechte, 6. deutscher Nationalstaat, 7. Verfassung.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 18. M\u00e4rz versammelten sich St\u00e4ndevertreter beider Herzogt\u00fcmer zu einer <strong>gemeinsamen Sitzung in Rendsburg<\/strong>, wo sie ein <strong>Grundgesetz f\u00fcr Schleswig und Holstein, die Aufnahme Schleswigs in den Deutschen Bund, Volksbewaffnung und Presse- und Versammlungsfreiheit<\/strong> forderten. Eine Abordnung wurde gew\u00e4hlt, die diese Forderungen nach Kopenhagen tragen sollten. Hier jedoch hatte bereits eine ebenso revolution\u00e4re, aber d\u00e4nische liberale Partei eine Demonstration zum K\u00f6nigspalast organisiert. Diese konnte mit ihrer &#8222;Macht der Stra\u00dfe&#8220; ein <strong>eiderd\u00e4nisch besetztes nationalliberales Kabinett<\/strong> durchsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nachricht davon traf am 23. M\u00e4rz in Holstein ein und f\u00fchrte sofort zum <strong>Aufstand<\/strong>, &#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schleswig-Holsteinischer_Krieg_%281848%E2%80%931851%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">schleswig-holsteinische Erhebung<\/a>&#8220; genannt. Eine <strong>provisorische Regierung<\/strong> wurde gebildet, in der die gesamte Breite der Aufstandsbewegung enthalten war: Nationalliberale mit <strong>Beseler<\/strong>, die Nordschleswiger mit <strong>Bremer<\/strong>, die Konservativen mit <strong>Graf F. Reventlow-Preetz<\/strong> und die Erzkonservativen mit dem augustenburgischen <strong>Prinz Friedrich von Noer<\/strong>, die Liberalen mit <strong>M.T.Schmidt<\/strong> und die Demokraten mit <strong>Th. Olshausen<\/strong>. Fast alle Staatsbeamten und fast alle St\u00e4dte in den Herzogt\u00fcmern erkannten diese Regierung an, da sie ihren Putsch damit begr\u00fcndeten, der &#8222;unfreie K\u00f6nig&#8220; sei in der Gewalt der eiderd\u00e4nischen Kopenhagener (Schultz Hansen, S. 442). Die neue Regierung baute schnell nach der handstreichartigen Besetzung der Festung Rendsburg eine eigene Armee auf, die aber bereits am 9. April eine <strong>Niederlage gegen die d\u00e4nische Armee<\/strong> erlitt, die bis zum Danewerk vorr\u00fcckte. Daraufhin entsandte der Deutsche Bundestag unter der F\u00fchrung Preu\u00dfens Truppen, die die d\u00e4nischen Kontingente am 23. April bei Schleswig besiegen konnten und das ganze Herzogtum Schleswig besetzten. Auf russisch-englischen-schwedischen Druck, die ein gemeinsames Interesse an der Erhaltung des status Quo vereint, wurde <strong>am 26. August 1848 in Malm\u00f6 ein auf sieben Monate befristeter Waffenstillstand<\/strong> geschlossen. &#8222;F\u00fcr die Revolution\u00e4re in Berlin, Frankfurt und Kiel markiert der Vertrag den Scheitelpunkt. \u00dcberall verebbt die Sto\u00dfkraft der Bewegung. Ihr Schicksal entscheidet sich am Besitz der Bajonette.&#8220; (Jessen, 129) Im Herzogtum Schleswig bildeten sich an vielen Orten <strong>Volksmilizen<\/strong>, in Holstein nur an einigen Orten, insbesondere um Kiel, Segeberg, Altona und Itzehoe, dazu kamen die <strong>B\u00fcrgerwehren<\/strong> der St\u00e4dte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Charakter dieses Aufstandes wurde je nach politischer Richtung sehr unterschiedlich gesehen. Die Demokraten sahen hierin eine Revolution des Volkes gegen absolutistische K\u00f6nigsmacht und Adel und gr\u00fcndeten demokratische und Vaterlandsvereine, bauten daneben ihre Presse aus. Das nationalliberale Zentrum hatte seine Basis in den B\u00fcrgervereinen und den neuen &#8222;Deutschen Vereinen&#8220; sowie in der etablierten Presse. Der rechte Fl\u00fcgel bestand aus Ritterschaft, Gutsbesitzern, h\u00f6heren Beamten und Altliberalen. Der Deutsche Bundestag hatte im M\u00e4rz Wahlen zu einer <strong>verfassunggebenden Nationalversammlung in Frankfurt\/M.<\/strong> beschlossen. In Holstein fanden diese am 1. Mai 1848 statt. Alle M\u00e4nner \u00fcber 21 durften teilnehmen, nur Verbrecher und Empf\u00e4nger von Armenunterst\u00fctzung (!) waren ausgenommen. Als im Sommer die Wahlen zur schleswig-holsteinischen Landesversammlung stattfanden, nahmen nur noch etwa 15 % der Wahlberechtigten teil. In der hier schlie\u00dflich beschlossenen Verfassung wurde einerseits die Personalunion mit D\u00e4nemark, andererseits die Zugeh\u00f6rigkeit auch Schleswigs zum Deutschen Bund beschlossen. Das Wahlrecht wurde gegen die Linke als ein 2-Klassen-System beschlossen, in dem nur 50 von 100 nach allgemeinem, gleichen Wahlrecht gew\u00e4hlt werden sollten, die anderen 50 nach einem Zensuswahlrecht. Die d\u00e4nische Verfassung war demgegen\u00fcber liberaler. Dennoch war diese <strong>Verfassung vom 15. September 1848<\/strong> durch Einf\u00fchrung von Freiheitsrechten u.a. die Glaubensfreiheit auch f\u00fcr Juden eine der liberalsten dieser Zeit. (Schultz Hansen, S. 446)<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem <strong>Waffenstillstand von Malm\u00f6<\/strong> hatte Preu\u00dfen akzeptiert, dass die <strong>Provisorische Regierung zur\u00fccktreten musste<\/strong>, was eine Flut von Protesten im ganzen Deutschen Bund hervorrief. Statt dessen wurde jetzt eine <strong>Gemeinsame Regierung<\/strong> auf Gottorf eingesetzt, die zwar die erste verfassungsm\u00e4\u00dfige Regierung f\u00fcr beide Herzogt\u00fcmer darstellte, jedoch von Liberalen, Demokraten und d\u00e4nisch gesinnten Kreisen nicht akzeptiert wurde. Zu den &#8222;f\u00fcnf K\u00f6nigen von Gottorf&#8220; geh\u00f6rte auch <strong>Adolph von Moltke<\/strong>, der sp\u00e4tere Administrator auf Rantzau. Er war ein Kandidat, der von d\u00e4nischer und schleswig-holsteinischer Seite akzeptiert wurde, da er als Deputierter der Deutschen Kanzlei bereits der Kopenhagener Gesamtstaatsregierung angeh\u00f6rt hatte, sich aber auch zum Delegierten in der (revolution\u00e4ren) Landesversammlung in Kiel hatte w\u00e4hlen lassen. Er war wiederum so konservativ gewesen, dass er sich nicht als Mitglied der Provisorischen Regierung hatte aufstellen lassen. Als Mitglied der Gemeinsamen Regierung nun k\u00fcmmerte er sich im Wesentlichen um die im Verlauf der Revolution aufgeflammte &#8222;soziale Frage&#8220;. (Jessen, S.131)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Soziale Aufst\u00e4nde<\/strong>: Die Insten, also Tagel\u00f6hner v.a. auf den G\u00fctern und in Dithmarschen, forderten mehr Lohn und k\u00fcrzere Arbeitszeiten. Die <strong>Instenunruhen<\/strong>, gleichzeitig mit den nationalen &#8211; eher b\u00fcrgerlich gepr\u00e4gten Aufst\u00e4nden, f\u00fchrten dazu, dass schon die Provisorische Regierung auf den G\u00fctern Sicherheitswachen organisiert und gleichzeitig eine Kommision zur Untersuchung der Lage der Insten eingesetzt hatte, die aber nicht beendet wurde. \u00dcberall in Deutschland hatte sich die Lage der Arbeiter dramatisch zugespitzt. 1847 waren die L\u00f6hne auf einen Tiefstand gefallen, was Abgeordnete der Paulskirche, aber auch M\u00e4nner wie Olshausen in Kiel dazu gebracht hatte, die soziale Frage zu einem Thema der Revolution zu machen. Die Demokraten griffen deshalb zur Selbsthilfe und gr\u00fcndeten \u00fcber 30 <strong>Arbeitervereine<\/strong>, in denen demokratische Schulung, fachliche Ausbildung und der Aufbau von Hilfskassen auf Gegenseitigkeit stattfand. Anfang 1850 wurde der <strong>Schleswig-Holsteinische Arbeitergesamtverein<\/strong> ins Leben gerufen, in dessen Zentralkomitee Demokraten wie Olshausen und Claussen sa\u00dfen. Politisch-weltanschaulich war diese Bewegung noch nicht organisiert. <strong>Fr\u00fchsozialistische Bewegungen<\/strong> wie der &#8222;Bund der Ge\u00e4chteten&#8220; waren auf wandernde Handwerker beschr\u00e4nkt gewesen. In K\u00f6ln hatten die Philosophen <strong>Karl Marx und Friedrich Engels<\/strong> erst im April 1848 die Kommunistische Partei gegr\u00fcndet und im Herbst 1848 wurde in Berlin ein allgemeiner Arbeiterkongress veranstaltet, aus dem die erste \u00fcberregionale Gewerkschaft, die <strong>Allgemeine deutsche Arbeiterverbr\u00fcderung<\/strong> hervorging. Sie fordert ein allgemeines Wahlrecht, Koalitionsrecht, Genossenschaften f\u00fcr Produktion und Konsum, Arbeitsnachweise, Gesundheitspflegevereine, Kranken- und Sterbekassen. Das &#8222;Erhebungsheer&#8220; sollte in Schleswig-Holstein aus Sicht der Gemeinsamen Regierung in erster Linie die &#8222;offene Anarchie&#8220; verhindern, und &#8222;eine soziale und demokratische Revolution im Keim ersticken.&#8220; Der preu\u00dfische Oberbefehlshaber Bonin griff zum Beispiel mit H\u00e4rte durch, als 50 Pioniere seine Strafma\u00dfnahmen als \u00fcbertrieben kritisierten, indem er sie der Meuterei anklagte und zum Tode verurteilen lie\u00df. Aufgrund massiver Protest wurden diese jedoch nicht vollstreckt. (Jessen, S.132f) Moltke hielt sich zu dieser Zeit in Berlin auf, um den preu\u00dfischen K\u00f6nig zur R\u00fccknahme des Abzugs der preu\u00dfischen Offiziere aus den Herzogt\u00fcmer zu bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Waffenstillstand am 27. M\u00e4rz 1849 wegen der fehlenden Uneinigkeit in der Frankfurter Nationalversammlung, ob ihm zugestimmt werden sollte oder nicht, auslief, <strong>k\u00fcndigte D\u00e4nemark den Vertrag von Malm\u00f6<\/strong>. Die Gemeinsame Regierung trat zur\u00fcck und wurde durch eine <strong>Statthalterschaft<\/strong> aus Beseler und Graf Reventlow-Preetz ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der preu\u00dfische K\u00f6nig Friedrich Wilhelm IV. war gerade von der Nationalversammlung zum deutschen Kaiser gew\u00e4hlt worden, der diese vom Volk \u00fcbertragene W\u00fcrde aber mit den Worten ablehnt, die Krone sei ein &#8222;aus Dreck und Letten gebackener Reif&#8220;<\/strong>. (Jessen, S.136) Damit war auch das Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung gekommen, und alle Tr\u00e4ume von einer nationalen Einigung unter demokratischen Vorzeichen waren beerdigt. Der K\u00f6nig gew\u00e4hrte f\u00fcr Preu\u00dfen eine Verfassung mit einem nach dem Dreiklassenwahlrecht zusammengesetzten Abgeordnetenhaus und gr\u00fcndete die &#8222;Deutsche Union&#8220;, einen Bund von 28 deutschen F\u00fcrsten. Damit war au\u00dfer mit Bayern und W\u00fcrttemberg bereits der Umfang des sp\u00e4teren Deutschen Reichs erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Ende des Waffenstillstandes <strong>begannen die Feindseligkeiten zwischen Schleswig-Holsteinern und D\u00e4nen erneut<\/strong>. Am 5. April griffen <strong>d\u00e4nische Kriegsschiffe K\u00fcstenbatterien bei Eckernf\u00f6rde<\/strong> an, was mit einer d\u00e4nischen Niederlage endete, ebenso ging es bei D\u00fcppel und Kolding. Bei <strong>Fredericia<\/strong> aber siegten die D\u00e4nen \u00fcber das schleswig-holsteinische Belagerungsheer und es kam durch russische Drohung unter britischer Vermittlung zum <strong>Berliner Waffenstillstand mit Besetzungen und internationaler Verwaltung des Herzogtums Schleswig<\/strong>.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Idstedt-LoeweWannsee.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1365\" width=\"383\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Idstedt-LoeweWannsee.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Idstedt-LoeweWannsee-300x225.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Idstedt-LoeweWannsee-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 383px) 100vw, 383px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Idstedt-L\u00f6we am Wannsee in Berlin<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>1850 schlossen D\u00e4nemark, Preu\u00dfen und der Deutsche Bund Frieden<\/strong> auf der Grundlage des status quo. Das schleswig-holsteinische Erhebungsheer versuchte ohne weitere milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung von au\u00dfen dennoch weiterzuk\u00e4mpfen. Die entscheidende letzte Schlacht bei Idstedt endete mit gro\u00dfen Verlusten auf beiden Seiten und einem Sieg der D\u00e4nen. An diesen Sieg sollte der ber\u00fchmte <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/geschichte-s-h.de\/sh-von-a-bis-z\/i\/idstedt-loewe\/\" target=\"_blank\">Idstedter L\u00f6we<\/a> erinnern, der in der Folge eine bewegte Geschichte erlebte. Erst 1862 zur Erinnerung an die d\u00e4nischen Gefallenen in Flensburg aufgestellt, wurde er bereits 1864 nach dem preu\u00dfisch-\u00f6sterreichischen Sieg wieder von seinem Sockel entfernt, 1867 nach Berlin transportiert und 1945 nach Kopenhagen geschafft. Eine Kopie steht aber noch heute am Wannsee in Berlin. In vielen Orten &#8211; auch in Barmstedt &#8211; wurden Ehrenmale, v.a. in Kirchen, zum Gedenken an die Gefallenen der Erhebung aufgestellt. Das Schleswig-Holstein-Lied wurde verboten, ebenso die blau-wei\u00df-roten Fahnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Scheitern der Revolution in Deutschland und der schleswig-holsteinischen Erhebung<\/strong> f\u00fchrte zur <strong>Emigration vieler Demokraten<\/strong>. Zwar erlie\u00df der d\u00e4nische K\u00f6nig 1851 ein Amnestiegesetz, 20 Aufr\u00fchrer wurden davon jedoch ausdr\u00fccklich ausgeschlossen, f\u00fcr andere gab es keine Anstellung mehr. Prominente Auswanderer nach Amerika waren Hans Reimer Claussen, Friedrich Hedde und Theodor Olshausen. Letzterer wurde in Iowa Chefredakteur einer Zeitung und verurteilte scharf die Sklaverei. Er kehrte zwar 1865 nach Europa zur\u00fcck, ging aber in die republikanische Schweiz. Ein anderer Prominenter war Graf Adalbert Baudissin, der 1864 ein sehr kritisches Buch \u00fcber die sozialen und politischen Verh\u00e4ltnisse unter dem Titel &#8222;Peter T\u00fctt in Amerika&#8220; ver\u00f6ffentlichte. Allein in den ersten 5 Monaten des Jahres 1851 wanderten 3600 Schleswig-Holsteiner nach Amerika aus. Viele Idstedt-Veteranen k\u00e4mpften im B\u00fcrgerkrieg gegen die Sklavenstaaten des S\u00fcdens. (Degn, S.236f)<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer prominenter Auswanderer, der allerdings zun\u00e4chst nur bis nach Hamburg ging, war Matth\u00e4us Friedrich <strong>Chemnitz<\/strong>. Auch sein Bruder Martin war in Idstedt umgekommen. Er selbst wurde zun\u00e4chst Redakteur der &#8222;Hamburger Nachrichten&#8220;, siedelte aber bald nach W\u00fcrzburg um, wo er zun\u00e4chst bei der Main-Dampfschiffahrtsgesellschaft als Sekret\u00e4r, sp\u00e4ter beim Polytechnischen Verein als Historiker arbeitete. Er heiratete 1855 Marie Katharine Wittmann in der Barmstedter Kirche, zog aber mit ihr wieder nach W\u00fcrzburg und gr\u00fcndete dort eine Familie. (D\u00f6ssel, Stadt und Kirchspiel, S. 231f)<\/p>\n\n\n\n<p>Im November 1850 wurde die &#8222;<strong>Punktuation von Olm\u00fctz<\/strong>&#8220; geschlossen, bei der Preu\u00dfen sich verpflichtete, die kleindeutsche Sammlungspolitik aufzugeben und auf Druck der beiden Gro\u00dfm\u00e4chte Gro\u00dfbritannien und Russland sich verpflichtete, aus Schleswig-Holstein abzuziehen. Die Statthalterschaft wurde beendet und ein d\u00e4nischer und zwei deutsche Kommissare \u00fcbernahmen die Regierung in Holstein. Die Statthalter hatten auf eine Volksbewaffnung verzichtet, denn: &#8222;Zwei Feinde sind es, die uns drohen: die Despotie D\u00e4nemarks von der einen und die Demokratie von der anderen Seite\u2026&#8220; So urteilte das b\u00fcrgerliche Mitglied der ehemaligen &#8222;Gemeinsamen Regierung&#8220; Boysen. (Jessen, S. 140) <strong>1851 erhielt der d\u00e4nische K\u00f6nig seine vollen landesherrlichen Rechte auf Holstein zur\u00fcck<\/strong>. Den Schlusspunkt setzte der <strong>Londoner Vertrag vom 8.Mai 1852<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem <strong>Londoner Protokoll<\/strong> wurde durch alle europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte D\u00e4nemarks Gesamtstaatlichkeit anerkannt und die Billigung einer gemeinsamen Erbfolge f\u00fcr D\u00e4nemark und die Herzogt\u00fcmer. In dieser Zeit traf die Kopenhagener Regierung sehr umstrittene repressive Ma\u00dfnahmen, um Schleswig in den d\u00e4nischen Staat zu inkorporieren und gleichzeitig Holstein und Lauenburg auszusondern. Das Letztere geschah durch Aufl\u00f6sung der gemeinsamen Beh\u00f6rden und getrennte Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr Holstein-Lauenburg. 1854 wurden von Kopenhagen zudem St\u00e4ndeverfassungen f\u00fcr Holstein und Schleswig oktroyiert. Einige dieser Ma\u00dfnahmen standen jedoch in Widerspruch zu den Abmachungen von 1852, was zu Protesten der holsteinischen und lauenburgischen St\u00e4ndeversammlungen beim Deutschen Bund und zu einer erneuten deutschlandweiten Diskussion der Schleswig-Holstein-Frage f\u00fchrte. (Bohn, S.93)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86216\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Die letzte d\u00e4nische Phase beginnt<\/h2><div id=\"ac-86216\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Die Familie Moltke und Barmstedt<\/p>\n\n\n\n<p>Siehe dazu das Kapitel: <a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=313\" data-type=\"post\" data-id=\"313\">Bernhard Adolf Erdmann Georg von Moltke<\/a><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86217\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Barmstedt, Gro\u00dfendorf und Rantzau 1850 bis 1863<\/h2><div id=\"ac-86217\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Auch an Barmstedt und Rantzau waren die revolution\u00e4ren Unruhen nicht vorbeigegangen. Neben der national betonten Begeisterung f\u00fcr Schleswig-Holstein, die in der Gr\u00fcndung von Vereinen wie der Liedertafel und dem Sch\u00fctzenverein zum Ausdruck kam, beteiligten sich auch viele Barmstedter und Dorfbewohner aus dem Kirchspiel an den Erhebungskriegen. Die Gedenktafel in der Barmstedter Kirche am n\u00f6rdlichen Seitenausgang erinnert bis heute an die eigenen Toten von damals.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/RauertSchlossinsel1840gedreht.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1387\" width=\"323\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/RauertSchlossinsel1840gedreht.jpg 584w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/RauertSchlossinsel1840gedreht-262x300.jpg 262w\" sizes=\"auto, (max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Grundrisszeichung der Schlossinseln 1852 nach Rauert<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Als Adolf von Moltke die Administratur erhielt, war als Amtsverwalter der Grafschaft bereits seit 1843 an dieser Stelle <strong>Matthias Heinrich Theodor Rauert<\/strong> t\u00e4tig. Die auf den Lithografien wiedergegebenen Szenen erwecken den Eindruck von einer Rantzauer Idylle, die allerdings in scharfem Kontrast steht zu den politischen, sozialen und \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen dieser Zeit. Die Zeichnung oben links stammt vom Elmshorner Lithografen R. von Duhn. Die \u00fcbrigen von Rauert. Man erkennt aus der Grundrisszeichnung der Schlossinseln, dass aus den drei Wohninseln, die noch 1805 existierten, zu Rauerts Zeit bereits zwei geworden waren, als n\u00e4mlich 1818 aufgrund des Vorschlags von Stratens der Wasserlauf zwischen der ersten und zweiten zugesch\u00fcttet worden war (s. o.). Der ganze Komplex war mit dem Vorwerk durch eine Br\u00fccke verbunden, die allerdings seit 1836 nicht mehr allabendlich geschlossen wurde. Die Zugbr\u00fccke wurde abgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Rauert war 1840 bekannt geworden durch sein Buch &#8222;Die Grafschaft Rantzau&#8220;. In seiner Zeit als Amtsverwalter zeichnete er hierzu die oben abgebildete Karte der Grafschaft, die heute als wertvolle zeitgen\u00f6ssische Quelle Grenzen, Wege und Fl\u00e4chennutzungen von 1852 deutlich macht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neubauten auf Rantzau<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Gerichtsgebaeude.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1359\" width=\"230\" height=\"274\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das neues Amtsgerichtsgeb\u00e4ude von 1863<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Trotz der politisch aufgeladenen Situation lie\u00df der d\u00e4nische Staat auf Rantzau neue Geb\u00e4ude errichten. <strong>1863 wurden das alte Gerichtsgeb\u00e4ude auf der mittleren Schlossinsel und die alte Kornwasserm\u00fchle abgerissen und durch moderne Geb\u00e4ude ersetzt, die heute noch stehen.<\/strong> Die <a href=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?p=816\" data-type=\"post\" data-id=\"816\">Rantzauer Wasserm\u00fchle<\/a> erhielt jetzt ihre beiden hintereinander laufenden Wasserr\u00e4der, die einzigen ihrer Art in den Herzogt\u00fcmern. Zun\u00e4chst war der Antrieb unterschl\u00e4chtig ausgef\u00fchrt, kurze Zeit sp\u00e4ter wurde bereits umgebaut und die R\u00e4der oberschl\u00e4chtig betrieben. Von jetzt an lief das Wasser der Kr\u00fcckau von oben auf die Schaufeln herab. Die Modernisierung war wohl nicht nur wegen Verschlei\u00dfes der alten Maschinerie n\u00f6tig geworden. Seit 1854 stand sie im Wettbewerb, da der M\u00fchlenzwang f\u00fcr die Bauern weggefallen war. Der M\u00fchlenp\u00e4chter Bornholdt musste investieren, um die Mehlqualit\u00e4t, die Kapazit\u00e4t und Verl\u00e4sslichkeit zu verbessern. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.rantzauer-wassermuehle.de\/index.php\/de\/startseite\" target=\"_blank\">Zur Homepage der Rantzauer Wasserm\u00fchle<\/a><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Muehlengebaeude1815.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1378\" width=\"-815\" height=\"-538\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Muehlengebaeude1815.jpg 784w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Muehlengebaeude1815-300x198.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Muehlengebaeude1815-768x507.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 784px) 100vw, 784px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Rantzauer Wasserm\u00fchle 1863-1962, Foto: Peter Steenbuck<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das nebenstehende Bild von der Rantzauer Wasserm\u00fchle, das Peter Steenbuck als eines seiner ersten Barmstedt-Bilder in den 1950er Jahren aufgenommen hat, d\u00fcrfte die Situation von 1863 bis 1962 ziemlich genau wiedergeben. Hinten ist die alte M\u00fchlenscheune zu sehen, in der Mitte das M\u00fcllerhaus. Beide waren im Jahre 1815 gleich nach Ende der napoleonischen Kriege erbaut worden. Auf dem Balken \u00fcber der Grootd\u00f6r des M\u00fcllerhauses war eingeschnitzt: FR VI (Friedrich VI.) den 14ten Seot.1815. Vorn ist die neue M\u00fchle von 1863 zu sehen. Die beiden sch\u00f6nen reetgedeckten H\u00e4user wurden leider 1962 bzw. 1970 abgerissen, die Scheune nach einem Sturmschaden. Die Stra\u00dfe zwischen M\u00fchlengeb\u00e4ude und Burggraben war eine Landstra\u00dfe. Nach S\u00fcden bog sie hinter dem M\u00fcllerhaus ab und f\u00fchrte dort weiter nach Bevern. Nach Heede ging es geradeaus weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Rantzauer Wasserm\u00fchle vollst\u00e4ndig von der Menge des zur Verf\u00fcgung stehenden Wassers &#8211; als einziger Energiequelle &#8211; abhing, hatte der <strong>M\u00fcller das Staurecht<\/strong>. Ab Herbst durfte er die Kr\u00fcckau bis zum Fr\u00fchjahr aufstauen, um immer gen\u00fcgend Energie zur Verf\u00fcgung zu haben. Dadurch entstand regelm\u00e4\u00dfig im Winterhalbjahr ein see\u00e4hnliches Gew\u00e4sser auf den sumpfigen Kr\u00fcckauwiesen, ein Bild, das ein wenig an den heutigen Rantzauer See erinnert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1012\" height=\"629\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/UeberschwemmteWiesenKirche.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1390\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/UeberschwemmteWiesenKirche.jpg 1012w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/UeberschwemmteWiesenKirche-300x186.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/UeberschwemmteWiesenKirche-768x477.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1012px) 100vw, 1012px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">So sahen die Wiesen regelm\u00e4\u00dfig w\u00e4hrend des Winterhalbjahres aus: \u00fcberschwemmt.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Im Flecken nebenan, in Barmstedt, entstanden in den 1850er Jahren mehrere neue Geb\u00e4ude,<\/strong> die zum Teil heute noch existieren. Auf dem Bild links erkennt man das neue gro\u00dfe Haus der Witwe Pohlmann. Sie hatte neben die Rodesche Privilegierte Apotheke einen Gerbereibetrieb gebaut, aus dem sp\u00e4ter ein Arzthaus wurde. Seit 1953 residiert hier das Amt Rantzau. Daneben sieht man das Predigerhaus an der Kirchenstra\u00dfe, heute Kirchenstr. 4. Es wurde 1852 mit einem riesigen Stra\u00dfengiebel neu erbaut, der sp\u00e4ter aber entfernt wurde. Es wurde im Fr\u00fchjahr 1853 von Pastor Redling bezogen. Das dritte Bild zeigt im Hintergrund das gleiche Haus ohne Giebel. Gegen\u00fcber dem Pastorat, in der kleinen Kirchenstra\u00dfe, baute ein Herr Erhorn ein gro\u00dfes B\u00fcrgerhaus, das aber 1863 abbrannte. An gleicher Stelle lie\u00df Edmund Reimers dann das hier sichtbare Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus errichten, in dem er eine Buchhandlung er\u00f6ffnete.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AK-Barmstedt-1907WegVossloch.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1335\" width=\"305\" height=\"483\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AK-Barmstedt-1907WegVossloch.jpg 519w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AK-Barmstedt-1907WegVossloch-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 305px) 100vw, 305px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ansichtskarte von 1907<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>1853 war endlich mit dem Bau der Chaussee zwischen Barmstedt und Elmshorn begonnen worden.<\/strong> Sie war die erste befestigte Verbindung zwischen beiden Flecken der Grafschaft. Zwischen Vo\u00dfloch und Barmstedt war der Streckenverlauf vorher sehr krumm gewesen, jetzt wurde er begradigt, wie auf dem nebenstehenden Bild zu sehen ist. Nach S\u00fcden, also Richtung Bevern\/Pinneberg und Heede, f\u00fchrte die Landstra\u00dfe damals \u00fcber Rantzau, alle Fuhrwerke mussten die enge Stelle zwischen den Geb\u00e4uden der Wasserm\u00fchle und dem Burggraben passieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls in den 1850er Jahren errichtete Peter Grelck neben der Eggerstedtschen Windm\u00fchle in der Feldstra\u00dfe ein <strong>S\u00e4gewerk<\/strong>. Dieser neue &#8211; wahrscheinlich erstmals mit Windkraft angetriebene &#8211; Holzbetrieb wird der Grund gewesen sein, dass ab 1872 Jasper Grelck gro\u00dfe sandige Fl\u00e4chen \u00f6stlich von Barmstedt aufkaufte und aufforstete. Seidem kennen die Barmstedter ihre <strong>Grelckschen Tannen<\/strong>, eines der wichtigsten Naherholungsgebiete der Gegend.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 127 Jahren wurde die <strong>Orgel in der Heiligen-Geist-Kirche repariert und ver\u00e4ndert<\/strong>. Im obrigkeitlichen Stil der Zeit wurde der Kirchenvorstand folgenderma\u00dfen in Kenntnis gesetzt:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Orgelvor1968-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1380\" width=\"428\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Orgelvor1968-2.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Orgelvor1968-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Orgelvor1968-2-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 428px) 100vw, 428px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Orgel in der Barmstedter Kirche, hier mit dem &#8222;neuen&#8220; dunklen Anstrich von 1857. Das Taufbecken stand bis 1960 noch unter der Empore.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><em>&#8222;Der Kirchenjurat J. C. Willing in Barmstedt wird hierdurch befehligt und geladen, am Mittenwochen den 15. April d. J. Morgens 10 Uhr im hiesigen Gerichtshause zu erscheinen, um wegen des projektierten Barmstedter Orgelbaues Mittheilungen zu empfangen. K\u00f6nigl. Administratur zu Ranzau den 11. April 1857&#8220;<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sog. Hauptreparatur wurde von der Fa. Marcussen in Apenrade durchgef\u00fchrt. &#8222;Bei dieser Reparatur wurde in spieltechnischer Hinsicht zwar vieles verbessert, das klangliche Bild der Orgel wurde aber leider sehr ver\u00e4ndert. So wurden fast 1000 der herrlichen Pfeifen einfach entfernt und daf\u00fcr neue Register eingebaut, die in einer Barock-Orgel wie Fremdk\u00f6rper wirkten und den einheitlichen Gesamtklang der Orgel st\u00f6rten\u2026Zu dieser Zeit wurde auch der helle Anstrich der Orgel angeschliffen und das Geh\u00e4use mit Mahagonifarbe angestrichen.&#8220; (Heinz Aude)<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Bild ist die Orgel noch mit dem alten dunklen Anstrich und ohne R\u00fcckpositiv zu sehen, also etwa in dem Zustand von 1857. Mit der Orgelreparatur 1960 wurde sie um das R\u00fcckpositiv erweitert und zum Kirchenjubil\u00e4um 1968 farblich so gestaltet, wie wir sie heute kennen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86218\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Krimkrieg, Risorgimento und Amerikanischer B\u00fcrgerkrieg<\/h2><div id=\"ac-86218\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/800px-Battle_of_Sinop.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1324\" width=\"342\" height=\"232\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/800px-Battle_of_Sinop.jpg 800w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/800px-Battle_of_Sinop-300x203.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/800px-Battle_of_Sinop-768x520.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 342px) 100vw, 342px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die russische Flotte zerst\u00f6rt die osmanische in der Seeschlacht bei Sinope. Bild von Iwan Aiwasowski<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Krimkrieg 1853-1856<\/strong>. Im S\u00fcdosten Europas begann im Juli 1853 mit der russischen Besetzung der Donauf\u00fcrstent\u00fcmer Moldau und Walachei der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krimkrieg\" target=\"_blank\">Krimkrieg<\/a>, in dessen Verlauf die Gro\u00dfmacht Russland (Zar Nikolaus I.) gegen das Osmanische Reich (&#8222;Hohe Pforte&#8220; unter Sultan Abdulmecid I.\/General Omar Pascha), Gro\u00dfbritannien (Queen Victoria\/Lord Aberdeen) und Frankreich (Napoleon III.) k\u00e4mpfte. Vordergr\u00fcndig ging es um die russische Forderung auf ein Protektorat in Pal\u00e4stina, um den orthodoxen Christen ein ungest\u00f6rtes Beten in der Grabeskirche zu erm\u00f6glichen. Dahinter stand jedoch die Absicht, das zwar noch gigantisch gro\u00dfe, aber von innerem Zerfall bedrohte (&#8222;der kranke Mann am Bosporus&#8220;) Osmanische Reich in die Knie zu zwingen und die Kontrolle \u00fcber den Bosporus, die Dardanellen und den Balkan zu bekommen. Unterst\u00fctzt wurde diese Strategie von dem seit Beginn des Jahrhunderts in der russischen Gesellschaft immer st\u00e4rker werdenden Panslawismus, der die Unterst\u00fctzung der Aufst\u00e4nde in den von den Osmanen beherrschten Balkanstaaten forderte. Gro\u00dfbritannien und Frankreich schlossen 1854 f\u00f6rmlich einen Kriegshilfevertrag mit den Osmanen, \u00d6sterreich forderte &#8211; ohne in den Krieg einzgreifen &#8211; Russland auf, sich aus den Donauf\u00fcrstent\u00fcmern zur\u00fcckzuziehen und marschierte schlie\u00dflich ohne Kriegshandlungen dort ein. Damit war die <strong>&#8222;Heilige Allianz&#8220; der F\u00fcrsten Europas von 1815 endg\u00fcltig beendet<\/strong> und f\u00fcr Preu\u00dfen entstand so eine wesentlich g\u00fcnstigere Situation, seine Machtstellung innerhalb des Deutschen Bundes auszubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Aufbau der osmanischen Festungslinie an der Donau und an der Ausbildung der Truppen hatte der Bruder des neuen Rantzauer Administrators, zun\u00e4chst d\u00e4nische, dann preu\u00dfische Offizier <strong>Helmuth von Moltke<\/strong> entscheidenden Anteil gehabt, als er 1835-39 als Milit\u00e4rberater in osmanischen Diensten stand. \u00dcber seine Jahre im Orient hatte er das Buch &#8222;Unter dem Halbmond&#8220; mit dem Untertitel &#8222;Briefe \u00fcber Zust\u00e4nde und Begebenheiten in der T\u00fcrkei aus den Jahren 1835 bis 1839&#8220; verfasst. Dieses Buch und seine Adjutantenstellungen bei Mitgliedern der preu\u00dfischen Herrscherfamilie machten ihn interessant f\u00fcr den preu\u00dfischen Generalstab, an dessen Spitze er schlie\u00dflich 1858 stand. Seit 1850 war er zudem politisch zu einem Anh\u00e4nger einer antirevolution\u00e4r-konservativen kleindeutschen Einigungsbewegung geworden. (Jessen, S. 147)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Krimkrieg wurde nach dem freiwilligen R\u00fcckzug der Russen aus den Donauf\u00fcrstent\u00fcmern 1854 zu einem Invasionskrieg der Franzosen und Briten, als sie nach der Landung in Warna (Bulgarien) statt einen Waffenstillstand zu akzeptieren, sich auf die Eroberung der Krim konzentrierten. Auch in der Ostsee beschossen die Briten russische Ziele und konnten die Festung Bormasund und Suomanlinna im damals russischen Finnland erobern. Auf der Krim konnte schlie\u00dflich trotz hoher Verluste durch Cholera und Krieg der russische Kriegshafen Sewastopol eingenommen werden. Im M\u00e4rz 1856 schlossen die Kriegsgegner &#8211; zum antirussischen B\u00fcndnis war seit Januar 1855 auch das K\u00f6nigreich Sardinien-Piemont dazugekommen \u2013 den <strong>Frieden von Paris<\/strong>. Festgelegt wurde die Integrit\u00e4t der T\u00fcrkei, die Zugeh\u00f6rigkeit der Donaum\u00fcndungen und eines Teils Bessarabiens zum F\u00fcrstentum Moldau, freie Schifffahrt auf der Donau und Neutralit\u00e4t des Schwarzen Meeres.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"281\" height=\"350\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Risorgimento_Giuseppe_Garibaldi.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1388\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Risorgimento_Giuseppe_Garibaldi.jpg 281w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Risorgimento_Giuseppe_Garibaldi-241x300.jpg 241w\" sizes=\"auto, (max-width: 281px) 100vw, 281px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Giuseppe Garibaldi<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In <strong>Italien<\/strong> bestand \u00e4hnlich wie in Deutschland eine starke <strong>nationale Einheitsbestrebung, das Risorgimento<\/strong>. Das Land war ebenso in kleinere F\u00fcrstent\u00fcmer unterteilt und stand nach den verlorenen K\u00e4mpfen in der revolution\u00e4ren Zeit 1848\/49 weiterhin unter der Herrschaft des Papstes und konservativer F\u00fcrsten, die mit der Habsburger- oder Bourbonen-Linie verwandt waren. Die demokratische Bewegung war hier wie \u00fcberall in Europa stark geschw\u00e4cht. Der Kampf um das &#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Risorgimento#Revolution_und_Krieg_zwischen_Sardinien-Piemont_und_.C3.96sterreich:_1848.2F49\" target=\"_blank\">Risorgimento<\/a>&#8220; (dt. &#8222;Wiedererstehung&#8220;, Bezeichnung f\u00fcr die sozialen und politischen Bewegungen zur Herstellung eines Nationalstaats) wurde deshalb jetzt vom K\u00f6nigreich Sardinien-Piemont mit au\u00dfenpolitischer Unterst\u00fctzung und unter konservativen Vorzeichen gef\u00fchrt. Deshalb war das kleine K\u00f6nigreich unter Ministerpr\u00e4sident Graf Cavour an der Seite Frankreichs in den Krim-Krieg eingetreten und hatte die politische Schw\u00e4che \u00d6sterreichs ausgenutzt, um einen B\u00fcndniskrieg um das \u00f6sterreichisch beherrschte Norditalien zu f\u00fchren. In der extrem verlustreichen Schlacht von Solferino beim Gardasee konnten die \u00f6sterreichischen Truppen geschlagen werden, so dass Sardinien-Piemont im November 1859 die Lombardei erhielt. Frankreich erhielt als Gegenleistung Nizza und Savoyen. In der Toskana war w\u00e4hrend des Krieges der habsburgische Gro\u00dfherzog gest\u00fcrzt worden, woraufhin in Volksabstimmungen die Zugeh\u00f6rigkeit der \u00f6sterreichischen Herrschaftsgebiete zu Sardinien-Piemont gefordert wurde. Der im Gegensatz zu Cavour eher republikanisch ausgerichtete Guiseppe Garibaldi landete im Mai 1860 im &#8222;Zug der Tausend&#8220; in Sizilien und eroberte mit Hilfe eines Volksaufstands das K\u00f6nigreich beider Sizilien. Um der Ausrufung einer Republik durch Garibaldi zuvorzukommen, eroberten die Truppen des sardinischen K\u00f6nigs Viktor Emanuel II. mit Zustimmung Frankreichs die Kirchenstaaten Umbrien und Marken und vereinigten sich schlie\u00dflich mit den Freisch\u00e4rlern Garibaldis. Dieser unterwarf sich einem Plebiszit und erkannte Viktor Emanuel II. als K\u00f6nig an. Im M\u00e4rz 1861 wurde die neue italienische Monarchie in Turin ausgerufen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/800px-Bodies_on_the_battlefield_at_antietam.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1325\" width=\"374\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/800px-Bodies_on_the_battlefield_at_antietam.jpg 800w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/800px-Bodies_on_the_battlefield_at_antietam-300x210.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/800px-Bodies_on_the_battlefield_at_antietam-768x538.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gefallene der Schlacht am Antietam, 1862<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Amerikanischer B\u00fcrgerkrieg 1861-65:<\/strong> Etwa zur gleichen Zeit begann in den USA der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sezessionskrieg\" target=\"_blank\">Sezessionskrieg<\/a> der S\u00fcdstaaten gegen die in der Union verbliebenen Nordstaaten. Ausgel\u00f6st wurde er durch den Protest des S\u00fcdens gegen die Wahl Abraham Lincolns zum Pr\u00e4sidenten, der in grundlegenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen in Konfrontation zu den politisch f\u00fchrenden Schichten der Sezessionisten stand. Im Vordergrund stand dabei die Sklavereifrage, an der sich die Gegens\u00e4tze beider Seiten am st\u00e4rksten zeigten. In diesem ersten modernen Krieg starben mehr Amerikaner als in allen US-Kriegen bis heute. Zum ersten Mal wurden Eisenbahnen und Torpedos sowie andere moderne Waffen eingesetzt. Er endete erst 1865 mit dem Sieg der Union und f\u00fchrte zum Aufstieg der USA zur Gro\u00dfmacht. Das wiedergegebene Foto von Alexander Gardner geh\u00f6rt zu den ersten fotografischen Kriegsdokumenten der Geschichte.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86219\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Industrielle Revolution und Arbeiterbewegung<\/h2><div id=\"ac-86219\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>W\u00e4hrend der 1850er und 1860er Jahre vollzog sich der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Industrielle_Revolution\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Durchbruch zur Industriellen Revolution<\/a>. Gerade die b\u00fcrgerlichen Schichten profitierten von einer weltweiten Hochkonjunktur, dem Eisenbahnbau, Chausseebau, der Montanindustrie und neuen Maschinen. Gro\u00dfunternehmen, Gro\u00dfbanken und Aktiengesellschaften entstanden und die Kommunikation wurde durch Erfindungen wie die Telegrafie (ab 1850 hatte sich die Morsetechnik durchgesetzt), schnellere Postverbindungen und eine expandierende Presselandschaft wesentlich vereinfacht. Wirtschaftspolitisch war durch den Deutschen Zollverein ein gemeinsamer Markt f\u00fcr die L\u00e4nder der kleindeutschen Sammlung entstanden, ausdr\u00fccklich ohne die Habsburger L\u00e4nder und unter preu\u00dfischer Vorherrschaft. Hamburg, das K\u00f6nigreich Hannover und die Herzogt\u00fcmer geh\u00f6rten noch nicht dazu, konnten aber bereits davon profitieren. Politisch und sozial wurde der <strong>Nationalismus<\/strong> durch die neuen geselligen Formen von S\u00e4nger-, Sch\u00fctzen-, Turnvereinen, Burschenschaften, durch gesamtdeutsche Verb\u00e4nde, z.B. den &#8222;Deutschen Nationalverein&#8220;, die &#8222;Deutsche Fortschrittspartei&#8220;, Schiller-Feiern und Historiker wie Droysen, Sybel, Mommsen und v.a. Treitschke immer st\u00e4rker verankert in der Gesellschaft. Gleichzeitig wurde aber auch der <strong>Gegensatz zwischen Arbeitern und B\u00fcrgertum<\/strong> immer deutlicher. Eine Klassengesellschaft entstand und l\u00f6ste nach und nach die st\u00e4ndische Gesellschaft ab. Der <strong>Adel<\/strong> behielt zwar in vielen Bereichen, v.a. im Milit\u00e4r, weiterhin ersten Zugriff auf die f\u00fchrenden Posten, aber seine Grundlage, der feudale Grundbesitz, verlor mit der Zunahme der Industrie immer mehr an Bedeutung.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Mann-der-arbeit-text.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1376\" width=\"433\" height=\"416\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Mann-der-arbeit-text.jpg 725w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Mann-der-arbeit-text-300x288.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Georg Herwegh dichtete im Gr\u00fcndungsjahr des ADAV das Bundeslied, das seitdem zum festen Repertoire der Arbeiterbewegung geh\u00f6rte<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Arbeiterbewegung entsteht:<\/strong> In Leipzig wurde am 23. Mai 1863 unter Mitwirkung der Abgesandten von Arbeiterversammlungen aus Leipzig, Hamburg, Harburg, K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf, Elberfeld, Barmen, Solingen, Frankfurt am Main, Mainz und Dresden der <strong>Allgemeine Deutsche Arbeiterverein<\/strong> (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Allgemeiner_Deutscher_Arbeiterverein\" target=\"_blank\">ADAV<\/a>) unter ma\u00dfgeblichem Einfluss des Journalisten Ferdinand Lassalle gegr\u00fcndet. Diese Arbeiterorganisation, die aus den liberal ausgerichteten <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arbeiterbildungsverein\" target=\"_blank\">Arbeiterbildungsvereinen<\/a> hervorgegangen war, verstand sich als \u201eVertretung der sozialen Interessen des deutschen Arbeiterstandes\u201c und vertrat vor allem die Forderung nach einem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht. Lassalle, der bereits ein Jahr nach Gr\u00fcndung des ADAV starb, hatte das &#8222;eherne Lohngesetz&#8220; vertreten, nach dem die Reall\u00f6hne nie h\u00f6her sein w\u00fcrden, als zur Ern\u00e4hrung der notwendigen Menge an Arbeitern notwendig war, daher nur vom Staat eine L\u00f6sung zur Verbesserung der Lage der Arbeiter zu erwarten war. Gewerkschaften w\u00fcrden demgem\u00e4\u00df nichts grunds\u00e4tzlich \u00e4ndern k\u00f6nnen. Die politische Linie wurde von Karl Marx und Friedrich Engels kritisiert, da sie zun\u00e4chst f\u00fcr ein B\u00fcndnis der Arbeiterklasse mit dem liberalen B\u00fcrgertum zur \u00dcberwindung der Reaktion eintraten. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Liebknecht\" target=\"_blank\">Wilhelm Liebknecht<\/a>, der hier die Marxsche Position vertrat, wurde 1865 aus dem ADAV ausgeschlossen, gr\u00fcndete dann aber mit <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/August_Bebel\" target=\"_blank\">August Bebel<\/a> und anderen zun\u00e4chst die S\u00e4chsische Volkspartei, die 1869 in der <strong>Sozialdemokratischen Arbeiterpartei<\/strong> (SDAP) aufging. Erst 1875 schlossen sich beide Parteien zur <strong>Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands<\/strong> <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sozialistische_Arbeiterpartei_Deutschlands_%281875%29\" target=\"_blank\">SAPD<\/a> zusammen, aus der 1890 die SPD wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>In Barmstedt gab es zu dieser Zeit bereits einen Ortsverein der SDAP, er wurde auf dem Vereinigungskongress &#8211; zusammen mit den Gruppen in Pinneberg und Uetersen &#8211; von H. Fahl vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb von <strong>Preu\u00dfen<\/strong> war es vor 1863 zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Preu%C3%9Fischer_Verfassungskonflikt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Verfassungskonflikt<\/a> zwischen K\u00f6nig und Parlament gekommen. Durch den Vertrag von Olm\u00fctz war Preu\u00dfen politisch gegen\u00fcber \u00d6sterreich in die Defensive gedr\u00e4ngt worden. In dieser Situation kam es innenpolitisch unter dem neuen K\u00f6nig Wilhelm I. zu einem <strong>harten Kampf um eine Heeresreform<\/strong>. Der K\u00f6nig, der Chef des Milit\u00e4rkabinetts von Manteuffel und der Kriegsminister von Roon wollten die von Scharnhorst und Boyen im Krieg gegen Napoleon geschaffene &#8222;Landwehr&#8220; zugunsten des &#8222;Linienheeres&#8220; zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Die liberale Mehrheit im preu\u00dfischen Abgeordnetenhaus sah in der Landwehr dagegen eine Parlamentsarmee und wollte sie erhalten. In dieser auf einen Staatsstreich zuzielenden Situation wurde <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_von_Bismarck\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Otto von Bismarck<\/a>, ein konservativer ostelbischer Junker, vom K\u00f6nig als letztes Mittel zum Ministerpr\u00e4sidenten ernannt. Gegen den Landtag setzte der die Heeresreform durch u. a. mit den ber\u00fchmten Worten in seiner Landtagsrede: &#8222;Nicht auf Preu\u00dfens Liberalismus sieht Deutschland, sondern auf seine Macht.(\u2026) Nicht durch Reden und Majorit\u00e4tsbeschl\u00fcsse werden die gro\u00dfen Fragen der Zeit entschieden &#8211; das ist der gro\u00dfe Fehler von 1848 gewesen-, sondern durch Blut und Eisen.&#8220; (Jessen, S.166)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86220\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Bundesexekution gegen D\u00e4nemark und Deutsch-D\u00e4nischer Krieg von 1864<\/h2><div id=\"ac-86220\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Im November 1863 starb der d\u00e4nische K\u00f6nig Friedrich VII. Sein Nachfolger <strong>Christian IX., K\u00f6nig von D\u00e4nemark etc., billigte unter dem Druck der Eiderd\u00e4nen ein neues d\u00e4nisches Grundgesetz, in dem das Herzogtum Schleswig in den d\u00e4nischen Staat einverleibt wurde<\/strong>.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Herzog_Friedrich_VIII_von_Augustenburg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1364\" width=\"276\" height=\"339\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Herzog_Friedrich_VIII_von_Augustenburg.jpg 686w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Herzog_Friedrich_VIII_von_Augustenburg-244x300.jpg 244w\" sizes=\"auto, (max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Friedrich VIII. von Augustenburg<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In den Herzogt\u00fcmern l\u00f6ste diese als Annektion verstandene Entscheidung sofort deutsch-nationale Gef\u00fchle und entsprechende politische Reaktionen aus. Friedrich VIII., der Sohn des <strong>Augustenburger Herzogs<\/strong> Christian August, meldete sofort mit der Dolziger Proklamation vom 16.11.1863 in Konkurrenz zum gerade auf den d\u00e4nischen Thron gestiegenen Christian von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Gl\u00fccksburg seine Anspr\u00fcche auf beide Herzogt\u00fcmer an und berief sich auf das Staatsgrundgesetz von 1848. &#8222;Wieder schwappt eine Woge nationaler Begeisterung durch alle L\u00e4nder des Bundes. Vereine, die den Augustenburger unterst\u00fctzen, schie\u00dfen hundertfach wie Pilze aus dem Boden. Versammlungen, Bittschriften, Spendenaufrufe und Zeitungsartikel &#8211; allerorts fordern Nationalisten die Ausrufung eines `Herzogtums Schleswig-Holstein\u00b4. Aus dem Wunsch nach Selbstregierung ist vollends ein nationales Anschlussprogramm entstanden.&#8220; (Jessen, S. 167)<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall in Deutschland schossen <strong>Schleswig-Holstein-Vereine<\/strong> wie Pilze aus dem Boden, &#8222;um die Agitation f\u00fcr den &#8222;Herzog&#8220; und die Herzogt\u00fcmer, f\u00fcr die &#8222;Wehrbarmachung der Volkskr\u00e4fte&#8220; und die Aufstellung von Freiwilligenverb\u00e4nden voranzutreiben. Vor allem die Turner- und Sch\u00fctzenvereine schlossen sich unter dem Motto &#8222;jetzt oder nie&#8220; dieser Aufbruchstimmung an und hielten milit\u00e4rische \u00dcbungen zum Beispiel in Parkanlagen ab.&#8220; (Zimmermann, S.13f) Dieser nationale Enthusiasmus, der im Gegensatz stand zu den preu\u00dfischen Zielen, ergriff auch Demokraten wie <strong>Klaus Groth und Theodor Storm<\/strong>. Letzterer beschwor die toten Krieger von Idstedt <a href=\"http:\/\/www.staff.uni-mainz.de\/pommeren\/Gedichte\/Storm\/graeber.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">in den &#8222;Gr\u00e4bern in Schleswig&#8220;<\/a> noch einmal in den Krieg zu ziehen. Der Augustenburger Herzog bereitete mit seinen Unterst\u00fctzern in vielen St\u00e4dten Holsteins den Aufbau einer schleswig-holsteinischen Armee vor. In diesem Sinne rief auch der <strong>Norddeutsche Sch\u00fctzenbund<\/strong> seine Mitglieder dazu auf, wieder wie schon 1848 zu den Waffen zu greifen. Aus ganz Deutschland meldeten sich Freiwillige f\u00fcr die geplante Armee und es trafen Spendengelder f\u00fcr deren Ausr\u00fcstung ein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bundesexekution f\u00fchrt zur Besetzung Holsteins durch deutsche Truppen<\/strong>: Bismarck allerdings hatte andere Ziele als die schleswig-holsteinische Opposition. Er wollte keinen zus\u00e4tzlichen deutschen Bundesstaat, sondern eine Vergr\u00f6\u00dferung des Preu\u00dfischen K\u00f6nigreichs. Diese Absicht blieb allerdings zun\u00e4chst geheim. Er berief sich stattdessen auf das Londoner Protokoll, gegen das die d\u00e4nische Regierung versto\u00dfen hatte. So konnte er \u00d6sterreich zu einer Allianz gegen D\u00e4nemark bringen. Ein <strong>preu\u00dfisch-deutsches Ultimatum<\/strong> und ein Beschluss zur <strong>Bundesexekution gegen Holstein<\/strong> f\u00fchrten schlie\u00dflich dazu, dass am Tag vor dem Heiligen Abend 1863 <strong>Truppen aus Sachsen und Hannover die Grenze zum Herzogtum Holstein \u00fcberschritten<\/strong>, w\u00e4hrend die D\u00e4nen sich hinter das Danewerk bei Schleswig zur\u00fcckgezogen hatten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Elmshorn_Propstenfeld_1864.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1354\" width=\"416\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Elmshorn_Propstenfeld_1864.jpg 800w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Elmshorn_Propstenfeld_1864-300x219.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Elmshorn_Propstenfeld_1864-768x561.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 416px) 100vw, 416px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Elmshorn. Versammlung auf dem Probstenfeld. Engl. Zeichnung<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die s\u00e4chsische und hannoversche Besetzung Holsteins &#8211; noch ohne die Preu\u00dfen &#8211; f\u00fchrte zun\u00e4chst zu einer Zwangsverwaltung im Namen des Deutschen Bundes, was besonders f\u00fcr die leitenden Beamten Folgen hatte: Diejenigen, die 1852 auf den d\u00e4nischen K\u00f6nig den Eid geleistet hatten, sollten aus ihrem Amt entlassen und vertrieben werden. Zu ihnen hatte auch der <strong>Administrator Adolph von Moltke auf Rantzau<\/strong> geh\u00f6rt. Ausgerechnet in seinem Verwaltungsbereich, der Grafschaft Rantzau, versammelten sich schon am 27. Dezember 1863 in <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Elmshorn#1863:_Unabh.C3.A4ngigkeit_von_D.C3.A4nemark\" target=\"_blank\">Elmshorn<\/a> auf dem Probstenfeld 20.000 Menschen und leisteten den Treueschwur, um den <strong>Augustenburger Herzog zum &#8222;Herzog von Schleswig-Holstein&#8220; auszurufen<\/strong> und damit den nationalen Anschluss an den Deutschen Bund zu fordern. Das holsteinische Komitee des Deutschen Nationalvereins wollte durch diese Aktion erreichen, dass der R\u00fcckenwind der von S\u00fcden einger\u00fcckten Truppen zu einem eigenst\u00e4ndigen deutschen Bundesstaat Schleswig-Holstein genutzt werden konnte. In allen gr\u00f6\u00dferen Orten s\u00fcdlich der Eider wurden solche Kundgebungen organisiert, aber dieses war die gr\u00f6\u00dfte, denn der Ort war durch den Eisenbahnanschluss mitten in Holstein g\u00fcnstig gelegen. (Zimmermann, S. 14)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Antrag auf Vertreibung der Eidleister unter den Beamten fand hier jedoch keine Mehrheit, m\u00f6glicherweise weil in diesen b\u00fcrgerlichen Kreisen die Angst vor dem Chaos einer sozialen Revolution durch den &#8222;Vierten Stand&#8220;, die Arbeiterschaft, zu stark war. In den Zeitungen &#8222;Hamburger Presse&#8220; und den &#8222;Schleswig-Holsteinischen Bl\u00e4ttern&#8220; wurden jedoch Anklagen gegen Moltke laut, er &#8222;habe Amtspflichten vorget\u00e4uscht, um nicht an einem allgemeinen Bettage mit and\u00e4chtig angeh\u00f6rten Reden der Pastoren Harder und Gardthausen teilnehmen zu m\u00fcssen.&#8220; (Jessen, S. 170) Als <strong>Ende Januar preu\u00dfische Truppen frostig von der Bev\u00f6lkerung empfangen<\/strong> wurden, stand Moltke wieder unter h\u00f6herem Schutz durch den neuen Zivilkommissar, der erkl\u00e4rte, &#8222;die treuen Beamten gegen Bedrohung und Verjagung durch das Volk zu sch\u00fctzen.&#8220; (ebd.) In Itzehoe hatte sich wie in vielen St\u00e4dten eine B\u00fcrgerwehr gebildet, die forderte, &#8222;sich dem erw\u00e4hnten Einmarsche \u00f6sterreichischer und preu\u00dfischer Truppen gewaltsam zu widersetzen, ihnen zumindest die Subsistenzmittel zu verweigern&#8220;. (Zimmermann, S.15)<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den B\u00fcrgerwehren organisierte sich die Opposition jetzt in <strong>Schleswig-Holsteinischen Vereinen<\/strong> und <strong>Kampfgenossenschaften<\/strong>. W\u00e4hrend die Vereine die Honoratioren des Bildungs- und Besitzb\u00fcrgertums umfasste, also Advokaten, \u00c4rzte, Apotheker, Lehrer, Fabrikanten und Kaufleute, wurden die &#8222;kleinen Leute&#8220; als ehemalige K\u00e4mpfer der &#8222;Schleswig-Holsteinischen Erhebung&#8220; mit den Kampfgenossenschaften oder Kriegervereinen angesporchen. <strong>Auch in Barmstedt wurden beide Vereine gegr\u00fcndet<\/strong>, so dass es neben dem Sch\u00fctzenverein, dem Turnverein, der Liedertafel und dem Evangelischen Frauenverein auch neue dezidiert politische Vereine gab. Eine f\u00fchrende Rolle im Schleswig-Holsteinischen Verein spielte der Apotheker und sp\u00e4tere B\u00fcrgermeister Otto Rode, was aus der Tatsache hervorgeht, dass er 1868 &#8211; nach dem Verbot der Schleswig-Holsteinischen Vereine duch die preu\u00dfische Regierung &#8211; das Vereinsverm\u00f6gen von 100 Courantmark im Auftrag seiner Mitglieder dem Evangelischen Frauenverein \u00fcbergab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die politische Zielrichtung der Kampfgenossenschaften bestand 1. in einer vollst\u00e4ndigen Trennung der Herzogt\u00fcmer von D\u00e4nemark, 2. keiner Teilung Schleswigs, 3. keiner Entscheidung ohne Zustimmung einer frei gew\u00e4hlten schleswig-holsteinischen Volksvertretung und des Herzogs. (ebd. S.20)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deutsch-d\u00e4nischer Krieg:<\/strong> In Berlin dr\u00e4ngte Generalstabschef von Moltke den Kanzler Bismarck dazu, die Einverleibung beider Herzogt\u00fcmer anzustreben. Ein neues, unabh\u00e4ngiges Herzogtum Schleswig-Holstein w\u00fcrde zum Satelliten \u00d6sterreichs werden und f\u00fcr Preu\u00dfen strategische Nachteile bedeuten. Bismarck ging jedoch diplomatischer vor und beschloss zun\u00e4chst gemeinsam mit \u00d6sterreich Schleswig als Pfand zu erobern und zu besetzen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1864Tote_SoldatenDueppel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1331\" width=\"466\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1864Tote_SoldatenDueppel.jpg 732w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1864Tote_SoldatenDueppel-300x205.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 466px) 100vw, 466px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tote Soldaten nach der D\u00fcppeler Schlacht. Englische Zeichnung<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Damit kam es zum <strong>Deutsch-d\u00e4nischen Krieg von 1864<\/strong>. Nach Verstreichen eines Ultimatums \u00fcberschritten Truppen beider M\u00e4chte die Eider und konnten das <strong>Danewerk<\/strong> fast kampflos einnehmen. Die d\u00e4nischen Truppen zogen sich hinter die W\u00e4lle von D\u00fcppel bei Sonderborg zur\u00fcck, w\u00e4hrend die Angreifer zun\u00e4chst weiter nach Norden vorr\u00fcckten. Entgegen Moltkes Rat befahl K\u00f6nig Wilhelm I. den <strong>Angriff auf D\u00fcppel<\/strong>, um durch einen schnelleren Erfolg England und Russland am Eingreifen zu hindern. Unter sehr hohen Verlusten gelang der Angriff und beinahe ganz J\u00fctland wurde erobert. Am 9. Mai 1864 kam es zum Waffenstillstand, nach dessen Ende im Juni die Preu\u00dfen unter Leitung Helmuth von Moltkes Alsen angriffen, wo sich die d\u00e4nischen Truppen festgesetzt hatten. Die D\u00e4nen verloren 3148 Soldaten, die Preu\u00dfen 372 und gewannen diese letzte Schlacht des Krieges.<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00e4nemark musste im Wiener Frieden am 30. Oktober 1864 auf die drei Herzogt\u00fcmer Holstein, Schleswig und Lauenburg verzichten, wodurch <strong>nach 400 Jahren der d\u00e4nische Gesamtstaat am Ende<\/strong> war. Der Augustenburger erhielt keinerlei Rechte und musste auf seine n\u00e4chste Chance warten. Stattdessen verwalteten \u00d6sterreich und Preu\u00dfen die Herzogt\u00fcmer als Kondominium. D\u00e4nemark musste neben den Herzogt\u00fcmern auch die Enklaven an der Westk\u00fcste abtreten, wozu Amrum, Sylt und Syd-R\u00f6m geh\u00f6rten, erhielt daf\u00fcr aber 7 Gemeinden bei Ripen und die Insel Aer\u00f6. Der riesige Idstedter L\u00f6we, der &#8211; als d\u00e4nischer L\u00f6we &#8211; an die Gefallenen der Schlacht von Idstedt erinnern sollte &#8211; aber unmissverst\u00e4ndlich in Richtung S\u00fcden schaute &#8211; wurde im Triumph von &#8222;Deutschgesinnten&#8220; von seinem Sockel entfernt. Bismarck lie\u00df ihn in Kisten verpacken und nach Berlin ins Zeughaus bringen. Der Krieg wurde von Theodor Fontane im ersten seiner drei B\u00fccher \u00fcber die Bismarckschen Kriege ausf\u00fchrlichst beschrieben. &#8222;Der Schleswig-Holsteinische Krieg im Jahre 1864&#8220; erschien 1866. Er nimmt darin eine Position ein, die sowohl Bismarcks als auch die des Deutschen Bundes gleichm\u00e4\u00dfig ber\u00fccksichtigt. Die Illustrationen machen die mythische Haltung im nationalen Kampf gegen die D\u00e4nen deutlich. In der englischen Grafik rechts werden die Opfer n\u00fcchtern in den Mittelpunkt gestellt.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86221\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Literatur<\/h2><div id=\"ac-86221\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>H.Aude, in Barmstedter Zeitung August 1960 (abgedr. in Festschrift zur Weihe der neuen Orgel, 1.4.1990)<br>Barmstedt 100 Jahre. Hrsg.: Stadt Barmstedt. Mit Beitr\u00e4gen von Solveig Sch\u00f6nfelder, Heinz Starken, Rudolf Schr\u00f6der, Harry D. Schurdel, Barmstedt 1995<br>Robert Bohn: Geschichte Schleswig-Holsteins, M\u00fcnchen 2006<br>I. Bremer: Kurzgefa\u00dfte Beschreibung und Geschichte von Schleswigholstein, f\u00fcr den B\u00fcrger und Landmann und zum Gebrauche in Schulen. Eine gekr\u00f6nte Preisschrift, Oldenburg und Schleswig 1844<br>Brockmann, J.J.: Tagebuchbl\u00e4tter eines alten Barmstedters, mitgeteilt von H. D\u00f6ssel, in: Heimatblatt, rutgewen vun de Holstengill in de Grafschaft Rantzau, 1. Jahrgang (1926), ver\u00f6ffentlicht auch in der Barmstedter Zeitung<br>Danker-Carstensen, Peter: Die Kr\u00fcckau &#8211; &#8222;Problemfluss&#8220; oder Lebensader einer Industriestadt, in: Geschichte-s-hMitteilungen80<br>Christian Degn: Schleswig-Holstein &#8211; eine Landesgeschichte, Neum\u00fcnster 1994<br>Bettina Dioum: Privatarchiv des Politikers Adolph v. Moltke im Landesarchiv, in: Geschichte-s-hMitteilungen80<br>Johann Friedrich August D\u00f6rfer: Topografie von Holstein in alphabetischer Ordnung. Ein Repertitorium zu der Karte vom Herzogthum Holstein, den Gebieten der Reichsst\u00e4dte Hamburg und L\u00fcbeck, und des Bisthums L\u00fcbek. 3. verbesserte und vermehrte Auflage. Schleswig und Flensburg 1807<br>Hans D\u00f6ssel: Stadt und Kirchspiel Barmstedt. Eine geschichtliche Schau. III. Heft, Barmstedt o.J.<br>Hans D\u00f6ssel: Barmstedt &#8211; Geschichtliche Schau, Hrsg. Stadt Barmstedt, Husum 1988<br>Hans D\u00f6ssel: Unsere Schulen, in: Barmstedt &#8211; Geschichtliche Schau, Hrsg. Stadt Barmstedt, Husum 1988<br>Wilhelm Ehlers: Geschichte und Volkskunde des Kreises Pinneberg, Elmshorn 1922, Nachdruck 1977<br>Theodor Fontane: Der Schleswig-Holsteinische Krieg von 1864, (1866) Nachdruck bei Ullstein Fontane Bibliothek 1978<br>Jan-Holger Frank: Eisenbahn und Bahnhof in Elmshorn 1840-1960, in: Beitr\u00e4ge zur Elmshorner Geschichte I, Elmshorn 1987<br>Gerhard Glismann: Das Reihergeh\u00f6lz. Selbstverlag Barmstedt 2007<br>Eggert G\u00f6tsch: Von der Natur- zur Kulturlandschaft oder: Wie der Mensch seine Umwelt ver\u00e4nderte, in: Natur- und Landeskunde. Zeitschrift f\u00fcr Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg. Hrsg. vom Verein DIE HEIMAT, gegr. 1890, H.10-12, 127. Jahrgang 2020<br>Hans Schultz Hansen: Demokratie oder Nationalismus &#8211; Politische Geschichte Schleswig-Holsteins 1830-1918, in: Ulrich Lange(Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins\u2026<br>Hans-Albrecht Hewicker: Die Waldstadt Barmstedt und ihre W\u00e4lder, in: Jahrbuch des Kreises Pinneberg 1996, S. 105-119<br>Gerhard Hoch: Das Scheitern der Demokratie im l\u00e4ndlichen Raum. Das Beispiel der Region Kaltenkirchen\/Henstedt-Ulzburg 1870-1933 (Gesellschaft f\u00fcr Politik und Bildung Schleswig-Holstein e.V.) Kiel 1988<br>Eckart Klessmann: Geschichte der Stadt Hamburg, Hamburg 1981<br>Ulrich Lange(Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins. Von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart. Neum\u00fcnster 2003<br>Ulrich Lange: Aufbruch in eine neue Zeit. Die Modernisierung der Infrastruktur, in: Geschichtsumschlungen. Sozial- und kulturgeschichtliches Lesebuch Schleswig-Holstein 1848-1948, Bonn 1996<br>Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt: Die Reichsgrafen zu Rantzau, in: Carsten Porskrog-Rasmussen, Elke Imberger, Dieter Lohmeier, Ingwer Momsen (Hrsg. im Auftrag der Gesellschaft f\u00fcr Schleswig-Holsteinische Geschichte): Die F\u00fcrsten des Landes. Herz\u00f6ge und Grafen von Schleswig, Holstein und Lauenburg, Wachholtz Verlag Neum\u00fcnster 2008, S. 405-417<br>Erich Maletzke: Schimmelmann. Schatzmeister des K\u00f6nigs (Roman), Neum\u00fcnster 2009<br>Lothar Mosler: Wer war Adolf von Moltke? Erinnerungen an Pers\u00f6nlichkeiten unserer Stadt, in: Uetersener Nachrichten 45\/1991<br>Karl M\u00fcllenhoff: Sagen M\u00e4rchen und Lieder der Herzogt\u00fcmer Schleswig Holstein und Lauenburg, Kiel 1845 <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=138BAAAAQAAJ&amp;printsec=frontcover&amp;dq=Holstein&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=MVjlUOC2Es3OswaN6YCgCQ&amp;ved=0CDQQ6AEwAA\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[2]<\/a><br>Hubertus Neusch\u00e4ffer: Das Amt Barmstedt und ehemalige Grafschaft Rantzau. In: Schleswig-Holstein 11\/1987<br>Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800-1866. B\u00fcrgerwelt und starker Staat. M\u00fcnchen 1984<br>Michael Plata: &#8222;Das habe ich nur getan wegen der D\u00f6sigkeit&#8220;. Auswirkungen des Heimatrechtes und eine Geburt auf offener Landstra\u00dfe 1860. in: Jahrbuch f\u00fcr den Kreis Pinneberg 2011<br>Matthias Heinrich Theodor Rauert: Die Grafschaft Rantzau. Ein Beitrag zur genaueren Landeskunde. Mit einem Anhang \u00fcber Barmstedt von H.D\u00f6ssel. Wortgetreuer Abdruck der Auflage von 1840, Barmstedt 1936, Neuauflage Elmshorn 1983<br>Hans Wilhelm Ritschl: August von Hennings 1746-1826. Ein Lebensbild aus Holstein, Kopenhagen und Hamburg in bewegten Zeiten, Hamburg 1978<br>Johannes Schr\u00f6der: <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=lm0yAAAAYAAJ&amp;pg=RA1-PA35&amp;lpg=RA1-PA35&amp;dq=ro%C3%9Flohm%C3%BChle&amp;source=bl&amp;ots=RaKfynjFJS&amp;sig=lkLQ9EYBJkGVzX5b3Y9-ezzikL8&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=un6ZUOLvIcPftAajwYD4BQ&amp;ved=0CCsQ6AEwAg#v=onepage&amp;q=Barmstedt&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Topograhie des Herzogthums Holstein<\/a> des F\u00fcrstenthums L\u00fcbeck und der freien und Hanse-St\u00e4dte Hamburg und L\u00fcbek von Johannes von Schr\u00f6der (Capitain im Schleswigschen Infanterie-Regiment, R.v.D.. Erster Theil A-H. Oldenburg in Holstein 1841<br>Bernhard Theilig: Die Heiligen-Geist-Kirche in Barmstedt und ihre Geschichte. in: Jahrbuch f\u00fcr den Kreis Pinneberg 1980<br>Bernhard Theilig: Zur Geschichte des Bestattungswesens in Barmstedt, in der masch.schr. Brosch\u00fcre &#8222;Friedhof Barmstedt 1988. Herrn Friedhofsverwalter Paul Harbeck als Abschiedsgeschenk&#8220; von den Mitarbeitern. Barmstedt 1988<br>Bernhard Theilig: Die sieben Epochen in der Geschichte unserer engeren Heimat. Ein \u00dcberblick, in: Jahrbuch f\u00fcr den Kreis Pinneberg 1999<br>Hildemar thor Straten: Beschreibung der Grafschaft Rantzau 1823. Hrsg.: Helmut Trede Bokel 2005<br>Helmut Trede: Schlossinsel Rantzau. Ein geschichtlicher R\u00fcckblick. Im Selbstverlag 2011 (Zu erhalten u. a. in der Buchhandlung Lenz)<br>Helmut Trede: Die H\u00f6rner D\u00f6rfer &#8211; Aus der Geschichte von Bokel, Bokelse\u00df, Brande-H\u00f6rnerkirchen, Osterhorn und Westerhorn (Selbstverlag 1989)<br>Ernst Adolf Wiechers\/Bernhard Theilig: Der G\u00e4nsejunge aus Lutzhorn und der K\u00f6nig, in: Jahrbuch f\u00fcr den Kreis Pinneberg 1999<br>Peter Wulf: &#8222;Das Wort Eisen ist es, was alles erkl\u00e4rt\u2026&#8220;. Geschichte der Industrialisierung im Norden, in: Geschichtsumschlungen. Sozial- und kulturgeschichtliches Lesebuch Schleswig-Holstein 1848-1948, Bonn 1996<br>Harm-Peer Zimmermann: &#8222;\u2026schmei\u00df die Preu\u00dfen aus dem Land!&#8220; &#8211; Die demokratische und augustenburgische Opposition in Schleswig-Holstein 1863-1881, in: Demokratische Geschichte, Jahrbuch zur Arbeiterbewegung und Demokratie in Schleswig-Holstein VIII Neuer Malik Verlag 1993<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Verfasser: Michael Theilig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verfasser: Michael Theilig<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":853,"menu_order":8,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-862","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=862"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/862\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1425,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/862\/revisions\/1425"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/853"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}