{"id":860,"date":"2021-09-24T14:36:38","date_gmt":"2021-09-24T14:36:38","guid":{"rendered":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=860"},"modified":"2024-02-23T12:40:30","modified_gmt":"2024-02-23T12:40:30","slug":"preussische-provinz-1864-1918","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/?page_id=860","title":{"rendered":"Preu\u00dfische Provinz: 1864 &#8211; 1918"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js is-open\" data-initially-open=\"true\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8600\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Schleswig und Holstein in der Zeit des Kondominiums<\/h2><div id=\"ac-8600\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>F\u00fcr Barmstedt und die Administratur der Grafschaft Rantzau war durch den deutsch-d\u00e4nischen Krieg mit dem Wiener Frieden vom 30.10.1864 eine v\u00f6llig neue politische Situation entstanden. Die d\u00e4nische Herrschaft in den Herzogt\u00fcmern war beendet, gleichzeitig war aber durch die Zwangsverwaltung des Deutschen Bundes \u00fcber Holstein und die deutsche Annektion Schleswigs eine neue staatsrechtliche Situation entstanden, die recht unklar war. Die gesamte zuk\u00fcnftige Richtung der deutschen Politik stand unter dem Vorbehalt, dass die <strong>Rivalit\u00e4t der beiden F\u00fchrungsstaaten Preu\u00dfen und \u00d6sterreich-Ungarn<\/strong> gel\u00f6st werden musste. Der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_Bund#Organe_des_Bundes\" target=\"_blank\">Deutsche Bund<\/a> umfasste urspr\u00fcnglich (1815) 34 F\u00fcrstent\u00fcmer und 4 freie St\u00e4dte, hatte jetzt noch 35 Mitglieder. Beide Gro\u00dfm\u00e4chte besa\u00dfen Territorien, die nicht zum Deutschen Bund geh\u00f6rten. Bismarck strebte f\u00fcr Preu\u00dfen die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kleindeutsche_L%C3%B6sung\" target=\"_blank\">kleindeutsche L\u00f6sung<\/a> an, also die Vereinigung der deutschen Staaten unter Ausschluss \u00d6sterreichs bei preu\u00dfischer F\u00fchrung. \u00d6sterreich dagegen strebte die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gro%C3%9Fdeutsche_L%C3%B6sung\" target=\"_blank\">gro\u00dfdeutsche L\u00f6sung<\/a> an, eine Vereinigung aller deutschsprachigen L\u00e4nder unter \u00f6sterreichischer F\u00fchrung. Diesem Ziel entsprach die Vorstellung eines <strong>unabh\u00e4ngigen Herzogtums Schleswig-Holstein unter dem Augustenburger Herzog Friedrich VIII.<\/strong> Bismarck, der preu\u00dfische Ministerpr\u00e4sident, verfolgte dagegen das Ziel einer <strong>Einverleibung des Gebietes in das preu\u00dfische K\u00f6nigreich<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Am-Markt1902.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1437\" width=\"794\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Am-Markt1902.jpg 547w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Am-Markt1902-300x128.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 794px) 100vw, 794px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ansichtskartenausschnitt vom Barmstedter Marktplatz (ca. 1902) mit dem Spritzenhaus auf der linken Seite und der Remise f\u00fcr den Leichenwagen der Schuhmacherzunft (seit 1868), in der Mitte folgt pr\u00e4chtig die Turnhalle und rechts der Barmstedter Hof, dahinter das Hotel Holsteinischer Hof. Dieses Haus wurde erst 2004 abgerissen zugunsten der Durchgangsstra\u00dfe von der K\u00f6nigstra\u00dfe zur Marktstra\u00dfe.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zur \u00dcberbr\u00fcckung dieser Zeit des Provisoriums einigten sich beide M\u00e4chte auf ein <strong>Kondominium<\/strong>, also eine gemeinsame Verwaltung der beiden Herzogt\u00fcmer durch Preu\u00dfen und \u00d6sterreich. Das bedeutete, dass zwei Zivilkommissare als Aufseher \u00fcber die <strong>gemeinsame Regierung<\/strong> wachten, die zun\u00e4chst in Kiel, dann in Schleswig sa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diplomatischer Ebene erhob Bismarck zun\u00e4chst nur die Forderung nach <strong>Kanalschl\u00f6ssern am <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eider-Kanal\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Eider-Kanal<\/a> zur Absicherung der Verbindung zwischen den ostelbischen und rheinischen Territorien, Aufnahme Schleswig-Holsteins in den Zollverein und Milit\u00e4r- sowie Post- und Telegraphiehoheit an Preu\u00dfen<\/strong>. Diese Fragen wurden zun\u00e4chst in einem Kompromiss im Vertrag von Gastein am 14.08.1865 gekl\u00e4rt. <strong>Von jetzt an wurde Schleswig vom preu\u00dfischen Gouverneur von Manteuffel und Holstein vom \u00f6sterreichischen Statthalter von Gablenz regiert. Rendsburg wurde Bundesfestung, Kiel Bundeshafen<\/strong>. Das Herzogtum Lauenburg fiel gegen eine Entsch\u00e4digungssumme f\u00fcr \u00d6sterreich an Preu\u00dfen. Preu\u00dfen verlegte jedoch sehr bald seine Marinestation von Danzig nach Kiel, also in den Bundeshafen und reizte damit \u00d6sterreich. F\u00fcr Preu\u00dfen wiederum war es ein \u00c4rgernis, dass der Augustenburger und seine Parteig\u00e4nger in Holstein frei agieren konnten. (Degn, S. 246)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Moltke-BAEGvonMoltke-B100.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-316\" width=\"174\" height=\"235\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Moltke-BAEGvonMoltke-B100.jpg 752w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Moltke-BAEGvonMoltke-B100-222x300.jpg 222w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Moltke-BAEGvonMoltke-B100-300x405.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Adolph von Moltke<\/strong>, der Administrator auf Rantzau, hatte als k\u00f6nig-herzoglicher Administrator dem d\u00e4nischen K\u00f6nig 1852 noch einen Eid geschworen und war nun von den neuen Verh\u00e4ltnissen \u00fcberrannt worden, er befand sich damit in einer unsicheren Lage. Sein Bruder, der inzwischen ber\u00fchmte preu\u00dfische Generalstabschef Helmuth von Moltke, hielt ihn von einem R\u00fccktritt ab und st\u00fctzte seine Position als f\u00fchrender Beamter. Ein R\u00fccktritt h\u00e4tte den Verlust aller Einnahmen und damit &#8211; wegen fehlenden Eigentums &#8211; den Verlust des bisherigen Lebensstandards bedeutet &#8211; und der war nicht unerheblich und verursachte Kosten, z. B. f\u00fcr die sechs Kinder. Wilhelm (17) und Helmuth (16) waren inzwischen auf dem Christianeum in Altona, Marie (15), Friedrich (11), Ludwig (9) und Louise (8) wurden auf der Schlossinsel von Hauslehrern unterrichtet. (Jessen, S. 189)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Hochrad648px-PSM_V38_D791_An_ordinary_bicycle_with_lines_of_force.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1462\" width=\"278\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Hochrad648px-PSM_V38_D791_An_ordinary_bicycle_with_lines_of_force.jpg 648w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Hochrad648px-PSM_V38_D791_An_ordinary_bicycle_with_lines_of_force-300x278.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Fahrrad wurde ab 1865 als Hochrad entwickelt und diente zun\u00e4chst als Sportger\u00e4t und als &#8222;Vehikel der Emanzipation&#8220;, wurde dann zum vorherrschenden &#8222;Verkehrsmittel des Individualverkehrs f\u00fcr den, der sich Kutsche, Pferd und Wagen nicht leisten konnte.&#8220; (Lange 1996, S. 61)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In den Jahren 1863\/64 wurde ein <strong>Barmstedter Turnverein gegr\u00fcndet<\/strong>, auf den sich der heutige <strong>BMTV<\/strong> (Barmstedter M\u00e4nner-Turnverein von 1864 e. V.) zur\u00fcckf\u00fchrt. Es ist anzunehmen, dass unter dem damaligen &#8222;Turnen&#8220; nicht nur die heutige Sparte Turnen zu verstehen war, da nach der Tradition von &#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Ludwig_Jahn\" target=\"_blank\">Turnvater Jahn<\/a>&#8220; darunter ein &#8222;umfassendes Konzept [zu verstehen war] von im Alltag und im Krieg n\u00fctzlichen Bewegungsaktivit\u00e4ten. Dazu z\u00e4hlten zahlreiche \u00dcbungen an Ger\u00e4ten, sogenannte volkst\u00fcmliche \u00dcbungen wie Laufen, Springen und Werfen, Klettern oder Fechten, Voltigieren, Ringen, Schwimmen und Spiele.&#8220; In vielen anderen Gegenden Deutschlands entstanden in den 1860er Jahren mit der wiedererstarkenden Nationalbewegung Turnvereine, die nach dem Scheitern der demokratischen Revolution von 1848 verboten worden waren. Leider ist wenig bekannt \u00fcber die fr\u00fchen Jahre in Barmstedt, aber wahrscheinlich ist, dass das Vereinsleben schon nach wenigen Jahren zun\u00e4chst wieder zum Erliegen kam. In den Schulen Preu\u00dfens dagegen war Turnen schon festes Unterrichtsfach geworden und diente mit dem vorherrschenden Drill neben der K\u00f6rperert\u00fcchtigung auch der Erziehung zum Untertanen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8601\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">&#8222;Deutscher Krieg&#8220; von 1866 und die preu\u00dfische Annektion Holsteins und Schleswigs<\/h2><div id=\"ac-8601\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Am 1. Juni 1866 beantragte \u00d6sterreich beim Deutschen Bund, die Zukunft der Herzogt\u00fcmer dessen Beschlussfassung zu \u00fcberlassen, und lie\u00df gleichzeitig die holsteinische St\u00e4ndeversammlung einberufen. Nicht nur dieses forderte Preu\u00dfen heraus, sondern \u00d6sterreich lie\u00df auf holsteinischem Gebiet auch eine Art Nebenregierung des Herzogs Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein-Augustenburg zu. Deshalb konnte Bismarck einen Bruch der Gasteiner Konvention mit der Festlegung auf ein Kondominium feststellen und lie\u00df am 9. Juni die preu\u00dfischen Truppen unter Manteuffel von Schleswig her einmarschieren. \u00d6sterreich beantragte daraufhin die Mobilisierung von Bundestruppen gegen Preu\u00dfen beim Deutschen Bund. Dieser stimmte zu, woraufhin Preu\u00dfen den Bund f\u00fcr aufgel\u00f6st erkl\u00e4rte.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem sog. <strong>Deutschen Krieg<\/strong> k\u00e4mpften u.a. Hamburg und Mecklenburg-Strelitz, aber auch Italien auf preu\u00dfischer Seite, Hannover und Bayern auf \u00f6sterreichischer. <strong>Die strategische Leitung in Preu\u00dfen hatte Helmuth Graf von Moltke<\/strong>, Bruder des Barmstedter Administrators. In der Schlacht bei K\u00f6niggr\u00e4tz in B\u00f6hmen siegten schlie\u00dflich die Preu\u00dfen. Durch den preu\u00dfischen Sieg konnte auch Italien in seinem dritten Unabh\u00e4ngigkeitskrieg das umk\u00e4mpfte Venetien von \u00d6sterreich erhalten. Es fehlte zur territorialen Vollst\u00e4ndigkeit nur noch der Kirchenstaat auf dem Stadtgebiet von Rom, der von franz\u00f6sischen Truppen f\u00fcr den Papst gesch\u00fctzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"600\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/600px-Deutscher_Bund.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1320\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/600px-Deutscher_Bund.png 600w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/600px-Deutscher_Bund-300x300.png 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/600px-Deutscher_Bund-150x150.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Deutsche Bund von 1815<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Der Sieg machte sowohl Bismarck und Wilhelm I. als auch Moltke ber\u00fchmt<\/strong> und popul\u00e4r in nationalliberalen Kreisen. Bismarck gab jetzt offen zu, mit der Heeresreform die Verfassung gebrochen zu haben, was zur Spaltung der nationalen Bewegung f\u00fchrte. Aus denjenigen, die nachtr\u00e4glich zustimmten, entstand die <strong>Nationalliberale Partei<\/strong>, v.a. unterst\u00fctzt von Industriellen, Bankiers und protestantischen Bildungsb\u00fcrgern. Die anderen, &#8222;die Freiheit vor Einheit stellten, sammelten sich in der <strong>Deutschen Fortschrittspartei<\/strong>. Moltke erhielt vom K\u00f6nig die h\u00f6chste Auszeichnung, den Schwarzen Adler, und 200.000 Taler Dotation. Mit diesen Mitteln konnte er ein Gut kaufen, das er schlie\u00dflich 1867 mit dem <strong>Rittergut Kreisau<\/strong> in Schlesien fand.&#8220; (Jessen, S.187f)<\/p>\n\n\n\n<p>Im <strong>Frieden von Prag vom August 1866<\/strong> konnte Bismarck durchsetzen, dass \u00d6sterreich auf alle Anspr\u00fcche an Schleswig-Holstein verzichtete. Au\u00dferdem hatte \u00d6sterreich Venetien an Italien abzugeben und seine Verb\u00fcndeten, das K\u00f6nigreich Hannover, Nassau, Hessen-Kassel und Frankfurt, wurden von Preu\u00dfen annektiert. Bayern und Sachsen gerieten unter preu\u00dfische Bevormundung. <strong>Preu\u00dfen gr\u00fcndete als Ersatz f\u00fcr den Deutschen Bund am 18.08.1866 den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Norddeutscher_Bund\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Norddeutschen Bund<\/a>. Durch die Gr\u00fcndung dieses ersten deutschen Bundesstaats wurden \u00d6sterreich, Liechtenstein, Luxemburg und Niederl\u00e4ndisch-Limburg endg\u00fcltig aus dem Prozess der Nationalstaatsbildung herausgedr\u00e4ngt<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem <strong>Annexionspatent<\/strong> des preu\u00dfischen Abgeordnetenhauses und dem <strong>Besitzergreifungspatent K\u00f6nig Wilhelm I. vom 12. Januar 1867 wurde Schleswig-Holstein zur preu\u00dfischen Provinz gemacht. In den Deutschen Zollverein wurde entsprechend jetzt auch Schleswig-Holstein aufgenommen<\/strong>. Die Hansest\u00e4dte Hamburg, L\u00fcbeck und Bremen traten erst 1888 bei. Im Februar 1867 kam es zur ersten Wahl zum Verfassunggebenden Norddeutschen Reichstag. Wahlberechtigt waren alle M\u00e4nner ab 25, die die vollen B\u00fcrgerrechte besa\u00dfen und keine Armenunterst\u00fctzung erhielten.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8602\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Barmstedt &#8211; ein Flecken in der preu\u00dfischen Provinz Schleswig-Holstein<\/h2><div id=\"ac-8602\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/HermannDiedrichGreve.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1460\" width=\"208\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/HermannDiedrichGreve.jpg 462w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/HermannDiedrichGreve-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">B\u00fcrgermeister Hermann Diedrich Greve (1868-1881), Brauereibesitzer<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die <strong>Verwaltung<\/strong> in der neuen Provinz wurde umfassend reformiert. Die bisherigen antiquierten gesamtstaatlich-d\u00e4nischen Strukturen wurden durch die preu\u00dfischen ersetzt, die den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Wandlungsprozess der Industrialisierung schon st\u00e4rker aufgenommen hatten. Kritik wurde von der Berliner Regierung unterdr\u00fcckt. V. a. der preu\u00dfischen <strong>dreij\u00e4hrigen Wehrpflicht<\/strong> entzogen sich viele junge M\u00e4nner durch Auswanderung nach Amerika. (Bohn, S. 95) Verwaltungszentrum wurde <strong>Schleswig<\/strong>. Der preu\u00dfische Oberpr\u00e4sident beaufsichtigte die hier angesiedelte Provinzialregierung. Unterhalb der Regierung wurden <strong>20 Kreise mit Landr\u00e4ten<\/strong> an der Spitze und Kreistagen als beratende K\u00f6rperschaften eingerichtet. <strong>Damit verschwanden die \u00c4mter, Administraturen, Harden, Gutsbezirke<\/strong> usw. Die Selbstverwaltung der Gemeinden und St\u00e4dte wurde durch eine liberalere Gemeindeordnung gest\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit der Verwaltungsreform \u00e4nderten sich auch eine Reihe von Bezeichnungen. Im Flecken Barmstedt wurde jetzt aus dem <strong>Fleckensgevollm\u00e4chtigten<\/strong> der B\u00fcrgermeister. Dieser versah sein Amt aber wie bisher ehrenamtlich und von zu Hause aus. Der letzte Fleckensgevollm\u00e4chtigte war <strong>Nicolaus Springer<\/strong> gewesen. Er hatte dieses Amt seit 1863 ausge\u00fcbt. Sein Nachfolger ab 1868 war jetzt der <strong>B\u00fcrgermeister Hermann Diedrich Greve<\/strong>, im Hauptberuf Brauereibesitzer.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Lande wurden aus den bisherigen Vogteien politische Gemeinden, die wiederum in Amtsbezirken zusammengefasst wurden. Die Kreisordnung bestimmte deren Pflichten und Rechte. <strong>Im Kirchspiel Barmstedt entstanden 1889 drei Amtsbezirke: 1. Lutzhorn<\/strong> mit Lutzhorn, Gro\u00df Offenseth, Klein Offenseth, Bokholt, Forstgutsbezirk Rantzau, <strong>2. Hemdingen<\/strong> mit Hemdingen, Langeln, Heede und Bilsen und <strong>3. Bevern<\/strong> mit Bevern, Ellerhoop, Seeth-Eckholt, K\u00f6lln-Reisieck und Bullenkuhlen. 1948 wurden diese Bezirke wieder aufgel\u00f6st und neu zusammengefasst, wodurch das heutige <a href=\"https:\/\/www.amt-rantzau.de\/seite\/68434\/geschichte.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Amt Rantzau<\/a> mit den Gemeinden Bevern, Bilsen, Bokholt-Hanredder, Bullenkuhlen, Ellerhoop, Gro\u00df Offenseth-Aspern, Heede, Hemdingen, Langeln und Lutzhorn entstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ab dem 1. Oktober 1867 geltende <strong>preu\u00dfische Verfassung<\/strong> hatte der ehemalige d\u00e4nische Administrator Moltke schon ab Oktober 1866 Schritt f\u00fcr Schritt umzusetzen. Er \u00fcbte zun\u00e4chst weiter sein Amt auf Rantzau aus und vollzog preu\u00dfische Gesetze wie die Trennung von Justiz und Verwaltung, die Einf\u00fchrung der allgemeinen Wehrpflicht, preu\u00dfische Steuergesetze und die Wahlen zum ersten Kreistag. Gegen einige dieser Neuerungen gab es teilweise erheblichen Widerstand der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kreistage und Stadtverordnetenversammlungen hatten nach der preu\u00dfischen Verfassung einen Provinziallandtag mit sehr eingeschr\u00e4nkten Rechten mit Delegierten zu beschicken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eiskeller f\u00fcr die Barmstedter Brauerei<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/EisgewinnungBrauerei.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1454\" width=\"327\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/EisgewinnungBrauerei.jpg 1015w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/EisgewinnungBrauerei-300x206.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/EisgewinnungBrauerei-768x527.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 327px) 100vw, 327px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eisgewinnung auf den Kr\u00fcckauwiesen<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde der Dienstg\u00e4rten der Gerichtsbeamten lie\u00df sich 1866 der Bauer und Brauer Peter Grelck vom preu\u00dfischen Finanzministerium in Berlin einen <strong>Eiskeller<\/strong> genehmigen. Das Eis wurde im Winter auf den \u00fcberschwemmten Wiesen der Kr\u00fcckauniederung &#8222;geerntet&#8220; und in einer \u00fcberdachten Grube eingelagert.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8603\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">1868 Ende der Grafschaft Rantzau &#8211; Start f\u00fcr den Kreis Pinneberg<\/h2><div id=\"ac-8603\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Winterbild2-1024x710.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1477\" width=\"364\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Winterbild2-1024x710.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Winterbild2-300x208.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Winterbild2-768x533.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Winterbild2.jpg 1116w\" sizes=\"auto, (max-width: 364px) 100vw, 364px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Herrenhaus auf der Schlo\u00dfinsel &#8211; bis 1867 Wohnung der Administratoren der Grafschaft Rantzau, ab 1868 Wohnung der Amtsrichter. Foto: Bernhard Theilig<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die f\u00fcr Barmstedt wichtigste \u00c4nderung war die <strong>Aufhebung der Rantzauer Administratur, die bisher zust\u00e4ndig gewesen war f\u00fcr die Grafschaft Rantzau. Sie wurde zusammen mit der Herrschaft Pinneberg, dem Kloster Uetersen (mit Ausnahme des Gutes Horst und der Vogtei Krempdorf), den Adligen G\u00fctern Haseldorf, Haselau und Seesterm\u00fche und dem Kanzleigut Flottbek in den neu gebildeten Kreis Pinneberg einbezogen<\/strong>. F\u00fcr den Posten des zuk\u00fcnftigen Landrats kamen die beiden bisherigen Oberbeamten Moltke (65) und der bisherige Pinneberger Landdrost Friedrich Graf von <strong>Baudessin<\/strong> (46) in Frage. Trotz seines Alters schlug der Oberpr\u00e4sident Scheel-Plessen &#8211; wohl auch unter dem Druck von dessen inzwischen einflussreichen Bruder, dem Generalstabschef, &#8211; <strong>Adolf von Moltke<\/strong> vor, so dass dieser mit Wirkung vom <strong>6. April 1868 sein Amt als Landrat<\/strong> antreten konnte und mit seiner Frau <strong>nach Pinneberg in die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Drostei_%28Pinneberg%29\" target=\"_blank\">Drostei<\/a><\/strong> umzog. Da Residenzpflicht herrschte, bewohnte er zun\u00e4chst das Palais mit 25 R\u00e4umen, was er sich nur leisten konnte, weil er als ehemaliger d\u00e4nischer Administrator auch weiterhin mehr als doppelt so viel verdiente wie ein normaler Landrat.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"194\" height=\"231\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Gerichtsgebaeude.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1359\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das neues Amtsgerichtsgeb\u00e4ude von 1863<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die <strong>Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung<\/strong> sollte Rechtsgleichheit f\u00fcr alle Untertanen herstellen. Das hatte v.a. Folgen f\u00fcr die Vorrechte der adligen Gutsbesitzer, die bisher ebenso wie die oberen Beamten fast alle Hoheitsrechte f\u00fcr ihren Bezirk in ihrer Person vereinten. Die Provinz Schleswig-Holstein wurde in <strong>70 Amtsgerichts- und 3 Landgerichtsbezirke<\/strong> aufgeteilt mit einem Oberlandesgericht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neues Amtsgericht auf der Schlo\u00dfinsel<\/strong>: Moltke war jetzt zwar als Landrat f\u00fcr einen wesentlich gr\u00f6\u00dferen Bezirk zust\u00e4ndig, aber nur noch oberer Beamter der Verwaltung. Das bisher von ihm ebenfalls ausge\u00fcbte Richteramt ging auf einen neu einzusetzenden Amtsrichter \u00fcber, der in dem gerade 1863 neu errichteten Gerichtsgeb\u00e4ude auf der mittleren Schlossinsel wahrscheinlich den damals modernsten Gerichtssaal in Schleswig-Holstein zur Verf\u00fcgung hatte, denn als Ersatz f\u00fcr die bisherige staatliche Funktion wurde auf den Schlossinseln jetzt eines der 70 Amtsgerichte eingerichtet. Der Amtsrichter wohnte fortan in dem ehemaligen Wohngeb\u00e4ude des Administrators.<\/p>\n\n\n\n<p>Moltke ging bereits am 1. Juni 1870 in den Ruhestand. Er wollte, nachdem sich mit dem Beginn des Krieges gegen Frankreich das entstehende Deutsche Kaiserreich abzeichnete, f\u00fcr ein Reichstagsmandat der Konservativen Partei kandidieren. Er machte zun\u00e4chst aber mit seiner Frau noch einen Besuch bei seinem Bruder auf Gut Kreisau und dann Urlaub in Lugano, wo er am 7. April 1871 starb. Seine Beerdigung fand &#8222;unter gro\u00dfer Beteiligung der Bev\u00f6lkerung&#8220; in Barmstedt auf dem neuen Friedhof &#8222;Auf der Ohe&#8220; (heute Moltkestra\u00dfe) statt (Mosler; Jessen, S.190).<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8604\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Deutsch-franz\u00f6sischer Krieg 1870\/71<\/h2><div id=\"ac-8604\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bataille_de_Pont-Noyelles-1024x774.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1445\" width=\"377\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bataille_de_Pont-Noyelles-1024x774.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bataille_de_Pont-Noyelles-300x227.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bataille_de_Pont-Noyelles-768x581.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bataille_de_Pont-Noyelles-1536x1162.jpg 1536w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bataille_de_Pont-Noyelles-2048x1549.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 377px) 100vw, 377px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Stra\u00dfenkampf in Pont-Neyelles im Dezember 1870<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Nationalistische Zuspitzung der Krise zwischen Preu\u00dfen und Frankreich:<\/strong> Im Sommer 1870 kam es durch eine <strong>Thronfolgefrage in Spanien<\/strong> zu einer internationalen Krise, die Bismarck nutzte, um seine Pl\u00e4ne einer deutschen Reichsgr\u00fcndung der F\u00fcrsten unter preu\u00dfischer F\u00fchrung zu verwirklichen. Die franz\u00f6sische Regierung unter Napoleon III. versuchte unter Androhung von Krieg den Erbprinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, einen Verwandten des preu\u00dfischen K\u00f6nigshauses, dessen Kandidatur Bismarck betrieben hatte, zu verhindern, was zun\u00e4chst auch durch dessen pers\u00f6nlichen Verzicht gelang. Als jedoch zu\u00e4tzlich gefordert wurde, Wilhelm I. solle auch in Zukunft auf den Thron verzichten, und der K\u00f6nig, der sich auf einem Kuraufenthalt in Ems befand, Bismarck dieses telegrafieren lie\u00df, nutzte der diese <strong>Emser Depesche<\/strong>, indem er sie verk\u00fcrzte, zuspitzte und dann ver\u00f6ffentlichen lie\u00df. Sowohl die deutsche als auch die franz\u00f6sische Presse machten erwartungsgem\u00e4\u00df aus der diplomatischen Angelegenheit jeder f\u00fcr sich eine Frage der Dem\u00fctigung der ganzen Nation. Der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/kolonialismus-imperialismus\/kaiserreich\/138915\/nation-und-nationalismus\/\" target=\"_blank\">Nationalismus<\/a> wurde jetzt zum ersten Mal auch in Deutschland zu einer fast mystischen massenhaften Bewegung, die Hass auf die Franzosen mit Opferbereitschaft im Krieg verband und die s\u00fcddeutschen ebenso wie die norddeutschen L\u00e4nder erfasste. Als die <strong>Pariser Regierung am 19. Juli 1870 Preu\u00dfen den Krieg erkl\u00e4rte<\/strong>, war die Unterst\u00fctzung nicht nur der F\u00fcrsten, sondern auch der Massen f\u00fcr Preu\u00dfen keine Frage mehr. Allerdings gab es in s\u00fcddeutschen L\u00e4ndern aus einzelnen Parteien Widerstand gegen diesen Krieg, der aber keine Wirkung hatte. (Mommsen, S.94ff, Jessen, S. 196f)<\/p>\n\n\n\n<p>Moltke hatte den Feldzug lange geplant, die Truppen waren gut vorbereitet und die ersten Wochen dieses Krieges waren in den <strong>Schlachten bei Metz und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_von_Sedan\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sedan<\/a><\/strong> trotz hoher Verluste f\u00fcr die deutschen Verb\u00fcndeten siegreich. <strong>Napoleon III. wurde gefangen genommen, woraufhin in Paris das Kaiserreich st\u00fcrzte<\/strong> und die neue republikanische F\u00fchrung den Krieg noch monatelang mit Volksarmeen unter Gambetta weiterf\u00fchrte. Bismarck konnte durch seine Diplomatie erreichen, dass die franz\u00f6sische Regierung keinerlei Unterst\u00fctzung aus dem Ausland erhielt, geriet allerdings mit dem Generalstabschef Moltke in Streit wegen dessen unautorisierter Verhandlungsf\u00fchrung mit dem Pariser Verteidigungsrat. <strong>Ende Januar 1871 kapitulierte Paris<\/strong>. Eine Folge u.a. davon war, dass die franz\u00f6sischen Truppen aus Rom abzogen, so dass diese Stadt jetzt zur Hauptstadt des <strong>neu gegr\u00fcndeten Italiens<\/strong> werden konnte. In den Friedensverhandlungen musste Frankreich das <strong>Elsa\u00df<\/strong> und einen <strong>Teil Lothringens<\/strong> abgeben, dazu die ungeheuerlich hohe Summe von <strong>5 Milliarden Franc als Kriegsentsch\u00e4digung<\/strong>, wobei bis zur endg\u00fcltigen Zahlung Teile Nordost-Frankreichs von deutschen Truppen besetzt blieben. Der Friedensvertrag wurde im Mai 1871 in Frankfurt unterzeichnet.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8605\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Reichsgr\u00fcndung und Bismarck-\u00c4ra<\/h2><div id=\"ac-8605\" class=\"c-accordion__content\">\n<p>Das wichtigste Ergebnis des Krieges war die <strong>Gr\u00fcndung des &#8222;Deutschen Reichs&#8220; als kleindeutsche L\u00f6sung unter preu\u00dfischer F\u00fchrung, das <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsches_Kaiserreich\" target=\"_blank\">Kaiserreich<\/a><\/strong>. Besonders aus Bayern hatte es Widerstand gegen diesen Plan gegeben. Allerdings konnte Bismarck die Verhandlungen schon bis November 1870 mit den vier s\u00fcddeutschen L\u00e4ndern f\u00fcr deren Anschluss an den Norddeutschen Bund zum Abschluss bringen, wobei Bayern einzelne partikularistische Sonderinteressen durchsetzen konnte, die preu\u00dfische Hegemonie aber nicht in Frage stand (Mommsen, S. 99). Die <strong>Kaiserproklamation fand am 18. Januar 1871 in Versailles statt<\/strong>, also noch vor der Kapitulation der Pariser. Die F\u00fcrsten waren angereist und der badische Gro\u00dfherzog brachte ein Hoch auf &#8222;Kaiser Wilhelm&#8220; aus, was diesen stark erz\u00fcrnte, da er den Titel &#8222;Kaiser von Deutschland&#8220; befohlen hatte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/697px-Anton_von_Werner_-_Kaiserproklamation_in_Versailles_1871.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1432\" width=\"407\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/697px-Anton_von_Werner_-_Kaiserproklamation_in_Versailles_1871.jpg 697w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/697px-Anton_von_Werner_-_Kaiserproklamation_in_Versailles_1871-300x258.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 407px) 100vw, 407px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Am 16. April 1871 trat die <strong>neue Reichsverfassung<\/strong> in Kraft, die im Grunde die erweiterte Verfassung des Norddeutschen Bundes war. Souver\u00e4n war nicht der Kaiser, wie die allgemein \u00fcbliche Bezeichnung vermuten lie\u00dfe, sondern der Bundesrat, in dem Preu\u00dfen keine Mehrheit hatte. Da aber das Amt des Kaisers an die Person des preu\u00dfischen K\u00f6nigs gebunden war, ebenso wie das Amt des Reichskanzlers mit dem des preu\u00df. Ministerpr\u00e4sidenten, wurde so die preu\u00dfische Hegemonie politische Wirklichkeit trotz des f\u00f6derativen Charakters der Verfassung. Zudem war Bismarck der einzige Minister, die einzelnen Abteilungen wurden unter ihm von Staatssekret\u00e4ren gef\u00fchrt. Das demokratische Element wurde durch den Reichstag gebildet, f\u00fcr den ein allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht galt. Allerdings waren nur m\u00e4nnliche Deutsche \u00fcber 25 Jahren wahlberechtigt, was 19,4% der damaligen Bev\u00f6lkerung entsprach. Es galt ein reines Mehrheitswahlsystem, d.h. nur der Kandidat eines Wahlkreises mit der h\u00f6chsten Stimmzahl war gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erste Reichstagswahl in Holstein:<\/strong> In der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichstagswahl_1871#Preu.C3.9Fen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ersten Reichstagswahl<\/a> siegte im Wahlkreis Pinneberg\/Segeberg interessanterweise der &#8222;Partikularist&#8220; Jensen, ein Vertreter der antipreu\u00dfisch eingestellten Deutsch-Schleswig-Holsteinischen Partei, die ein Gemisch aus augustenburgischen,demokratischen und sozialdemokratischen Forderungen aufstellte: Aufhebung der preu\u00dfischen Annexion; Einf\u00fchrung von Volksmilizen (gemeint sind die Kampfgenossenschaften von 1848); volle Selbstverwaltung in der politischen und kirchlichen Gemeinde; Linderung von Not und Elend durch soziale Reformen. Diese &#8222;Landespartei&#8220; erhielt allerdings nur 2 von 10 schleswig-holsteinischen Mandaten. Der Abgeordnete Jensen hatte in der schleswig-holsteinischen Interimsregierung 1848-52 mit Moltke zusammengearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.wahlen-in-deutschland.de\/klPreussen.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Preu\u00dfischen Landtag<\/a>, also auch in der Provinz Schleswig-Holstein, galt aber weiterhin das h\u00f6chst undemokratische <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/html\/kaiserreich\/reich\/wahlrecht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dreiklassenwahlrecht<\/a>, das der 1. Klasse der Wahlberechtigten mit dem h\u00f6chsten Steueraufkommen (4% im Jahr 1908) genauso viele Abgeordnete zubilligte wie der 3. Klasse (82%), zudem waren die ostelbischen Wahlbezirke der konservativen Junker stark \u00fcberrepr\u00e4sentiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Boom der Gr\u00fcnderzeit:<\/strong> \u00d6konomisch fiel die Reichsgr\u00fcndung in die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gr%C3%BCnderzeit\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gr\u00fcnderzeit<\/a>, eine <strong>Zeit rasanten wirtschaftlichen Aufschwungs<\/strong> in ganz Europa, in der viele Unternehmer und Bankiers, v. a. dank des Eisenbahnbaus sehr schnell zu gro\u00dfem Reichtum gelangten. In Deutschland wurde dieser Boom durch die Reparationszahlungen Frankreichs, den gr\u00f6\u00dferen zusammenh\u00e4ngenden Wirtschaftsraum durch den Wegfall der Grenzen im Reich und das Freiwerden industrieller Kapazit\u00e4ten nach einer Phase der Kriegsproduktion noch verst\u00e4rkt. Eine <strong>einheitliche W\u00e4hrung, die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Goldmark\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mark<\/a><\/strong> wurde eingef\u00fchrt, wodurch 119 verschiedene M\u00fcnzsorten der bisherigen Staaten abgeschafft waren. Die Pr\u00e4gung dieser Menge an Goldm\u00fcnzen war nur m\u00f6glich durch die Verwendung des franz\u00f6sischen Goldes. Von den 5 Mrd. Franc flossen 2,5 bis 3 Mrd. direkt in den deutschen Kapitalmarkt. Papiergeld war noch kein gesetzliches Zahlungsmittel. Au\u00dferdem war 1870 die Konzessionspflicht f\u00fcr Aktiengesellschaften abgeschafft worden, was zusammen mit der 1869 eingef\u00fchrten Gewerbefreiheit und der Weltkonjunktur zu einem beispiellosen Aufschwung auch in Deutschland f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Strukturwandel und starke wirtschaftliche Entwicklung auch in Schleswig-Holstein:<\/strong> Die 1867 eingef\u00fchrte preu\u00dfische Gewerbefreiheit auch in Schleswig-Holstein und wirtschaftliche Freiz\u00fcgigkeit f\u00fchrten zusammen mit der Verdichtung des Eisenbahnnetzes zu einer verst\u00e4rkten Industrialisierung des Landes. Zahlreiche Zulieferbetriebe entstanden und ein sich entfaltendes Bankensystem f\u00fchrte zur Finanzierung von einer Vielzahl von Aktiengesellschaften in den Bereichen Eisenverarbeitung, Bauwirtschaft und Maschinenbau. Hierbei war v.a. der Bau des Nord-Ostseekanals in den 1880 und 90er Jahren von Bedeutung. In der Landwirtschaft schritt die Mechanisierung durch das Genossenschaftswesen voran, da jetzt die Dampfmaschine gemeinschaftlich eingesetzt werden konnte. Die Produktion wurde zus\u00e4tzlich durch den Einsatz des gerade erfundenen Kunstd\u00fcngers gesteigert, so dass eine Nahrungs- und Genussmittelindustrie entstehen konnte. Dampfmeiereien gab es bald in jedem Dorf, was wiederum dazu f\u00fchrte, dass immer mehr Bauern auf Milchviehhaltung umstellten. Eine wichtige Begleiterscheinung war zudem die fl\u00e4chendeckende Ausbreitung von Betrieben, die sich auf die Mechanisierung der Landwirtschaft spezialisierten. Als Folge davon sank der Anteil der in der Landwirtschaft T\u00e4tigen von 50 % im Jahre 1867 auf ein Drittel am Ende des Jahrhunderts. Viele der &#8222;Freigesetzten&#8220; zogen vom Land in die sich immer st\u00e4rker industrialisierenden St\u00e4dte (Urbanisierung), v.a. Altona, Neum\u00fcnster und Kiel, doch die Auswanderung nach \u00dcbersee, v.a. nach Nordamerika, wurde zu einer Massenbewegung. Bis 1900 verlie\u00dfen \u00fcber 200.000 Schleswig-Holsteiner auf diesem Weg ihre Heimat. (Bohn, S. 97)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"469\" height=\"289\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Schwarzer_Freitag_Wien_1873.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1473\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Schwarzer_Freitag_Wien_1873.jpg 469w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Schwarzer_Freitag_Wien_1873-300x185.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 469px) 100vw, 469px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schwarzer Freitag vor der B\u00f6rse in Wien<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Gr\u00fcnderkrach<\/strong>: Die Spekulationswelle f\u00fchrte allerdings schon 1873 zum <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gr%C3%BCnderkrach\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gr\u00fcnderkrach<\/a>, zur ersten weltweiten Finanzkrise durch einen B\u00f6rsencrash. Von 1871 bis 1873 waren in Preu\u00dfen 928 Aktiengesellschaften gegr\u00fcndet worden, gegen\u00fcber 88 in den Jahren 1867 bis 70. 61 neue Banken waren gegr\u00fcndet worden. Die Euphorie hatte zu \u00dcberkapazit\u00e4ten, \u00dcberproduktion, leichtfertiger Kreditvergabe und einer Spekulationsblase gef\u00fchrt, die ein Sinken der Aktienkurse, Zahlungsschwierigkeiten, Pleiten zur Folge hatte und einen R\u00fcckzug privater Anleger aus der B\u00f6rse. Die Krise ging von der Wiener B\u00f6rse aus, als am 9. Mai 1873, einem Freitag, allein 120 Firmen in Konkurs gingen, die Kurse st\u00fcrzten von durchschnittlich 180 Gulden auf 10. Im Sommer erfasste die Krise London und New York, im Oktober auch Berlin. &#8222;Aufgrund der entstandenen Geldknappheit am Kapitalmarkt folgte ein weitreichender Zusammenbruch von B\u00f6rsen-, Aktien- und Spekulationsunternehmen. Von 843 nach 1870 neu gegr\u00fcndeten Aktiengesellschaften standen 1874 bereits 120 in Liquidation, 37 hatten Konkurs angemeldet.&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/html\/kaiserreich\/industrie\/gruenderkrach\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">vgl. DHM<\/a>). <strong>Die Folge war eine Wirtschaftskrise in Form einer konjunkturellen Stagnation oder Schrumpfung, h\u00e4ufig Depression genannt. In Deutschland gab es bis 1879 kein Wachstum mehr.<\/strong> Besonders betroffen war die Schwerindustrie, der Maschinenbau und das Baugewerbe. Massenentlassungen und Pleiten f\u00fchrten zu einer sozialen Notlage vieler Menschen. Zum Schutz der heimischen unter Preisdruck geratenen Industrie und Landwirtschaft verh\u00e4ngte das Deutsche Reich wie auch andere L\u00e4nder ab 1879 Schutzz\u00f6lle. Nach und nach kam es zu einer wirtschaftlichen Konsolidierung, wobei die Lebenshaltungskosten durch Preissteigerungen stiegen, ohne dass entsprechende Lohnerh\u00f6hungen f\u00fcr die arme Bev\u00f6lkerung das ausglichen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8606\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Arm und Reich im Kaiserreich<\/h2><div id=\"ac-8606\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/GermanEmigrantsBoardingAShipInHamburg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1458\" width=\"394\" height=\"274\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/GermanEmigrantsBoardingAShipInHamburg.jpg 575w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/GermanEmigrantsBoardingAShipInHamburg-300x209.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Emigranten gehen in Hamburg an Bord eines in die USA fahrenden Dampfers (um 1850)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Soziales Elend in den Gro\u00dfst\u00e4dten<\/strong> als Folge der Urbanisierung machte die soziale Frage zu einem beherrschenden Thema der Innenpolitik. Die Arbeiterbewegung, die jetzt starken Zulauf erhielt, zog 1875 in Gotha Konsequenzen durch die Vereinigung der beiden bestehenden Parteien ADAV und SDAP zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD). Gleichzeitig wurde in b\u00fcrgerlichen Kreisen, v. a. vertreten von Glagau, Marr, Treitschke, ein <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/html\/kaiserreich\/antisemitismus\/index.html\" target=\"_blank\">Antisemitismus<\/a> immer popul\u00e4rer, der als Verursacher der Krise den &#8222;seelenlosen Materialismus&#8220; j\u00fcdischer Kreise behauptete.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auswanderung in gro\u00dfem Stil:<\/strong> Eine wichtige Folge der wirtschaftlichen Depression war auch das Anschwellen der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_%C3%9Cberseewanderung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Auswanderungswelle, in erster Linie nach Amerika<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Architektur, Kunst und St\u00e4dtebau:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Architektur dieser Zeit (etwa bis zur Jahrhundertwende), wird als <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Historismus#Zeitraum\" target=\"_blank\">Gr\u00fcnderzeitstil<\/a> oder als <strong>Historismus<\/strong> bezeichnet. Er dr\u00fcckte sich in repr\u00e4sentativen Bauten aus, die das gestiegene Selbstbewusstsein des reich gewordenen B\u00fcrgertums widerspiegelten. Im Unterschied zur Epoche des Klassizismus vom Anfang des Jahrhunderts wurde jetzt nicht die Antike kopiert, sondern es wurden Stilformen vieler Epochen aufgenommen, teilweise in unterschiedlichster Weise gemischt. Besonders die Romantik \u00fcbte ihren Einfluss auf die Auftraggeber von Gro\u00dfbauten aus. Ber\u00fchmt sind heute die Schl\u00f6sser in Schwerin oder in Bayern, die Ludwig II. von Bayern erbauen lie\u00df. Er trat zwar politisch fast nicht in Erscheinung, konnte aber mit Hilfe von Dotationen aus dem Welfenverm\u00f6gen auf Veranlassung Bismarcks mehrere M\u00e4rchenschl\u00f6sser f\u00fcr sich allein erbauen. Er war auch ein besonderer F\u00f6rderer Richard Wagners, der unter R\u00fcckgriff auf Sagen des Mittelalters seinen &#8222;Ring des Nibelungen&#8220; komponierte. F\u00fcr seine Musik hatte Wagner in Bayreuth ein Festspielhaus mit Ludwigs Hilfe errichten k\u00f6nnen, das in der Folge zum Wallfahrtsort nationaler Kultur wurde. Das Reichstagsgeb\u00e4ude in Berlin wurde 1884 bis 1894 im Stil der Neorenaissance erbaut. In Hamburg entstanden zu dieser Zeit das <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hamburger_Rathaus\" target=\"_blank\">Rathaus<\/a> (1884-97), mehrere pomp\u00f6se staatliche Verwaltungsgeb\u00e4ude und eine Reihe von eindrucksvollen Stra\u00dfenz\u00fcgen. Durch den Hafenausbau wurden ehemalige b\u00fcrgerliche und Arbeiter-Wohngebiete zu Gewerbegebiet umgewandelt und die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Speicherstadt\" target=\"_blank\">Speicherstadt<\/a> ab 1883 gebaut. Die Hafenarbeiter wurden in Vororte wie Hammerbrook und Barmbek und ganz neue Stadtteile umgesiedelt. Mietskasernen entstanden, die aufgrund des immensen Zustroms von Arbeitskr\u00e4ften aus dem l\u00e4ndlichen Umland notwendig wurden. Eppendorf und Eimsb\u00fcttel, die vorher D\u00f6rfer bzw. Villenvororte gewesen waren, wurden ab 1894 zu Stadtteilen Hamburgs. Von diesen Arbeiterwohnquartieren zogen jeden Morgen in langen Kolonnen die Arbeiter zu Fu\u00df zu ihren Arbeitspl\u00e4tzen im Hafen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Rathaus_Bahnhofstrasse.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1470\" width=\"305\" height=\"221\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Rathaus_Bahnhofstrasse.jpg 629w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Rathaus_Bahnhofstrasse-300x217.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 305px) 100vw, 305px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das alte Barmstedter Rathaus in der Bahnhofstra\u00dfe, zun\u00e4chst als Arztvilla erbaut<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In Barmstedt wurde in dieser Zeit die <strong>Bahnhofstra\u00dfe<\/strong> neu angelegt. Als 1895 die Bahnstrecke Elmshorn &#8211; Barmstedt inklusive Bahnhofsgeb\u00e4ude fertiggestellt wurde, war auch die Bahnhofstra\u00dfe fertiggestellt. Wie auf dem Bild zu erkennen, wurden bald repr\u00e4sentative Villen sowohl auf dem oberen als auch dem unteren Ende erbaut. Das <strong>alte Rathaus<\/strong> entstand 1903 als Arztvilla f\u00fcr Dr. Oetken und diente nach dessen Tod von 1931 bis 2007 als Rathaus f\u00fcr die Stadt Barmstedt. Die nach Elmshorn und Rantzau f\u00fchrende <strong>Moltkestra\u00dfe<\/strong>, die erst jetzt ihren Namen erhielt, nachdem sie vorher &#8222;Auf der Ohe&#8220; gehei\u00dfen hatte, wurde neu bebaut. Die meisten H\u00e4user in beiden Stra\u00dfen weisen typische Merkmale des Gr\u00fcnderzeitstils auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald nach der Reichsgr\u00fcndung wurden \u00fcberall im Land &#8211; gef\u00f6rdert von nationalen Vereinen &#8211; <strong>Kriegerdenkm\u00e4ler<\/strong> zur Erinnerung an die Gefallenen des deutsch-franz\u00f6sischen Krieges aufgestellt. Sie hatten gleichzeitig die Funktion, die mit diesem Krieg erreichte nationale Einigung und den Sieg Preu\u00dfens im Bewusstsein zu halten. Auch Barmstedt erhielt auf dem Rasenplatz vor der Kirche, gegen\u00fcber dem &#8222;langen Schulhaus&#8220;, ein pr\u00e4chtiges s\u00e4ulenartiges <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.shz.de\/lokales\/barmstedter-zeitung\/ein-denkmal-voller-geheimnisse-id18497236.html\" target=\"_blank\">Kirchspieldenkmal<\/a>. Es steht heute noch, allerdings ohne den kr\u00f6nenden Reichsadler mit ausgebreiteten Fl\u00fcgeln. M\u00f6glicherweise ist dieser &#8211; wie in Alveslohe &#8211; nach dem 2. Weltkrieg abhanden gekommen. Er wurde hier in Barmstedt allerdings nicht erneuert. Die nationalen Gef\u00fchle wurden einerseits durch solche Denkm\u00e4ler, zus\u00e4tzlich aber durch die neu eingef\u00fchrten nationalen Feiertage angeregt. Der wichtigste wurde der Sedantag am 2. September. In allen Schulen wurden Belehrungen zu den Schlachten von 1870\/71, zum Haus Hohenzollern und entsprechende Feierstunden abgehalten. Daneben wurde immer wichtiger &#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kaisers_Geburtstag_%28Deutsches_Kaiserreich%29\" target=\"_blank\">Kaisers Geburtstag<\/a>&#8222;. Zur Zeit Wilhelms I. feierte man den 22. M\u00e4rz, sp\u00e4ter zur Zeit Wilhelms II. den 27. Januar. Die Barmstedter Zeitung berichtet z. B. ausf\u00fchrlich \u00fcber die den Kaisergeburtstag am 22.M\u00e4rz 1887. Dr. Helmut Wulf, ein um die Jahrhundertwende gerade 5 Jahre alter Barmstedter Knabe, erinnerte sich sp\u00e4ter so:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;In den Schulen wurde eine kurze Feier abgehalten und die Sch\u00fcler brachten Kerzen, Blumen und Eichengr\u00fcn mit, um damit die Klassenzimmer zu schm\u00fccken. Tr\u00e4ger der Veranstaltungen waren zur Hauptsache die Vereine, so Milit\u00e4r- und Kriegerverein, Turnverein, die Gesangvereine, Liedertafel, M\u00e4nnerchor und gemischter Chor von 1905. Es existierte auch noch ein Rest des Kampfgenossenvereins von 1848, und die letzten 5-6 M\u00e4nner trugen ihre Fahne noch mit gro\u00dfem Stolz, wenn Umz\u00fcge durch die Stra\u00dfen der Stadt durchgef\u00fchrt wurden. (Wulf, S.284)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"530\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Kriegerdenkmal70-71Adler.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1466\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Kriegerdenkmal70-71Adler.jpg 900w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Kriegerdenkmal70-71Adler-300x177.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Kriegerdenkmal70-71Adler-768x452.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Kriegerdenkmal, auch Kirchspieldenkmal genannt, f\u00fcr die Gefallenen der Kriege 1870\/71 vor der Kirche mit dem m\u00e4chtigen Reichsadler war auch ein Denkmal der Reichsgr\u00fcndung nach dem deutsch-franz\u00f6sischen Krieg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Gr\u00fcndung eines SDAP-Ortsvereins in Barmstedt:<\/strong> Schuhmachergesellen und Bauarbeiter gr\u00fcndeten 1874 die &#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sozialdemokratische_Arbeiterpartei_%28Deutschland%29\" target=\"_blank\">Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands<\/a>&#8220; in Barmstedt. (Klose, BZ 09.03.1974) Damit entstand hier in der Schusterstadt eine Gruppe der &#8222;Eisenacher&#8220;, die im Jahr 1869 auf Initiative von August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach aus verschiedenen Gruppierungen der politischen Arbeiterbewegung hervorgegangen war. Sie waren stark internationalistisch, marxistisch und antipreu\u00dfisch ausgerichtet und standen damit teilweise im Gegensatz zum <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Allgemeiner_Deutscher_Arbeiterverein\" target=\"_blank\">ADAV<\/a>, der die &#8222;kleindeutsche L\u00f6sung&#8220; unter preu\u00dfischer F\u00fchrung bef\u00fcrwortet hatte. Der Gegensatz, der sich hier zum Kult um die Preu\u00dfenverehrung mit den Kriegerdenkm\u00e4lern zeigte, war zumindest vor 1871 auch in b\u00fcrgerlichen Kreisen Barmstedts wie im \u00fcbrigen Holstein noch weit verbreitet. Allerdings waren durch die Gr\u00fcndung des Kaiserreichs Fakten entstanden, die nach und nach zu einer Anpassung der nationalen Position an die neue Realit\u00e4t zwangen. Auch in der Sozialdemokratie kam es schon ein Jahr sp\u00e4ter, im Mai 1875 in Gotha, zur Vereinigung beider Richtungen in der &#8222;Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands&#8220;, der SAP, und damit zu einem Kompromiss in den wesentlichen Fragen. Im Gothaer Programm, das von Karl Marx scharf kritisiert wurde, hie\u00df es:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Kettenbild_1870_Ausschnitt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1463\" width=\"277\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Kettenbild_1870_Ausschnitt.jpg 483w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Kettenbild_1870_Ausschnitt-242x300.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 277px) 100vw, 277px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Auf diesem sogenannten Kettenbild von 1870 sind die sozialistischen Gegner des deutsch-franz\u00f6sischen Krieges und Protagonisten der fr\u00fchen SDAP abgebildet, die zeitweise in Haft waren<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\u201eIn der heutigen Gesellschaft sind die Arbeitsmittel Monopole der Kapitalistenklasse; die hierdurch bedingte Abh\u00e4ngigkeit der Arbeiterklasse ist die Ursache des Elends und der Knechtschaft in allen Formen. Die Befreiung der Arbeit erfordert die Verwandlung der Arbeitsmittel in Gemeingut der Gesellschaft und die genossenschaftliche Regelung der Gesamtarbeit mit gemeinn\u00fctziger Verwendung und gerechter Verteilung des Arbeitsertrages. Die Befreiung der Arbeit muss das Werk der Arbeiterklasse sein, der gegen\u00fcber aber alle anderen Klassen nur eine reaktion\u00e4re Masse sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>und im zweiten Absatz:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVon diesen Grunds\u00e4tzen ausgehend, erstrebt die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands mit allen gesetzlichen Mitteln den freien Staat und die sozialistische Gesellschaft, die Zerbrechung des ehernen Lohngesetzes durch Abschaffung des Systems der Lohnarbeit, die Aufhebung der Ausbeutung in jeder Gestalt, die Beseitigung aller sozialen und politischen Ungleichheit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr diesen Parteitag hatte der Barmstedter Ortsverein \u00fcbrigens bereits eine Mitgliederzahl von 60 angegeben, der Elmshorner Ortsverband war mit 300 der drittgr\u00f6\u00dfte in Schleswig-Holstein. Bei der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichstagswahl_1874\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Reichstagswahl 1874<\/a> hatte die neue Partei 2 von 10 schleswig-holsteinischen Sitzen erobert, was ihr au\u00dfer in Sachsen (6 Sitze) nur in der Rheinprovinz (1 Sitz) gelungen war. (Danker 1988, S.33)<\/p>\n\n\n\n<p>In den Jahren 1872\/73 lie\u00df der Zimmerer Jasper Grelck ein f\u00fcr die heutige Barmstedter Umgebung wichtiges Waldgebiet, die <strong>Grelckschen bzw. Heeder Tannen<\/strong>, anpflanzen. Auf dem landwirtschaftlich nur schwer nutzbaren Boden, der eine Gr\u00f6\u00dfe von 112 ha hat und gro\u00dfenteils aus D\u00fcnen besteht, entstand so am Nordufer der Kr\u00fcckau zwischen Lutzhorn, Heede und Heidmoor eine Landschaft, die f\u00fcr Generationen von Einheimischen das Landschaftsgef\u00fchl ihrer Heimat mit bestimmte. Schon kurz darauf gr\u00fcndete er an der Feldstra\u00dfe eine Zimmerei und S\u00e4gerei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"646\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1909-AK-FeldstrMuehleSaegewerk-1024x646.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1435\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1909-AK-FeldstrMuehleSaegewerk-1024x646.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1909-AK-FeldstrMuehleSaegewerk-300x189.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1909-AK-FeldstrMuehleSaegewerk-768x484.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1909-AK-FeldstrMuehleSaegewerk.jpg 1113w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Links auf dieser Ansichtskarte von 1909 erkennt man das Grelcksche S\u00e4gewerk in der Feldstra\u00dfe, rechts sieht man die Abelsche M\u00fchle<\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8607\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Bismarcks Innen- und Au\u00dfenpolitik<\/h2><div id=\"ac-8607\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/544px-BismarckRoonMoltke.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1430\" width=\"318\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/544px-BismarckRoonMoltke.jpg 544w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/544px-BismarckRoonMoltke-272x300.jpg 272w\" sizes=\"auto, (max-width: 318px) 100vw, 318px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Reichskanzler Bismarck, Kriegsminister von Roon, Generalstabschef von Moltke<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Bismarcks Diplomatie:<\/strong> Mit dem <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dreikaiserabkommen\" target=\"_blank\">Dreikaiserabkommen<\/a> von 1873 zwischen den Monarchien Deutsches Reich, \u00d6sterreich-Ungarn und Russland konnte Bismarck erreichen, dass eine Ann\u00e4herung zwischen Frankreich und Russland zun\u00e4chst verhindert wurde, das gerade besiegte Frankreich also isoliert blieb. Die Balkan-Krise ab 1876 lie\u00df dieses B\u00fcndnis jedoch zerbrechen, als Russland das Osmanische Reich angriff und dabei \u00f6sterreich-ungarische Interessen verletzte. Der Berliner Kongress von 1878, an dem alle Gro\u00dfm\u00e4chte und das Osmanische Reich beteiligt waren, schuf eine &#8222;Friedens&#8220;-L\u00f6sung f\u00fcr S\u00fcdosteuropa, die im &#8222;Berliner Vertrag&#8220; neue Grenzziehungen und Herrschaftsbereiche der konkurrierenden Gro\u00dfm\u00e4chte auf dem Balkan vorsah. Um Russland unter Druck zu setzen, schloss das Deutsche Reich 1879 einen geheimen Defensivvertrag mit \u00d6sterreich-Ungarn, den sog. Zweibund, in dem beide Seiten sich vollen milit\u00e4rischen Beistand bei einem russischen Angriff zusicherten. Russland erneuerte daraufhin 1881 noch einmal mit dem Dreikaiserbund den alten Vertrag, der alle drei M\u00e4chte zu wohlwollender Neutralit\u00e4t im Falle eines unprovozierten Angriffs durch eine vierte Macht verpflichtete. Erg\u00e4nzt wurde dieses Vertragsnetz wiederum durch die Erweiterung des Zweibundes zu einem <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dreibund\" target=\"_blank\">Dreibund<\/a> durch die Aufnahme Italiens. Der Dreikaiserbund konnte aufgrund der zunehmenden Gegens\u00e4tze zwischen Russland und \u00d6sterreich-Ungarn auf dem Balkan schon 1887 nicht mehr fortgesetzt werden. Um die jetzt m\u00f6glich werdende Zweifrontenlage des Deutschen Reichs zu verhindern, unterzeichneten Bismarck und der russische Au\u00dfenminister im Juni 1887 ein auf drei Jahre befristetes geheimes Abkommen, den sogenannten <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%BCckversicherungsvertrag\" target=\"_blank\">R\u00fcckversicherungsvertrag<\/a>. Damit versicherten sich beide Seiten zu wohlwollender Neutralit\u00e4t &#8211; im Falle eines unprovozierten Angriffs im Falle Russlands durch \u00d6sterreich-Ungarn, im Falle Deutschlands durch Frankreich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen gegen die Sozialdemokratie:<\/strong> In der erstarkenden Arbeiterbewegung sah Bismarck nach Ende seines &#8222;Kulturkampfs&#8220; gegen die Zentrums-Partei die gr\u00f6\u00dfte innenpolitische Gefahr. Ihre politischen Forderungen nach Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit, Mindestl\u00f6hnen und Unfallschutz bedrohten die unternehmerische Freiheit aus seiner Sicht so stark, dass er repressive Ma\u00dfnahmen gesetzlich durchsetzen wollte. Die Vorsitzenden der SAPD August Bebel und Wilhelm Liebknecht waren 1871 wegen ihrer Opposition gegen den deutsch-franz\u00f6sischen Krieg und ihrer \u00f6ffentlichen Sympathie f\u00fcr die Pariser Commune zu zwei Jahren Festungshaft wegen Hochverrats verurteilt worden. Nachdem Bismarck in einem ersten Versuch aufgrund der Mehrheitsverh\u00e4ltnisse im Reichstag mit seinen antisozialistischen Gesetzen gescheitert war, l\u00f6ste er nach einem missgl\u00fcckten Attentat auf Kaiser Wilhelm den Reichstag auf und lie\u00df Neuwahlen durchf\u00fchren, wobei er die Sozialdemokratie wahrheitswidrig der Mitt\u00e4terschaft an den Attentaten beschuldigte. Der neue Reichstag verabschiedete mit den Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen am 19. Oktober 1878 das &#8222;Gesetz gegen die gemeingef\u00e4hrlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie&#8220; (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sozialistengesetz\" target=\"_blank\">Sozialistengesetz<\/a>). Bismarck sah in der Sozialdemokratie, die 1877 bereits fast eine halbe Million W\u00e4hlerstimmen erhalten hatte, eine Gefahr f\u00fcr die bestehende Gesellschaftsordnung und entwickelte eine Reihe von Zwangsma\u00dfnahmen, um ihren Einfluss zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Bereits zwei Tage nach der Verabschiedung trat das Gesetz in Kraft. Gewerkschaften wurden generell verboten. Die Partei wurde zwar nicht verboten und konnte weiter an Wahlen teilnehmen. Aber Versammlungen, Zusammenk\u00fcnfte und \u00f6ffentliche Feiern wurde verboten, Presse- und Berufsverbote wurden verh\u00e4ngt, Mitglieder wurden verhaftet oder ausgewiesen. Die Partei entwickelte deshalb neue Organisations- und Widerstandsformen, z. B. Parteikongresse im Ausland und nicht identifizierbare Gruppen, die als Lesezirkel, Kartenspieler und Sonntagsspazierg\u00e4nger getarnt waren. (Fischer, S. 168)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/510px-Ericsson_TaxenTelefon.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1429\" width=\"222\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/510px-Ericsson_TaxenTelefon.jpg 510w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/510px-Ericsson_TaxenTelefon-255x300.jpg 255w\" sizes=\"auto, (max-width: 222px) 100vw, 222px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ab 1883 wurde in Schleswig-Holstein das Telephon eingef\u00fchrt. Kiel erhielt seinen ersten Anschluss, Flensburg 1884 und Meldorf 1885. In vielen St\u00e4dten gab es allerdings zun\u00e4chst noch keine Verbindung nach au\u00dfen, nur innerorts. Mit der Kurbel wurde das Fr\u00e4ulein vom Amt gerufen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Bismarck hatte allerdings auch erkannt, dass der sozialrevolution\u00e4ren Gefahr durch eine flankierende <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/html\/kaiserreich\/innenpolitik\/sozialgesetze\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sozialgesetzgebung<\/a> begegnet werden musste. 1883 wurde die <strong>gesetzliche Krankenversicherung<\/strong> f\u00fcr festangestellte Arbeiter eingef\u00fchrt. Zu 2\/3 wurden die Beitr\u00e4ge von den Arbeitern, zu 1\/3 von den Arbeitgebern bezahlt. Auf diese Weise hatten viele Arbeiter zum ersten Mal eine realistische Chance auf \u00e4rztliche Behandlung. 1884 kam die von den Arbeitgebern zu tragende <strong>Unfallversicherung<\/strong> hinzu, was den im Betrieb verungl\u00fcckten Arbeitern und ihren Familien zum ersten Mal unabh\u00e4ngig von dem Mitleid des Arbeitgebers eine Heilbehandlung und Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrte. Vorher standen Familien, deren Ern\u00e4hrer bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen war, absolut mittellos dar und hatten keinerlei Anspr\u00fcche an den Betrieb oder den Staat. 1889 kam es schlie\u00dflich auch zu der <strong>Alters- und Invalidenversicherung<\/strong>. Die Arbeiterbewegung lehnte die Gesetze ab, da sie darin keinen Ersatz f\u00fcr die grunds\u00e4tzliche \u00dcberwindung der kapitalistischen Gesellschaftsstruktur sah, die Klassengesellschaft wurde dadurch nicht abgeschafft, sondern stabilisiert. Den Liberalen gingen die Reformen zu weit, sie sahen darin einen Staatssozialismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Um f\u00fcr sie sch\u00e4dlichen Wettbewerb auszuschalten, kam es in verschiedenen Branchen zur <strong>Kartellbildung<\/strong>. Wesentlich weiter fortgeschritten waren diese Methoden in den USA. In Pennsylvania waren \u00d6lquellen entdeckt worden, deren \u00d6l in Raffinerien zu Petroleum (w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung f\u00fcr &#8222;Erd\u00f6l&#8220;) weiterverarbeitet wurde. John D. Rockefeller monopolisierte mit seiner Standard Oil die Raffinerie-Verarbeitung und sp\u00e4ter auch den Vertrieb und h\u00e4ufte so ein riesiges Verm\u00f6gen an. Die Erfindung von Pipelines lie\u00df zwar wieder Konkurrenz entstehen, durch deren Aufkauf kam jedoch auch dieser Markt weitgehend an Rockefeller. Erst die durch ein spezielles Gesetz 1911 erzwungene Entflechtung f\u00fchrte zur Aufspaltung in mehrere Gesellschaften, u.a. Exxon, deren Wachstum jedoch noch schneller vonstatten ging, da jetzt das Automobil zu einem immer h\u00f6heren Verbrauch dieses fossilen Rohstoffs f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>In allen industrialisierten Staaten entstanden jetzt <strong>Interessenorganisationen<\/strong> auf Arbeitgeberseite, um Forderungen gegen\u00fcber der Regierung durchzusetzen. Auf Arbeiterseite wurden gleichzeitig illegal immer mehr <strong>Gewerkschaften<\/strong> gegr\u00fcndet, um in Streiks und anderen Aktionen Forderungen gegen\u00fcber den Unternehmern durchsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Deutsche Reich als Kolonialmacht:<\/strong> Das Zeitalter des <strong>Imperialismus<\/strong> hatte seit etwa 1870 die Welt ver\u00e4ndert, als die europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte dazu \u00fcbergingen, immer gr\u00f6\u00dfere Teile der Welt \u00f6konomisch und politisch, notfalls auch milit\u00e4risch, unter ihre Kontrolle zu bringen, wobei es v.a. darum ging, die anderen Gro\u00dfm\u00e4chte davon abzuhalten, in den &#8222;eigenen&#8220; Territorien Interessen zu verfolgen. In Afrika hatte dieser &#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wettlauf_um_Afrika\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">scramble for africa<\/a>&#8222;, die <strong>Kolonisierung Afrikas<\/strong>, etwa 1880 begonnen. Die Erforschung des Kontinents durch Missionare und Geografen, vereint mit kommerziellen Interessen von Privatleuten in einer Zeit technologischer Fortschritte (v. a. Gewehre, Dampfschiffe, Eisenbahn) und \u00f6konomischer Krisen hatte zu einem verst\u00e4rkten Augenmerk der europ\u00e4ischen Regierungen auf den noch nicht verteilten &#8222;afrikanischen Kuchen&#8220; gef\u00fchrt. Zur Festlegung von Spielregeln lud Bismarck im November 1884 die Gro\u00dfm\u00e4chte ein zur sogenannten &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kongokonferenz\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Berliner Konferenz&#8220; (Kongo-Konferenz)<\/a>. V. a. Gro\u00dfbritannien (Kapkolonie), Frankreich (Algerien) und Portugal (Angola) hatten bereits Teile des Kontinents in Besitz genommen und der belgische K\u00f6nig Leopold II. betrieb unter Mithilfe des Afrikaforschers Henry Morten Stanley eine Kolonialisierung des Kongobeckens. Deutschland wiederum hatte ebenfalls mehrere Gebiete, die im Auftrag deutscher Kaufleute &#8222;erworben&#8220; worden waren, zu Schutzgebieten erkl\u00e4rt. So entstanden die Kolonien <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsch-S%C3%BCdwestafrika\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Deutsch-S\u00fcdwestafrika<\/a>, Deutsch-Westafrika mit Kamerun und Togoland. Am Ende der Konferenz, zu der kein einziger Afrikaner eingeladen worden war, erhielten alle beteiligten M\u00e4chte in der Kongoakte Anspr\u00fcche auf Teile Afrikas, sicherten sich jedoch gegenseitig Freihandelsrechte zu. Das Deutsche Reich verst\u00e4rkte in der Folge seine Interessen in \u00dcbersee durch &#8222;Schutzbriefe&#8220; auch f\u00fcr Deutsch-Ostafrika mit zuletzt den Gebieten des heutigen Tansania, Ruanda und Burundi, Witu, Somalik\u00fcste und in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Schutzgebiete_in_der_S%C3%BCdsee\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">S\u00fcdsee<\/a>, ab 1898 auch in Kiautschou\/China. So entstand bis 1914 das nach Fl\u00e4che viertgr\u00f6\u00dfte Kolonialreich &#8211; nach dem britischen, franz\u00f6sischen und russischen Weltreich.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8608\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Die 1870er und 1880er Jahre in Barmstedt und Umgebung<\/h2><div id=\"ac-8608\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Genossenschaftsmeierei1880.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1457\" width=\"431\" height=\"302\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Genossenschaftsmeierei1880.jpg 487w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Genossenschaftsmeierei1880-300x210.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 431px) 100vw, 431px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die neue Barmstedter Meierei von 1880 in der K\u00f6nigstra\u00dfe, dort, wo sich heute Lidl befindet.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im April 1875 wurde die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.feuerwehr-barmstedt.de\/chronik_inhalt.html\" target=\"_blank\">Freiwillige Feuerwehr Barmstedt<\/a> gegr\u00fcndet. Es gab bereits seit der Mitte des 18. Jahrhunderts die Pflichtfeuerwehr, bei der alle B\u00fcrger jeweils ihren Pflichtdienst zu absolvieren hatten, z. B. durch Kettenbildung, um mit Eimern aus Brunnen und Gew\u00e4ssern das Wasser zur Brandstelle weiterzugeben. Ein Feuerl\u00f6schbrunnen war lange Zeit von der Administratur gefordert, aber erst 1846 kombiniert mit einer Pumpe gebaut worden. Der Barmstedter B\u00fcrgerverein nahm sich jetzt an dem gerade in Kellinghusen entstandenen Freiwilligen Feuercorps ein Beispiel und schuf auch hier am Ort eine solche Mannschaft. Sie wurden technisch unterst\u00fctzt durch Edm. Bochsen, den Agenten der Aachener &amp; M\u00fcnchener Feuerversicherungsgesellschaft, der zusagen konnte, dass seine Gesellschaft &#8222;eine Feuerspritze unentgeltlich anfertigen lassen wolle&#8220;. Gr\u00fcndungsmitglieder waren Zacherias Freudentahl, Heinrich Schl\u00fcter, Wilhelm Prange, Karl Wulff, Joachim Mohr, Heinrich L\u00fcdemann, Jobs Sass, Fritz Br\u00f6mmer, H. R\u00f6ttger, Johann Wolters, F. Peters, W. Springer, N. Springer, F. Lohse, Hans Grelck, H. Stark, H. L\u00fcdemann, und H. Wiese. Seitdem gab es ein nicht immer konfliktfreies Nebeneinander von Freiwilliger und Pflichtfeuerwehr. Ab etwa 1910 \u00fcbernahm dann offenbar die Freiwillige Feuerwehr das Ruder.<\/p>\n\n\n\n<p>1877 kaufte Brauereibesitzer Fritz Peters das alte Brauereigel\u00e4nde von Peter Grelck mit dem Eiskeller auf Rantzau und errichtete ein neues Geb\u00e4ude, aus der die Rantzauer Schlossbrauerei werden sollte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/BZ-Geburtshaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1447\" width=\"298\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/BZ-Geburtshaus.jpg 559w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/BZ-Geburtshaus-221x300.jpg 221w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das &#8222;Geburtshaus&#8220; der Barmstedter Zeitung in der Austra\u00dfe<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Barmstedter Zeitung gegr\u00fcndet:<\/strong> Am 5. April 1879 gab der Buchdruckereibesitzer Anton F\u00fc\u00dflein seine erste Ausgabe der \u201eBarmstedter Zeitung\u201c heraus. Im Haus in der Austra\u00dfe 3, neben der Fa. Br\u00fcgmann, Klempnerei und \u00cdnstallation, hatte er eine Buchdruckereiwerkst\u00e4tte eingerichtet. F\u00fcr die Obrigkeit war das Erscheinen sehr wichtig, da vorher der Ortsb\u00fcttel alle Bekanntmachungen auszurufen hatte. Sie erschien 2mal w\u00f6chentlich (Di, Do) und hatte bald mehrere hundert Abonnenten. Nach wenigen Jahren verlegte F\u00fc\u00dflein den Betrieb in die Kirchenstra\u00dfe und verg\u00f6\u00dferte das Format auf das heutige.<\/p>\n\n\n\n<p>1880 kam es zur <strong>Gr\u00fcndung der Meierei Barmstedt<\/strong>, als zweite im Kreis Pinneberg nach Elmshorn. Sie wurde von 62 Bauern aus Barmstedt-Gro\u00dfendorf, Lutzhorn, Bokel, Brande, Gro\u00df- und Klein-Offenseth, Aspern, Hanredder, Bullenkuhlen, Bevern, Heede und Hemdingen am 4. Januar 1880 als Genossenschaft gegr\u00fcndet. Die Inbetriebnahme der Produktionsst\u00e4tte in der Barmstedter K\u00f6nigstra\u00dfe erfolgte noch im selben Jahr, am 08. November 1880. Im ersten Jahr wurden ca. 1 Million kg Milch ausschlie\u00dflich zu Butter verarbeitet. Die Gr\u00fcndung weiterer Meiereien in der n\u00e4heren Umgebung, sogar in Bokholt, Heede, Ellerhoop und Lutzhorn, f\u00fchrten zun\u00e4chst zu einer Krise, da ganze D\u00f6rfer als Lieferanten wegfielen. Da aber bald alle Bauern in den verbliebenen D\u00f6rfern von der traditionellen Verarbeitung auf die maschinelle in der Meierei umstiegen, stieg die Zahl der Mitglieder bis 1900 auf 100 und die verarbeitete Menge von 1,25 Mill. auf 3,4 Mill. Liter. (D\u00f6ssel, S. 210)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/KirchturmNikolaiEnde19Jh.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1464\" width=\"210\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/KirchturmNikolaiEnde19Jh.jpg 351w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/KirchturmNikolaiEnde19Jh-187x300.jpg 187w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der neue Turm der St. Nikolaikirche in Elmshorn<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Propstei Rantzau wird vergr\u00f6\u00dfert \/ Elmshorner Nikolaikirche erh\u00e4lt neugotischen Turm:<\/strong> In K\u00f6ln waren 1880, 38 Jahre nach Wiederbeginn der Bauarbeiten, die seit dem Mittelalter fehlenden T\u00fcrme fertiggestellt worden. Dieses und die schon lange anhaltende Diskussion \u00fcber Gestalt und Standort der alten <strong>St. Nikolaikirche in Elmshorn<\/strong>, die seit dem 30-j\u00e4hrigen Krieg keinen Turm mehr hatte, f\u00fchrte 1880 schlie\u00dflich zur Entscheidung, einen <strong>Turm im neugotischen Stil<\/strong> zu bauen. Schon 1860 hatte Propst Harding an die K\u00f6nigliche Administratur zu Rantzau in einem Brief geschrieben: &#8222;Eine entbehrliche Zierde\u2026ist ein Turm freilich&#8220;, wenngleich eine sch\u00f6ne, wie man an der Barmstedter Kirche sehe. Das wichtigere Argument aus seiner Sicht war aber, dass man die Glocken von entfernteren H\u00e4usern aus kaum h\u00f6ren konnte. (Voigt, S.99) Die Idee andererseits, eine neue Kirche an einem anderen Standort zu bauen, damit der Marktplatz in der Mitte der Stadt wirklich zu einem Marktplatz werden konnte, wurde nur von einer Minderheit vertreten. Der Entwurf stammte vom Architekten Hillebrand und war ganz von dem seit 1861 g\u00fcltigen Regulativ f\u00fcr Kirchenneubauten gepr\u00e4gt, der bestimmte, dass die neuen Sakralbauten &#8222;im sogenannten germanischen (gothischen) Styl&#8220; zu bauen seien. Die Bauarbeiten gingen innerhalb eines Jahres vonstatten und lie\u00dfen einen Turm entstehen, der mit knapp 55 Metern das damals h\u00f6chste Geb\u00e4ude der Stadt darstellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der <strong>Barmstedter Heiligen-Geist-Kirche<\/strong> gab es eine Modernisierung. Sie erhielt 1886 neue <strong>Petroleum-Leuchter<\/strong>. Vorher hatte es bei abendlichen Veranstaltungen nur Kerzenlicht gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch eine neue Konsistorialverordnung wurden die Propsteibezirke in der Provinz Schleswig-Holstein neu eingeteilt. Die <strong>Propstei Rantzau erhielt zus\u00e4tzlich zu den Kirchspielen Barmstedt, H\u00f6rnerkirchen und Elmshorn (der alten Grafschaft Rantzau) die Kirchspiele Gl\u00fcckstadt, Hohenfelde, Horst, Kollmar, Neuendorf, Stellau und Kellinghusen<\/strong> \u2013 11 Kirchen mit 18 Predigern. <strong>Der Begriff Kirchspiel wurde ersetzt durch Kirchengemeinde.<\/strong> Die Aufsicht \u00fcber das Schulwesen lag weiterhin bei der Kirche.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Rode.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1471\" width=\"194\" height=\"275\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Rode.jpg 463w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Rode-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">B\u00fcrgermeister Johann Otto Fr. Rode (1881-1905), Apotheker<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1887 wurde zum ersten Mal das bis heute aus dem Leben der Stadt nicht weg zu denkende <strong>Barmstedter Kinderfest<\/strong> veranstaltet. Die Initiative war von den Lehrern der Knaben- und M\u00e4dchenschulen unter Leitung des Rektors Tank ausgegangen. &#8222;In den ersten Jahren von 1887 ging die gesamte Schuljugend an einem meist hei\u00dfen Julitag nach Vo\u00dfloch auf die Wiese und am Abend in den Saal zum Tanz. Auf der Wiese war Sackh\u00fcpfen, Eierlaufen angesagt und dabei spielte jede Klasse K\u00f6nig und K\u00f6nigin aus. Wie schon erw\u00e4hnt, waren Rektor Friedrich Tank und sein Lehrer-Kollegium die Ausrichter, aber auch hier waren bereits B\u00fcrger als Helfer dabei. Sicherlich vorerst ganz freiwillig und unaufgefordert, einfach aus der Erkenntnis, da\u00df ein Sack Fl\u00f6he leichter zu h\u00fcten ist, als eine fr\u00f6hliche Kinderschar. Gemeinsam waren die Kinder gutbeh\u00fctet im Festtrubel. F\u00fcr das leibliche Wohl sorgten Barmstedts Frauen mit Kakao, Kaffee und Kuchen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"349\" height=\"440\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Rode-Apotheke1806.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1288\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Rode-Apotheke1806.jpg 349w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Rode-Apotheke1806-238x300.jpg 238w\" sizes=\"auto, (max-width: 349px) 100vw, 349px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Rodesche Apotheke, Neubau 1806<\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-8609\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Die Wilhelminische \u00c4ra beginnt<\/h2><div id=\"ac-8609\" class=\"c-accordion__content\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Safety_bicycle_1887.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1472\" width=\"311\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Safety_bicycle_1887.jpg 500w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Safety_bicycle_1887-300x254.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Aus dem Hochrad entwickelte sich etwa ab 1890 das Niederrad, das wesentlich leichter zu handhaben und schneller war.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im M\u00e4rz 1888 starb <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_I._%28Deutsches_Reich%29\" target=\"_blank\">Wilhelm I,<\/a> deutscher Kaiser seit 1871 und preu\u00dfischer K\u00f6nig seit 1861. Die patriotische Verehrung in b\u00fcrgerlichen Kreisen f\u00fcr ihn, die sich mit monarchistisch-nationaler Einstellung verband, dr\u00fcckte sich in \u00fcber 1000 Kaiser-Wilhelm-Denkm\u00e4lern im deutschsprachigen Raum aus, die zwischen 1867 und 1918 errichtet wurden. Auch in der N\u00e4he Barmstedts, in Alveslohe, befindet sich heute noch das mit einem Reichsadler geschm\u00fcckte monumentale <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alveslohe#Denkmal\" target=\"_blank\">Denkmal auf Wilhelm I.<\/a>, gestiftet vom Alvesloher Versch\u00f6nerungsverein im Jahre 1904. Wesentlich fr\u00fcher noch, daf\u00fcr aber nur bis 1948, wurde der 1895 er\u00f6ffnete Nord-Ostsee-Kanal dem verstorbenen Kaiser zu Ehren Kaiser-Wilhelm-Kanal genannt. Der 1869 eingeweihte Nordsee-Kriegshafen am Jadebusen bekam entsprechend den Namen Wilhelmshaven. Nachfolger wurde sein Sohn Friedrich Wilhelm als <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_III._%28Deutsches_Reich%29\" target=\"_blank\">Friedrich III.<\/a>, der aber schon nach 99 Tagen im Amt starb.<\/p>\n\n\n\n<p>Neuer Kaiser und preu\u00dfischer K\u00f6nig wurde nun dessen 29-j\u00e4hriger Sohn Friedrich Wilhelm als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_II._%28Deutsches_Reich%29\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wilhelm II.<\/a>. Dieser Wechsel auf dem Thron hatte auf Grund der Reichsverfassung und der dominierenden Rolle Preu\u00dfens politisch eine gro\u00dfe Bedeutung, da der Kaiser den Kanzler einsetzte und damit quasi die Richtlinien der Politik bestimmte. Viele Schleswig-Holsteiner hatten gegen\u00fcber Bismarck und Wilhelm I. eine kritische Distanz, einerseits nat\u00fcrlich diejenigen, die sozialdemokratisch dachten und empfanden, denn durch die immer noch geltenden Sozialistengesetze waren sie zu Staatsfeinden erkl\u00e4rt worden, andererseits diejenigen, die als Anh\u00e4nger des Augustenburger Herzogs die Eigenst\u00e4ndigkeit Schleswig-Holstiens im Deutschen Reich bef\u00fcrworteten und die 1866 erfolgte Einverleibung als preu\u00dfische Provinz kritisierten. F\u00fcr diese war es ein Zeichen der Vers\u00f6hnung, dass der neue Kaiser mit Auguste Victoria, der Tochter jenes Herzogs von Augustenburg, verheiratet war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bev\u00f6lkerungsexplosion auch in Barmstedt:<\/strong> Wie \u00fcberall im Land hatte auch im Flecken Barmstedt die Bev\u00f6lkerung stark zugenommen. Von 1845 bis 1895, also innerhalb von knapp zwei Generationen, stieg die Einwohnerzahl von 2152 auf 3995, also um 86 %. Dieses Wachstum war typisch f\u00fcr das ganze Land und alle Regionen, die von dieser zweiten Phase der Industrialisierung betroffen waren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table is-style-regular\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th>Jahr der Z\u00e4hlung<\/th><th>Einwohner<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>1826<\/td><td>1640<\/td><\/tr><tr><td>1835<\/td><td>1849<\/td><\/tr><tr><td>1845<\/td><td>2152<\/td><\/tr><tr><td>1895<\/td><td>3995<\/td><\/tr><tr><td>1909<\/td><td>4678<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bev\u00f6lkerungszuwachs Barmstedt und Gro\u00dfendorf<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es spielte sich hier das Gleiche ab, wie heute in vielen Entwicklungsl\u00e4ndern. Die Geburtenrate war noch hoch, durchschnittlich bekam eine Frau 1871 f\u00fcnf Kinder (1), deren Sterblichkeitsrate aber noch sehr hoch war: 25% von ihnen starben bereits im ersten Lebensjahr (2). Die Lebenserwartung lag 1871\/80 f\u00fcr Jungen nur bei 35,6 Jahren, f\u00fcr M\u00e4dchen bei 38,5 Jahren. Dieses war gegen\u00fcber dem 18. Jahrhundert allerdings ein Fortschritt, als nach Sch\u00e4tzung P. Marschalcks durchschnittlich nur 30 bzw. 32,5 Jahre erreicht wurden, nur 50 % hatten \u00fcberhaupt das Erwachsenenalter erreichen k\u00f6nnen. (3) Von diesen wurden manche aber durchaus alt. Durch verbesserte Ern\u00e4hrung, bessere Hygiene und medizinische Versorgung war die Sterblichkeit bereits stark zur\u00fcckgegangen. Inzwischen waren Kampagnen f\u00fcr eine bessere Gesundheitsf\u00fcrsorge angelaufen, die die Sauberhaltung von Stra\u00dfen und Gew\u00e4ssern betrafen. V. a. die Trinkwasserversorgung aus Brunnen war ins Visier geraten sowie der Umgang mit F\u00e4kalien, aber auch die Qualit\u00e4t der Lebensmittel. Hygieniker hatten auch die \u00fcberf\u00fcllten Wohnungen der armen Leute als Quelle von Krankheiten ausgemacht.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Am-Markt-Schloss-Rantzau-Kriegerdenkmal.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1438\" width=\"485\" height=\"312\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Am-Markt-Schloss-Rantzau-Kriegerdenkmal.jpg 580w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Am-Markt-Schloss-Rantzau-Kriegerdenkmal-300x193.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">F\u00fcr die Aufnahmen auf dieser menschenleeren Ansichtskarte hat der Fotograf sicherlich lange warten m\u00fcssen, bis die Stra\u00dfen entv\u00f6lkert waren. So wirken die Motive seltsam entr\u00fcckt in einer von Bev\u00f6lkerungszunahme gepr\u00e4gten Zeit, in der die neuen b\u00fcrgerlichen Geb\u00e4ude in ihrer Pracht deutlich abstachen von den \u00e4lteren herrschaftlichen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Es hatte wichtige Gr\u00fcnde f\u00fcr die hohe Kinderzahl gegeben: Einerseits bedeutete auf dem Land und in den kleinen Handwerksbetrieben Nachwuchs billige Arbeitskraft und Altersversorgung, andererseits mussten in der vorindustriellen Gesellschaft hohe Kinderzahlen erreicht werden, damit \u00fcberhaupt eine h\u00e4ufig durch Kriege, Epidemien, und Hungerkatastrophen stark dezimierte Bev\u00f6lkerung \u00fcberleben konnte. Diese Ereignisse waren stark zur\u00fcck gegangen. Au\u00dferdem wurde die Sterblichkeit ab der 2. H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts wiederum reduziert durch bessere und sichere Ern\u00e4hrung: neue Nutzpflanzen, v. a. die Kartoffel, erweiterte Viehhaltung, v. a. die Milchwirtschaft, Stra\u00dfen- und Eisenbahnbau, die zu einer schnelleren Verteilung der Lebensmittel beitrugen. Trotz der jetzt auch gr\u00f6\u00dfer werdenden Familien \u00e4nderte sich die Einstellung zum Wert des Kindersegens vorl\u00e4ufig noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kinderzahl der Gesellschaft hatte immer schon auch von den wirtschaftlichen Bedingungen abgehangen, da sie an die Zahl der Eheschlie\u00dfungen gekoppelt war. Dienstboten konnten h\u00e4ufig nicht heiraten, Kinder aus b\u00e4uerlichen Familien nur, wenn sich eine passende Partie ergab. Eine Eheschlie\u00dfung war also stark reglementiert, so dass das normale Heiratsalter bei M\u00e4nnern bei 28 Jahren, bei Frauen erst bei 25 (Deutschland) (3), in Preu\u00dfen sogar erst bei 27,08 Jahren lag. (4) Die sozialen Bedingungen \u00e4nderten sich hier jedoch durch die industrielle Revolution stark und zunehmend radikal. B\u00e4uerliche Arbeitskr\u00e4fte auf dem Land wurden durch verbesserte Produktivit\u00e4t arbeitslos und versuchten in den Fabriken bzw. gewerblichen Betrieben Arbeit zu finden. Die Heiratsbeschr\u00e4nkungen fielen nach und nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Barmstedt geh\u00f6rte zu den Orten in Holstein, die von den demografischen und wirtschaftlichen Entwicklungen stark betroffen waren. Zwar gab es nur eine Fabrik, die Tuchfabrik Stolzenwald, sp\u00e4ter Wachsfabrik Schlickum, andererseits eine starke Konzentration an Schuhmacher- und Schlachtereibetrieben, die f\u00fcr den jetzt durch den Zollverein erleichterten Export produzierten. Aus diesem Grunde besa\u00df der Flecken eine starke Anziehungskraft f\u00fcr Menschen aus der Umgebung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diakonissen \u00fcbernehmen Krankenf\u00fcrsorge und Warteschule:<\/strong> Ende 1887 hatte sich das Fleckenskollegium daf\u00fcr ausgesprochen, eine kostenlose h\u00e4usliche Krankenpflege und eine Warteschule f\u00fcr Vorschulkinder einzurichten. Zu diesem Zweck entstand im Januar 1888 der <strong>Verein f\u00fcr weibliche Diakonie<\/strong>. Es bestand offensichtlich eine Notwendigkeit, f\u00fcr die vielen Armen im Flecken, die sich \u00e4rztliche Versorgung nicht leisten konnten, schon gar keine professionelle Heilbehandlung in einem Krankenhaus, eine F\u00fcrsorge in solchen Notf\u00e4llen zu schaffen und gleichzeitig eine Entlastung der Familien in der Kindererziehung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"524\" height=\"376\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/DiakoniestationBarmstedt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1451\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/DiakoniestationBarmstedt.jpg 524w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/DiakoniestationBarmstedt-300x215.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 524px) 100vw, 524px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Diakonissenheim und Warteschule. Hier befindet sich heute der Ev. Kindergarten Bahnhofstra\u00dfe.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Seit 1874 gab es daf\u00fcr auch ein Angebot durch das Diakonissenmutterhaus in Flensburg. Hier wurden Diakonissen in Krankenpflege und Kindererziehung ausgebildet und ihr Einsatz in Gemeinden organisiert. Diese Frauen erhielten kein Gehalt, nur ein Taschengeld, und hatten sich durch ihren Eintritt in das Mutterhaus zu einem Leben in striktem Gehorsam, Ehelosigkeit und christlichem Dienst am Mitmenschen verpflichtet. Sie wurden durch den Vorsteher entsandt und erhielten von der Station, in der sie arbeiteten, Wohnung und Verpflegung gestellt. Sie waren immer deutlich an ihrer schwarzen Tracht und wei\u00dfer Haube zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wohnverh\u00e4ltnisse f\u00fcr die gro\u00dfen Handwerker- und Arbeiterfamilien waren in den meist kleinen H\u00e4usern sicherlich teils katastrophal, besonders die sanit\u00e4ren Einrichtungen, die Trinkwasserversorgung aus teils unbedeckten Brunnen und die Wohnr\u00e4ume, die oft gleichzeitig zum Wohnen, Schlafen und Arbeiten genutzt werden mussten, werden nicht anders als in vergleichbaren Orten gewesen sein: f\u00fcr Krankheitserreger aller Art ein idealer Ausbreitungsort. Es gab zwar seit Beginn des Jahrhunderts Arzt und Apotheke in Barmstedt, was f\u00fcr wohlhabende b\u00fcrgerliche und b\u00e4uerliche Familien ein gro\u00dfer Fortschritt war. Aber arme Familien konnten durch Krankheiten oder Verletzungen leicht in existentielle Notlagen geraten, denn die neu eingef\u00fchrte gesetzliche Kranken- und Unfallversicherung gab es nur f\u00fcr fest angestellte Arbeiter. Ein Krankenhaus gab es in Barmstedt noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum war das Ziel des Vereins au\u00dferordentlich \u00fcberzeugend. \u00dcber die neue Barmstedter Zeitung wurden die B\u00fcrger zum Eintritt in den Verein aufgerufen. Der Vorstand wurde wegen der \u00f6ffentlichen Aufgabe durch die Pastoren, B\u00fcrgermeister und Vertreter des Vereins besetzt. Erster Vorsitzender wurde Pastor Andr\u00e9e, stellv. Vorsitzender B\u00fcrgermeister (und Apotheker) Otto Rode. Die finanziellen Mittel wurden durch Spenden, kirchliche und kommunale Zusch\u00fcsse eingesammelt, so dass als \u201eStation\u201c, dem Wohnhaus f\u00fcr die Diakonissen und die Warteschule (Kindergarten), ein Haus in der Austra\u00dfe bezogen werden konnte. Der Wasserm\u00fcller Johs. Bornholdt stiftete allerdings schon bald ein Grundst\u00fcck, so dass der Bau des heutigen Geb\u00e4udes in der Bahnhofstra\u00dfe 20 beginnen konnte. Da es diese Stra\u00dfe allerdings noch gar nicht gab, f\u00fchrte zun\u00e4chst nur ein Fu\u00dfweg zu dem bereits 1890 fertig gestellten Haus dorthin.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 20. M\u00e4rz 1890 wurde <strong>Bismarck von Wilhelm II. als Reichskanzler entlassen<\/strong>, woraufhin sich dieser ver\u00e4rgert nach Friedrichsruh im Sachsenwald bei Hamburg zur\u00fcckzog. Sein Nachfolger Caprivi, vorher Chef der deutschen Admiralit\u00e4t, steuerte mit dem Kaiser einen &#8222;Neuen Kurs&#8220;. Gleich eine Woche nach Bismarcks Sturz wurde der geheime R\u00fcckversicherungsvertrag mit Russland gek\u00fcndigt und eine Ann\u00e4herung an England begonnen. Russland nahm daraufhin engere Beziehungen zum bisher isolierten Frankreich auf und schloss mit ihm 1894 den geheimen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz%C3%B6sisch-Russische_Allianz\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zweiverband<\/a>, ein Defensivb\u00fcndnis gegen den Dreibund. Damit war die Grundlage f\u00fcr die M\u00e4chtekonstellation gelegt, die schlie\u00dflich in den Ersten Weltkrieg f\u00fchrte. Deutschland wiederum suchte die N\u00e4he zum Vereinigten K\u00f6nigreich, das seit 1815 in seiner &#8222;splendid isolation&#8220; sich aus den kontinentalen Konflikten weitgehend herausgehalten und durch sein weltweites Handelsimperium &#8211; gekoppelt mit der von England ausgehenden Industrialisierung &#8211; \u00f6konomisch weltweit f\u00fchrend geworden war. Beide M\u00e4chte traten jetzt in Verhandlungen ein \u00fcber die Abgrenzung kolonialer Interessen und die Insel Helgoland in der Deutschen Bucht. Wilhelm II. verfolgte mit der Eingliederung der Insel einen Jugendtraum. In Ostafrika war es andererseits zu einem gef\u00e4hrlichen Interessenkonflikt gekommen. Das Deutsche Reich hatte die von Carl Peters &#8222;erworbenen Gebiete&#8220; zwischen Tanganjika-\/Viktoriasee und dem K\u00fcstenstreifen, der zum Sultanat Sansibar geh\u00f6rte, zum Schutzgebiet erkl\u00e4rt, der Sultan von Sansibar hatte seinen K\u00fcstenstreifen auf 50 Jahre an die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft verpachtet und es hingenommen, dass ein deutsches Expeditionsheer einen Sklavenh\u00e4ndleraufstand niederschlug. Die Engl\u00e4nder waren allerdings alarmiert durch das weitere Vordringen von Carl Peters nach Uganda zum oberen Nil, denn dieses Gebiet war jetzt vom Afrikaforscher Stanley f\u00fcr England reklamiert worden. Im <strong>Helgoland-Sansibar-Vertrag<\/strong> verzichtete das Deutsche Reich auf das Protektorat \u00fcber Sansibar, das Witu- und Somaliland sowie auf alle Anspr\u00fcche an Uganda. Daf\u00fcr verzichtete Gro\u00dfbritannien auf Helgoland und akzeptierte die Kolonie Deutsch-Ostafrika. Den Engl\u00e4ndern wurde wiederum durch dieses Gebiet eine Eisenbahn-Verbindungslinie Kapstadt-Kairo zugestanden. Verwaltungstechnisch kam die neuerworbene Insel jetzt in eine Nachbarschaft zu Barmstedt, denn <strong>Helgoland wurde dem Kreis Pinneberg zugeordnet<\/strong>.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Maedchenschule1890.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1467\" width=\"388\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Maedchenschule1890.jpg 480w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Maedchenschule1890-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 388px) 100vw, 388px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">1890 wurde die sp\u00e4tere &#8222;M\u00e4dchenschule&#8220; &#8222;Auf dem Acker&#8220; gebaut<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Wachsende Sch\u00fclerzahlen machen Schulneubau notwendig:<\/strong> Die zunehmende Bev\u00f6lkerung und die gr\u00f6\u00dfer werdenden Familien hatten nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die Schulen zur Folge, dass die bisherigen Klassen immer gr\u00f6\u00dfer wurden und immer wieder geteilt werden mussten. 1867 hatten die Elementarklassen 140 Knaben und 130 M\u00e4dchen, 1871 bereits 249 Knaben und 226 M\u00e4dchen. 1890 wurde aus diesem Grund ein neues 6-klassiges Schulhaus, nicht weit vom bisherigen, n\u00e4mlich auch &#8222;Auf dem Acker&#8220; gebaut. Dieses Geb\u00e4ude wurde sp\u00e4ter die M\u00e4dchenschule, \u00fcbernahm zun\u00e4chst aber die Aufgabe der Elementarschule, deren R\u00e4ume jetzt anders benutzt werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus der Schule wird ein B\u00fcrgermeisteramt:<\/strong> Bis 1892 hatte der jeweilige B\u00fcrgermeister alle Amtsgesch\u00e4fte von zu Hause aus erledigen m\u00fcssen. Nun war aber durch den Schulneubau Raum entstanden, der von der Kommune genutzt werden konnte. Deshalb erhielt die Fleckensverwaltung im ehemaligen Schulhaus an der Reichenstra\u00dfe ein B\u00fcro, das bis 1931 das B\u00fcrgermeisteramt blieb. Das Haus stand noch bis in die 1970er Jahre und musste dann dem heutigen Parkplatz an der Einm\u00fcndung der Feldstra\u00dfe weichen.<\/p>\n\n\n\n<p>1892 wurde auch der <strong>neue Friedhof am Me\u00dfhorn<\/strong> eingeweiht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"944\" height=\"608\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Buergermeisteramt_Reichenstrasse-B100.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1344\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Buergermeisteramt_Reichenstrasse-B100.jpg 944w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Buergermeisteramt_Reichenstrasse-B100-300x193.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Buergermeisteramt_Reichenstrasse-B100-768x495.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 944px) 100vw, 944px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Elementar-Schulhaus in der Reichenstra\u00dfe<\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86010\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Barmstedt, Gro\u00dfendorf und Rantzau vereinigen sich zur Stadt<\/h2><div id=\"ac-86010\" class=\"c-accordion__content\">\n<p><strong>Neben- und Durcheinander von drei Gemeinden wird 1894 beendet:<\/strong> Das seit 1754 bestehende Nebeneinander der beiden selbst\u00e4ndigen Kommunen Barmstedt und Gro\u00dfendorf war durch die demografischen, wirtschaftlichen und politischen Ver\u00e4nderungen inzwischen zu einem Hindernis der weiteren Entwicklung geworden. Barmstedt als Handwerkerflecken war vom Gro\u00dfendorf als Bauerndorf einerseits fast eingekreist, andererseits aber durch die Ausgliederung der f\u00fcnf Bauernh\u00f6fe auf Barmstedter Gebiet an Gro\u00dfendorf fast schachbrettartig unterteilt. Stra\u00dfen-, Wege- und Wohnungsbau, Schulunterhaltung und die Steuererhebung waren dadurch sehr kompliziert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"872\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1889-BarmstedtFlurkarte1-1024x872.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1434\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1889-BarmstedtFlurkarte1-1024x872.png 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1889-BarmstedtFlurkarte1-300x255.png 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1889-BarmstedtFlurkarte1-768x654.png 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1889-BarmstedtFlurkarte1-1536x1307.png 1536w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1889-BarmstedtFlurkarte1-2048x1743.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Barmstedt, Gro\u00dfendorf und Rantzau auf der offiziellen Flurkarte von 1887<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Das eigentliche Barmstedt, d. h. die geschlossene Bauweise &#8211; soweit man diesen Ausdruck f\u00fcr jene Zeit anwenden kann &#8211; erstreckte sich von der Austra\u00dfe \u00fcber die Reichen- und Chemnitzstra\u00dfe zum Markt und dar\u00fcber hinaus in die K\u00f6nigstra\u00dfe bis etwa zur alten Post [etwas hinter der heutigen Kreissparkasse], sowie den ganzen Kuhberg hinauf. Alle \u00fcbrigen Stra\u00dfen wie Hamburger Stra\u00dfe, Marktstra\u00dfe, M\u00fchlenstra\u00dfe, Neuestra\u00dfe, Gro\u00dfe G\u00e4rtnerstra\u00dfe und Brunnenstra\u00dfe waren im Anfang des Ausbaus begriffen und hatten au\u00dfer wenig vereinzelt stehenden \u00e4lteren Bauten nur im Anschluss an die oben genannten Hauptstra\u00dfen ein paar H\u00e4user in geschlossener Reihe. N\u00f6rdlich der Feldstra\u00dfe, oder sagen wir besser: n\u00f6rdlich der heutigen Bahnlinie konnte damals von einer Bebauung nicht die Rede sein, wie auch die ganze Bahnhofstra\u00dfe zu jener Zeit noch Acker- und Weideland war. Nur die Hauptstra\u00dfen trugen eine feste Decke; es war die alte Katzenkopf-Pflasterung. Ein einheitlich gepflasterter, durch Bordsteine abgegrenzter B\u00fcrgersteig war noch nicht vorhanden. Seit dem Jahre 1874 gab es w\u00e4hrend der dunklen Jahreszeit die Petroleum-Stra\u00dfenbeleuchtung.&#8220; (D\u00f6ssel, BZ-Artikel vom 5.4.1954)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Gemeindevertretungen Barmstedts und Gro\u00dfendorfs einigten sich 1894 darauf, zu einer Kommune zusammenzuwachsen. Am 2. Juli reichte der Flecken Barmstedt beim Landrat ein Gesuch ein, fortan den Titel &#8222;Stadt&#8220; tragen zu d\u00fcrfen, da durch die Eingemeindung Gro\u00dfendorfs und Rantzaus die Einwohnerzahl auf 3700 wachsen w\u00fcrde. Damit liege sie doch erheblich \u00fcber der Gr\u00f6\u00dfe anderer St\u00e4dte der Provinz. Allerdings wollte das Fleckensverordneten-Collegium nicht die Verwaltungs\u00e4nderungen durchf\u00fchren, die nach der St\u00e4dteordnung notwendig w\u00e4ren. Besonders wurde dar\u00fcber verhandelt, ob die Aufwandsentsch\u00e4digung f\u00fcr den B\u00fcrgermeister pensionsf\u00e4hig sein sollte oder nicht. B\u00fcrgermeister Rode vertrat gegen\u00fcber dem Regierungspr\u00e4sidium die ihn selbst benachteiligende Position seines Collegiums. <strong>Der Beschluss \u00fcber das neue Ortsstatut und damit \u00fcber den Titel &#8222;Stadt&#8220; kam schlie\u00dflich am 27. M\u00e4rz 1896 zustande<\/strong>. Allerdings legte sich der Flecken Barmstedt bereits nach der Eingemeindung von Gro\u00dfendorf eigenm\u00e4chtig den Titel Stadt schon am 1. April 1895 zu.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Kollschen-Steenbuck-Schusterstadt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1465\" width=\"257\" height=\"361\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Kollschen-Steenbuck-Schusterstadt.jpg 730w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Kollschen-Steenbuck-Schusterstadt-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Claudia Kollschen und Peter Steenbuck haben zu Weihnachten 2014 diese sehr gut recherchierte und illustrierte Geschichte von Barmstedt als Schuhmacherstadt herausgegeben.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Barmstedt Schuster- und Handwerkerstadt:<\/strong> Die meisten Bewohner der neuen Stadt waren Handwerker (nach D\u00f6ssel 74 % der m\u00e4nnlichen erwachsenen Bev\u00f6lkerung), und unter ihnen waren die Schuhmacher weitaus die zahlreichsten. &#8222;Es war keine Seltenheit, dass in einem Hause drei oder vier selbst\u00e4ndige Schuhmacher wohnten. Im Jahre 1864 hatte man deren 161 gez\u00e4hlt, dazu 231 Gesellen und Lehrlinge.&#8220; (D\u00f6ssel, BZ 1954) Insgesamt gab es demnach ca. 400 Schuhmacher, denen allerdings bald Konkurrenz durch Fabriken auch in Barmstedt erwuchs. Noch war allerdings das z\u00fcnftige Handwerkswesen vorherrschend und damit auch die Tatsache, dass die Meister und Gesellen auf ihrer Wanderschaft herumkamen und fortschrittliche Ideen mitbrachten. Gleichzeitig waren auch viele Gesellen f\u00fcr kurze Zeit auf ihrer Wanderschaft im Ort, wohnten w\u00e4hrend dieser Zeit entweder beim Meister, zur Miete oder in einer Handwerksherberge. Die Arbeitszeit betrug damals t\u00e4glich 12 bis 14 Stunden, abh\u00e4ngig weitgehend vom Tageslicht, da f\u00fcr viele Arbeiten der tr\u00fcbe Schein von Kerzen oder Petroleumlampen nicht ausreichte. Nachts lief der Nachtw\u00e4chter mit der Knarre durch die Stra\u00dfen und nur ein &#8222;Gassenvogt&#8220; als Polizist sorgte f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung. Allerdings gab es keinen &#8222;B\u00fcttel&#8220; oder &#8222;Ausrufer&#8220; mehr, der \u00f6ffentliche Bekanntmachungen mit einer Glocke ank\u00fcndigte und und dann \u00fcberall laut verk\u00fcndete, denn die &#8222;Barmstedter Zeitung&#8220; von Anton F\u00fc\u00dflein hatte 1879 diese Rolle \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barmstedt erh\u00e4lt Bahnanschluss:<\/strong> Barmstedt hatte im Jahre 1843 im Wettbewerb mit Elmshorn den Kampf um die Streckenf\u00fchrung der Bahnlinie Altona &#8211; Kiel verloren. Der damalige Eisenbahnstreit hatte noch lange das Verh\u00e4ltnis der beiden Nachbargemeinden belastet. Allerdings waren jetzt, also 50 Jahre sp\u00e4ter, neue wirtschaftliche Bedingungen entstanden, die eine Gleisanbindung der neu entstandenen Stadt Barmstedt an das Schienennetz sinnvoll erscheinen lie\u00dfen. Schon in den 50er Jahren waren \u00dcberlegungen f\u00fcr einen Gleisanschluss gemacht worden, aber wegen der wirtschaftlichen Entwicklung der 80er Jahre wurden neue Planungen eingeleitet. Die Alternativen einer Verbindung von Kaltenkirchen \u00fcber Barmstedt nach Altona oder einer Kleinbahn von Elmshorn nach Barmstedt wurden lange Zeit hin und her gew\u00e4ltzt, dann entschied man sich f\u00fcr die letztere. Vorst\u00e4nde und Komitees wurden gegr\u00fcndet und das Projekt wurde allm\u00e4hlich realistisch. 1894 wurde dann die Elmshorn-Barmstedter-Eisenbahn-Aktiengesellschaft gegr\u00fcndet und im Jahre 1895 gab es den ersten offiziellen Spatenstich f\u00fcr den Bau der Strecke. Die fertiggestellte Strecke war zehn Kilometer lang und umfasste auch noch die Zwischenhalte Brunnenstra\u00dfe, Vossloch, Bokholt, Sparrieshoop und Sibirien (Langenmoor). <strong>In einer gro\u00dfen Er\u00f6ffnungszeremonie lief am 15. Juli 1896 der erste Zug um Punkt 12 in den Barmstedter Bahnhof ein.<\/strong> Zum Fuhrpark der Betreibergesellschaft geh\u00f6rten zwei zwei-achsige Dampflokomotiven, f\u00fcnf Personenwagen und 14 G\u00fcterwagen, wovon zw\u00f6lf staatlich und zwei privat waren. Anfangs durften die Z\u00fcge mit einer maximalen Geschwindigkeit von 25 km\/h fahrens, jedoch wurde diese bald auf 50km\/h erh\u00f6ht. In der Zeit der Kleinbahn von 1896 bis 1907 stieg der Umsatz der Eisenbahngesellschaft, sodass die Einnahmen und Ausgaben gegen Ende sich verdoppelt hatten. Die ausf\u00fchrliche Geschichte der Elmshorn-Barmstedter Eisenbahn sowie ihrer sp\u00e4teren Erweiterung, erarbeitet im Geschichtsprofil des Barmstedter Gymnasiums, ist hier zu finden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"691\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bahn_1._Zug_15.7._1896-1024x691.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1442\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bahn_1._Zug_15.7._1896-1024x691.jpg 1024w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bahn_1._Zug_15.7._1896-300x202.jpg 300w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bahn_1._Zug_15.7._1896-768x518.jpg 768w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bahn_1._Zug_15.7._1896-1536x1036.jpg 1536w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bahn_1._Zug_15.7._1896-2048x1381.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der erste Zug f\u00e4hrt am 15. Juli 1896 in den neuen Barmstedter Bahnhof ein<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1899 nimmt die <strong>Gasanstalt <\/strong>der Stadt Barmstedt die Versorgung der Stadt mit Leuchtgas auf.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/RantzauerSchlossBraeuSchild.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1469\" width=\"321\" height=\"187\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/RantzauerSchlossBraeuSchild.jpg 648w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/RantzauerSchlossBraeuSchild-300x175.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 321px) 100vw, 321px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1892 war die &#8222;Rantzauer Brauerei&#8220; von Peters in Konkurs gegangen. Der Barmstedter Maurermeister Handorff erwarb die Geb\u00e4ude und gr\u00fcndete jetzt die &#8222;Rantzauer Schlo\u00dfbrauerei Barmstedt, Handorff &amp; Co.&#8220;, verkaufte aber schon 1902 an den s\u00fcddeutschen Bierbrauer Wilhelm Feldhoff. Dieser umtriebige Unternehmer machte aus dem Betrieb die erfolgreiche <strong>Rantzauer Schlo\u00dfbrauerei<\/strong>, erweiterte die Anlagen und baute sein heute noch stehendes Wohn- und Verwaltungsgeb\u00e4ude neben die &#8222;1000-j\u00e4hrige Eiche&#8220;. Der Komplex bestand von jetzt an aus Sudhaus, Lagerhalle mit Eiskeller, Wohnhaus und Pferdestall. Das Eis wurde aus dem M\u00fchlengraben und von den Auwiesen geholt. Im Ersten Weltkrieg ging der Umsatz, auch wegen fehlender Rohstoffe, stark zur\u00fcck, so dass 1917 der Betrieb von der <strong>Bavaria und St. Pauli-Brauerei<\/strong> in Hamburg \u00fcbernommen wurde, die bereits die Elmshorner &#8222;Exportbrauerei&#8220; geschluckt hatte. Bis 1923 wurde am Barmstedter Standort noch Bier hergestellt, danach nur noch Hamburger Bier abgef\u00fcllt und vertrieben. Erst 1983 wurde der Betrieb ganz eingestellt und die Geb\u00e4ude privat verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Freiwillige Feuerwehr schafft eine von Pferden gezogene Drehleiter an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1907 wird der Eisenbahnbetrieb der EBOE nach Bad Oldesloe erweitert.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Neue-Knabenschule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1441\" width=\"443\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Neue-Knabenschule.jpg 547w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Neue-Knabenschule-300x189.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 443px) 100vw, 443px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die neue Knabenschule (Ansichtskarte)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1905 Bau der Knabenschule in der Schulstra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>1912 Gr\u00fcndung des F. C. Rantzau, Neugr\u00fcndung 1945 als Spiel- und Sportverein = SSV Rantzau<\/p>\n\n\n\n<p>1912 Museum entsteht in Barmstedt (in der ehemaligen Pr\u00e4parandenanstalt am Markt)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Krankenhaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1439\" width=\"444\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Krankenhaus.jpg 551w, https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/AK-Barmstedt-Krankenhaus-300x188.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Damals: das neue Krankenhaus auf einer Ansichtskarte, heute: Victor-Andersen-Haus, die Jugendbildungsst\u00e4tte des Kreisjugendrings Pinneberg<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1914-16 Bau des Krankenhauses: Bereits 1911 hatte die Gemeindevertretung &#8211; nach fast 20-j\u00e4hriger Diskussion &#8211; grunds\u00e4tzlich die Errichtung eines \u00f6rtlichen Krankenhauses beschlossen. Bisher waren Sieche und Kranke zu Hause oder im Armenhaus in der Brunnenstra\u00dfe behandelt, versorgt und sogar operiert worden. Der Gesamtarmenverband Barmstedt der Grafschaft Rantzau war entstanden, um dieses System zu unterst\u00fctzen. Durch ein Legat der Geschwister Kruse aus der Chemnitzstra\u00dfe war der Krankenhausbau in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von damals 100.000 Goldmark m\u00f6glich geworden. Errichtet wurde es von 1914 bis 1916 von dem Barmstedter Bauunternehmen Kr\u00f6ger und Schl\u00fcter. Es war bei seiner Fertigstellung bereits modern mit einer Gasbeleuchtung und Zentralheizung ausgestattet. Als es am 9. August 1916 eingeweiht wurde, hatte der Weltkrieg bereits Millionen von Kriegsopfern gefordert und auch in Barmstedt war deshalb der Neubau gleich als Lazarett vorgesehen worden. 40 bis 50 Betten standen f\u00fcr die Patienten zur Verf\u00fcgung, die von den Praktischen \u00c4rzten in Barmstedt und Umgebung behandelt und von Flensburger Diakonissen gepflegt wurden. (Do\u00df)<\/p>\n\n\n\n<p>1914 Erster Weltkrieg beginnt mit gegenseitigen Kriegserkl\u00e4rungen zwischen \u00d6sterreich-Ungarn und Serbien, Deutschland und Russland, Frankreich, Gro\u00dfbritannien<\/p>\n\n\n\n<p>1915 beginnt die Stromversorgung in Barmstedt durch die Stadtwerke. Die Kirche erh\u00e4lt 1916 zum ersten Mal eine elektrische Beleuchtung. Die Freiwillige Feuerwehr erh\u00e4lt die erste von Pferden gezogene Motorspritze.<\/p>\n\n\n\n<p>538 Barmstedter werden insgesamt zum Milit\u00e4r eingezogen. (Schr\u00f6der, S.39)<\/p>\n\n\n\n<p>1916 wird Barmstedt ans Telefonnetz angeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>1918 Die Bilanz des Krieges sind 10 Mill. Tote, 25 Mill. Kriegsgesch\u00e4digte. Die Friedenskonferenzen f\u00fchren zur Neuordnung Europas und des Nahen Ostens mit Verkleinerung des Deutschen Reichs und hohen Reparationszahlungen, Aufl\u00f6sung \u00d6sterreich-Ungarns und des Osmanischen Reichs.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Landesteil Schleswig wird 1920 eine Volksabstimmung \u00fcber die Zugeh\u00f6rigkeit zu D\u00e4nemark oder Deutschland durchgef\u00fchrt. Seitdem ist die heutige Staatsgrenze v\u00f6lkerrechtlich verbindlich festgelegt.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pb-accordion-item c-accordion__item js-accordion-item no-js\" data-initially-open=\"false\" data-click-to-close=\"true\" data-auto-close=\"true\" data-scroll=\"false\" data-scroll-offset=\"0\"><h2 id=\"at-86011\" class=\"c-accordion__title js-accordion-controller\" role=\"button\">Literatur<\/h2><div id=\"ac-86011\" class=\"c-accordion__content\">\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Barmstedt 100 Jahre. Hrsg.: Stadt Barmstedt. Mit Beitr\u00e4gen von Solveig Sch\u00f6nfelder, Heinz Starken, Rudolf Schr\u00f6der, Harry D. Schurdel, Barmstedt 1995<\/li>\n\n\n\n<li>Robert Bohn: Geschichte Schleswig-Holsteins, M\u00fcnchen 2006<\/li>\n\n\n\n<li>Brockmann, J.J.: Tagebuchbl\u00e4tter, ver\u00f6ffentlicht in der Barmstedter Zeitung<\/li>\n\n\n\n<li>Danker, Uwe: <a href=\"http:\/\/www.beirat-fuer-geschichte.de\/fileadmin\/pdf\/band_03\/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay03.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Geburt der Doppelstrategie in der &#8222;Roten Hochburg&#8220;. Arbeiterbewegung in Schleswig-Holstein 1863-1918<\/a>, in: Demokratische Geschichte Bd. 3 (1988)<\/li>\n\n\n\n<li>Christian Degn: Schleswig-Holstein &#8211; eine Landesgeschichte, Neum\u00fcnster 1994<\/li>\n\n\n\n<li>Hans D\u00f6ssel: Barmstedt &#8211; Geschichtliche Schau, Hrsg. Stadt Barmstedt, Husum 1988<\/li>\n\n\n\n<li>Brigitte Do\u00df: Einst wurden die Kranken in Barmstedt zu Hause operiert, BZ 19.07.1980<\/li>\n\n\n\n<li>Wilhelm Ehlers: Geschichte und Volkskunde des Kreises Pinneberg, Elmshorn 1922, Nachdruck 1977<\/li>\n\n\n\n<li>Karl-Rudolf Fischer: &#8222;gegen die gemeingef\u00e4hrlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie&#8220; &#8211; \u00dcber die Abgeordneten-Verhaftungen in Kiel und Neum\u00fcnster 1883, in: Zeitschrift der Gesellschaft f\u00fcr Schleswig-Holsteinische Geschichte, Bd. 116, Neum\u00fcnster 1991, S. 167172<\/li>\n\n\n\n<li>Jan-Holger Frank: Eisenbahn und Bahnhof in Elmshorn 1840-1960, in: Beitr\u00e4ge zur Elmshorner Geschichte I, Elmshorn 1987<\/li>\n\n\n\n<li>Gerhard Glismann: Das Reihergeh\u00f6lz. Selbstverlag Barmstedt 2007<\/li>\n\n\n\n<li>Hans Schultz Hansen: Demokratie oder Nationalismus &#8211; Politische Geschichte Schleswig-Holsteins 1830-1918, in: Ulrich Lange(Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>Rolf Klose: 100 Jahre SPD in Barmstedt. Kurzer geschichtlicher R\u00fcckblick &#8211; 1911 schon 188 Mitglieder, Barmstedter Zeitung 9. M\u00e4rz 1974<\/li>\n\n\n\n<li>Ulrich Lange(Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins. Von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart. Neum\u00fcnster 2003<\/li>\n\n\n\n<li>Bernhard Theilig: Die sieben Epochen in der Geschichte unserer engeren Heimat. Ein \u00dcberblick, in: Jahrbuch f\u00fcr den Kreis Pinneberg 1999<\/li>\n\n\n\n<li>Bernhard Theilig: Die Heiligen-Geist-Kirche in Barmstedt und ihre Geschichte. in: Jahrbuch f\u00fcr den Kreis Pinneberg 1980<\/li>\n\n\n\n<li>Helmut Trede: Schlossinsel Rantzau. Ein geschichtlicher R\u00fcckblick. Im Selbstverlag 2011 (Zu erhalten u. a. in der Buchhandlung Lenz)<\/li>\n\n\n\n<li>Helmut Trede: Die H\u00f6rner D\u00f6rfer &#8211; Aus der Geschichte von Bokel, Bokelse\u00df, Brande-H\u00f6rnerkirchen, Osterhorn und Westerhorn (Selbstverlag 1989)<\/li>\n\n\n\n<li>David van Reybrouck: Kongo. eine Geschichte, Berlin 2012<\/li>\n\n\n\n<li>Bernahrd Theilig: Diakonieverein Barmstedt, in: D\u00f6ssel, Barmstedt &#8211; Geschichtliche Schau, S. 302ff<\/li>\n\n\n\n<li>Kurt P. Wittrahm: Die Geschichte des Barmstedter Kinderfestes in drei T\u00f6rns, in: 1887 &#8211; 1987 100 Jahre Barmstedter Kinderfest (Brosch\u00fcre)<\/li>\n\n\n\n<li>Dr. Helmut Wulf: Barmstedt um die Jahrhundertwende, in: D\u00f6ssel 1988<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"http:\/\/www.beirat-fuer-geschichte.de\/fileadmin\/pdf\/band_08\/Demokratische_Geschichte_Band_08_Essay02.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Harm-Peer Zimmermann: &#8222;\u2026schmei\u00df&#8216; die Preu\u00dfen aus dem Land!&#8220; Die demokratische und augustenburgische Opposition in Schleswig-Holstein 1863-1881. (Beirat f\u00fcr Geschichte)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Verfasser: Michael Theilig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verfasser: Michael Theilig<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":853,"menu_order":9,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-860","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/860","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=860"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/860\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1508,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/860\/revisions\/1508"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/853"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/barmstedt-geschichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=860"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}